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Pelztierzucht Dänemark beginnt mit Exhumierung von vier Millionen Nerz-Kadavern

Im November 2020 werden auf Anordnung der dänischen Regierung 17 Millionen Nerze getötet und teilweise in Massengräbern verscharrt
Im November 2020 werden auf Anordnung der dänischen Regierung 17 Millionen Nerze getötet und teilweise in Massengräbern verscharrt
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Morten Stricker
Millionen eilig verscharrte Pelztiere brechen aus ihren Gräbern: Was wie eine Szene aus einem Gruselfilm anmutet, ist in Dänemark real – und zwingt die Regierung zum Handeln

Für Tierschützer ist es eine der gruseligsten Nebenwirkungen der Corona-Pandemie: Auf Anordnung der dänischen Regierung wurden im November 2020 alle 17 Millionen Farm-Nerze des Landes innerhalb kürzester Zeit getötet. Zuvor war es auf mehr als 200 von insgesamt 289 Nerz-Farmen zu Sars-CoV-2-Infektionen gekommen; Experten befürchteten Mutationen, die als Brandbeschleuniger der Pandemie wirken könnten. 13 Millionen Tiere endeten in Verbrennungsanlagen, vier Millionen wurden eilig in Massengräbern im Westen des Landes verscharrt.

Laut Medienberichten rächt sich das nun: Denn die Gase, die sich in den verwesenden Tierkörpern bilden, pressen Gewebe und Knochen nach oben, durch die Dreckschicht aus Erdreich. Die Massengräber, die wegen ihrer Nähe zu Badeseen und Grundwasserreservoiren ohnehin in der Kritik standen, sind nun zu Orten des Grauens geworden. Die dänische Regierung hat darum angeordnet, auch die verscharrten Kadaver zu exhumieren und zu verbrennen.

13.000 Tonnen verwesendes Fleisch werden exhumiert

Wie die dänische Nachrichtenagentur Ritzau berichtete, sollen sie in mehreren Etappen verbrannt werden. Insgesamt handelt es sich um schätzungsweise 13.000 Tonnen Fleisch und Knochen.

Die eigentlichen Arbeiten sollen erst Ende des Monats beginnen und sich bis Mitte Juli hinziehen. Am Donnerstag begann lediglich eine Testphase, weil keine der 13 beteiligten Müllverbrennungsanlagen Erfahrungen mit der Mischung aus Nerz-Kadavern, Kalk, Erde und Salz habe, hieß es in dem Ritzau-Bericht.

Behörden bitten Anwohner, die Fenster geschlossen zu halten

Auch das Erdreich unter den Nerz-Gräbern müsse abgetragen und ersetzt werden, hieß es weiter. Erst dann sei mit einem Ende der Geruchsbelästigung für Anwohner zu rechnen. Ein Mitarbeiter der dänischen Umweltbehörde riet den Menschen in angrenzenden Ortschaften laut dem dänischen Rundfunksender DR von Gartenpartys bis zum Abschluss der Arbeiten ab. Auch nur die Fenster offen zu lassen oder Wäsche im Freien aufzuhängen, sei nicht empfehlenswert.

Nerze zu züchten, ist in Dänemark vorerst bis zum Ende dieses Jahres verboten. In Deutschland ist die Pelztierzucht seit dem Jahr 2018 Geschichte. Strengere Auflagen für die Haltung von Pelztieren hatten zuvor dafür gesorgt, dass sich das Geschäft nicht mehr lohnte. Tierschützer hatten jahrelang die Haltung in engen Drahtkäfigen ohne jede Abwechslung und Beschäftigungsmöglichkeit kritisiert.

mit dpa

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