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Studie Klimakrise erhöht die Scheidungsrate unter Albatrossen

Schwarzbrauen-Albatrosse sind sich in der Regel ein Leben lang treu
Schwarzbrauen-Albatrosse sind sich in der Regel ein Leben lang treu
© Sandra Geiger/Adobe Stock
Steigende Wassertemperaturen machen es für Albatrosse schwieriger, Fische zu fangen. Das führt offenbar zu Stress unter den langjährigen Partnern, wie Forschende jetzt herausfanden

Ehen unter Albatrossen halten lang. In der Regel ein ganzes Leben lang. Selbst Diamantene Hochzeiten sind unter den riesigen Seglern des Südlichen Ozeans möglich.

Auch längere Trennungen sind für die Partner kein Problem; Jahr für Jahr treffen sie sich am Brutplatz und feiern ihr Wiedersehen lautstark. Doch jetzt haben Forscher herausgefunden: Sind die Partner durch eine schwierige Futtersuche länger voneinander getrennt, bröckelt das Vertrauen. Der Stresspegel zwischen "ihm" und "ihr" steigt, und viele der sonst so treuen Seelen versuchen ihr Glück mit einem neuen Lebensabschnittsgefährten.

Für die im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" erschienene Studie hat sich das Forscherteam um Francesco Ventura von der Universität Lissabon eine Schwarzbrauen-Albatross-Kolonie auf den Falklandinseln ausgesucht. Über einen Zeitraum von 15 Jahren beobachtete das Team das Brutverhalten der insgesamt 15.500 Paare.

Warme Meere führen zu hohen Scheidungsraten

Zwar war schon bekannt, dass Albatrosse sich nach einem neuen Partner umtun, wenn es im Nest nicht klappt. Normal sind den Forschenden zufolge "Scheidungsraten" zwischen einem und drei Prozent. Doch bei der Analyse der Umweltdaten zeigte sich ein auffälliges Muster: In Jahren mit einer ungewöhnlich hohen Wassertemperatur lag die Rate der gescheiterten Beziehungen deutlich höher, nämlich bei bis zu acht Prozent.

Die Erklärung der Wissenschaftler*innen: Hohe Temperaturen an der Wasseroberfläche führen zu Nährstoffarmut – und damit zu einem geringeren Vorkommen von Fischen, von denen sich die Flieger ernähren. Die Tiere, die ohnehin fast ihr ganzes Leben auf hoher See verbringen, sind so gezwungen, mehr Zeit mit der Futtersuche zu verbringen und länger unterwegs zu sein.

Doch der Futtermangel konnte nicht die alleinige Ursache für die hohen Scheidungsraten sein. Denn zu den ungewöhnlichen Trennungen kam es auch dann, wenn beide Eltern ein Küken großziehen konnten.

Stimmt die Performance der Männer einfach nicht mehr?

Francesco Ventura, Co-Autor der Studie, sieht es menschlich: Werden die Umweltbedingungen rauer, sagte er im Guardian, setzt das bei den Tieren Stresshormone frei. Und die Schuld dafür könnten die Vögel bei ihren Partnern suchen. Nach seiner "Partner-Beschuldigungs-Hypothese" schreiben weibliche Tiere ihren hohen Stresslevel den schwachen Leistungen ihres männlichen Gegenparts zu – und trennen sich schließlich von ihm. Umweltbedingte Scheidungen, so das Fazit der Autor*inen, könnte eine bislang übersehene Folge des globalen Wandels sein.

Die Zahl der Albatrosse im Südpolarmeer nimmt etwa seit der Jahrtausendwende rapide ab – Studien zufolge um fünf bis zehn Prozent jedes Jahr. Zu den bislang bekannten Ursachen gehören Nahrungsknappheit und tödliche Unfälle bei der Langleinen-Fischerei.

Zwar ist die Scheidungsrate unter den Albatrossen auf den Falklandinseln nicht "katastrophal", wie Francesco Ventura zugibt. Die dortige Population ist noch groß und stabil. In kleineren Gruppen jedoch könnte das beobachtete Verhalten durchaus einen negativen Einfluss auf den Bruterfolg haben. Wozu das führen kann, zeigen Beobachtungen von den Antipoden-Inseln, südöstlich von Neuseeland. Dort schließen neuerdings auch männliche Albatrosse den Bund fürs Leben. Der Grund: Es gibt einfach zu wenig Weibchen.


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