Sarıvadi

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Sarıvadi

Sarıvadi: 5 Sterne bei 1 Bewertung
Das Dorf Sarıvadi

Sarıvadi liegt im Bezirk Ermenek ,mitten im Taurusgebirge. Diese Region ist ein wichtiges Zentrum der türkischen Geschichte. Das auf den ersten Blick unscheinbare Dorf Sarıvadi ist reich an Zeugnissen aus diesen bewegten Epochen.

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Sarıvadi: Bewertet mit 5 Sternen
    walteranamur 06.12.10

    Eine Zeitreise

    Als Touristen lernen wir die Türkei meistens über die Küstenregionen kennen. Dabei übersehen wir, dass die Südküste, mal abgesehen von den Griechen und Römern, bis zu Beginn des 20 Jahrhunderts sehr schwach besiedelt war und wenn, dann noch oft von Griechen. Dafür gab es verschiedene Gründe.

    1. Das Taurusgebirge trennt diesen schmalen Küstenstreifen vom Rest Anatoliens vollstaendig ab und war bis in die neuere Zeit nur schwer zu überwinden.

    2. İn der Regenzeit überschwemmten die Flüsse von Antalya bis Mersin die Vorebenen. So bestanden diese im Wesentlichen aus Sumpf und verwandelten die Gegend im Sommer in Mückenhölle. Erst die Kanalisierung der Flüsse und Entwaesserung der Ebenen brachte ab 1940 eine Veraenderung dieser lebensunwerten Zustaende.

    So finden sich die Wurzeln der heutigen Einwohner zum grossen Teil in den Dörfern an den Auslaeufern des Taurusgebirges oder mitten im Gebirge. Ein solches Dorf ist Sarıvadi, 85 Kilometer von Anamur entfernt. İch will nicht gross auf die Geschichte eingehen, doch laesst sie sich über rund 800 Jahre zurückverfolgen.

    Spannend finde ich den heutigen Zustand Sarıvadis. Es liegt 6 Kilometer von der Hauptverbindungsstrasse Anamur-Ermenek entfernt. Vor der Ortseinfahrt Kazancı muss man links abbiegen und erlebt ein Kontrastprogramm. Als erste Gemeinde kommt der Ort Gökçekent, welcher auf mich keinen besonders ansprechenden Eindruck gemacht hat. Nach weiteren knapp drei Kilometer taucht das Dorf Sarıvadi auf. Es wirkt an einen Hang geklebt, Haeuser an denen viel Holz verarbeitet wurde und wenn man dann ins Dorf reinfaehrt erkennt man zwei völlig unterschiedliche Dorfteile:

    Über der Strasse gelegen das ganz alte Dorf, gebaut aus den ortstypischen Steinen, aber mit Satteldaechern, schliesslich ist es hier im Winter sehr kalt. İm Erdgeschoss das Vieh, im Obergeschoss die Wohnung. Dieses Quartier wirkt wie in Planquadrate gesetzt, Laengsstrassen, Querstrassen. Von den rund 120 alten Steinhaeusern mögen noch etwa 30 dauerhaft bewohnt sein. Hier wird auch heute mit Eseln und Mulis gearbeitet und anstatt in ein Museum zu gehen, kann man hier die alten Werkzeuge direkt im Einsatz betrachten.

    Der untere Dorfteil ist neueren Datums, aber auch hier wurde aussen und innen sehr viel Holz verbaut. İm Zentrum bei der Moschee gibt es mehrere ganz alte Gebaeude, herrlich geschnitzte Holztüren, Haeuser, welche innen nach Sommer- und Winterwohnung aufgeteilt sind, mit kunstvoll geschnitzte Holzterrassen und Zimmertüren. Renoviert wird zur Zeit die so genannte Medrese. Das waren in osmanischen Zeit Eliteschulen, an welchen arabisch und Wissenschaften gelehrt wurden. Diese İnstitute wurden ab 1930 durch Atatürk im Zuge der Neuorientierung der Türkei hin zu Europa per Dekret verboten.

    Moschee, Medrese und die umliegenden Gebaeude tragen noch klar die Handschrift aus dieser Zeit.

    Wenn man nun die unteren Haeuser etwas eingehender betrachtet, erkennt man einen Baustil, vor allem bei den Balkonen, der ans Schwarzmeer erinnert, aber auch dort nur in bestimmten Regionen. Ja, Armenier. Mehrere maechtige Haeuser tragen deren Handschrift und laut Berichten der alten Dorfeinwohner hatte man bis in die 30-er Jahre armenische Familien hier. Dann wollte man, dass sie den muslimischen Glauben annehmen, was in einer gemeinsame Sitzung zwischen Ortsvertretern und Sprechern der Armenier ausdiskutiert wurde. Letztere hielten fest, dass sie den Ort und die Toleranz in Sarıvadi schaetzen würden, ohne ihren Glauben waere das Leben jedoch nicht mehr dasselbe. Die Ortsvorsteher raeumten dies ein, wollten und konnten jedoch von ihrer Forderung nicht abweichen. So gewaehrten sie den Armeniern eine Frist von mehreren Monaten, Zeit, ihren Wohnstand aufzulösen.

    Dass die Haeuser heute noch da stehen, mag ein Zeichen sein, dass man gut zusammengelebt hat und wenn man die Leute von den Armeniern sprechen hört, klingt sehr viel Respekt mit.

    Ja, ein Dorf im Taurus. Wenn man Zeit hat und sich hinsetzt, kommen die Geschichten und es werden wohl Tage vergehen, bis sie alle erzaehlt sind.

    Grosses Bilderalbum:
    http://picasaweb.google.com/walteranamur/Sarivadi2010#

    Bilder von walteranamur zu Sarıvadi

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