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Rumänien Womöglich größter Braunbär Europas bei Jagd getötet

Der 17-jährige Braunbär Arthur war das vielleicht größte lebende Exemplar in Europa
Der 17-jährige Braunbär Arthur war das vielleicht größte lebende Exemplar in Europa
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Agent Green
Bei der Trophäenjagd zählt die Größe. Das wurde nun offenbar Arthur zum Verhängnis, dem vielleicht größten Braunbären Europas

Wie die rumänische Umweltorganisation Green Agent berichtet, wurde das imposante Tier Mitte März getötet – noch dazu in einem Naturschutzgebiet von europaweiter Bedeutung in den Karpaten. Pikanterweise sollen die Kugeln aus dem Lauf eines Royals stammen. Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein hatte allerdings nur die Genehmigung für den Abschuss eines kleineren, weiblichen Tieres – das die Behörden zur Problembärin erklärt hatten.

Bei Green Agent hat man eine Vermutung, warum der 17-jährige Braunbär sterben musste. Den Ausschlag könnte demnach das Punktesystem bei der Trophäenjagd gegeben haben. Der Riesen-Bär soll nach Angaben von Green Agent 593 von 600 möglichen Punkten erreicht haben. Eine Gefahr für Mensch und Tier habe der pelzige Gigant jedenfalls nie dargestellt.

"Es ist klar, dass der Prinz nicht gekommen ist, um das Problem der Einheimischen zu lösen, sondern um […] die größte Trophäe mit nach Hause zu nehmen, um ihn an die Wand zu hängen", schreibt Gabriel Paun der Präsident der NGO – und spricht von "Wilderei". Vom Prinzen gibt es zu den Vorwürfen bislang keine Stellungnahme.

Laxer Umgang der Behörden mit Ausnahmegenehmigungen

Nach Ansicht von Green Agent steht der Vorfall stellvertretend für einen problematischen Umgang der Behörden mit den streng geschützten Bären.

Denn die Jagd auf Bären ist in Rumänien seit 2016 verboten. Und eigentlich – so sieht es Green Agent – hätte das Umweltministerium nicht einmal die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss der kleineren "Problembärin" erteilen dürfen. Denn die Tötung sei immer das letzte Mittel. In Ojdula dagegen, wo die Bärin nach Angaben von Bauern Schäden angerichtet hatte, seien die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Vergrämung und zum Schutz von Mensch und Vieh nicht umgesetzt worden. Und das ist offenbar kein Einzelfall.

Rumänien habe mit seinen Ausnahmeregelungen seit seinem EU-Beitritt konsequent gegen die Rechtsvorschriften der Gemeinschaft verstoßen, so Green Agent. Paun sieht nun das Potenzial des Landes, sich als Land der Biodiversität zu profilieren und den Ökotourismus voranzubringen, aufs Spiel gesetzt.

Nur in seltenen Ausnahmefällen, etwa wenn Maßnahmen zur Vergrämung fehlschlagen oder eine Umsiedlung unmöglich ist, so Paun, sollten tierschonende Tötungsmethoden mit vorheriger Betäubung zum Einsatz kommen. Um die Trophäenjagd zu unterbinden, fordert der Ökologe die Einäscherung jedes getöteten Bären.

In einem Medienbericht sagte Tánczos Barna, der rumänische Umweltminister, es sei "extrem kompliziert", herauszufinden, ob es sich bei dem getöteten Exemplar um das handele, für das die Ausnahmegenehmigung erteilt worden sei. Man habe aber Ermittlungen aufgenommen.

Immer mehr Zwischenfälle mit Bären

In Rumänien leben nach Schätzungen 4000 bis 5000 Braunbären. Obwohl der Mensch nicht auf dem Speiseplan der Allesfresser steht, kommen sich die beiden Spezies immer öfter in die Quere. Es gibt zahlreiche Berichte und Videos in den sozialen Netzwerken von Bärenangriffen auf Menschen, genaue Zahlen kennt niemand. Ein Grund für den Konflikt ist nach Ansicht von Naturschützern, dass immer mehr Urwälder in Rumänien illegal abgeholzt werden.

Der Biologe Laszlo Gal vermutet, dass der Lärm der Motorsägen die Bären aus dem Wald treibt und die Tiere dazu zwingt, sich Nahrung in Siedlungen und Städten zu suchen. Er fordert die Einrichtung von Schutzzonen, damit Bären und Menschen friedlich koexistieren können.


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