Rousay-Tour mit Paddy: Das erlebten unsere Mitglieder
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Rundtour auf einer Orkney-Insel
Auf den Orkney-Inseln im Norden von Schottland gibt es viel zu sehen. Zeugnisse einer vieltausendjährigen Geschichte, wunderbare grüne Landschaft und zahllose Seevögel. Wir wollten ursprünglich gern die Flugverbindung innerhalb der Inseln nutzen. Die Inseln gleichzeitig von oben sehen und auch eine der weiter draußen liegenden Inseln erkunden. Immerhin gilt der Flug von Westray nach Papa Westray als kürzester Linienflug der Welt, für den man sogar ein Zertifikat bekommt. Leider waren sämtliche Flüge an den uns zur Verfügung stehenden Tagen ausgebucht – kein Wunder, die Maschine hat ja nur 6 Plätze (inklusive Pilot). Wir mussten uns also etwas anderes und haben eher zufällig Paddys Touren auf der Nachbarinsel Rousay entdeckt. Großartige Idee! Für wenig Geld sind wir den ganzen Tag auf der Insel unterwegs gewesen, sind chauffiert worden und hatten kundige Reisebegleitung und Mittagessen gab es auch noch. Wirklich großartig! Allein hätten wir das alles nie gesehen! Ein kompletter Tag Herumfahren und Führen, inklusive Mittagessen für weniger als 25 Pfund pro Nase.
Zur Fähre nach Tingwall auf Mainland muss man natürlich alleine kommen, Paddy holt einen dann auf der anderen Seite im Hafen ab. Damit kommt noch ein Fährpreis von etwa 8 Pfund für Das hin- und Rückticket dazu.
Die Fähre braucht für die Strecke etwa eine halbe Stunde. Man kann Rousay gut von Mainland aus sehen, auch Wyre und Eynhallow, die kleinen Inselchen, die dazwischen liegen. Auf Wyre lebt noch eine Farmer-Familie, Eynhallow ist heute unbewohnt. Dafür ist Eynhallow eine heilige Insel – es gibt die Ruinen einer Kirche, vielleicht sogar eines Klosters und die Einheimischen holen schützende heilige Erde und Steine von der Insel.
Die Überfahrt war ziemlich nass und trübe – aber wir wurden pünktlich von Paddy am Hafen abgeholt. Mit dabei waren noch zwei englische Damen, die sich vor allem für Natur und die Vögel der Inseln interessierten. Birdwatching ist ja ein typisch britisches Hobby. ;)
Paddy ist eigentlich Ire, er lebt aber schon lange auf Rousay und ist als Führer ein wandelndes Lexikon, dass zu allem Auskunft geben kann. Außerdem chauffiert er einen bequem durch die Gegend und hält bereitwillig an jeder Stelle an, wenn man ein Foto machen will oder einen Vogel beobachten. Auch die Einheimischen sind das gewöhnt und warten geduldig hinter dem Auto auf die Weiterfahrt, solange Paddy seinen Touristen was erklärt. Die Einheimischen auf Rousay kennen sich ja ohnehin alle, es sind ja auch nur noch gut 200 die dort leben. Immerhin aber mit eigener Schule und medizinischer Station.
Zuerst ging es rund um die Insel. Die Straße führt auf gut 30 km rings um die beinahe runde Insel. Es gab Ausblick auf die regenverhangenen Berge der Insel, auf die Nachbarinseln, die Klippen und natürlich unzählige Schafe. Wir haben immer mal Halt gemacht, an einem besonders schönen Aussichtspunkt gepicknickt und sind dann zu einem Vogelbeobachtungsfelsen gelaufen. Wir haben viele Möwen gesehen und auch andere Seevögel, die ich nicht auseinander halten kann. Puffins, ja, die haben wir auch gesehen. Und als große, wirklich große Sensation einen Otter!
Ich hab nur ein sehr schlechtes Foto, weil ich die Kamera nicht gleich in Anschlag hatte. Es gibt Otter auf den Orkneys, an der Küste und den Buchten, aber normalerweise bekommt man die nicht zu Sehen. Es war also wirklich eine ganz besondere Beobachtung – mit der wir auch die Einheimischen glühend neidisch machen konnten. *g* Die anderen birdwatching-Touristen natürlich sowieso. *g*
Nach der Naturbeobachtung folgten die archäologischen Highlights, die die Gegend zum „Ägypte des Nordens“ machen. Allen voran die Anlage von Midhowe. Es gibt einen gerade zu riesigen Cairn, einen Broch, zwei weitere kleinere Cairns, Farmanlagen aus der Wikingerzeit und eine mittelalterliche Kirchenruine.
