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Statt Streusalz Mit Gurkenwasser gegen Glatteis: Bayern ist auf den Winter vorbereitet

Winterdienst-Fahrzeug auf der Straße im Winter mit Schnee im Hintergrund
Bayern hat diesen Winter 870 Räumfahrzeuge im Einsatz, um die Straßen schneefrei zu halten
© m.mphoto - Adobe Stock
Um Streusalz zu sparen und damit die Umwelt zu entlasten, wird in Niederbayern seit 2019 teilweise bearbeitetes Gurkenwasser anstelle von Streusalz im Winterdienst eingesetzt. Auch in diesem Winter soll die aufbereitete Sole die Straßen von Glatteis befreien, das Projekt geht nun in die dritte Runde

Im Jahr 2019 startete die Bayerische Staatsbauverwaltung gemeinsam mit der Firma Develey Senf & Feinkost GmbH, einem lokalen Gurkenproduzenten aus Niederbayern, ein ungewöhnliches Projekt. Um weniger Streusalz zu produzieren und damit die Umwelt zu entlasten, setzt der Winterdienst seit Ende 2019 das aufbereitete Salzwasser des in Dingolfing ansässigen Gurkenproduzenten Develey auf den Straßen gegen Glatteis ein.

Dazu wird die Salzlake aus der Gurkenproduktion von pflanzlichen Bestandteilen gereinigt und angereichert, bis sie mit 21 Prozent NaCl-Gehalt den für den Winterdienst passenden Salzgehalt erreicht hat. Dann wird das recycelte Gurkenwasser an die Straßenmeistereien in der Region geliefert und von deren Räumfahrzeugen auf die Straßen aufgebracht.

Nach einer einjährigen Testphase zeigte sich: Das bearbeitete Gurkenwasser sorgte in Dingolfing für sichere Straßen und erwies sich als eine ökonomisch wie ökologisch sinnvolle Alternative zum gängigen Streusalz, das seit Jahren in der Kritik steht, schlecht für Pflanzen und Grundwasser zu sein. Durch das Recyceln des übrig gebliebenen Salzwassers aus der Gurkenproduktion wurde die Gesamtmenge an Salz, die in die Umwelt gelangt, verringert.

Gurkenwasser sei dank: 100 Tonnen Salz weniger in der Umwelt

"Das Pilotprojekt war ein voller Erfolg", resümierte die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer im November dieses Jahres. "Deshalb machen wir aus dem Pilotprojekt jetzt eine dauerhafte Kooperation mit der Firma Develey und können so jedes Jahr mindestens 100 Tonnen Salz und 800.000 Liter Wasser an den Straßenmeistereien rund um Dingolfing einsparen."

Das Projekt geht damit im Jahr 2021 in die dritte Runde. Die Firma Develey sicherte sich den Auftrag für einen Liefervertrag zur Versorgung der Straßenmeistereien des Staatlichen Bauamtes Landshut mit Winterdienstsole für einen dreijährigen Zeitraum. "Dieses Innovationsprojekt entlastet die Umwelt erheblich von Salzeinträgen und steht damit absolut im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie von Develey", sagt Michael Durach, Geschäftsführer der Develey Senf & Feinkost GmbH. "Besonders freut uns, dass wir die Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium auf feste Beine stellen konnten."

Gurkenwassertanks der Firma Develey
In großen Tanks lagert Develey das Salzwasser aus der Gurkenproduktion, das gereinigt und zu Sole für den Winterdienst recycelt wird
© Develey

Dass die Sole ohne Bedenken auf den Straßen aufgebracht werden kann, belegen zahlreiche vorab durchgeführte Tests und ein Gutachten des Bayerischen Staatsministeriums. Seit Anfang November dieses Jahres werden sieben Straßenmeistereien im Umkreis des Develey-Standorts in Dingolfing für ihren Winterdienst mit der umweltfreundlichen Sole beliefert.

Develey-Geschäftsfüher Michael Durach sieht die Kooperation als gelungenes Beispiel, wie sich Investitionen in Nachhaltigkeit mittelfristig amortisieren können, wenn Unternehmen und Politik an einem Strang ziehen: "Wir haben die Soleproduktion inzwischen voll automatisiert und die notwendigen Lagerkapazitäten eingerichtet. Hier sind wir zunächst in Vorleistung gegangen. Nach den drei Jahren, die wir nun die Straßenmeistereien garantiert beliefern können, sind diese Kosten ausgeglichen – eine Win-win-win-Situation für den Freistaat, für uns und für den Umweltschutz."

Weitere Kommunen sind am Winterdienst-Projekt interessiert

Auch in den kommenden Jahren möchte die Firma Develey die nachhaltige Kooperation fortsetzen und ausbauen. Allein an den Straßen- und Autobahnmeistereien in einem Umkreis von etwa 85 Kilometern rund um Dingolfing könnten perspektivisch fast fünf Millionen Liter Wasser und 700 Tonnen Salz pro Winter eingespart werden.

Entsalzung des Gurkenwasers bei Develey
Bei der Herstellung von Gewürz- und Salzgurken fällt Salzwasser an, das in einer eigens installierten Anlage der Firma Develey zu Sole recycelt wird: Aus 1000 Tonnen Salzwasser entstehen 1100 Tonnen Sole
© Develey

Mehrere Straßenmeistereien, kommunale Institutionen und Betriebe hätten bereits Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Mit Blick auf die Produktionskapazitäten in der Gurkenverarbeitung hält Develey derzeit eine Ausweitung der Solelieferungen um zusätzliche 2000 Tonnen für realistisch. Mindestens 25 Tonnen müssen pro Lieferung abgenommen werden.

Für kleine Unternehmen und Privatleute ist die Develey-Sole damit also erst einmal nicht geeignet. Grundsätzlich ausschließen möchte das Unternehmen diese Möglichkeit jedoch nicht, denn das Gurkensole-Projekt wird auch künftig weiterentwickelt – mit Fokus auf die Region in relativer Nähe zum Standort Dingolfing, um Emissionen durch den Transport zu vermeiden. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit eben.


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