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90. Jahrestag Eiserne Lunge: Ein Sarg, der Leben rettet

Die Eiserne Lunge wird im Jahr 1928 in Boston (Massachusetts) zum ersten Mal verwendet. Für manche ist sie ein Gefängnis, doch für viele auch ein Segen. Denn die Maschine rettet Gelähmte vor dem Ersticken
Die eiserne Lunge

Die Eiserne Lunge ist das erste klinische Gerät, das die maschinelle Beatmung ermöglicht

Sie ist ein Monstrum, manche sagen: ein stählerner Sarg. Einer allerdings, der viele Leben rettet, Kinderleben zumal – die eiserne Lunge, das erste klinische Gerät im Großeinsatz, das die maschinelle Beatmung eines Menschen erlaubt.

Der Körper des Patienten liegt bis zum Hals in einem Zylinder, luftdicht abgeschlossen; der Kopf bleibt draußen. Im Innern der Röhre wird Unterdruck erzeugt, sodass die Außenluft durch Nase und Mund des Patienten in die Lunge dringt; dann, im Wechsel, ein Überdruck, der entsprechend zum Ausatmen führt.

Die Eiserne Lunge wird 1929 öffentlich vorgestellt

Ihre Sternstunde erleben die stählernen Kolosse im Kampf um Patienten, die an Polio leiden. Die Viruserkrankung führt zur Lähmung der Muskeln und zuweilen auch zum Aussetzen der Atmung. Am Kinderkrankenhaus von Boston kommt das von Philip Drinker entwickelte Gerät 1928 erstmals zum Einsatz: Ein achtjähriges Mädchen, an Polio erkrankt und bereits im Koma, kann binnen Minuten wiederbelebt werden.

1929 wird die Eiserne Lunge der Öffentlichkeit vorgestellt. Einige Patienten benutzen es nur vorübergehend, manche über Nacht, andere ständig.

Die Amerikanerin Martha Mason verbringt sechs Jahrzehnte in einer eisernen Lunge, bis sie 2009 stirbt. Längst gibt es da andere Methoden, aber sie hat sich an ihr Gefängnis gewöhnt, das sie als Elfjährige rettete – und sie ein Menschenleben lang festhielt.

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