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Verhalten Geteilte Schwärmerei

Verhalten: Die Größe eines Vogelschwarms hängt offenbar von der Informationsübertragung zwischen den Individuen ab
Die Größe eines Vogelschwarms hängt offenbar von der Informationsübertragung zwischen den Individuen ab
© Albert Beukhof / Shutterstock
Warum gibt es vor allem kleine und sehr große Vogelschwärme? Forscher haben dafür eine Erklärung gefunden

Regelmäßig im Herbst kann man am Himmel über Rom ein faszinierendes Naturschauspiel beobachten: Millionen Stare fliegen in sehr schnell wechselnden Formationen über die Ewige Stadt. Auch im nordfriesischen Wattenmeer lassen sich solche riesigen Schwärme von Seevögeln beobachten. Doch auffällig ist, dass man vor allem sehr große oder kleine Schwärme sieht.

Forscher der Sapienza-Universität in Rom haben dafür eine Erklärung gefunden. In einem Schwarm mittlerer Größe, so ihre These, funktioniert die Kommunikation der Vögel nicht.

Die ist freilich nötig: Um bei ihren rasenden Flugmanövern nicht zusammenzustoßen, beobachten die einzelnen Vögel in einem Schwarm ständig die Flugmanöver ihrer jeweils nächsten sechs bis sieben Nachbarn. Mit diesen koordinieren sie ihre eigenen Flugbewegungen und gleichen sie nach Störungen sofort wieder an. Ändert ein Vogel seine Flugrichtung, so reagieren zunächst die benachbarten Flieger, danach breitet sich die Änderung mit großer Geschwindigkeit über den ganzen Schwarm aus.

Wellenförmige Information

Die Ausbreitung einer solchen Information erfolgt wie eine Welle. Allerdings gibt es, wie das Team um Andrea Cavagna an vielen 3-D-Aufnahmen der römischen Starenschwärme beobachtet hat, zwei verschiedene Wellentypen: In großen Schwärmen von 10.000 und mehr Vögeln breitet sich eine Flugänderung wie eine Schallwelle aus. In kleinen Schwärmen von weniger als 1000 Vögeln jedoch ist die Welle anders geformt. Sie erinnert an die Bewegung der Elektronen in einem Magneten.

Als die Forscher in einem physikalischen Modell unterschiedlich große Vogelschwärme simulierten, kamen sie zu folgendem Ergebnis: In großen Schwärmen kann sich der "Schallwellentyp" ungestört ausbreiten, in kleinen Schwärmen hingegen nur der "magnetische" Typ der Informationswelle.

In Schwärmen mittlerer Größe entstehen zwar ebenfalls beide Typen. Aber in ihnen werden die Wellen rasch so stark gedämpft, dass sie sich nicht ausbreiten können; der Schwarm ist deshalb nicht stabil, er fliegt auseinander.

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