Klimaforschung In dreißig Jahren ist Berlin so heiß wie heute Barcelona

Das Klima in den Städten der Welt wird sich dramatisch verändern. Das haben Schweizer Forscher nun anhand von Vergleichen deutlich gemacht
Erfrischung am Brunnen

Sechs Grad mehr: In London und Berlin wird es um die Jahrhundertmitte so heiß wie in Barcelona

In rund 30 Jahren müssen sich die Berliner und die Londoner zu Hause auf Temperaturen einstellen, wie sie derzeit in Barcelona herrschen: Rund sechs Grad heißer kann es in den beiden Hauptstädten in den Sommermonaten werden. Die Pariser werden in einem Klima leben, das eher dem heutigen von Canberra gleicht. Das ist das Ergebnis einer Studie der ETH Zürich, das die Forscher auch mit einer interaktiven Weltkarte visualisieren.

Jede fünfte Stadt wird heute beispiellose Temperaturen erleben

Mehr als drei Viertel der 520 größten Städte der Welt werden, so die Wissenschaftler, ein Klima haben, das eher den Bedingungen einer Stadt aus einer anderen Klimazone gleicht. Und in mehr als einem Fünftel der Städte werden um das Jahr 2050 Bedingungen herrschen, die heute noch nirgendwo registriert werden.

Der generelle Trend: Städte der Nordhalbkugel bewegen sich klimatisch auf die Subtropen zu. Es wird wärmer, in den Sommermonaten kommt es häufiger zu extremer Hitze. Bis 2050, so die Wissenschaftler, werden Metropolen klimatisch durchschnittlich 1000 Kilometer südwärts gewandert sein. Die Städte der Tropen dagegen werden mit mehr Trockenheit konfrontiert sein. "Das Schicksal der großen Städte in den Tropen" – darunter Manaus, Kuala Lumpur, Jakarta oder Singapur – bleibe aufgrund der "beispiellosen Bedingungen" höchst unsicher, so die Autoren.

Der Hintergrund: Städte sind vom Klimawandel besonders betroffen. Denn Asphalt und Beton heizen sich im Sommer auf, Wasser-, Grünflächen und Parks fehlen oft, die für einen Temperaturausgleich sorgen könnten.

Bei ihren Berechnungen bis zur Jahrhundertmitte sind die Forscher von einem "optimistischen" Emissionsszenario ausgegangen, nach dem alle Länder ihre Zusagen zur Reduktion von Klimagasen einhalten. Demnäch wäre bis dahin mit einem Temperaturanstieg von "nur" rund 1,5 bis 2 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu rechnen.

Vergleiche sollen Lücke zwischen Wissen und Handeln schließen

Mit den Vergleichen wollen die Forscher den Klimawandel erfahrbar machen. Denn dessen Darstellung bleibe oft auf Berichte über Extremwetterereignisse beschränkt. "Gegen die Klimaerwärmung zu kämpfen", schreiben die Autoren, "erfordert gemeinsames Handeln auf allen gesellschaftlichen Feldern." Doch dieses Handeln werde verhindert durch eine Lücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der öffentlichen Meinung.

Zu wissen, dass Barcelona im Jahr 2008 wegen einer Dürre für 22 Millionen Euro Trinkwasser importieren musste, könnte, so die Hoffnung der Autoren, den Bürgern und Stadtplanern von London helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.