Wir haben uns zuerst den großen Grabhügel angeschaut, er heute von einer Halle geschützt wird. Wie man schon an der Halle sieht, ist das keine kleine Anlage… nein, die ist riesig. Über 30 m lang, fast 20 m breit und auch entsprechend hoch. Heute ist der Grabhügel oben offen, aber an den meterdicken Wänden sieht man noch die ursprüngliche Struktur der Trockensteinmauern. Und man kann mittels Gerüst obendrüber gehen und den Innenraum auf sich wirken lassen.
Das Grab stammt etwa aus der Zeit 3500 vor Chr. Es enthält einen langen „Flur“, der mit Steinen in unterschiedliche Segmente abgeteilt wird. Auf diese Weise entstehen 12 Boxen, die jeweils eine Steinbank enthielt. Es wurden Knochen von 25 Personen gefunden und verschiedene andere Funde.
Am beeindruckendsten sind aber wirklich die Ausmaße… meine Güte, welche Massen an Steinen dafür bewegt werden mussten! Das baut man mal nicht ebenso als Ferienprojekt, zumal ja noch nicht mal das Rad bekannt war. Das ist unglaublicher Aufwand – und große Kunstfertigkeit im Errichten solch steinerner Monumente.
Angemessen beeindruckt sind wir weiter zum Broch gegangen – und waren da gleich noch mal beeindruckt. Ein Broch ist ein Wohnturm der Eisenzeit. Die Anlage ist damit „nur“ um die 2500 Jahre alt, also 3000 Jahre jünger als der große Grabhügel. Es ist eine komplexe Anlage aus Gräben, Wällen und noch bis zu 4,5 m hohen Wänden. Sehr, sehr beeindruckend.
Man kann Räume erkennen, Feuerstellen, Gräben, Wachgänge. Und da wir nicht im Museum sind, können wir auf alles hochsteigen und auch unter Steinplatten gucken. Als brave deutsche Touristen hätten wir uns das ja nie getraut, aber Paddy war da völlig schmerzfrei. *g*
Die Aussicht ist ebenfalls fantastisch und die strategische Lage unschlagbar. Direkt an der Küste, aber durch einen strudelnden Mahlstrom von überraschenden Besuchen von See her geschützt. Berg im Rücken, mit Wällen abgegrenzt, aber fruchtbare Hänge in Reichweite. Die Nachbarinseln sind leicht erreichbar – und man kann den Broch von Gurness auf Mainland sogar sehen. Die Gegend ist seit Tausenden von Jahren durchgehend besiedelt und man versteht auch, warum.
Wir sind noch ein Stück an der Klippe entlanggelaufen, an der Wikingerfarm vorbei und dem nächsten Cairn, bis hin zur mittelalterlichen Kirche. Eine malerische Ruine und überhaupt ein sehr schönes Fleckchen Erde.
Und dann sind wir den steilen Weg zur Straße wieder hochgekraxelt, *uff* damit uns Paddy auf dem Weg zur Fähre noch zwei weitere Grabhügel zeigen konnte. Zuerst Blackhammer Cairn mit seiner Betonhaube. Und danach Taversoe Tuick, das in seiner Art nahezu einmalig ist. Es handelt sich nämlich um eine zweistöckige Anlage und davon wurde bisher nur noch eine einzige gefunden (auf der Nachbarinsel Eday).
Es gibt also eine obere und eine untere Kammer, die beide einen jeweils separaten Eingang haben. Der untere Eingang kann heute wegen Einsturzgefahr allerdings nicht mehr benutzt werden – deshalb gibt es jetzt eine Leiter innen, dass man von einer Kammer in die andere klettern kann. Das Grab, wie auch Blackhammer Cairn werden auf etwa 3000 vor Chr. datiert.
Alles sehr spannend – aber dann hatten wir auch zu tun, pünktlich zurück auf der Fähre zu sein. Wirklich ein toller Ausflugstag und Paddy als Führer ist sehr zu empfehlen. Unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. :) Wer die Orkney-Inseln besucht und sich dafür mehr als einen Tag Hauptinsel Zeit nimmt, der sollte mit Paddy die Nachbarinsel Rousay entdecken.
Bilder von Vinni zu Rousay-Tour mit Paddy
Reiseveranstalter: http://rousaytours.co.uk/
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