Weltwassertag 132 Liter für eine Tasse Kaffee: So viel Wasser steckt in alltäglichen Produkten

Am 22. März ist Weltwassertag - mit dem die Vereinten Nationen für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource werben. Denn: Wir verbrauchen jeden Tag zwei Dutzend Badewannen voll Wasser, auch wenn wir nie ein Vollbad nehmen. Der Grund ist Wasser, das für die Produktion von Konsumgütern verwendet wurde - oft mit gravierenden Folgen in den Herstellungsländern. Wir geben Tipps, was Sie beim Einkauf beachten können
Kaffee

Wer eine Tasse Kaffee trinkt, verbraucht, ohne es zu merken, 132 Liter Wasser

In diesem Artikel
132 Liter für eine Tasse Kaffee
Bananen verbrauchen viel graues Wasser
So viel Wasser steckt in einer Jeans
Rote Rosen aus ... Kenia
Wasserintensiv: Fleisch
32 Liter Wasser für einen Mikrochip
Allgemeine Empfehlungen

Erdbeeren aus Südspanien sind, das ist bekannt, aus Umweltsicht nicht empfehlenswert. Denn sie kommen klimaschädlich per Flieger zu uns. Es gibt aber noch einen, weniger bekannten Grund, lieber auf heimische Früchte im Sommer zu warten: Erdbeeren sind durstig, und im Süden Spaniens ist Wasser knapp. Die Folge: die Bauern nutzen – oft auch illegal – die ohnehin schon knappen Grundwasserreserven. In der Region Huelva trocknet durch den Erdbeeranbau die „Coto de Doñana“ aus: ein unersetzliches Naturreservat.

Auch andere Früchte und Produkte enthalten teilweise kostbares Wasser, mit dem sie erzeugt wurden. Experten unterscheiden dabei zwischen „grünem“, „blauem“ und „grauem“ Wasser. Grünes Wasser ist Regenwasser, sozusagen die natürliche Bewässerung. Blaues Wasser dagegen ist Wasser, das zur künstlichen Bewässerung gefördert und eingesetzt wird. Graues Wasser schließlich ist dasjenige Nass, das als belastetes Abwasser aufbereitet werden muss – oder müsste. Alle drei zusammengenommen bilden das „virtuelle Wasser“, das in einem Produkt steckt.

Während Kakaopflanzen in Westafrika enorme Mengen Wasser benötigen – fast 20.000 Liter pro Kilogramm –, kommen Erdbeeren aus Südspanien mit vergleichsweise wenig aus: 209 Liter pro Kilogramm Erntefrüchte. Und sind trotzdem das bei weitem größere Problem. Denn in den Kakao-Anbaugebieten Afrikas regnet es ausreichend „grünes“ Wasser. Südspanische Erdbeeren dagegen erhalten fast ausschließlich blaues Wasser – in Form von künstlicher Bewässerung.

132 Liter für eine Tasse Kaffee

Auch andere Nahrungs- und Genussmittel enthalten verblüffend viel virtuelles Wasser. Wer etwa eine Tasse Kaffee trinkt, verbraucht dabei, ohne es zu merken, 132 Liter Wasser. Denn so viel braucht durchschnittlich die Herstellung von sieben Gramm Kaffeepulver. Der weltweite Kaffeekonsum schluckt so viel wie in anderthalb Jahren den Rhein hinunterfließt: 120 Milliarden Kubikmeter. Das bedeutet aber nicht, dass Kaffeekonsum automatisch zu Wasserknappheit in den Anbaugebieten führt. In den meisten Regionen regnet es nämlich ausreichend, der Bedarf wird also durch grünes Wasser gedeckt. Problematisch wird es immer dann, wenn der Anbau aus den regenreichen Bergregionen in das regenarme Tiefland verlegt wird, wie etwa in der brasilianischen Region Bahia. Solche Plantagen bieten den Pflanzen wenig Schatten und sind auf eine intensive Bewässerung angewiesen.

Tipp: Die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. empfiehlt, statt Robusta- lieber Arabica-Kaffee zu kaufen, der vor allem in gebirgigen Regionen angebaut wird. Fairtrade-Siegel verraten die Herkunft. Zudem verringert Bio-Anbau den Anteil des „grauen“ Wassers, weil er ohne chemisch-synthetischen Dünger und Pestizide auskommt. Wer mag, steigt am besten gleich auf Tee um. Denn für eine Tasse Tee werden nur rund 30 Liter Wasser benötigt. Und die Pflanze wächst in Regionen, in denen es ohnehin viel regnet.

Bananen verbrauchen viel graues Wasser

Der Wasserbedarf ist bei der beliebten Frucht nicht das Problem. Denn selbst dort, wo bewässert wird, gleichen die jährlichen Regenfälle die Entnahmen in der Regel aus. Problematisch ist vor allem die Kultivierung im konventionellen Anbau. Denn zwischen den Reihen der Stauden wird der Boden offengehalten; bei jedem Starkregen werden nicht nur feinste Bodenbestandteile, sondern auch Pestizid- und Düngerrückstände in die Oberflächengewässer geschwemmt.

