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Harte Winter setzen unseren Straßen zu. Schlaglöcher werden zum Ärgernis und verschlingen Steuergelder. Eine neue, kostengünstige Recyclingtechnik verzichtet vollständig auf die Verwendung von nicht-erneuerbaren Ressourcen
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Straßenbauer im Dauereinsatz bei der Ausbesserung von Schlaglöchern

Angesichts zweier harter Winter in Folge übertreffen sich die Meldungen über den „Schlagloch-Rekord“ auf deutschen Straßen. Schuld sind die häufigen Temperaturwechsel um den Gefrierpunkt, durch die Wasser durch Haarrisse in den Asphalt gelangt, gefriert und ihn regelrecht von innen aufsprengt. Jede zweite kommunale Straße in Deutschland wird nach Einschätzung des Städte- und Gemeindebunds nach diesem Winter beschädigt sein. Michael Ohmen von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung rechnet mit rund 15 Millionen Euro Mehrkosten für die Ausbesserung der Winterschäden in der Hansestadt im Jahr 2011.

Da kommt eine Innovation einer Firma aus Schleswig-Holstein gerade recht. Storimpex, mit Sitz in Glinde bei Hamburg, verspricht einen neuen Asphalt, der nicht nur 30 Prozent billiger sein soll als die herkömmliche Asphaltproduktion, sondern auch stabiler und zudem ökologisch verträglicher. „Es werden mehr Straßen instandgesetzt, als dass Straßen neu gebaut werden“, berichtet Ohmen, Referent für Straßenbautechnik. Etwa 14 Millionen Tonnen Ausbauasphalt fallen jährlich in Deutschland an. So bezeichnen Fachleute den Asphalt, der bei Ausbesserungsarbeiten von der Straße abgefräst wird. Bislang darf dieser nur zu geringen Prozentsätzen in unteren Asphaltschichten wiederverwertet werden. Mit dem neuen Verfahren soll nun das Material gänzlich recycelt und selbst für die Deckschichten unserer Fahrbahnen wiederverwendet werden. Der Rohstoff für den Öko-Asphalt liegt also bereits auf unseren Straßen.

Worin besteht in dieser Idee die Innovation? Die Erklärung klingt fast zu simpel, um wahr zu sein. Das abgefräste Material wird erhitzt und mit einer Öl-Wachs-Kombination angereichert, einem Recyclingprodukt aus alten Motorölen. Die Zugabe reaktiviert das gealterte und verhärtete Bitumen im Ausbauasphalt und lässt ihn wieder zähflüssig werden. Anders als bei der Herstellung von herkömmlichem Asphalt wird dadurch kein neues Bitumen, das bei der Raffinerie von Erdöl entsteht, benötigt. Auch auf die Zugabe von neuen Gesteinen kann durch die hundertprozentige Wiederverwendung des Ausbauasphalts fast vollständig verzichtet werden. „Wir brauchen also keine neuen Steinbrüche, wir brauchen kein neues Erdöl und wir haben eine geringere Umweltbelastung durch CO2, da die Gesteine normalerweise von weit hergeholt werden müssen“, erläutert Ohmen.

Nach Angaben des Erfinders Gerhard Riebesehl sorgt die Wachs-Komponente in der Rezeptur des Öko-Asphalts außerdem für eine höhere Standfestigkeit der Straßendecke. Nach langjährigen Tests auf privatem Gelände wird die nun erstmals auf einer öffentlichen Straße erprobt. Rund 400 LKWs rollen täglich über den Pollhornweg im Hamburger Hafen, wo im September ein circa 500 Meter langer Abschnitt mit recyceltem Asphalt überzogen wurde. Mehrere Wochen Eis und Schnee im November und Dezember boten der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung perfekte Testbedingungen für die Versuchsstrecke. Bislang mit Erfolg.

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Eine Öl-Wachs-Kombination lässt das abgefräste Material wieder zähflüssig werden. Der recycelte Asphalt kann sogar für die Deckschicht der Fahrbahn verwendet werden

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Die neue Recyclingtechnik für Asphalt könnte unsere Straßen zukünftig grüner machen

Doch die Tauglichkeit muss auch unter anderen Extremen bewiesen werden. „Nun wünschen wir uns natürlich einen möglichst heißen Sommer, um die Tauglichkeit des Recycling-Asphalts auch bei hohen Temperaturen testen zu können“, sagt Ohmen. Auch wenn diese Versuche positiv ausfallen, wird es jedoch noch rund drei Jahre dauern, bis das neue Verfahren in die Regelwerke aufgenommen werden kann. Solange soll die Teststrecke im Pollhornweg auf Verformungen oder Risse untersucht werden, um den Steuerzahlern am Ende eine standfeste Lösung präsentieren zu können. Das gilt jedoch nur für Hamburg. Die Regelwerke für den Straßenbau fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer. Für die Anwendung der neuen Technologie muss jedes Land jeweils die zugelassenen Anteile an recyceltem Material im Asphalt erhöhen. So ist der Einsatz des recyclten Asphalts auf Autobahnen, für die der Bund zuständig ist, noch ferne Zukunftsmusik.

In anderen Teilen der Welt wird Erfinder Riebesehl mit offenen Armen empfangen. In Brasilien war bis vor einigen Monaten unbekannt, dass Ausbauasphalt wiederverwendbar ist. Dort liegen derzeit noch tausende Tonnen Material brach, für die zukünftig Recycling-Anlagen unter deutscher Anleitung gebaut werden sollen. Weitere Projekte plant Riebesehl in Saudi-Arabien und Großbritannien. Dort könnte das Verfahren zügiger eingesetzt werden, als hierzulande, wo kleine Schritte gegangen werden. Aber immerhin: Im Frühjahr wird Niedersachsen als nächstes Bundesland eine Versuchsstrecke mit dem Öko-Asphalt erhalten. Ein Schritt in die richtige Richtung.

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