Umweltkosten So teuer ist die Kilowattstunde wirklich

Wer seinem Stromanbieter Geld überweist oder beim Tanken zahlt, bedenkt nicht, dass alle einen weiteren Preis zahlen. Für Umweltschäden nämlich. Den hat jetzt das Umweltbundesamt errechnet
Hochwasser, Simbach am Inn, 2016

Hochwasserkatastrophen wie hier 2016 am Inn werden mit fortschreitendem Klimawandel wahrscheinlicher. Und versursachen gewaltige Kosten

20,81 Cent: So viel kostet durchschnittlich eine Kilowattstunde Braunkohlestrom. Nicht beim Anbieter. Diesen Preis zahlt niemand. Oder alle. Vor allem zukünftige Generationen. Denn es ist dasjenige Geld, das wir für Schäden an der Umwelt aufwenden müssen, vor allem für die Folgen des Klimawandels. Und dazu gehören zum Beispiel: Ernteausfälle durch Trockenheit, Schäden durch Überschwemmungen, Gesundheitskosten.

Beim durchschnittlichen deutschen Energiemix aus erneuerbaren und fossilen Energeiträgern sind es immerhin noch 13,6 Cent. Windstrom dagegen erzeugt Kosten von lediglich 0,28 Cent. Insgesamt belaufen sich die "Schattenkosten" der Braunkohlestromerzeugung auf mehr als 31 Milliarden Euro – allein im Jahr 2016.

Die Experten des Umweltbundesamtes (UBA) haben in ihrer neuen Studie nicht nur errechnet, welche versteckten Kosten durch die Stromerzeugung entstehen. Sondern auch, was wir uns die Wärmeerzeugung und den Verkehr kosten lassen.

Müllentsorgung in der Atmosphäre: nicht kostenlos

Beispiel Verkehr: Nach den Berechnungen der Experten belaufen sich die Kosten für Umwelt und Gesundheit auf 8,8 Milliarden Euro. Und das sind nur die Emissionen von Feinstaub und Stickoxiden.

Grundlage der Berechnungen ist der "wahre" Preis einer Tonne CO2 und anderer Klimagase: 180 Euro. Geld, das bislang niemand zahlt.

"Auch wenn sie sich nicht sofort als finanzielle Belastung zum Beispiel im öffentlichen Haushalt niederschlagen: Diese Schäden sind real und verursachen enorme volkswirtschaftliche Kosten", sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts. Anders gesagt: Umweltschutz lohnt sich. Man muss nur richtig rechnen.

Völlig neu ist dieser Ansatz nicht. Schon 2006 hatte Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, gewarnt: "Die Kosten für die Stabilisierung des Klimas sind erheblich, aber tragbar; Verzögerungen wären gefährlich und viel teurer."

Aktuelle GEO-Magazine
<< zurück >> vor
nach oben