Amerika wählt Trump vs. Biden: Was bedeutet die US-Wahl für Natur und Umwelt?

Donald Trump hält den Klimawandel für einen "Schwindel" und hat zahlreiche Gesetze zum Natur- und Umweltschutz kassiert. Ist Biden besser?
Trump vs. Biden

Könnten auch in Sachen Umwelt und Klima gegensätzlicher nicht sein: Donald Trump und Herausforderer Joe Biden im TV-Duell

Als Donald Trump im Januar 2017 der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, verdrehten Umweltaktivisten und Mitarbeiter von NGOs die Augen. Denn der Republikaner hatte nicht den Ruf, für Umwelt, Natur und Klima zu brennen.

Nach fast vier Jahren Amtszeit ist für viele Kommentatoren klar: Trump hat in seiner Amtszeit mehr Erreichtes rückgängig gemacht und mehr Entscheidungen gegen Umwelt und Klima getroffen als jeder Präsident vor ihm. Sein jüngster Coup gegen die Natur: In mehr als der Hälfte des Tongass National Forest in Alaska sollen Straßenbau und Holzgewinnung erlaubt werden. Das Waldgebiet ist einer der größten gemäßigten Regenwälder weltweit und steht seit 2001 unter Schutz.

Was würde Biden besser machen? Wir stellen die beiden Kandidaten und ihre Haltung zu Umwelt, Energie und Klima vor.

Klima

Geradezu berüchtigt ist Donald Trumps Vermutung, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen. Er lässt keine Gelegenheit aus, den Klimawandel als „Unsinn“ oder „Schwindel“ abzutun. Trump erklärt, der Temperaturanstieg sei nicht menschengemacht und diffamiert Klima- und Umweltaktivisten als „Propheten des Untergangs“. Konsequenterweise kündigte Trump an, die USA aus dem Klimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015 zu führen. Sein aktuelles Wahlprogramm listet immerhin 63 Stichpunkte auf. Klimaschutz kommt darin nicht vor.

Sein Kontrahent, der Demokrat Joe Biden, hält das Klima dagegen für einen „Notfall“ – und verspricht bei seiner Wahl, die USA in das Pariser Klimaabkommen zurückzuführen. Er versprach einen Weltklimagipfel, um die Regierungschefs zu ambitionierten und durchsetzbaren Reduktionszielen zu bewegen.

In seiner Wahlkampagne setzt Joe Biden darauf, Befürchtungen zu zerstreuen, dass mehr Umwelt- und Klimaschutz zu höheren Steuern und zu Arbeitsplatzabbau führe. Seine Argumentation: Erneuerbare Energien und klimafreundliche Industrien schaffen auch Arbeitsplätze. Bis 2050 will Biden die USA „klimaneutral“ machen.

Fossile Energien

Donald Trump macht aus seiner Nähe zur Erdöl- und Erdgas-Industrie keinen Hehl. In seiner Wahlkampf-Kampagne kündigt der Präsident an, er werde das Arctic National Wildlife Refuge (ANWR), das nördlichste Naturschutzgebiet der USA, für Erdölerkundungen öffnen.

Trump unterstützt ein ungebremstes Wachstum bei den fossilen Energien, spricht sich für das umstrittene Fracking aus und befürwortet die umstrittenen Pipeline-Projekte Keystone XL und Dakota Access. Regulierungen zur Reduzierung der Kohleförderung hat Trump torpediert und teilweise zurückgenommen. Unter Trumps Ägide wurden die USA zum weltweit bedeutendsten Produzenten von Öl – ein Trend, der sich durch den Boom des Frackings allerdings schon vor Trumps Präsidentschaft abzeichnete.

Joe Biden dagegen machte seine Position zu fossilen Energien schon dadurch deutlich, dass er Spenden aus diesem Sektor ablehnte. Er setzt sich dafür ein, Subventionen der fossilen Industrie national ebenso wie international zu beenden. Der Demokrat spricht sich gegen Ölerkundungen im ANWR und in arktischen Gewässern aus und stellte ein Ende von Bohrungen auf hoher See in Aussicht. Nicht ganz so klar ist allerdings seine Haltung gegen über dem Fracking. Er würde es „zumindest nicht verbieten“, sagte Biden kürzlich.

