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Hieroglyphen Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist

Hieroglyphen wurden am Nil auf drei verschiedene Weisen benutzt, am häufigsten als Lautzeichen. Andere Zeichen wiederum konnten für Worte stehen oder für ganze Wortfelder. Wir erklären, wie Sie die ägyptischen Gotteswörter lesen können.
Das Alphabet der Ägypter

Die alten Ägypter kannten Hieroglyphen für Laute, die, wie auf dem ersten Bild gezeigt, aus einem Konsonanten be­standen oder aus zwei, drei, selten sogar vier Konso­nanten zusammengesetzt waren. In der klassischen Schrift des Mittleren Reichs aus der Zeit um 1900 v. Chr. wurden 24 Einkonsonantenzeichen verwendet.

Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist

Mit der Erfindung der Hieroglyphenschrift um 3300 v. Chr. vollzieht sich am Nil eine Revolu­tion.

Ähnlich wie bei unserem Alphabet entspricht dabei jeweils ein Symbol einem einzelnen Laut. Vokale wurden – wie in den meis­ten semitischen Sprachen bis heute üblich – nicht ge­schrieben. Daher setzen Ägyptologen wo nötig den Vokal „e“ als Aussprachehilfe zwischen den Konsonanten ein und lesen sogenannte schwache Konsonanten wie „j“ oder „w“ als „i“ oder „u“. Die Zeichenfolge aus Hocker „p“ und Brot „t“ sprechen sie beispielsweise „pet“ aus.

Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist

Nun ist es den Ägyptern möglich, Güter und Besitztümer, Geschehnisse und Ideen festzu­halten

Neben dem Gebrauch als Lautzeichen konnten Hie­roglyphen auch als Wort­ und Deutzeichen benutzt werden. Wortzeichen sind die Symbole dann, wenn sie genau das bezeichnen, was sie darstellen. Ein Beispiel: Das sandige Hügelland (ausgesprochen „chaset“) meint dann nichts anderes als „sandiges Hügelland“.

Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist

Das Hieroglyphische gleicht einem verspielten Rätsel

 Als nicht mitzulesendes Deutzeichen würde das gleiche Symbol dagegen nur die Bedeutung der vorangestellten Zeichen definieren. So kann es etwa hinter einem Städtenamen angeben, dass es sich um einen Ort im Ausland handelt.

Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist

Einer ägyptischen Überlieferung nach ist der Gott Thot derjenige, der „das Schreiben erfand am Uranfang“. Die Gotteswörter, wie die Menschen am Nil ihre Schriftzeichen nannten, können von links wie von rechts gelesen werden. Die abgebildeten Tiere oder Menschen blicken dabei stets zum Satzanfang.

Die genauere Konstruktion des Hieroglyphischen mag der folgende, aus vier Wörtern bestehende Beispielsatz verdeutlichen. Der Satz beginnt – entsprechend der Blick­ richtung der Vögel – links:

Hieroglyphen lesen

Die abgebildeten Tiere oder Menschen blicken stets zum Satzanfang. In diesem Beispiel ist der Satzanfang demnach links.

Die ersten drei Symbole des ersten Wortes (1) sind Ein­konsonantenzeichen (siehe erstes Foto). Sie stehen für „Wachtelküken“, „Bein“ und „Wasserlinie“ und werden von links nach rechts als die Lautzeichen „w“, „b“ und „n“ ge­lesen – ausgesprochen: „uben“. Die vierte Hieroglyphe in diesem Wort ist ein Deutzeichen und dient allein dazu, die nähere Bedeutung anzugeben. Hier zeigt es die strah­lende Sonne und kennzeichnet den Begriff „uben“ damit als die Vokabel für „scheinen“. (Deutzeichen geben iden­tischen Zeichenfolgen unterschiedliche Bedeutungen. So steht die Kombination aus einem liegenden Hasen über einer Wasserlinie mit zwei gehenden Beinen am Ende für das Wort „eilen“. Mit der Strahlensonne als Deutzeichen kann „Hase über Wasserlinie“ dagegen „Licht“ heißen.)

Das zweite Wort (2) in dem Beispielsatz besteht nur aus einem Symbol, der Sonnenscheibe. Als Wortzeichen benennt diese Hieroglyphe exakt das, was sie darstellt, die Sonne, und hat den Lautwert „ra“. Um Wort und Lautzei­chen voneinander zu unterscheiden, wird dem Wortzeichen ein kleiner senkrechter Strich beigestellt.

Die Eule (3) wird wiederum als Lautzeichen gelesen; ihr Symbol steht für den Konsonanten „m“ und gibt hier die Präposition „am“ wieder. Das letzte Wort (4) beginnt in der oberen Hälfte des Zeichenquadrats mit den beiden Lautzeichen „p“ und „t“. Darunter steht das Deutzeichen zur näheren Bestimmung des Begriffes „pet“. Da es das Himmelsgewölbe darstellt, hat dieses Wort die Bedeutung „Himmel“.

Zusammengenommen ergeben sich also die Worte „SCHEINEN-­SONNE­-AM­-HIMMEL“ oder der Satz: „Die Sonne scheint am Himmel“.

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