Artenvielfalt Vogelsterben – neue Zahlen zeigen, wie dramatisch die Lage wirklich ist

Es ist stumm geworden auf den Feldern. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern erschreckende Realität – wie neue Zahlen zum Vogelsterben zeigen
Tote Feldlerche auf einem Acker

Die Feldlerche wurde zum Vogel des Jahres 2019 gekürt - vor 11 Jahren war sie es schon einmal. Seitdem ist laut Nabu mehr als jede vierte Feldlerche aus dem Brutbestand in Deutschland verschwunden.

Der "stumme Frühling", vor dem die amerikanische Biologin Rachel Carson schon in den 1960er Jahren gewarnt hatte: Er ist da. Das zeigen Daten eines europaweiten Vogelmonitorings, die das European Bird Census Council ausgewertet und nun veröffentlicht hat.

Verglichen wurde, wie viele Vögel 1980 auf Feldern und Wiesen beobachtet wurden und wie viele im Jahr 2016. Das erschreckende Ergebnis: Seit 1980 sind in den EU-Staaten 56 Prozent aller Feldvögel verschwunden – darunter Feldlerchen, Kiebitze, Feldsperlinge oder Stare.

Feldvögel vom Vogelsterben besonders betroffen

"Diese Zahlen sind alarmierend. Vögel zeigen uns zuverlässig an, wie gesund eine Landschaft ist", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die europaweiten Daten übertreffen sogar Beobachtungen, die Vogelkundler schon in Deutschland gemacht haben. So geht zum Beispiel der Nabu davon aus, dass in Deutschland seit 1980 gut 40 Prozent der Feldvögel verschwanden.

Grafik zum Vogelsterben in der EU

Während die Bestände der Feldvögel (rot) in der EU seit 1980 um 56 Prozent zurückgingen, ist der Rückgang bei den Waldvögel (grün) mit 4 Prozent weit weniger drastisch

Doch warum geht es den Feldvögeln – anders als etwa den Waldvögeln, deren Bestände einigermaßen stabil (Grafik) sind – so schlecht? Das erklärt Dr. Hannes Petrischak, Biologe und Leiter des Geschäftsbereichs Naturschutz bei der Heinz Sielmann Stiftung, in unserem Video:

Auch Leif Miller macht besonders die industrielle Landwirtschaft für den Vogelschwund verantwortlich. Der Einbruch der Bestände von Feldlerche und Co. sei ein Zeichen dafür, dass Wiesen und Felder verödeten und auch eine Folge der aktuellen EU-Agrarpolitik, so Miller. "Seit die EU-Agrarsubventionen auch in Bulgarien, Polen oder Lettland eine umweltschädliche Landwirtschaft anheizen, gerät auch in Mittel- und Osteuropa die einst so vielfältige Natur zunehmend unter die Räder."

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