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Die Grundlagen des Wissens

Therapie Wie Schreiben dabei helfen kann, seelisches Leid zu überwinden

Schreiben als Therapie: Wer seine Gefühle zu Papier bringt, vermag die eigenen Emotionen besser zu steuern
Schreiben

Von der Kraft des Schreibens profitieren besonders Menschen, die Probleme mit der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse haben

Seit Jahren steigt das Angebot an Schreibgruppen, in denen Menschen einschneidende Lebensveränderungen zu verarbeiten versuchen – Trauernde zum Beispiel oder Burnout-Patienten. Diese Verfahren mit Namen wie „Poesietherapie” oder „Expressives Schreiben” setzen die Beschäftigung mit selbst verfassten Texten als Heilmethode ein. Dutzende Studien haben deren Effekt bekräftigt, etwa bei Menschen mit Depressionen und manchen Posttraumatischen Belastungsstörungen, aber auch für Rheumakranke und Herzinfarktpatienten.

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Die Mechanismen dieser therapeutischen Effekte sind noch nicht exakt erforscht. Aber vermutlich trägt das Schreiben dazu bei, Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen. Wer Gedanken und Gefühle, die vielleicht nie ausgesprochen oder mühsam verdrängt worden sind, schriftlich festhält, kann seine Emotionen anschließend besser steuern – und befreit ganz buchstäblich sein gesamtes Denken, weil sein Gedächtnis nicht mehr ständig um die immer gleichen Probleme kreist. Und wer sich schreibend mit den Herausforderungen seines Lebens auseinandersetzt, findet eher Sinn darin, diese Schwierigkeiten überstandenzu haben.

Vom therapeutischen Schreibenprofitieren besonders Menschen, die Probleme mit der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse haben: Sie können diese dabei mit anderen - wichtigen – Lebensereignissen verbinden und so in das gestörte Selbst- und Weltbild integrieren.

Dabei vermag das Aufschreiben auch ein Ersatz für Aussprechen zu sein. Denn neben allen anderen psychischen Folgen belastender Ereignisse leiden viele Betroffene häufig darunter, sich durch Schweigen zu isolieren – aus Angst vor den Reaktionen anderer, vor Unverständnis, Ablehnung, Verurteilung. Schreibend können sie sich an ein gedachtes Gegenüber wenden, das zuhört wie ein Therapeut, kommentarlos und ohne Urteil, um den Autor eigene Schlüsse ziehen zu lassen, selbst Sinn im Erlebten zu finden.

Schreiben hilft nachweislich, das Denken zu ordnen

„Dabei kann man strukturiert vorgehen, sich beispielsweise in einem Text nur auf die Fakten konzentrieren, in einem zweiten auf die Emotionen und im dritten auf ein positives Zukunftsszenario”, so die Entwicklungspsychologin Sigrun-Heide Filipp von der Universität Trier. „Aber man kann seine Gedanken und Gefühle auch völlig unstrukturiert fließen lassen, chaotisch. Das Geschriebene ist ja nicht dazu bestimmt, dass irgendjemand anderes es zu lesen bekommt.”

Diese Methode mag simpel klingen, aber sie ist wirkungsvoll: Das Schreiben hilft nachweislich dabei, wieder ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu gewinnen und das Denken zu ordnen – und ganz allmählich auch andere, positive Gedanken zu entwickeln.

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