VG-Wort Pixel

Sächsische Schweiz Nationalpark-Video sorgt für Unruhe bei Wanderfreunden

Immer schön auf den Wegen bleiben: Die Schwedenlöcher im Nationalpark Sächsische Schweiz
Immer schön auf den Wegen bleiben: Die Schwedenlöcher im Nationalpark Sächsische Schweiz
© Simon Dannhauer/Shutterstock
Mit einem professionellen Video wirbt der Nationalpark Sächsische Schweiz dafür, auf den Wegen zu bleiben. Naturfreunde stören sich allerdings an einer ganz bestimmten Szene

Es wird voll in Deutschlands Rest-Natur: In den Zeiten der Pandemie haben Urlauber und Freizeitsportler das Grün vor der Haustür entdeckt. Doch inzwischen mehren sich die Beschwerden von Rangern in Naturschutzgebieten und Nationalparks. Denn um trotz des Besucherandrangs noch allein mit der Natur zu sein, verlassen immer mehr Ruhe Suchende und Abenteuerlustige die offiziellen Wege, verbreiten durch ihre Anwesenheit Unruhe, teilweise auch Müll.

Und stören so Wildtiere, die auf Rückzugsgebiete und Ruhezonen angewiesen sind. Darauf macht nun der Nationalpark Sächsische Schweiz aufmerksam – mit einem Video. In dem professionell gefilmten und geschnittenen Clip ist eine Gruppe von Wanderern im Elbsandsteingebirge in zwei Szenen zu sehen. Einmal entscheidet sie sich, abseits der offiziellen Wege zu wandern, einmal "nach Vorschrift".

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

"Das Tragische dabei ist", wie der Nationalpark erklärt, "dass viele Menschen in der Regel die Störungen unbewusst verursachen und die negativen Auswirkungen auf wildlebende Tiere gar nicht bemerken". Im Park gebe es rund 25 "störungssensible Wirbeltierarten". Schwarzstörche, Waldohreulen und Uhus etwa flüchten schon bei einer Annäherung auf 500 Meter. Durch den Stress sind sogar ganze Populationen in Gefahr. So verzeichnete der Nationalpark in den vergangenen Jahren starke Rückgänge bei den Schwarzstörchen, den Uhus und den Wanderfalken.

Warum darf ein Kamerateam, was Wanderer nicht dürfen?

Bei Wanderfreunden stößt das Video mit dem Titel "Jenseits der Wege" nicht nur auf Zustimmung. So wurde nicht nur moniert, dass der gezeigte Luchs allenfalls selten als Durchzügler im Nationalpark vorkommt. Anstoß erregt besonders eine am Anfang des Clips gezeigte Szene.

Für wenige Sekunden ist ein von hellen Felsen gerahmter Fluss zu sehen – die Kirnitzschklamm. Die gezeigte Stelle liegt nun allerdings in der Kernzone des Nationalparks, die nicht betreten werden darf, um seltene Wildtiere völlig ungestört zu lassen. Gekennzeichnete Wege gibt es hier nicht.

Die IG Stiegen- und Wanderfreunde sieht darin eine "Missachtung der eigenen Regeln durch die Nationalparkverwaltung". Es sei ihnen "völlig unverständlich", schreiben die Wanderfreunde an Sächsische.de, warum Wanderer dort eine Gefahr für die Natur darstellen sollen, ein Kamerateam aber nicht.

Die Nationalparkverwaltung reagiert unterdessen gelassen. Die Aufnahmen hätten unter "artenschutzrechtlicher Ausnahmeregelung stattgefunden, zeitlich begrenzt und außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit der Tiere". Die bemängelte Szene in der Kirnitzschklamm habe ein Tierfilmer schon 2010 für den NDR gedreht.

Auf Youtube hat sich die Nationalparkverwaltung inzwischen für die Hinweise bedankt – und will den Clip neu schneiden lassen. So etwas zu zeigen, widerspreche den eigenen Grundsätzen, sagte Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr. Die bezaubernde Szene aus der Kirnitzschklamm wird dann wohl in dem Video nicht mehr zu sehen sein. Schade, eigentlich.


Mehr zum Thema