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Wildtiere im Garten Was Sie tun sollten, wenn Sie im Winter einen Igel finden – und was nicht

Dass Igel im Winter wach werden, ist normal. Nur unter bestimmten Bedingungen brauchen sie unsere Hilfe
Dass Igel im Winter wach werden, ist normal. Nur unter bestimmten Bedingungen brauchen sie unsere Hilfe
© mauritius images / age fotostock / Berndt Fischer
Bei den milden Wintertemperaturen kann es vorkommen, dass Igel aus dem Winterschlaf erwachen, um nach Nahrung suchen. Wir geben Tipps, was Sie tun können – oder besser lassen sollten

Vor Weihnachten strenger Frost, dann über die Feiertage frühlingshafte Werte: Die Temperatur-Achterbahn schleudert auch manche Wildtiere aus der Kurve. Igel zum Beispiel.

Die possierlichen Säuger halten normalerweise von November bis März Winterschlaf. Und sparen so Energie in Zeiten der Nahrungsknappheit. Klettern die Temperaturen allerdings in den zweistelligen Bereich, erwachen sie und beginnen instinktiv mit der Futtersuche. Und nun?

Zunächst sollten Sie den Igel beobachten: Sieht er rundlich und gut genährt aus? Bewegt er sich normal und rollt sich bei Berührung ein? Dann ist der Igel wahrscheinlich gesund. Weist er jedoch Verletzungen auf, röchelt oder benimmt sich sonst auffällig, braucht er fachkundige Hilfe.

Erste Hilfe vor Ort können Sie selbst leisten, indem Sie dem Igel an einem ruhigen, schattigen Ort ein mit Stroh gefülltes Winterschlafhaus anbieten – besonders wichtig in dem Fall, dass das Versteck des Igels zerstört wurde. Bringt das Tier weniger als 600 Gramm auf die Waage, können Sie ihm zusätzlich noch – vor Regen und Katzen geschützt – etwas Katzenfutter und ein Schälchen mit Wasser hinstellen. Auf keinen Fall Milch – davon bekommen Igel Durchfall.

"Fällt die Durchschnittstemperatur unter vier Grad und der Igel erscheint weiterhin am Futternapf, stoppen Sie bitte die Zufütterung, damit der Igel wieder in den Winterschlaf fällt", rät das Igelzentrum Zürich.

Winterschlaf ist kein Schlaf im eigentlichen Sinn

Der Ausdruck "Winterschlaf" ist im Grunde genommen irreführend. Denn mit einem normalen, nächtlichen Schlafzustand hat der Winterschlaf nichts zu tun: Während der Wintermonate werden die Lebensfunktionen der Tiere auf ein absolutes Minimum heruntergefahren. Die Körpertemperatur fällt von 36 auf etwa fünf Grad Celsius, die Herzfrequenz sinkt von etwa 180 bis 250 Schlägen pro Minute auf nur acht bis 20, und statt mit bis zu 50 kommt ein Igel im Winterschlaf mit drei bis vier Atemzügen aus.

Dass Igel während des Winters aufwachen, ist normal. Doch meist bleiben sie im Nest und "schlafen" bald weiter. Neben der Temperatur können auch andere Gründe zu einer unzeitgemäßen Aktivität führen: So zwingt der Hunger Igel, deren Gewicht bei Winterbeginn nicht ausreichte, frühzeitig nach Nahrung zu suchen. Dagegen treten Igel, die sich regelmäßig an den Futternäpfen von Katzen bedienen können, den Winterschlaf teilweise gar nicht erst an: Sie müssen mit der Energie ja nicht haushalten. Und manche Igel wechseln den Überwinterungsplatz auch freiwillig. Weil sie gestört wurden. Oder mal "mussten".

Werden Igel mehrmals im Winter aus dem Winterschlaf geweckt, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Denn beim Erwachen erwärmt sich der Körper der Tiere schnell auf den Normalwert. Und das kostet Fettreserven.

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