Eine Reise an das Ende der Welt - Die Finistere

Reisebericht

Eine Reise an das Ende der Welt - Die Finistere

Reisebericht: Eine Reise an das Ende der Welt - Die Finistere

Zwei Wochen lang sind wir durch die nördliche Bretagne gereist. Die Gastfreundschaft der Menschen und der Zauber der rauen Natur haben uns überzeugt.

Die Ankunft in Brest

Dämmerung in Plouescat

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Langsam rattert der TGV den Hafen von Brest entlang. Zum ersten Mal auf dieser insgesamt zwölfstündigen Reise sehe ich den Atlantik. Dunkelblau liegt er mir zu Füßen. Kleine Wellen brechen sich an den Felsen. Das aufspritzende Wasser glitzert im gleißenden Licht der Sonne. „Ich bin endlich wieder da“, danke ich und ziehe meine schwarze Reisetasche aus dem Gepäcknetz. „Finistere“ nennt sich dieses wunderbare Fleckchen Erde. Übersetzt etwa „Ende der Welt“. Das soll aber nicht heißen, dass es mir hier langweilig werden wird. Im Gegenteil. Ich hab den Kopf voller Idee. An dem ordentlichen Bahnhof von Brest erwartet mich schon Janine. Ein Jahr lang haben wir uns nicht gesehen und nun liegen wieder zwei herrliche Wochen vor uns: Baden im Meer,  Gespräche unter Freunden und natürlich leckeres Essen. Wir fallen uns in die Arme und gehen dann an den adrett gekleideten Zugschaffnern vorbei in Richtung Auto. Der kleine Zweisitzer rollt durch den Feierabendverkehr in Richtung Nationalstraße. Janine ist nicht die Einzige die mir ihre Gastfreundschaft erweisen will.  Ein Menü erwartet mich schon am gleichen Abend. Katia und Fernand haben für uns gekocht. Fisch, Salat, Käse und eine cremige Nachspeise soll ich, todmüde von der langen Fahrt, noch bewältigen. Aber ablehnen wäre unhöflich. Also: Augen zu und durch. Gegen Mitternacht falle ich schließlich in unserem Ferienhaus in Coatalec in  mein Bett. Das zwei Häuser zählende „Dörfchen“ ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Wen es doch interessiert: In der Nähe liegt das verträumte Städtchen Lesneven.



An der Felsenküste von Brignogan

Das Spiel der Felsen

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In der Nacht träume ich von Brignogan Plage und beschließe: „Ich möchte den ersten Tag dieses Urlaubs dort verbringen.“ Und mein Traum wird wahr. Nach dem Frühstück brechen wir auf. Der Leuchtturm Pontusval gehört zu den schönsten der ganzen Bretagne. Wie eine Glucke auf ihren Eiern, thront er über den blauschimmernden Granitfelsen. Die gehören an dieser Stelle des Ärmelkanals, an dem befinden wir uns hier wieder, zum typischen Landschaftsbild. Die abgerundeten Riesen formen lustige Fabelwesen. Mal glaubt man einen Elefant durch die Brandung stapfen zu sehen, dann wähnt man sich von einem Troll angeschaut. Kein Wunder ranken sich so viele mystische Geschichten um die Bretagne. Auch der sagenhafte König Artus soll hier einst gewandelt sein. Wie auch immer. Wir lassen den Leuchtturm hinter uns und beginnen eine mehrstündige Wanderung entlang der Küste. Der Sand an den Stränden von Brignogan ist unglaublich weiß. Dennoch entscheiden wir uns dafür, auf dem struppigen Gras oberhalb zu gehen. Der weiche Boden fängt unsere Schritte federnd ab. Hinter uns liegt der Leuchtturm von Pontusval, neben uns türmen sich die Felsen und vor uns wartet schon das Dörfchen Meneham.



Von der Soda-Produktion zum Künstlerdorf

Die Bretonen haben den verwaisten Flecken der Verwitterung durch Wind und Wellen entrissen. Einst wurde hier aus den schwarzbraunen Algen Soda gewonnen. Dann ist dieser Wirtschaftszweig unrentabel geworden. Heute sind in die liebvoll restaurierten Häuser Künstler und  Kunsthandwerker eingezogen. Eine von ihnen stellt sich uns als Landsmännin vor. Aus Bremen ist sie vor nicht allzu langer Zeit in die Bretagne gekommen. Nun fängt sie das Wellenspiel und die bezaubernde Landschaft mit dem Pinsel ein. Mehr als eine Stunde verbringen wir in Meneham, dann machen wir uns wieder an den Rückweg.



