Reisebericht

Reisebericht: Cornwall Coast Path II - Geevor Mine, Bosigran Castle - Cape Cornwall - Sennen Cove

 
 
 
 
 
Reisebericht: Cornwall Coast Path II - Geevor Mine,  Bosigran Castle - Cape Cornwall - Sennen Cove

Besichtigung der Geevor Tin Mine (ehemalige Zinnmine), Wanderung von Bosigran Castle bis Cape Cornwall, Sennen Cove



Geevor Tin Mine/Pendeen bei St. Just

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus zur Geevor Tin Mine, wo wir eine Führung gebucht haben. Die Mine wurde 1991 stillgelegt und zeigt Besuchern im heute als Museum geführten Betrieb sehr anschaulich (mit Stollenfahrt, Maschinenhaus etc.) das harte Leben der Bergarbeiter (siehe Tipp). Wir bekommen Schutzmäntel und stapfen teilweise gebückt durch den engen Stollen zu einer Abbaustelle, wo auch wirklich wenig Platz ist. Für Klaustrophobiker nicht zu empfehlen - die sollten nur die Maschinenräume und alles andere oben befindliche besichtigen. Aus den Schilderungen entnehmen wir, dass auch Frauen im Betrieb gearbeitet haben - sie waren beim Auswaschen des Zinns eingesetzt - auch keine leichte Arbeit. Die Stollen wurden bis tief unters Meer vorgetrieben, und die Arbeiter mussten immer gewärtig sein, dase es einen Wassereinbruch gibt. Nichts für Zartbesaitete...wir sind froh, wieder ans Tageslicht zu kommen, und unser Fahrer bringt uns zum Einstieg des Coast Path beim Bosigran Castle. Auf roter Erde wandern wir an Schloten und Ruinen mehrer Zinnminen vorbei. Heute erreichen wir auch eine Hürde der Natur - der Weg ist durch Felsen unterbrochen, die vorsichtig umgangen werden, nur um zu sehen, dass es einen steilen Abstieg gibt, der nicht ganz ungefährlich ist. Einige zaudern, doch mit Hilfe der Bergfexe, Handreichungen und Hinterteil-Stützen gelingt der Abstieg ohne Unfall. Da müssen wir gleich eine kleine Rast einlegen und uns erst mal erholen!
Wir passieren die Botallack Mine, deren Ruinen sehr pittoresk in den Felsen über dem Meer thronen. Skelette der Vergangenheit, Zeugen einstiger Betriebsamkeit und nun verlassen - ein melancholisches Bild.
Von weitem sehen wir schon Cape Cornwall, den echten westlichsten Punkt der Britischen Insel, denn Lands End ist es definitiv nicht! Diesen Hügel erklimmen wir, um oben Mittagsrast zu halten - wir sind ziemlich erledigt von dem vielen Bergauf - Bergab.
Ich suche mir ein Plätzchen am Steilabbruch, und als ich mein Mahl, bestehend aus Obst, Nüssen, Brot, Käse und Wasser, verschnabuliert habe, setze ich mich bequem hin und versenke mich in den Anblick dieses riesigen, endlos weiten Organismus - das Meer, das ich so liebe, obwohl ich nicht mal schwimmen kann. Ich fühle mich so tief verbunden mit diesem Element, dass ich meine Umgebung völlig vergesse, bis mich jemand auf die Schulter tippt, da wir aufbrechen wollen.
Roland hat gespürt, dass die meisten ziemlich erschöpft sind und hat den Bus bestellt, der auf dem Parkplatz wartet und uns die restliche Fußmarsch-Etappe nach Sennen Cove erspart. Dort erwartet uns ein herrlicher weitgeschwungener Strand - und natürlich ein Restaurant mit Meerblick, wo wir draußen im Schatten eine kühlende Brise mit zischendem Bier, Kaffee, Kuchen und Eis genießen. Einigermaßen erholt streifen wir Schuhe und Socken für eine Strandwanderung ab. Einige gehen sogar schwimmen. Meine Füße sind für die flach auslaufenden Wellen ungemein dankbar. Am Spätnachmittag besteigen wir den Bus, und es geht heimwärts nach Mousehole, wo wir unsere durstigen Kehlen vor der Dusche noch mit einem Bier laben.
Nach dem Abendessen bei der abendlichen obligaten Runde im Salon gibt es Riesengelächter. Die, die keine Dusche, sondern nur eine Badewanne beim Doppelzimmer haben, beklagen sich, dass es so lang dauert, bis der Zweite sich endlich frisch machen kann, weil das Ab- und Einlassen des Wassers scheinbar endlos dauert. Unser Freund Heinz erklärt, das sei doch ganz einfach: er habe eine tolle Technik erfunden - die sogenannte "Wechsler-Rolle". "Man lasse eine Handbreite hoch Wasser in die Wanne, steige ein, drehe sich dreimal um die eigene Achse, schäume sich ein, wieder drei Umdrehungen, und während des Ablaufens trockne man sich ab."
Gernot hinwiderum bekommt jede Nacht Besuch. Seine Inge erzählt: "Die Hauskatze
hat einen Narren an ihm gefressen - sie kommt durchs offene Fenster, legt sich auf seine Brust und schnurrt wie ein Rasenmäher. Er hat schon Katzenfutter gekauft..."
Der zweite Heinz, deshalb Henri Deux genannt, beschwert sich über die Düfte, die von der Küche durch sein Fenster dringen, da er ein Zimmer zum Hof hat. "Die sind so appetitanregend, dass ich nur unter Schwierigkeiten einschlafen kann."
Helga, Birgit, Franziska und ich waren an diesem Abend beim Essen so ausgelassen gewesen und hatten wie die Irren gelacht, dass uns die distinguierten englischen Gäste so befremdet ansahen, dass unsere Freunde an den Nebentischen ihnen bedeuteten, dass wir nicht zu ihnen gehören. Wir schämten uns nur ein ganz kleines Bisschen. Ja, ja, wehe, wenn sie losgelassen...
So schliefen wir schließlich erschöpft dem nächsten Morgen entgegen.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • traveltime 13.05.2013 | 17:48 Uhr

