Nachhaltige Kleidung Dieses Start-up will die Logik der Modeindustrie brechen

Textilfabriken werfen bis zu 30 Prozent ihrer Stoffe ungenutzt weg. Ein finnisches Start-up spinnt aus diesen Resten neues Garn
Hannes Bengs, einer der Gründer von Pure Waste Textiles

»Mit dem Abfall aus der Textilproduktion könnten jedes Jahr drei T-Shirts für jeden Menschen auf der Welt hergestellt werden«: Hannes Bengs, einer der Gründer von Pure Waste Textiles. Ein T-Shirt aus Materialresten spart gegenüber einem aus kon­ventioneller Baumwolle gut 2700 Liter Wasser in der Produktion

Keine Muster, keine Knöpfe, kein Materialmix: die Kollektion von Pure Waste Textiles kommt nüchtern daher. Beim Kauf eines T-Shirts können Kunden des finnischen Labels zwischen neun Farben und vier Modellen wählen. Die Stücke sollen nicht aus der Mode geraten, sondern beständig sein.

Denn das Start-up aus Helsinki will die Logik der Modeindustrie brechen: Statt in kurzen Abständen neue Kollektionen auf den Markt zu bringen, produziert die Firma nachhaltige Kleidung, die sich über mehrere Saisons tragen lässt. Dabei setzen die Finnen auf recycelte Baumwolle: Ihre Fabrik in Südindien kauft die Stoffreste anderer Hersteller auf, spinnt sie neu auf und webt daraus einen Stoff, der nicht eingefärbt werden muss. Gerade Farbstoffe belasten oft die Umwelt.

Produktionsstätte bei Tiruppur im indischen Bundesstaat Tamil Nadu

Produktionsstätte bei Tiruppur im indischen Bundesstaat Tamil Nadu: Der Strom für die Fabrik kommt zu 95 Prozent aus Windkraft

Textil-Reste, so groß wie die Schweiz

Auch der Zusatz frischer Baumwolle ist nicht nötig: Das Gewebe besteht aus Fasern, die schon im Müll gelandet waren. Davon produzieren konventionelle Fabriken große Mengen: Bis zu 30 Prozent eines Stoffes werden weggeworfen, schätzen Experten. Beim Zuschnitt von Kleidungsstücken bleiben Reste, obwohl die Schnittvorlagen inzwischen per Computer optimiert werden. Gut 40.000 Quadratkilometer Stoff lässt die Modeindustrie jedes Jahr übrig – eine Fläche, fast so groß wie die Schweiz.

Das Unternehmen, im Jahr 2013 gegründet, beschäftigt heute in Indien 80 Menschen und gibt an, dabei auf faire Arbeitsbedingungen zu achten.

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