Reisebericht

Reisebericht: Kiel Oslo oder eine Minikreuzfahrt mit Maxierlebnis

 
 
 
 
 
Reisebericht: Kiel Oslo oder eine Minikreuzfahrt mit Maxierlebnis

Eine Kreuzfahrt mit der Autofähre von Kiel nach Oslo und zurück durch den Skagerrak und den Oslofjord

Der Schritt aufs Meer

Wer nach Oslo will muß übers Meer. Wer nach Kiel fährt und dann mit
der Fähre das Meer überquert, kann sagen, ich bin dabei gewesen.
Natürlich kann man heute auch über Dänemark, Kopenhagen und Göteborg
mit dem Auto fahren. Aber übers Meer muß man auch bei dieser Strecke.
Und das Abenteuer einer Schiffsreise hat nichts von seinem Reiz
verloren.

Die moderne Schifffahrt ist immer noch voller Abenteuer.



 
 
 
 
 

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Dabei sein

Doch wo beginnt das Abenteuer? Frei nach Goethe dort, wo man sagen
kann, ich bin dabei gewesen. Denn niemals zuvor war es möglich,
zusammen mit mehreren tausend anderen Menschen und vielen Autos auf
einem grossen Schiff über den Skagerrak zu fahren. Niemals zuvor
konnte man erleben, dass grosse Schiffe kleine Städte ersetzen. Und
es gilt dabei der alte Satz „Vor Gericht und auf dem Meer ist man in
Gottes Hand.“

Ich fuhr Ende September mit der Fähre gemeinsam mit einer Gruppe. Wir
gingen in Kiel an Bord der Fähre, es war die Color Magic.



 
 
 
 
 

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Schiff oder Stadt

Zunächst merkte man nicht, dass man an Bord eines Schiffes war, denn
alles war so wie im Einkaufszentrum einer mittelgrossen Stadt. Der
Weg aufs Meer hinaus war ein einziges Panorama.



 
 
 
 
 

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Physikalische Gesetze

Aber dann bemerkte man auf einmal ein physikalisches Gesetz: Schiffe
schwanken, wenn das Meer unruhig ist. Man versucht es durch
Fahrbewegung und Gehbewegungen auszugleichen. Aber hier war die Grenze
sichtbar: Es ist wie beim Fliegen immer noch ein Ringen mit der Natur.



 
 
 
 
 

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Studien von Mensch und Natur

Ob Angst und Alkohol zusammen gehören, ist eine Frage, die die
Menschheit sich stellen kann, seitdem Alkohol der Angst begegnet ist.
Aber zumindest kann man viele Studien betreiben, wenn man das Ringen
beider Anteile in einem Menschen auf einem Schiff länger betrachtet.

Der Herbst war da und in der Nacht eine unruhige See. Das Erlebnis zu
sehen wie ein modernes Fährschiff durch diese See schneidet und
schnurgerade den Weg verfolgt ist etwas, das vor uns keine Generation
in dieser Form erleben konnte.

Und dennoch zeigen sich hier wie im Flugzeug die Grenzen der Technik.
Die Sicherheit ergibt sich aus der Kombination von Technik und Mensch.
Aber ohne Mensch wäre sie heutzutage immer noch undenkbar.

Am nächsten Morgen begegnete mir Norwegen. Die Natur zeigte sich von
ihrer schönsten Seite und einige Stunden konnte ich Natur in mich
aufsaugen wie sie eben nicht buchbar ist, sondern nur erlebbar, wenn
man sie wahrnimmt und sie sich auch so zeigt.



 
 
 
 
 

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Gedanken in Oslo

Als wir in Oslo ankamen war die Mischung aus nordischen Holzhäusern
und deutscher Architektur des 19. Jahrhunderts eines der Kennzeichen.
Später bei der Stadtrundfahrt kamen die modernen geradlinigen und
schnörkellosen Zweckbauten noch hinzu.

Als man uns dann noch erzählte, dass Norwegen schuldenfrei ist und
sein Geld aus den Ölvorkommen in Zukunftsfonds anlegt, da änderte sich
die Dimension des Blickes auf Deutschland. Man konnte auf die Norweger
und ihre Politik für ihr Volk neidisch werden. Und aus den großen
Deutschen mit dem Gold in ihren Köpfen wurden zum Teil kleine Geister,
die sich zu wichtig nahmen. Doch dies nur am Rande.

Die Begegnung mit den schönen Seiten der deutschen Architektur im
norwegischen Oslo vermittelte mir eine gewissen Nähe zu diesem Ort.

Beim Besuch des Fram-Museums wurde deutlich, dass wir heute grössere
Schiffe bauen aber nicht mehr Mut und Entschlossenheit haben als
früher. Sehr schön war der Blick vom Fram Museum in den Fjord, weil
unsere Fähre im Hintergrund zu sehen war und im Vordergrund die
Schiffe, die vor uns schon die Meere besegelten. Dies bewusst
wahrzunehmen ist ein schönes Erlebnis für den denkenden Teil der
Menschheit.



 
 
 
 
 

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Natürlich besichtigten wir noch den Holmenkollen, zumal er bald
abegrissen wird.

Aber so bekannt er als Sportereignis war, so
einzigartig anders und schön ist der Vigelandpark. Dort erinnerte ich
mich an Sanssoucci im Kleinen beim Blick auf die Anordnung der
Parkanlagen. Die Kombination der Kunstwerke war natürlich völlig anders.

Aber das Thema vom Werden und Vergehen des Menschen ist großartig umgesetzt. Hier findet der denkene Mensch die bildhauerische Antwort auf die Frage der Philosophie: was ist der Mensch?





 
 
 
 
 

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Unsere Grenzen

Es ist ein Ort an dem die Möglichkeiten und Grenzen des Menschen
deutlich wurden als Teil der Welt und der Natur.



 
 
 
 
 

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Zum Abschluss

Die kurze Kreuzfahrt war für mich eine Quelle der Inspiration. Ich erlebte durch das
bewusste Erfahren der Elemente Größe und Grenzen der Menschheit.

Darüber hinaus gab mir die Einbettung der Reise in die Historie der Schifffahrt Gelegenheit, über zivisilatorischen Fortschritt nachzudenken.

Und letztlich zeigte mir der Vigelandpark, dass die Kultur der Menschheit Antriebsfeder des Menschen ist. Aber er über seine Möglichkeiten auch nicht hinauskommt. Die Unendlichkeit des Geistes ist immer gebunden an die conditio humana auf der Erde. - Nicht mehr und nicht weniger.



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Kommentare
  • gcjcdg 07.10.2008 | 16:41 Uhr

    Hallo Mimare,
    so poetisch habe ich eine schnöde Fährfahrt über die Ostsee noch nicht geschildert bekommen. Wir sind bisher häufig die Fährroute Rostock-Trelleborg gefahren.
    Das ist auch schon eine kleine Seereise (5-7 Std.). Einfach eine 'Auszeit' vom Alltag auf so einer schwimmenden Stadt.

    Also wirklich schön Dein Artikel

    Chris

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