    Netter lustiger Bericht, auf Reisen und Erkundungen darf man auch Spass haben.
    LG Rolf

  • agezur 13.05.2013 | 18:15 Uhr

    Ich liebe Reisetage, die gemütlich beginnen, einen interessanten Tagesablauf haben und locker und lustig enden! Ein unterhaltsamer Reisebericht!
    LG Christina

  • barbarattje 13.05.2013 | 19:01 Uhr

    Danke für Eure Zustimmung! LG Bärbel

  • Blula 13.05.2013 | 19:12 Uhr

    Haha, die Geschichte ist echt lustig. Und wenn ich das nächste Mal in meiner Badewanne sitze, werde ich an die "Wechslerrolle" denken..... nein, ich werde sie sogar ausprobieren!!
    LG Ursula

  • ingepeter (RP) 13.05.2013 | 20:01 Uhr

    Hallo Bärbel, die schrulligen Engländer, tja, die Badezimmer zeugen davon; das Wasser der Wanne oder Dusche läuft wie ein feiner Wasserstrahl, unter der Dusche muß man meist hin und her springen um feucht zu werden und hinterher sagt man artig: I enjoyed my shower. Nein, mein Kommentar ist nicht zynisch, eher lieb gemeint mit einem Augenzwinkern, meine liebenswerten englischen Verwandten bringen mich immer wieder zum Schmunzeln.
    Fröhlich geschrieben und informativ dein Wanderbericht .... Gruss Inge

  • barbarattje 13.05.2013 | 20:23 Uhr

    Hi Inge - Danke für Deine Kommentare - bezüglich Dusche hatte ich in Irland ein irrwitziges Erlebnis: Ein einfaches B&B, spartanisches kleines Zimmer, pikobello sauber. Dusche extra - ein leerer "Ballsaal". In der hintersten Ecke eine kurze Wand, dahinter hoch an der Stirnwand ein Duschkopf, aber kein Regler, nichts. Ich ziehe mich aus, stell mich drunter und denke: "Sensor - Wasser Marsch!" Nichts. Ich untersuche die Wände. Nichts. Schaue im Saal: von der Deckenmitte hängt ein dünnes Schnürchen mit Knopf. Ich hin, ziehe dran - ha, das Wasser in der Dusche rauscht! Kaum Kopf eingeschäumt - Wasser aus! Ich zur Schnur, ziehe - und hab die Schnur in der Hand. Der Hocker und ich drauf - viel zu niedrig! Ich trockne mich mühsam ab, Handtuch um Kopf, gehe zur Hausdame, die macht mir heißes Wasser im Krug für die Waschschüssel im Zimmer! Ich ärgere mich nie über solche Dinge - ich finde sie einfach s...komisch. Solche Erlebnisse sind das "Salz in der Suppe" beim Reisen. Ich bin auch froh, dass ich über mich selber und meine eigenen Dämlichkeiten herzlich lachen kann - oft den ganzen Tag immer wieder, wenn ich dran denke.
    Der Fehler bei Coast Path I/12.05.13 liegt nicht bei mir - schleierhaft! LG Bärbel

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Cornwall Coast Path II - Geevor Mine, Bosigran Castle - Cape Cornwall - Sennen Cove 5.00 5