Erneuerbare Energie

Auch in puncto saubere Energie hat Donald Trump zahlreiche Gesetze zurückgenommen, die sein Vorgänger Barack Obama auf den Weg gebracht hatte. So kassierte die Trump-Administration Steuererleichterungen für Elektroautos. Auf der anderen Seite verzögerten höhere Steuern auf importierte Solarmodule das Wachstum der Erneuerbaren-Branche.

Dem Klimaplan von Joe Biden zufolge sollen in den kommenden zehn Jahren 400 Milliarden Dollar in saubere Energien und Klimaforschung fließen. Steuererleichterungen für E-Autos will Biden wieder einführen – und dafür sorgen, dass bis 2030 ganze 500.000 neue Ladestationen im Land installiert werden können. Mit neuen Effizienzstandards für Gebäude will Biden bis zum Jahr 2035 die Emissionen in diesem Sektor halbieren.

Nicht ganz so eindeutig ist der Gegensatz der beiden beim Thema Atomkraft. Während Trump sich uneingeschränkt dafür ausspricht, setzt sein Kontrahent sich nur für kleine Reaktoren ein.

Natur und Wildtiere

Zweigeteilt ist das Bild beim Schutz von Natur und Wildtieren: Donald Trump hat zwei Schutzgebiete in Utah verkleinern lassen, um dort die Suche nach Rohstoffen zu ermöglichen. Ein Rückschlag für den Natur- und Artenschutz ist zudem die Schwächung des Endangered Species Act. Sollen Pflanzen und Tiere unter den besonderen Schutz dieses Gesetzes gestellt werden, müssen nun zuvor ökonomische Belange erwogen werden. Auch die Zahl der besonders schützenswerten Lebensraumtypen verkleinerte die Trump-Administration. Zugutehalten muss man Trump, dass er 2019 ein Gesetz unterschrieb, das zur Unterschutzstellung von 5260 Quadratkilometern Land führte.

Kontrahent Joe Biden erklärte, er wolle das Artensterben bis 2030 dadurch verlangsamen, dass 30 Prozent der Land- und Wasserfläche der USA unter Schutz gestellt werden. In seinem Klimaplan verspricht Biden, die Artenvielfalt zu schützen, die Aussterberate zu verlangsamen und „natürliche Klima-Lösungen“ anzuschieben – etwa durch Aufforstungsprojekte.

Umweltschutz

Entgegen seiner Ankündigung im aktuellen Wahlprogramm hat Donald Trump Gesetze zum Schutz des Trinkwassers, etwa vor giftigen Abfällen aus dem Kohlebergbau, geschwächt oder zurückgenommen. Verboten von Einwegplastik hat Trump eine Absage erteilt. Immerhin: Um Plastikmüll zu reduzieren, hat seine Administration ein Programm für besseres Recycling lanciert. In Sachen Umweltschutz und Recht setzt Trump ganz auf die Rolle rückwärts: Einem Bericht der New York Times zufolge hat seine Administration schon 70 Regulierungen zum Schutz der Umwelt rückabgewickelt. 29 weitere sind in Planung.

Auch hier erweist sich sein Kontrahent Joe Biden nicht nur als ambitionierter – sondern geradezu als das Gegenteil von Trump. Biden will innerhalb des Justizministeriums eine Abteilung für Umweltgerechtigkeit einrichten. Die soll besonders darauf achten, dass die Schadstoffkonzentrationen in Gegenden mit besonders hohem Anteil an Farbigen keine kritischen Werte erreichen. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Klagen, das gerade solche Regionen benachteiligt seien. Einweg-Plastik soll es nach dem Willen von Biden in Zukunft nicht mehr geben.