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Methan Neue Zahlen: Erdgas aus Lecks könnte Europas Bedarf decken

Pipeline-Bau: Erdgas-Lecks könnten, zusammengenommen, den Bedarf des europäischen Energiesektors decken
Pipeline-Bau: Erdgas-Lecks könnten, zusammengenommen, den Bedarf des europäischen Energiesektors decken
© Roman / Adobe Stock
Aktuelle Zahlen der Internationalen Energieagentur zeigen: Aus Gas-Lecks in aller Welt könnte mindestens 70 Prozent mehr Gas entweichen als bislang angenommen. Das schadet dem Klima und verschärft die Gasknappheit

Die globalen Methan-Emissionen des Energiesektors sind offenbar viel höher als bislang angenommen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass rund 70 Prozent mehr von dem klimaschädlichen Gas in die Atmosphäre gelangt als von den Staaten offiziell gemeldet. Dabei beruft sich die IEA unter anderem auf Satellitendaten.

Methan zerfällt in der Atmosphäre zwar schneller als Kohlendioxid (CO2). Dafür ist das Gas im Vergleich zu CO2 rund 25 mal klimaschädlicher. Seit Beginn der Industrialisierung, das zeigen Studien, hat Methan etwa 30 Prozent zur globalen Erwärmung beigetragen.

Erdgas besteht überwiegend aus Methan – das teilweise unbeabsichtigt in die Atmosphäre gelangt. Etwa bei der Öl- und Gasgewinnung oder beim Transport von Gas über Pipelines oder mit Schiffen. Zwar haben Erdbeobachtungssatelliten das Wissen über Methankonzentrationen in Erdnähe vervielfacht. Doch von einem vollständigen Bild, so die Autor*innen, sei man noch weit entfernt: So fehlen zum Beispiel noch immer wichtige Daten, etwa aus den Regionen um den Äquator, den bedeutenden russischen Erdöl- und Gas-Fördergebieten oder von Aktivitäten auf hoher See.

Gestopfte Lecks gegen den Klimawandel und die Gasknappheit

Aus allen Lecks zusammengenommen strömten im Jahr 2021 rund 180 Milliarden Kubikmeter Methan: So viel, wie in Europa jährlich im Energiesektor verfeuert wird. Und – wie die Autor*innen hinzufügen – mehr als genug, um die momentane Gasknappheit auf dem Weltmarkt zu entschärfen.

Ganz neu ist das Thema allerdings nicht. Auf der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow hatten sich im November 2021 insgesamt 111 Nationen darauf geeinigt, bis 2030 Methanemissionen, auch aus der Landwirtschaft und anderen Quellen, um 30 Prozent zu reduzieren. Allerdings sind bis heute von den fünf größten Emittenten – China, Russland, USA, Iran und Indien – nur die USA dem Abkommen beigetreten.

Die Einsparungen könnten Berechnungen zufolge den Temperaturanstieg bis zur Mitte des Jahrhunderts um 0,2 Grad Celsius abmildern. Und wären damit eine effiziente und kurzfristige Maßnahme, einen Anstieg auf mehr als 1,5 Grad Celsius noch zu verhindern oder hinauszuzögern. Die Reduktionen sind gleichwohl freiwillig, nationale Ziele gibt es nicht.

Ehrgeizigere Ziele hat dagegen Kanada. "Den Klimawandel zu bekämpfen bedeutet, das Methan-Problem anzupacken – in Kanada und weltweit", sagt der für Bodenschätze zuständige Minister Jonathan Wilkinson. Das Land hat sich vorgenommen, im Vergleich zu 2012 bis 2030 seine Methan-Emissionen um drei Viertel zu senken.


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