Reisetipp: Paderborn
Paderborn: Das erlebten unsere Mitglieder
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Urlaubstraum (RP) 18.06.12
Beschreibung des Anbieters
Paderborn, die historisch bedeutsame kleine Großstadt der Superlative
Wollte jemand noch vor einigen Jahren die Paderborner Einwohner/innen mit einem Schmunzeln kennzeichnen, so hieß es:
Kennst Du die Steigerung von „schwarz“? Also: Schwarz, Münster, Paderborn! Da hatte man die Lacher auf seiner Seite und Nicht-Insider fragten nach den Gründen, weshalb denn Paderborn bei dieser Steigerung den Superlativ bilden würde.
Mit „Schwarz“ und seiner Steigerungsform „Paderborn“ war natürlich so vielerlei gemeint: zunächst einmal die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche, denn das war lange ein Muss in Paderborn, obwohl im 16. Jhd. sogar das Domkapitel evangelisch war, was den Gestrengen nicht behagte und deshalb wurde auch der protestantische Bürgermeister hingerichtet und die Jesuiten betrieben eifrig die Gegenreformation. Die Stadt verlor dadurch ihre Selbständigkeit an den katholischen Fürstbischof, der allerdings vor ca. 100 Jahren sein weltliches Amt abgeben musste, als Paderborn an Preußen fiel, dennoch blieb es reinweg katholisch. Seit gut 200 Jahren gibt es auch wieder eine evangelische Gemeinde in Paderborn und diese wächst mit der Zuwanderung der Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, so dass z.B. in einer Schule, die nach dem Hexenwahn-Aufklärer und Gegenreformator Friedrich von Spee genannt wurde, trotz dieses eher doch urkatholischen Namenspatrons mehr evangelische Schüler/innen als katholische unterrichtet werden. Daneben gibt es natürlich mittlerweile viele muslimische Kinder, die mit ihren Eltern zwei der Moscheen aufsuchen können, man hat eine große aramäische Kirche gebaut, russisch-orthodoxe Messen und Gottesdienste in Freikirchen werden gefeiert, man kann sich in Königreichssälen versammeln und es gibt sogar eine Synagoge sowie Gebetsräume für Anhänger/innen asiatischer Religionen. Alles ist mittlerweile möglich in Paderborn, zumindest fast alles!
Mit „Schwarz“ kennzeichnet man bekanntlich die politische Richtung einer bestimmten Partei und die beherrscht seit Ewigkeiten das Stadt- und Kreisparlament. Aber die Steigerungsform könnte sich bezogen auf Paderborn auf die frühere katholische Zentrumspartei beziehen und genau diese fand in der Stadt geradezu eine Hochburg. Wer Ehrenbürger während der Nazi-Herrschaft wurde, soll hier lieber nicht erwähnt werden.
Zu dieser Art „schwarzen Seele“ gehört auch die konservative Haltung der Menschen, die sich außerordentlich der Tradition verpflichtet fühlen, d.h. als Mann muss man Mitglied im Schützenverein sein, der aus der einstigen Bürgerwehr hervorgegangen ist und zur Paderborner 5. Jahreszeit, also zu Libori, eines der größten weltlichen und kirchlichen Volksfeste, wenn der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen von den Schützen durch die Stadt getragen wird, da muss Mann dabei sein und natürlich ebenfalls beim anschließenden Rummel, auf dem man seine Trinkfestigkeit beweisen muss, z.B. mit einem "evangelischen" Bier. Den Hunger stillt man mit einem "katholischen" Würstchen (beide Kirchen unterhalten derartige Stände als gute Geldeinnahmequelle ohne einen Gedanken an etwaige Absurdität zu verschwenden) und so findet wenigstens im Bauch die Ökumene statt. Fremde reagieren auf dieses kirchliche Angebot, das ja eher Lasterhaftes beinhaltet, indem im Extremfall Besäufnisse und Fressorgien unter kirchlichen Segen gestellt werden, vermutlich befremdet, und wenn dann noch obendrein soetwas mit bierernster Miene und würstchentrocken als Selbstverständlichkeit dargestellt wird...? Flugs löst sich spätestens am Bierbrunnen die Paderborner Sturheit in Wohlgefallen auf. Kein echter Paderborner und auch keine echte Paderbornerin fahren jetzt in Urlaub, obwohl das Fest immer in den Sommerferien liegt. Übrigens geht dieses Ereignis auf das Abholen der genannten heiligen Knöchelchen auf die früher übliche Reliquientranslation aus Frankreich zurück, in diesem Fall aus Le Mans und damit hat Paderborn, um bei den Superlativen zu bleiben, im Jahre 836 die älteste Städtepartnerschaft Deutschlands geschlossen. Und an dieser Stelle noch ein Wort zum Schützenfest, was wiederum vor ein paar Jahren einen Superlativ zu bieten hatte: das war der erste muslimische Schützenkönig Deutschlands in einem katholischen Schützenverein, der zudem der größte Deutschlands ist!
