Erinnerungen: So hält der Urlaub länger

Sie kommen aus einem Traumurlaub zurück, sind super erholt - und nach wenigen Tagen hat der Alltagstrott Sie wieder. GEO.de-Redakteurin Bianca Gerlach kennt das Gefühl - und verrät, wie Sie gegensteuern können

Haben Sie schon mal den Satz "Ich schwelge noch in Urlaubserinnerungen" gesagt? Vielleicht in leicht abgewandelter Form? Ich vermute schon. Denn das ist wohl die beliebteste Antwort überhaupt auf die Frage nach den just zu Ende gegangenen Ferien. Ich sage diesen Satz auch. Gerne sogar.

Doch ich wage zu behaupten: Dieser Satz stimmt nicht. Nie! Denn - und da resümiere ich das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage im privaten Umfeld - hakt man genauer nach, sagt die Mehrheit, dass sie die Reise genau so schnell vergessen hat wie der Computer auf der Arbeit hochgefahren ist. Und zwar ganz egal, wie lange man unterwegs war, ein paar Tage, drei Wochen, auf zweijähriger Weltreise. Wenn aber keiner diesen Satz so richtig ernst meint, dann frage ich mich: Was ist damit eigentlich gemeint?

Ist es Wunschdenken? Wünscht man sich schlichtweg die Gelassenheit zurück, die man nach ein paar Tagen Auszeit meist an sich entdeckt? Träumt man von einer Art permanenten Bewusstseinsveränderung, die Alltagssorgen ausblendet, sobald man sich nur an den Dreiklang von Sonne, Strand, Meer erinnert? Vielleicht. Fakt ist, dass dieses kleine Biest namens Trott auf heimischen Boden lebt und uns - kaum gelandet - eiskalt wieder in die guten alten Muster zurückdrängen will. Schon beim Auspacken packt die schnöde heimische Normalität zu. Mit jeder Socke, jedem Shirt, das in der Waschmaschine landet, verdrängt es hinterhältig all die schönen Erinnerungen. Der Eisfleck im Kleid, der Matsch, der beim Mofafahren am Hosenbein hochsprang, der Geruch von Sonnenmilch und Meer im Badehandtuch – alles wird rein gewaschen.

Schwelgerei? Unter dem Poststapel begraben

Die Post, feinsäuberlich auf dem Küchentisch gestapelt, winkt mit Verpflichtungen, schlimmstenfalls Rechnungen. Die schöne Schwelgerei - wieder einen Papierstapel weiter in die Ferne gerückt. Und am Abend dann, beim Herunterladen der Digitalfotos auf die Festplatte, klickt man sich gerne mal auf die Schnelle durch die Pixelflut. Nur um zu schauen: Hat alles mit dem Überspielen geklappt? Um einen "Ach, wie schön war es doch"-Seufzer hinterherzuschieben - und danach die Wäsche aufzuhängen.

Der wahre Frontalangriff auf die letzten noch zuckenden Überlebenden im Schwelgekosmos ist dann Tag eins nach dem Urlaub, im Büro. Genau genommen packt uns das Tretmühlen-Monster schon den gesamten Morgen davor: der Wecker, der zur exakt gleichen Uhrzeit klingelt wie vor der Abreise, die Fahrt zur Arbeit exakt auf der gleichen Strecke – und schließlich der Schreibtisch, der an exakt der gleichen Stelle wie vor dem Urlaub steht, der Computer, das Telefon, das Notizbuch, alles an seinem Platz. Und man selbst eben auch. Wieder zurück auf Los wie beim Monopoly. Als wenn es den Aufbruch nie gegeben hätte. Ach so, das Geld, das man beim Spiel auf diesem Feld bekommen hätte, darf man übrigens nicht mitnehmen. Das hat man ja schon für den Urlaub ausgegeben.

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Wo sind all die schönen Urlaubserinnerungen hin?

Wie Sie Ihre Schwelgerei doch vor dem schnellen Aus retten können? Diese Tipps hätten wir für Sie:

Sammeln von Nippes: Etwa kitschige Plastik-Götter aus Indien, die im heimischen Regal bei Freunden für ein großes Hallo sorgen: "Wow, wo hast du denn den hässlichen Elefanten her?" Sorgt für kurzfristiges Aufflackern der Erinnerung.

Essen einpacken: Machen Sie am letzten Tag der Reise einen Streifzug über Märkte und kaufen Sie allerhand Essbares ein: Süße Teilchen vom Bäcker, Pfefferkörner vom Gewürzstand, frischen Käse. Je nach Haltbarkeit schmeckt der Urlaub so einige Tage oder gar Wochen nach.

Fotobücher erstellen: Statt einer Sammlung von Festplatten und Dateien, die womöglich "0034.jpg" lauten und keinerlei Auskunft über Ort des Geschehens geben, drucken Sie Fotobücher – mit Bildbeschreibungen. Das zwingt zum Nachdenken und reaktiviert den Erinnerungsmodus.

Kleidung und Schmuck kaufen: Nichts ist schöner, als auf die Frage nach der Herkunft eines Kleidungsstücks antworten zu können: "Ach, das, das habe ich aus Thailand." Sorgt womöglich für Folgefragen, bei denen man vom Urlaubsort schwärmen kann. Auch das hilft beim aktiven Erinnern.

Die Aussicht konservieren: Falls Sie im Urlaub eine schöne Aussicht entdecken, etwa vom Hotelbett in den Himmel, aus dem Auto in eine Bucht, vom Frühstückscafé aufs Meer, machen Sie ein Foto, drucken es zu Hause aus, hängen es neben das Bett und schaffen eine permanente Aussichtsplattform. Wer künstlerisch begabt ist, kann auch versuchen, die Boote im Hafen, die Konturen der Bergkette gegenüber mit dem Bleistift festzuhalten. Ein persönlicheres Souvenir gibt es nicht.

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