Flugreise: Check-in-Schalter werden abgeschafft

Auf Flügen gibt's Service oft nur noch gegen Aufpreis: Getränke und Snacks im Flugzeug kosten Geld. Damit nicht genug: Jetzt schaffen die Airlines ihre Check-in-Schalter ab

An vielen Flughäfen übernehmen Automaten das Kommando. So sehen Lufthansa-Passagiere beim Check-in nicht in das Gesicht eines Menschen, der nach dem Ticket fragt, sondern blicken auf einen Monitor. Und machen ab da alles selbst: tippen den Buchungscode ein, wählen einen Sitzplatz, nehmen Bordkarte und Gepäck-Coupons aus dem Drucker und geben dann die Koffer auf. Wie die Lufthansa verfahren viele Airlines.

Und während die Werbung der Fluggesellschaften immer emotionaler wird, kann man sich als Passagier ziemlich einsam vorkommen. Jan Bärwalde von der Lufthansa sagt, was die nähere Zukunft bringen wird: "In zwei bis drei Jahren sollen drei von vier Passagieren automatisiert einchecken." Automatisiert heißt per Selbstbedienung – mittels Internet, Mobiltelefon oder Check-in-Automat. Von Menschen werden nur noch Gruppen, allein reisende Kinder, Passagiere mit eingeschränkter Mobilität sowie First- und Business- Class-Kunden bedient. Die Gründe für die technische Umrüstung: Am Automaten dauert das Check-in mit zwei Minuten halb so lang wie der herkömmliche Weg. Zudem spart die Fluggesellschaft Personal.

Davon profitiert der Fluggast, weil die Tickets günstiger werden. Und da wir alle billig fliegen wollen, sind wir quasi selbst schuld an dieser Entwicklung.

Europas größter Billigflieger hat bereits alle Check-in-Schalter eliminiert. "Wir haben nur noch ein Band zur Abgabe des Gepäcks – alles andere wird online erledigt", erklärte Ryanair-Boss Michael O’Leary. Im August bekamen die Passagiere einen Vorgeschmack darauf, welche Folgen die Sparpläne haben können: Weil die Airline am Londoner Flughafen Stansted für 255 Flüge nur elf Gepäckabgabeschalter geöffnet hatte, verpassten 700 Ryanair-Passagiere ihre Flüge. Spätestens, wenn die Maschine, auf die man gebucht ist, ohne einen abhebt, war auch das billigste Ticket zu teuer. Verglichen mit dem radikalen Vorgehen der Iren, scheint das Lufthansa-Ziel einer Selbstbedienungsquote von 75 Prozent moderat zu sein. Doch gemessen am Verhalten der Fluggäste, ist es ehrgeizig. Denn erst jeder fünfte Lufthansa-Passagier nutzt den Automaten, nicht einmal jeder sechste Internet oder Handy.

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Selbst ist der Fluggast: Bitte checken Sie ein

Vielflieger nutzen die Technologie - und der Rest?

Bei Air France allerdings checken schon 60 Prozent der Passagiere selbst ein. British Airways hat am Terminal 5 in London-Heathrow die Selbstbedienungs- Traumquote von 80 Prozent erreicht. Und die skandinavische SAS hofft, dass bis 2011 vier Fünftel ihrer Fluggäste online oder über Mobilfunk einchecken. Passagiere, die beruflich viel fliegen, nutzen die neuen Technologien. Doch wie verhalten sich Ferien- und Wochenend-Flieger? Dazu Trendforscher Harry Gatterer vom "Zukunftsinstitut" in Kelkheim: "Die Automaten machen das Check-in für Urlauber häufig noch komplizierter", sagt er. Gefürchtet wird der Automat besonders von Wenigfliegern – und das sind die meisten Deutschen.

76 Prozent gaben gegenüber dem "Allensbach-Institut" in einer aktuellen Umfrage an, in den letzten 12 Monaten nicht geflogen zu sein. Deshalb rechnet Zukunftsexperte Gatterer nicht damit, dass es bald nur noch Check-in- Maschinen gibt. Dabei sei das automatisierte Einchecken viel komfortabler, beharrt Lufthansa- Mann Bärwalde. So könnten Reisende ihre Sitzplätze vor Abflug selbst auswählen und die Bordkarte für den Anschlussflug gleich mitausdrucken. Aber die automatisierte Welt hat Tücken: In den Vielflieger-Foren im Internet klagt man über Probleme beim Check-in für Anschlussflüge.

Protest? Nicht vorgesehen

Werden diese von einer Partner-Airline durchgeführt, könne man die Bordkarten oft nicht online abrufen. Oder: Wer die Frage des Check-in- Automaten – "Reisen Sie mit Gepäck?" – übersieht, erhält keinen Koffer-Coupon und kann am "Baggage-Drop-Counter" das Gepäck erst nach einem Marathonlauf durch die noch verbliebenen Instanzen abgeben. Oder: Wer bei SAS nicht spätestens vier Stunden vor Abflug per PC oder Automat eincheckt, hat keine freie Sitzwahl mehr, das System platziert nach eigener Logik, egal, ob man neben der Reisebegleitung sitzen möchte. Protest? Ist beim Automaten nicht vorgesehen.

Außerdem: Wer mit kleinen Kindern reist, die man am Flughafen besser nicht aus den Augen lässt, kann sich schlecht auf die Tipp-Prozedur am Automaten konzentrieren. Auch deshalb kann man sich nur wünschen, dass die Airlines auf den Trendforscher hören. "Reisende, die nicht regelmäßig fliegen", sagt er, "suchen am Flughafen nach Orientierung und Sicherheit." Beides kann der Automat nicht bieten.

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