Ein echter Kaiser und wahrhafte Könige/innen sowie andere Würdenträger hatten in Paderborn schon im 8. Jahrhundert ihren großen Auftritt: Karl der Große unterwarf und christianisierte die heidnischen Sachsen mit Gewalt und weilte deshalb auch in Paderborn, was zu dem Zeitpunkt seinen Namen erhielt, aber als Stadt wurde es erst 250 Jahre später erwähnt. Etwa 20 Jahre nach Karls Missionssynode floh Papst Leo III den König um Hilfe bittend nach Paderborn und beschloss ihn im Jahre 800 zum Dank für die gewährte Unterstützung in Rom zum Kaiser zu krönen. Das war übrigens, um den Superlativ wieder zu erwähnen, der erste Papstbesuch überhaupt auf deutschem Boden und fast 1200 Jahre später weilte Johannes Paul II an der Pader, das war der zweite Papstbesuch in der Stadt. Die im romanischen Stil errichtete ottonisch-salinische sowie die karolingische Kaiserpfalz Karls wurden freigelegt und erstere rekonstruiert und angeblich ist das stufige Steinmonument unterhalb des Doms Karls ehemaliger Thron. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch mit dem Bau des mächtigen sakralen Gebäudes begonnen, was jedoch mehrfach Bränden zum Opfer fiel, so dass das heutige Erscheinungsbild ein anderes ist, und zwar ist überwiegend der romanische und gotische Stil mit teilweise späterer Barockisierung auszumachen. Bedeutsam ist das Paradiesportal, das zwar dem Münsteraner ähnelt, aber hier mit einer stehenden Madonnenfigur aufwarten kann, welche zu den frühest so dargestellten gehört. Durch dieses Portal begaben sich vormals die Pilger/innen auf ihrem Weg nach Santiago de Compostella um in die Vorhalle zu gelangen, die ihnen als Aufenthaltsraum diente.
In unmittelbarer Nachbarschaft draußen versucht die Gaukirche mit ihrer Barockfassade auch einmal eines Blickes gewürdigt zu werden.
Die romanischen Zwillingstürme der evangelischen Abdinghofkirche in der Nachbarschaft konkurrieren je nach der Perspektive des Betrachtenden hinsichtlich des Aufmerksamkeitsfaktors mit der Kathedrale. Um bei den Superlativen zu bleiben, muss an dieser Stelle unbedingt die byzantinische Bartholomäuskapelle hinter dem Dom und unweit der Abdinghofkirche erwähnt werden, denn diese ist die älteste Hallenkirche nördlich der Alpen und kann trotz ihrer Winzigkeit mit einer außergewöhnlichen Akustik aufwarten.
Besichtigt man dieses für Paderborn so heilige und symbolträchtige Zentrum der Stadt, so darf man das Dreihasenfenster im Innenhof des Dom-Kreuzganges nicht unbeachtet lassen: „Drei Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei“. Dieses Wahrzeichen wurde zum Glücksbringer, denn der Hase galt seit Urzeiten als Symbol der Fruchtbarkeit und im Christentum dann mit der Zahl Drei verbunden auch als das der Dreifaltigkeit.
In diese mittelalterliche Zeit hinein fällt ebenfalls die Krönung Kunigundes zur Königin in Paderborn. Die Stadt war so bedeutend geworden, dass sie Hauptstadt des Hochstiftes und ein geistiges sowie weltliches Zentrum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen wurde und in den Folgejahren auch Hansestadt, da sich hier die beiden wichtigsten Handelswege kreuzten, die Via Regia von Bremen nach Frankfurt mit dem Hellweg von Aachen nach Königsberg. Letzter ist heutzutage im Innenstadtbereich die autofreie Haupteinkaufsstraße. Insbesondere wurden damals die gegenwärtig immer noch wichtigen und bekannten Paderborner Produktionsartikel Brot und Bier exportiert und folglich auf diesen Wegen transportiert.
