Insektensterben Glyphosat soll Bienen schaden - drohen jetzt Konsequenzen?

Forscher und Umweltschützer streiten seit langem, wie gefährlich Glyphosat für Bienen und andere Insekten ist. Jetzt haben Wissenschaftler erstmals gezeigt, dass der Stoff der Immunabwehr der Bienen schadet und ihr Ableben begünstigt
Honigbienen

Unentbehrlich für die Landwirtschaft: Honigbienen

Nie gab es um einen Unkrautvernichter mehr Aufregung als um Glyphosat. Der Wirkstoff, den der Agrarriese Monsanto herstellt, der heute zu Bayer gehört, wird weltweit am häufigsten eingesetzt. Und steht schon lange im Verdacht, nicht nur pflanzliches Leben auszulöschen, sondern auch für Menschen gesundheitsschädlich zu sein. Die WHO nannte Glyphosat sogar „wahrscheinlich kreberregend“. Außerdem soll der Stoff für das Insektensterben mitverantwortlich sein.

Doch die nationalen und die EU-Behörden sahen Ende 2017, als die EU-Kommission die Zulassung für den Wirkstoff – gegen den entschiedenen Protest von Umweltschützern und der Biobranche – um fünf Jahre verlängerte, keinen Grund zur Sorge. Das könnte sich jetzt ändern.

Glyphosat schwächt die Abwehr von Erregern

Denn Forscher der Universität von Texas haben nun herausgefunden, dass Glyphosat die Darmflora der Honigsammler schädigt. Und die ist – genau wie beim Menschen – nicht nur für die Aufnahme von Nährstoffen, sondern auch für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig. Glyphosat, so das Ergebnis, schwächt die Immunabwehr der Insekten. Sie werden anfälliger für Krankheitserreger und sterben früher.

Um das herauszufinden, fütterten Erick Motta und seine Kollegen Bienen eines Bienenstocks mit einer Zuckerlösung, die sie mit Glyphosat versetzt hatten – in Konzentrationen, wie sie auch in der natürlichen Umgebung der Bienen vorkommen. Anschließend untersuchten sie die Darmflora der Bestäuber, und setzten andere Tiere in einem weiteren Versuch dem Krankheitserreger Serratia marcescens aus.

Wer Glyphosat nascht, stirbt früher

Das Ergebnis: Es sind vor allem acht Bakterienarten, die im Darm von Bienen für eine gute Verdauung und die Abwehr von Erregern zuständig sind. Vier von ihnen nahmen bei den Bienen, die von dem Glyphosat-Lösung genascht hatten, stark ab - mit fatalen Auswirkungen. Nach acht Tagen war von den mit Serratia marcescens infizierten Tieren 90 Prozent gestorben. In der Vergleichsgruppe waren es nur die Hälfte.

Damit gelang nun erstmals der Nachweis, dass Glyphosat Bienen über den Umweg ihrer Darmflora schadet. Motta und seine Kollegen gehen davon aus, dass nicht nur Honigienen, sondern auch Wildbienen und Hummeln betroffen sein könnten. Denn deren Darmflora ähnelt der der Honigbienen.

Ein Verbot ist wohl nicht in Sicht

Glyphosat, so die Forscher, sei sicher nicht die einzige Ursache für das Bienensterben. "Aber es ist definitiv etwas, über das sich die Leute Gedanken machen sollten, denn Glyphosat ist inzwischen überall."

Zu einem Verbot von Glyphosat werden die neuen Erkenntnisse wohl dennoch nicht führen. Oder zumindest nicht sofort. „Auf EU-Ebene gilt die Zulassung für fünf Jahre, die Kommission müsste die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit einer Untersuchung beauftragen, wenn sie das ändern will. Ob sie dies auf Grundlage einer einzelnen Studie tut, ist eher zu bezweifeln“, sagt Silvia Bender, BUND-Expertin für Biodiversität. Auch einen Alleingang Deuschlands bei einem Glyphosat-Verbot hält die Expertin für unwahrscheinlich. Immerhin könnte die Studie in die aktuell laufenden Wiederzulassungsverfahren einfließen. Zurzeit wird die Zulassung von 29 glyphosathaltigen Spritzmitteln überprüft.