VG-Wort Pixel

Exidiopsis effusa Seltenes Naturschauspiel: So entsteht haariges Eis

Das haarige Eis bildet sich auf Totholz - aber nur bei Temperaturen knapp unter null Grad Celsius
Das haarige Eis bildet sich auf Totholz - aber nur bei Temperaturen knapp unter null Grad Celsius
© freila - Adobe Stock
Sein Aussehen erinnert an Zuckerwatte, es ist wunderschön anzuschauen und zeigt sich in der Winterzeit: Haareis. Wer an einem kalten, schneelosen Tag durch einen Buchen- oder Laubmischwald spaziert, trifft mit etwas Glück auf die bizarren Gebilde. Dafür ist ein Pilz verantwortlich

Jetzt ist genau die richtige Zeit, um ein selten zu beobachtendes Phänomen in den Wäldern unserer Breiten mit eigenen Augen zu sehen: Haareis bildet sich auf Totholz. Aber nur bei Temperaturen knapp unter null Grad Celsius, Windstille und hoher Luftfeuchtigkeit. Und nur, wenn alle Bedingungen stimmen, lässt sich das Naturphänomen mit etwas Glück auch entdecken.

Die besondere Struktur des Eises, die tagsüber meistens schnell schmilzt und deshalb nicht oft zu sehen ist, erinnert an wallendes, leuchtend weißes Haar - oder auch an Wattebäuschchen oder Zuckerwatte. Die weißen, dichten Fäden finden sich an einzelnen, toten Ästen und oft auch auf den Böden in Buchen - und Laubmischwäldern. Die Haare aus Eis sind meist 30 bis 100 Millimeter lang und zum Teil gerade einmal 0,02 Millimeter dick.

Eishaare wachsen bis zu 10 Millimeter in der Stunde

Das Ungewöhnliche an dieser Eisform ist, dass das Eis nicht wie ein Eiszapfen an den Enden, sondern von seiner Basis her wächst. Die feine Eiswolle entsteht, da das Wasser unter bestimmten Bedingungen nur oben im Holz gefriert. Dabei dehnt sich das Wasser aus, während von unten weiter Wasser nachdrückt, das dann an der Oberfläche gefriert.

Die Eishaare wachsen mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit von fünf bis zehn Millimetern pro Stunde, solange genug Wasser aus dem Holz nachgeliefert wird.

In diesem Zeitraffervideo, aufgenommen von Erich Albisser vom Gletschergarten Luzern, lässt sich verfolgen, wie Eishaare wachsen.

GEO-Fallback-Bild

Aufgefallen war das Phänomen des Haareises dem berühmten Geophysiker und Meteorologen Alfred Wegener bereits im Jahr 1918. Schon damals hatte der Gelehrte einen schimmelartigen Pilz im Verdacht, für das Phänomen mitverantwortlich zu sein. Mit dieser Vermutung lag Wegener goldrichtig.

Ein Pilz verhindert die Kristallbildung

Forschende aus der Schweiz und aus Deutschland haben rund 90 Jahre später in einer Studie nachgewiesen: Ein winteraktiver Pilz namens Exidiopsis effusa verhindert mit Lignin-Abbauprodukten, dass sich große Eiskristalle bilden und löst damit den Prozess zur Bildung des filligranen Haareises aus. Erst durch die im Wasser enthaltenen Abbaustoffe des Pilzes wird also die Bildung der feinen Eisfäden möglich.

Das Haareis, das für uns Menschen in der Winterzeit einfach schön anzuehen ist, dürfte für den Baumpilz also überlebenswichtig sein. Vermutungen legen nahe, dass es sich bei dem haarigen Eis um eine Art Frostschutzmittel handeln dürfte. So gefriert das Wasser nicht im Holz, wo der Pilz wohnt, sondern außerhalb.


Mehr zum Thema