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Wärmegewinnung Win-win oder neokolonial? Warum Hamburg Holz aus Namibia in seinen Kraftwerken verfeuern will

Savanne in Namibia
Dornakazien verwandeln die Savanne in Namibia - hier das Waterberg-Plateau - in eine Buschlandschaft
© Pierre vincent / shutterstock
Die Hamburger Umweltbehörde prüft ein umstrittenes Vorhaben: Überschüssiges Buschholz aus Namibia soll dabei helfen, die Klimabilanz der Kraftwerke in der Hansestadt aufzubessern

In zehn Jahren soll der CO2-Ausstoß von Hamburgs Kraftwerken um mehr als die Hälfte sinken. Jetzt sind gute Ideen gefragt. Ob ein Projekt der Hamburger Umweltbehörde dazugehört, muss sich noch zeigen.

Der Plan der Hanseaten: Überschüssiges Holz soll aus Namibia importiert werden, um in Heizkraftwerken verfeuert zu werden. Nach ersten Berechnungen der Umweltbehörde soll das sogar, wenn man den Schiffstransport nach Hamburg einrechnet, klimafreundlicher sein als alle fossilen Brennstoffe. „Es sieht so aus, dass die CO2-Bilanz trotz des Transports noch deutlich günstiger ausfällt, als würde man jetzt Gas oder Kohle verfeuern“, sagte Behördensprecher Jan Dube dem Deutschlandfunk. Der Brennstoff Holz gilt als „klimaneutral“, weil er beim Verbrennen nur genauso viel Kohlendioxid freisetzt, wie im Wachstumsprozess aus der Atmosphäre aufgenommen wurde.

Win-win oder neokolonial?

Holz aus dem südlichen Afrika in Hamburg verbrennen, um die Klimabilanz zu verbessern? Das klingt nicht für jeden unmittelbar einleuchtend. Manch einer könnte auch ein neokoloniales CO2-Geschacher hinter dem Deal vermuten.

Das weiß man natürlich auch in der Umweltbehörde der rot-grün regierten Hansestadt. Und beeilt sich hinzuzufügen, dass der Vorschlag aus Namibia stamme. Dort habe man nämlich ein massives Problem mit dem Baumbewuchs in der Savanne.

Tatsächlich wachsen nach Berechnungen der dortigen Umweltbehörde jedes Jahr 14 Millionen Tonnen Holz nach, von denen man nur rund drei Millionen Tonnen selbst nutzen könne. Vor allem Dornakazien verwandeln die fruchtbare und ökologisch wertvolle Savanne in undurchdringliche Buschlandschaft.

Die Hamburger könnten also nicht nur die Klimabilanz ihrer eigenen Kraftwerke aufhübschen, sondern den Kollegen in Namibia auch noch dabei helfen, ein veritables Umweltproblem in den Griff zu bekommen. Klingt schon viel besser.

Umweltschützer finden die Pläne "absurd"

Gretchen Kohrs von der Organisation Earth Life im namibischen Windhoek ist trotzdem nicht begeistert. Das Holz, so sagte sie dem Deutschlandfunk, solle man doch lieber vor Ort verwenden, zum Beispiel für Schulmöbel und Holzhäuser. Und ein Kraftwerk vor Ort, das schon in Planung sei, sei geeigneter als eines in der fernen Hansestadt. Nach Angaben von Kohrs deckt Namibia seinen Strombedarf zu 60 Prozent mit dreckigem Kohlestrom aus den Nachbarländern. Zudem seien in Namibia 11.000 Menschen in der Holzkohleproduktion beschäftigt. Ein Teil dieser Arbeitsplätze könne durch den Holzexport gefährdet werden.

Auch den Nutzen für das globale Klima zweifelt sie an. "Büsche sind eine wichtige Kohlenstoffsenke", so Kohrs in einer Pressemitteilung. "Sie dürfen daher nur gezielt geerntet werden, was bei einem Export sehr großer Holzmengen nicht garantiert werden kann."

Deutlicher wird Ute Bertrand von der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Das Verschiffen von Holz aus Namibia nach Hamburg, um es dort zu verbrennen, findet sie einfach nur „absurd“.

Zahlreiche Umweltschutz- und andere zivilgesellschaftliche Organisationen haben schon im Oktober eine gemeinsame Stellungnahme zu dem Projekt veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: Der geplante Holz-Import sei weder klimaverträglich noch sozial gerecht.

„Im Zuge der Industrialisierung der Buschholzernte in Namibia“, so heißt es in der Stellungnahme, „würden zwar einige Arbeitsplätze neu geschaffen, aber viele vorhandene Arbeitsplätze in der bisherigen Buschholzernte sowie bei kleinen und mittleren Unternehmen zerstört.“ Konzerne im globalen Norden würden dagegen „profitieren, indem sie Maschinen und Transportfahrzeuge verkaufen und sich mit Rohstoffen versorgen könnten“.

In der Hamburger Umweltbehörde will man die Umweltauswirkungen eingehend prüfen. Eine endgültige Entscheidung über das Projekt soll frühestens im Sommer 2021 fallen.


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