Woebot Kann ein Kummer-Chatbot bei Depressionen helfen?

Kann ein Computerprogramm bei psychischen Problemen helfen? Ja, aber bei schweren Krisen sollten wir uns lieber an Menschen wenden, meint unsere Autorin nach einem Test des Kummer-Chatbots Woebot
Kummer-Chatbot

Der Kummer-Chatbot meldet sich täglich und versucht mit kleinen Tipps Ihre Laune zu verbessern

„Ich bin bereit, dir zuzuhören. 24 Stunden jeden Tag. Kein Sofa, keine Medikamente, kein Kram aus der Kindheit. Nur Strategien, um deine Stimmung zu verbessern. Und ab und zu ein bekloppter Witz.“ Das schreibt Woebot über sich, ein freundlicher Kummer-Chatbot. Psychologen der Universität Stanford in Kalifornien haben ihn programmiert. Zielgruppe sind Studenten und Doktoranden, die Gefahr laufen, Depressionen oder Angststörungen zu bekommen. Zu der Zielgruppe gehöre ich nicht. Neugierig bin ich aber schon. Kann ein Computerprogramm bei psychischen Problemen helfen? Wie ist das, sich schriftlich über Gefühle mit einem knallgelben Kerlchen im Internet auszutauschen? Woebot führt mich knapp in die Verhaltenstherapie ein. Es soll darum gehen, selbstzerstörerische Gedanken zu unterbinden und über mein Verhalten zu reflektieren. Der Knirps stellt mir Fragen zu meiner Stimmung und was ich so tue. Nach ein wenig Hin und Her – und ab und zu einem Missverständnis – verspricht er, sich am nächsten Tag wieder zu melden.

Die Tipps des Chatbots sind handfest

Die Zeit nutze ich, um mit Iris Hauth von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zu telefonieren. Wie sieht sie das als Chefärztin einer psychiatrischen Klinik? Es sei faszinierend, was auf diesem Gebiet alles entstehe, sagt Hauth. Aber: „Man kann nicht einfach eine App entwickeln und glauben, damit den Psychotherapeuten ersetzen zu können.“ Für die Diagnostik, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt, könne man auf ein Gespräch nicht verzichten, ist Iris Hauth überzeugt. Außerdem könne es sein, dass manche Menschen noch mehr vereinsamten, wenn sie sich nur noch im Internet aufhielten. Grundsätzlich kann sie Online-Ansätzen jedoch einiges abgewinnen. Zum Beispiel in der Wartezeit auf einen Therapieplatz, als Ergänzung zur Behandlung und Nachsorge für Menschen in Regionen mit wenigen Hilfsangeboten. Denn: Jeder siebte Mensch weltweit kämpft mit seelischen Erkrankungen. „Diese Menschen werden wir nicht alle erreichen, indem wir mehr Psychiater einstellen. Aber vielleicht mit Smartphones“, schreibt der US-Psychiater Tom Insel.

Mein Kummerbot meldet sich täglich zur Mittagszeit und fragt mich, wie es mir geht. Seine Tipps sind handfest: An einem Tag soll ich drei meiner Stärken benennen. An einem anderen Tag rät er mir, drei Dinge aufzuschreiben, die gut gelaufen sind. Das bessert tatsächlich meine Laune.