Tipp: Wer den Verbrauch von grauem Wasser in den Anbauregionen verringern will, greift einfach zu Bio-Bananen.

So viel Wasser steckt in einer Jeans

Auch Baumwollpflanzen wachsen nicht ohne Wasser – und werden zunehmend auch in trockenen Regionen angebaut. Im weltweiten Durchschnitt sind 11.000 Liter Wasser erforderlich, um ein Kilogramm Baumwolle zu gewinnen. In Indien – dem Land, aus dem die in Deutschland getragene Baumwolle überwiegend stammt – ist es sogar mehr als das Doppelte. Zu dem hohen Wasserverbrauch kommt im konventionellen Anbau – der 99,5 Prozent der Welternte ausmacht – ein enormer Verbrauch von synthetischen Düngern und Giften, die sich im Boden und in Oberflächengewässern anreichern. Vor der Ernte werden die Pflanzen mit Totalherbiziden entlaubt, Insektizide sollen Baumwollkapselkäfer töten.

Tipp: Obwohl es kaum Textilien aus wasserschonend erzeugter Baumwolle gibt, empfehlen Experten aus Umweltschutzgründen auf Bio-Baumwolle aus fairem Handel zurückzugreifen. Und Kleidungsstücke so lange wie möglich zu nutzen. Schonende Alternativen zu Baumwolle sind Textilien aus Hanf und Leinen.

Rote Rosen aus ... Kenia

Die meisten in Deutschland angebotenen Rosen stammen aus Ostafrika. Allein aus der Naivasha-Region in Kenia werden jedes Jahr 45.000 Tonnen der Schnittblumen exportiert – vor allem nach Westeuropa. In jeder von ihnen stecken zwischen sieben und 13 Litern Wasser – und eine Menge Pestizide. Die Folgen: Der Grundwasserspiegel ist innerhalb von 30 Jahren um fünf Meter gesunken, Dünger und Spritzmittel vergiften Oberflächengewässer und Trinkwasser.

Tipp: Bio- und Fairtrade-Siegel sind bei Blumen noch nicht sehr verbreitet. Fragen Sie Ihren Blumenhändler nach der Herkunft seiner Ware. Von Blumen unklarer Herkunft sollten Sie die Finger lassen. Im Zweifel und sofern verfügbar, greifen Sie lieber zu heimischer Ware.

Wasserintensiv: Fleisch

Wer in herzhaft in ein saftiges Stück Fleisch beißt, ahnt oft nicht, dass zu seiner Erzeugung Unmengen Wasser erforderlich waren. Ein Rind aus der Intensivhaltung hat nach drei Jahren, wenn es sein Schlachtgewicht erreicht hat, rund 1300 Kilogramm Kraftfutter, 7200 Kilogramm Gras, Heu oder Silage vertilgt. Und 24.000 Liter Wasser getrunken. Macht pro Kilogramm 15.500 Liter virtuelles Wasser. 15.300 davon gehen allein auf das Konto des Futters.

Tipp: Schweinefleisch ist weniger wasserintensiv als Rinderfleisch. Wenn Sie können: Essen sie generell weniger Fleisch.

32 Liter Wasser für einen Mikrochip

Nicht nur Lebensmittel und Pflanzen brauchen zu ihrer Erzeugung Wasser. Selbst für die Herstellung eines winzigen Mikrochips werden 32 Liter Wasser benötigt. Grund dafür ist die Gewinnung und Aufbereitung der wertvollen und teils seltenen Rohstoffe. So kommt ein kompletter PC auf rund 20.000 Liter verbrauchtes Wasser.

Tipp: Nutzen Sie Ihre elektronischen Geräte so lange es geht – und kaufen Sie gebraucht. Professionell aufbereitete Firmen-Laptops etwa stehen Neugeräten in nichts nach. Sind aber wesentlich günstiger.

Allgemeine Empfehlungen

Wer den Wasserverbrauch für Produkte reduzieren will, die in anderen Ländern erzeugt wurden, kann sich generell an folgende Empfehlungen halten – die gleichzeitig auch das Klima schonen und Energie und andere Ressourcen sparen.

  • Planen Sie Ihre Nahrungsmitteleinkäufe sorgfältig, damit Sie nichts wegwerfen müssen.
  • Essen Sie wenig Fleisch.
  • Kaufen Sie qualitativ hochwertige Produkte – und behandeln Sie sie gut.
  • Meiden Sie aufwändig verpackte Waren.
  • Kaufen Sie statt konventioneller lieber bio- und fair gehandelte Waren.
  • Geben Sie Lebensmitteln aus der Region den Vorzug.
  • Kaufen Sie saisonal.
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