Aufgrund der immensen Bedeutung, die Paderborn in der Vergangenheit galt, brauchte die Stadt auch ein repräsentatives weltliches Gebäude und dieses wurde das Rathaus, was zur Zeit des Barock im Stile der Weserrenaissance erbaut wurde. Um den Rathausplatz herum und an der Pader befinden sich einige restaurierte Bürgerhäuser aus verschiedenen Epochen, die u.a. auch der Weserrenaissance zuzuordnen sind; eines davon, was zu den ältesten Häusern der Stadt zählt, ist ein Café-Restaurant mit Hotelbetrieb und dieses wiederum wurde als eines der besten Cafés Deutschlands ausgezeichnet. Des Weiteren liegen etwas tiefer an der Pader viele schmucke Fachwerkhäuser, von denen das Adam-und-Eva-Haus besonders hervorsticht. Begibt man sich wieder zurück zum Rathausplatz, so schaut man ganz in der Nähe hinüber zu einem weiteren Sakralbau, zu der barocken Fassade der Jesuitenkirche, die im Innern mit einem prächtigen Altar aufwarten kann. Nebenan ist das Theodorianum, einst ein Jungengymnasium, das man, wenn man in Paderborn Karriere machen wollte, als Schüler besucht haben musste und das schon zu Karolingerzeiten bestand um den Theologennachwuchs heranzuziehen. Heute ist es nicht nur eines der zehn ältesten noch bestehenden deutschen Gymnasien, sondern mittlerweile sind im Zuge der Koedukation auch Mädchen am Theo zugelassen, die früher als Alternative ihre Schullaufbahn im angesehenen Michaelskloster absolvierten, was als älteste Mädchenschule in NRW gilt - das sind die Superlative im schulischen Bereich.
Nach dem Abitur kann man in Paderborn gleich auf die Uni wechseln, die -und das ist wiederum ein Superlativ- die erste Universität in Westfalen war.
Die Studenten haben in den letzten Jahren das politische Bild der kleinen Großstadt, die bei ihrer Erhebung in diesen Stand in den 70er Jahren zunächst als kleinste der Art galt (und wieder ein Superlativ), etwas verschoben und bunter werden lassen. So feierten sie auch vor gut 10 Jahren die größte Uni-Party Deutschlands. Das neue Universitätsgebäude stammt aus der Zeit der Großstadtgründung und platzt aus allen Nähten. Es liegt etwas bergauf in Richtung Paderborner Hochfläche, die in ihrer Ausdehnung ans Sauerland und ans Eggegebirge angrenzt. Auch hier im Umland hat man historisch Bedeutsames gefunden, und zwar Siedlungsreste aus der Altsteinzeit, mittelsteinzeitliche Plätze, jungsteinzeitliche Steinkisten- und bronzezeitliche Hügelgräber, eine Wallburg aus der Eisenzeit, die erste, allerdings nicht mehr im Original erhaltene Steinkirche und dergleichen mehr. Nicht weit entfernt ist eines der schönsten Wasserschlösser zu finden, das Schloss Neuhaus, was zu Paderborn gehört oder noch etwas weiter die bekannten Externsteine und das Hermannsdenkmal, in anderer Richtung die Wewelsburg, eine Dreiecksburg. In Paderborn selbst getraut man sich gar nicht mehr im Innenstadtbereich das Erdreich bei Bauarbeiten aufzuwühlen, denn das wird teuer, weil umgehend die Archäologen anrücken, alte Ruinen freilegen und wertvolle Fundstücke zu Tage fördern.