Der Leuchtturm von Pontusval



Einkaufstour in Quimper

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Für den nächsten Tag haben wir uns einen Ausflug nach Quimper vorgenommen. Herrscht sonst an vielen Orten der Bretagne entspannte Einsamkeit, überrascht uns hier das pralle Leben. In den zahlreichen kleinen Geschäften kriegt man alles was das Herz begehrt. Wir verlieben uns in den Geschmack der Macarons. Das sind kleine runde Gebäckstücke, die es hier in verschiedenen Geschmackrichtungen gibt. Das Hellbraune hat eine schokoladige Füllung, das Violette eine mit Heidelbeeren. Fein. Wir kaufen gleich noch welche als Souvenirs für zu Hause. Mit den hübschen Schachteln unter dem Arm machen wir noch einen Abstecher ins das städtische Museum. Dort lernt man allerlei über die Trachten und Gebräuche dieses durch und durch keltischen Völkchens.



Am Cap de la Chevre

Wasserspiele am Strand von La Palue

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Voller Eindrücke fahren wir schließlich wieder zurück in unsere selbst gewählte Einsamkeit. Es könnte ewig so weiter gehen: Die langen Spaziergänge am Strand sind so erfrischend. Die Gespräche mit den Bretonen so anregend. Es tut gut! Der Seele und dem Körper. Die letzten Tage dieser Reise verbringen wir am Cap de la Chevre. Dort, inmitten des tosenden Atlantiks liegt der Strand La Palue. Die Wellen brechen hier bei Vollmond mit voller Kraft über die Küste herein. Baden ist hier strengstens verboten. Zu Recht. Dennoch gibt es hier unzählige Surfer. Das Wellenspiel ist aber auch zu verlockend. Auch wir können nicht ganz widerstehen. In Strandnähe stürzen wir uns in das kühle Wasser. Es macht viel Spaß, sich von dem salzigen Wasser umspielen zu lassen. Das findet auch ein älterer Herr aus Paris, der itz uns seine Scheu vor der Wasserkraft überwunden hat. Zu Dritt toben und plantschen wir ausgelassen durch die Wellen. Danach sind wir ganz schön erschöpft. Wir beschließen, wir brauchen noch ein wenig ruhige Kultur. Wir lenken unser Auto über die engen Straßen auf die Nationalstraße zurück. Auf dem Heimweg nach Coatalec machen wir einen Abstecher in La Roche Maurice. Die kleine Kirche ist wundervoll. Aus Holz geschnitzte, uralte Figuren, zieren das Granitgemäuer. Andächtig stehen wir da. Der Schöpfer dieser Kunstwerke hat bereits im Mittelalter für die Ewigkeit gearbeitet. Mit der Kamera sind die Figuren nur schwer einzufangen. Am Abend heißt es schließlich Koffer packen. Morgens um 7 Uhr rollt dann der TGV in Richtung Paris. Aber: Ich komme sicher wieder.


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Kommentare

  • Breizh

    Ein wirklich tolles Fleckchen Erde. Man liebt es und kommt immer wieder oder man läßt es und kommt einmal und nie mehr. Ich mache es so wie Du - ich komme immer wieder. Schöner Bericht. Läßt mich an meine eigenen Erlebnisse denken. VG Breizh

  • katias77

    Sehr interresant, aber ich wollte nur fragen: warum haben Sie Bretagne "das Ende der Welt" genannt?

    mfg
    Katias

  • freeneck-farmer

    schöne Bericht über der Bretagne. Wir waren auch gerade da und haben es genossen.
    LG Anneken

  • widix

    Liebe Iris-Vanessa,
    vielen Dank für Deinen anschaulichen Reisebericht. Auch ich finde die Bretagne ein herrliches Fleckchen Erde, allerdings ist es schon ewig her, dass ich dort war. Deine Bilder sind wunderschön, ich möchte am liebsten sofort hinfahren.
    Liebe Grüße
    Sabine

  • freeneck-farmer

    @widix wenn du der Brtagne magst guck dan mal hier:

    http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/337996/1/Mit-dem-Wohnmobil-in-die-Bretagne-Vom-Mont-Saint-Michel-bis-Vannes

    LG Anneken

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