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Verhalten Hunde trauern, wenn vierbeinige Spielgefährten sterben

Wenn Hunde einen Spielkameraden verlieren, trauern die meisten von ihnen
Wenn Hunde einen Spielkameraden verlieren, trauern die meisten von ihnen
© Teodor Lazarev / Adobe Stock
Weniger Appetit, mehr Ängstlichkeit: Wenn Hunde einen vierbeinigen Kameraden verlieren, leiden sie. Das zeigt eine Umfrage unter Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern

Wenn Hunde vierbeinige Spielkameraden verlieren, trauern sie – oft monatelang. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage unter 426 italienischen Hundebesitzer*innen.

Die Befragten hatten mindestens zwei Hunde, von denen einer starb, und wurden nach ihren Beobachtungen gefragt. "Hinterbliebene" Hunde, so gaben Herrchen oder Frauchen an, zeigten in 86 Prozent aller Fälle deutliche Zeichen von Trauer: In bis zu sechs Monaten nach dem Tod ihrer Haushaltsgenossen und Spielgefährten hatten sie weniger Interesse am Spielen und schliefen mehr. Sie waren ängstlicher, fraßen weniger und suchten vermehrt die Aufmerksamkeit von Herrchen und Frauchen.

"Hunde sind hoch emotionale Tiere, die sehr enge Beziehungen zu den Mitgliedern einer Familie aufbauen", sagte die Studienautorin Federica Pirrone von der Universität Mailand dem Guardian. Das bedeute aber auch, dass sie sehr betrübt sein können, wenn jemand aus diesem Familienverband stirbt. Solche Hunde, sagte die Verhaltensbiologin, bräuchten nach dem Tod von Artgenossen besondere Aufmerksamkeit.

Je näher die Beziehung zum gestorbenen Gefährten, desto deutlicher die Anzeichen von Trauer

Das Forscherteam stellte fest, dass Hunde mehr trauerten, wenn sie zum verstorbenen Gefährten eine besonders enge Beziehung hatten, wenn es sich etwa um einen Elternteil oder Geschwister handelte – oder wenn sie mit ihm das Futter geteilt hatten.

Da die Umfrage naturgemäß auf Angaben von wissenschaftlichen Laien beruht, legten Pirrone und ihr Team besonderes Augenmerk auf die Plausibilität der Daten. So unterzogen sie alle Angaben einer statistischen Analyse, um Verzerrungen auszuschließen. Etwa dadurch, dass manche Menschen eine besondere Nähe zu ihrem Tier spüren, oder durch die Neigung, einem Tier, mit dem man eng verbunden ist, menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Wie nah ein Mensch seinem Hund steht, scheint demnach für das beobachtete Verhalten keine Rolle zu spielen.

Schwieriger ist dagegen eine andere Frage zu beantworten: Ist die Trauer der "Hinterbliebenen"-Hunde eine unmittelbare Reaktion auf den Tod von Gefährten – oder vielleicht "nur" eine Reaktion auf die Trauer des Zweibeiners? Denn Hunde, das betont auch Federica Pirrone, entwickeln ein großes Gespür für kommunikative Gesten und den Gesichtsausdruck ihrer Besitzer*innen. Nicht unwahrscheinlich also, dass sie "mittrauern". Hier sei weitere Forschung notwendig, so die Autorinnen und Autoren.

Verhalten, das Biologen als Trauer interpretieren, ist auch von anderen Tierarten bekannt. Darunter Delfine, Große Menschenaffen, Elefanten und Vögel. Forschende berichten unter anderem von Ritualen und vorsichtigem Berühren der Verstorbenen. Eine Orca-Mutter wurde 2018 dabei beobachtet, wie sie den Kontakt zu ihrem totgeborenen Baby 17 Tage lang aufrechthielt: Sie behielt es über eine Distanz von 1600 Kilometern bei sich – auf ihrer Schnauze.


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