Warum hat man sich denn nun ausgerechnet hier bereits in der Frühgeschichte niedergelassen? Paderborn ist, wie der Name schon sagt (historisch und poetisch heißt "Born" Brunnen und die Ortsbezeichnung bezieht sich darauf), ein Ort, der an einer, bzw. mehreren -und in diesem Falle sind es gar 200-, Quellen gegründet wurde, denn diese galten als heilig und waren die perfekte Stelle für Siedlungen, denn sie stellten ja zugleich die Wasserversorgung sicher. Wie soll es auch anderes sein, mit dem Fluss Pader verbindet sich wiederum ein Superlativ, er ist nämlich mit seinen gerade einmal 4 km Länge der kürzeste Fluss Deutschlands. Die geologischen Verhältnisse bilden die Voraussetzung dafür, dass in so zahlreicher Form im Stadtgebiet selber, aber ebenso außerhalb die Brünnlein fließen und des Öfteren bald wieder im Erdreich verschwinden. Die günstige Lage am Wasser einerseits und andererseits die vielen Brandkatstrophen, die Paderborn im Laufe seiner Geschichte heimgesucht haben, ließen im Jahre 1506 findige Köpfe auf die Idee kommen eine Pumpstation und ein Wasserleitungsnetz aus Holz zu bauen, was damit zum ersten dieser Art wurde, also wiederum als Superlativ eingereiht werden kann in die entsprechende Liste.
Das Wasser ist in der Stadt überall präsent: es sprudelt aus sechs erhaltenen Brunnen, die sich hier Kump nennen und fließt als Bächlein, sogar manchmal als warme Pader durch die Paderaue, die so gestaltet wurde, dass sie als grüne Lunge der Stadt den Menschen Erholung bieten kann. Diese in den 50er Jahren im Zuge des Wiederaufbaus so hervorragend geplante reizvolle Parkanlage mit den inszenierten Wasserverläufen, die zum regelrechten Gartendenkmal geworden ist, dient auch heute noch Landschaftsarchitekten als Vorbild. Sie wollte so gern als urbane Wasserlandschaft in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen werden, das wäre dann ein weiterer Superlativ gewesen - aber dem Wunsch wurde nicht entsprochen.
Auch mit modernen Bauten kann Paderborn glänzen, z.B. mit den erst kürzlich wieder eröffneten und nach neuestem technischen Standard ausgestatteten Kammerspielen oder mit der Sportarena, die viele Jahre von sich als unvollendete Bauruine Reden machte, bevor sie endlich auch unter dem Aspekt „Brot und Spiele“ ihren Platz einnehmen durfte. Die hier hauptsächlich ausgetragenen Fußballspiele der 2. Liga sind nicht ganz so bedeutend, aber im Squash können es die Paderborner als mehrfacher deutscher Meister schon mit der Konkurrenz aufnehmen und im Frühling 2012 erzielte der Turniertänzer Erich Klann vom Tanzsportverein in der TV-Sendung „Let´s dance“ den ersten Platz.
Natürlich hat Paderborn weitere wichtige Persönlichkeiten zu bieten: da ist der Apotheker Sertürner in die Geschichte eingegangen, denn er hat als Erster Morphium aus Opium hergestellt.
Der Computerpionier Heinz Nixdorf hat nicht nur die IT-Branche in seiner Heimatstadt angesiedelt und damit viele Arbeitsplätze geschaffen, sondern sein Name ziert das größte Computermuseum der Welt mit Informationen und Ausstellungstücken zu einer 5000 Jahre alten Geschichte der Informationstechnik; natürlich ist dieser Superlativ in Paderborn zu finden.
Reichskanzler Cuno der Weimarer Republik stammt aus Paderborn und den geistlichen Oberhäuptern ein Dorn im Auge ist der bekannte Kirchenkritiker Drewermann. Mit „Hallo erst einmal; ich weiß ja nicht, ob Sie´s schon wussten, aber…“ beginnt der beliebte Komiker Rüdiger Hoffmann seine Auftritte.
Von Paderborn aus, was sehr zentral mitten in Deutschland liegt, kann man per ICE- und Autobahn-Anschluss das Land bereisen oder vom Paderborner Flughafen aus in alle Welt starten.
Die Reisenden kehren gern zurück, denn sie lieben ihr Paderborn, was sie in der Paderborn-Hymne singend zum Ausdruck bringen, wo es mehrfach heißt: Paderborn, meine Stadt, ich liebe Dich.
Als Übernachtungsmöglichkeit hat Paderborn von einer Jugendherberge bis hin zu 4 Sterne Hotels, wie z.B. das Arosa, Unterkünfte zu bieten. Diese können bei Joamar Reisen gebucht werden.
Bilder von Urlaubstraum zu Paderborn
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