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Pilzsaison Experten warnen: Beim Bestimmen von Pilzen sollte man Apps nicht blind vertrauen

Experten warnen davor, Pilze allein mit Handy-Apps zu bestimmen
Experten warnen davor, Pilze allein mit Handy-Apps zu bestimmen
© Syda Productions/Shutterstock
Champignon oder Knollenblätterpilz? Wer sich mit Pilzen nicht gut auskennt, sollte sich nicht auf die Bestimmung per Internet oder App verlassen, rät das Giftinformationszentrum-Nord und warnt vor gefährlichen Verwechslungen

Das Jahr 2022 verspricht ein gutes Pilzjahr zu werden. Und die Saison geht jetzt erst richtig los, nach dem vielen Regen zieht es viele Menschen zur Pilzsuche in den Wald. Doch Pilzfreunde sollten trotz des reichen Angebots vorsichtig sein, denn jedes Jahr kommt es zu Vergiftungen. Besonders Neulinge sollten sich nicht allein auf die Bestimmung mit Handy-Apps oder auf die Ergebnisse von Internet-Suchen verlassen. Darauf weist jetzt das Giftinformationszentrum Nord (GIZ) hin.

Das Pilzesammeln sei wieder modern, sagt auch Christoph Hahn, Präsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (BMG). Demnach sind die Pilzberatungen der BMG zurzeit gut besucht. Neu im Trend seien Pilz-Apps, die damit werben, Pilze anhand eines Fotos bestimmen zu können. "Das ist eine neue Gefahr, die hinzukommt", sagt Hahn. Man könne einem Pilz schließlich nicht allein an Form oder Farbe ansehen, ob dieser giftig ist.

Vorsicht bei Apps

Vor der Nutzung solcher Apps warnt auch Florian Eyer, Chefarzt der klinischen Toxikologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Viele Giftpilze sähen gewöhnlichen Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich. So werde etwa der weiße Knollenblätterpilz gelegentlich für einen Champignon gehalten, und den orangefuchsigen Rauhkopf identifiziere manch unerfahrener Pilzsammler als Pfifferling.

Dabei könne schon ein falscher Pilz potenziell tödlich sein, so Eyer. Vorsorglich solle man daher nur Pilze sammeln, die man auch selber klar identifizieren könne. Wer den Verdacht auf eine Pilzvergiftung habe, solle umgehend den Giftnotruf wählen.

Gefährliche Doppelgänger

Besonders tückisch sind essbare und giftige Arten, die sich ähneln. So verwechseln vor allem aus dem Ausland zugezogene Menschen oft Pilze, die sie aus ihrer Heimat kennen, mit giftigen Doppelgängern, die hierzulande wachsen. Vor dem Pilzesammeln sei es deshalb wichtig, sich umfassend zu schulen. "Im Zweifel gesammelte Pilze besser nicht essen", rät Schaper.

Auf ihrer Internetseite gibt die GIZ Warnhinweise für Pilzsammler: Nach Möglichkeit sollten besonders unkundige Sammlerinnen und Sammler sich vor der Pilzsuche beraten lassen, etwa durch die örtliche Verbraucherberatung oder eine Pilzsachverständige oder einen Sachverständigen. Wer mit einem vollen Korb aus dem Wald kommt, sollte seinen Fund zur Sicherheit einem oder einer Expertin vorlegen. Eine Liste mit regionalen Pilzsachverständigen stellt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) online bereit.

Der Beratungsstelle des GIZ werden jedes Jahr rund 1000 Fälle von Pilzvergiftungen, darunter auch Verdachtsfälle, gemeldet. Ein Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte immer ernst genommen werden, rät das GIZ. Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Lebensmittelvergiftung: Es kann zu Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Übelkeit, aber auch zu Bewusstseinsstörungen, Angstattacken, Schwindel, Herzrasen und Atembeschwerden kommen. In diesen Fällen sollte man grundsätzlich ärztliche Hilfe suchen oder den Notarzt rufen.

mit dpa

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