Afrika Warum ein schlichtes Fahrrad pure Freiheit bedeuten kann

Weite Wege, schlechte Straßen – in armen Ländern gehen Menschen viel zu Fuß. Ein einfaches Hilfsmittel kann ihr Leben radikal verbessern: ein schlichtes, stabiles Fahrrad
Fahrräder für Afrika

Kann den Alltag in ärmeren Ländern schlagartig verbessern: ein Fahrrad!

Weite Wege, schlechte Straßen – in armen Ländern gehen Menschen viel zu Fuß. Ein einfaches Hilfsmittel kann ihr Leben radikal verbessern: ein schlichtes, stabiles Fahrrad

Der Büffel ist ein Rückschritt. Das blaue Fahrrad mit dem Namen „Buffalo“ befindet sich auf dem Stand der Technik von vor dem Zweiten Weltkrieg: Rücktrittbremse, keine Gangschaltung. Rahmen und Gepäckträger sind aus Stahl.

Der Büffel wiegt 23 Kilogramm, also dreimal so viel wie ein modernes Rennrad. Aber: „Ein Fahrrad bringt nichts, wenn es nur 90 Tage hält“, sagt Brian Moonga, Landesdirektor der internationalen Hilfsorganisation World Bicycle Relief (WBR) in Sambia.

Denn der Büffel ist nicht für asphaltierte Straßen gebaut. Sondern für holprige Wege mit Schlaglöchern. Zusätzlich zum Fahrer kann das Rad eine Last von 100 Kilo transportieren.

In Gegenden ohne Verkehrsinfrastruktur verhilft dieses Fahrrad den Menschen zu einer völlig neuen Mobilität: Mit dem Büffel überwinden sie das Hindernis der Entfernung. Wo kein Bus fährt, kommen Schüler mit diesem Rad zur Schule. Krankenpfleger erreichen im Kampf gegen Aids abgelegene Dörfer. Kleinbauern können auf dem Gepäckträger ihre Ernte zum Markt transportieren.

Die Hilfsorganisation mit Hauptsitz in Chicago begann 2005, nach dem Tsunami, Fahrräder als Wiederaufbauhilfe nach Sri Lanka zu schicken. Seither hat WBR gut 30 000 Räder nach Südostasien und Südamerika geliefert.

Mehr als ein Fahrrad

In Afrika rollen mehr als 300 000 Büffel, entwickelt als robustes Einheitsmodell für Männer und Frauen. Die Rahmen werden in China gebaut, montiert werden die Räder in fünf afrikanischen Ländern.

Das schafft Arbeitsplätze, und die Ausbildung von Mechanikern gehört zum Konzept. Jeder bekommt Arbeitskleidung, eine Luftpumpe und einen Satz einfacher Standardwerkzeuge. Mechaniker gehen an Schulen, um die Fahrräder zu warten.

So löst die Fahrradhilfe ein Problem, an dem viele gut gemeinte Vorhaben der Entwicklungshilfe gescheitert sind. Statt mit großem finanziellem Aufwand technische Großprojekte zu bauen, setzt das Projekt auf ein alltagstaugliches Hilfsmittel, das vor Ort repariert werden kann. Ein Buffalo-Bike kostet 134 Euro Spendengeld.

Den Büffel gibt’s aber nicht als Wohltat umsonst. Wenn ein Schüler ein Fahrrad will, muss er einen Vertrag unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, zwei Jahre lang täglich mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Erst danach geht der Büffel in seinen Besitz über.