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Organisierte Kriminalität Hunde-Diebstahl floriert: Wie Halter ihre Tiere schützen können

Hunde-Diebstahl
Der Diebstahl des eigenen Hundes ist der Albtraum jedes Besitzers
© Daisy Daisy - Shutterstock
Tierschützer schlagen Alarm. Wegen des durch die Corona-Pandemie ausgelösten Haustierbooms hat neben dem illegalen Welpenhandel auch der Hunde-Diebstahl zugenommen. In Verdacht stehen organisierte Banden, die die vermehrte Nachfrage nach Hunden dazu nutzen, gestohlene Tiere gewinnbringend zu verkaufen

Die aktuellen Fallzahlen aus Großbritannien lassen aufhorchen: Die Organisation Doglost, die eine Datenbank für vermisste Hunde betreibt, verzeichnete im vergangenen Jahr 465 gestohlene Hunde in Großbritannien und Irland. Im Vergleich zu den Zahlen von 2019 entspricht das einem Anstieg um 250 Prozent. Am begehrtesten seien vor allem Rassehunde, besonders Cocker Spaniels, English Springer Spaniels und Jack Russell Terrier.

Obwohl es sich im Vergleich zu anderen Delikten um ein selteneres Verbrechen handelt, so werden heute mit gestohlenen Hunden dennoch längst Millionen gemacht, wie ein verdeckter Ermittler gegenüber dem britischen Nachrichtensender BBC berichtet. Entführt werden demnach nicht nur Welpen, die direkt zum Verkauf angeboten werden, sondern auch ausgewachsene Tiere für die Zucht - oft unter haarsträubenden Bedingungen.

Eine niedrige Aufklärungsquote sowie verhältnismäßig milde Strafen für Hunde-Diebstähle tun ihr Übriges. Die meisten Ertappten kommen, wenn es überhaupt zu einem Urteil kommt, mit einer einfachen Geldstrafe davon.

Besonders in Großstädten ist das Diebstahl-Risiko hoch

Für Hundebesitzer, deren Tiere urplötzlich verschwinden, ist das Leid umso größer. Hunde werden heutzutage als vollwertige Familienmitglieder angesehen, der Diebstahl des eigenen Tieres ist der Albtraum eines jeden Hundebesitzers.

Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN warnt vor Kriminellen, die sich auf den Diebstahl von Hunden spezialisiert haben. Die Hunde verschwinden vor Geschäften, an deren Eingängen ihre Halter sie angeleint haben oder werden sogar aus Gärten und Autos geklaut.

"Jede Tierhalterin und jeder Tierhalter muss sich im Klaren darüber sein, dass ein Hundediebstahl extrem schnell gehen kann. Nur einmal kurz ins Geschäft, den Hund draußen angebunden, und wenn man wiederkommt, ist er weg. Ein Mikrochip schützt zwar nicht vor Diebstahl, dennoch sollten verantwortungsvolle Tierhalterinnen und -halter ihren Hunden und auch Katzen einen Mikrochip implantieren lassen und ihr Tier registrieren. Im besten Fall kann dies helfen, das Tier wiederzufinden", sagt Sarah Ross, Heimtierexpertin bei VIER PFOTEN.

Schätzungen zufolge werden in Deutschland täglich Hunde gestohlen - besonders häufig in Großstädten, wo vieles wesentlich anonymer geschieht als auf dem Land. Die Dunkelziffer ist hoch: Nicht jeder Hunde-Diebstahl wird angezeigt. Zudem erfassen die Bundesländer keine statistischen Erhebungen zu Hundediebstählen.

Professionelle Hundediebe haben es vor allem auf Trend-Rassehunde abgesehen, da sich diese schnell und gewinnbringend verkaufen lassen. Besonders in Zeiten des Corona-Lockdowns ist die Nachfrage nach Haustieren groß - so groß, dass Tierheime und seriöse Züchter diese nicht mehr bedienen können.

Die Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes kostenloses Haustierregister betreibt, verzeichnet einen auffälligen Anstieg der Neuregistrierungen von Hunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wurden im Juni 2019 etwa 31.400 Hunde neu bei TASSO registriert, waren es im Juni 2020 bereits mehr als 39.000 Tiere, das ist ein Zuwachs von rund 25 Prozent.

Das ruft auch immer mehr illegale Welpenhänder auf den Plan, die nicht nur Hunde aus osteuropäischen Vermehrerstationen, sondern zunehmend auch gestohlene Tiere anonym auf gängigen Internet-Portalen weiterverkaufen.

Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei TASSO, warnt: "Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt. Nachdem Mitte Juni die Grenzen wieder geöffnet wurden können die meist aus Osteuropa stammenden Wühltischwelpen nun wieder nach Deutschland importiert und im Netz allzu oft arglosen Käufern angeboten werden. Fast alle Tiere sind krank, viel zu früh von der Mutter getrennt, ungeimpft und überleben häufig die ersten Lebensmonate nicht. Auch das Leid der Muttertiere und Deckrüden ist unermesslich."

Eine gesetzliche Verifizierungspflicht für alle Tierverkäufer, wie bereits Frankreich sie mit einem Gesetzentwurf geplant hat, sowie eine Rückverfolgbarkeit der Tiere könnte zumindest das verhindern.

Tipps für Tierhalter, um ihre Lieblinge vor Diebstahl zu bewahren:

  • Lassen Sie Ihr Haustier unbedingt chippen.
  • Registrieren Sie Ihr Haustier bei einem Tierregister, zum Beispiel Tasso. Und halten Sie die Daten stets aktuell!
  • Außerhalb der Wohnung oder des Hauses sollten Tiere nicht unbeaufsichtigt gelassen werden - auch nicht im Garten.
  • Sichern Sie Ihren Garten vor Eindringlingen.
  • Leinen Sie Hunde niemals unbeaufsichtigt vor Geschäften an. Auch nicht für wenige Minuten. Ein Diebstahl dauert nur wenige Sekunden!
  • Lassen Sie Hunde nicht alleine im Auto zurück.
  • Wenn Ihr Haustier nicht allein zuhause bleiben kann: Trainieren Sie mit ihm, sodass es zumindest kurze Zeit alleine bleiben kann, während Sie Besorgungen machen.
  • Trainieren Sie mit Ihrem Hund, sodass dieser beim Spaziergehen immer in Sichtweite von Ihnen bleibt und sicher auf das Rückruf-Kommando reagiert.
  • Verbieten Sie anderen Personen, Ihr Haustier zu füttern oder ein Foto von diesem zu machen.
  • Seien Sie vorbereitet: Bewahren Sie wichtige Unterlagen und gut erkennbare Fotos Ihres Haustiers auf. Notieren und fotografieren Sie besondere Erkennungsmerkmale.
  • Seien Sie in der Nachbarschaft gut vernetzt: Wenn jemand Fremdes mit Ihrem Tier gesichtet wird, fällt das auf!

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