Färöer & Island 2010

Reisebericht

Färöer & Island 2010

Einleitung

Island war schon lange eine ins Auge gefasste Reisedestination. Bereits eine kurze Recherche der über die im Budget liegenden Möglichkeiten auf die Insel zu gelangen ergab, dass dies eigentlich recht einfach, aussergewöhnlich und günstig machbar ist.
Wir beschlossen auf dem Seeweg mit der Smyril Fähre ab Hanstholm in Dänemark zu reisen. Als ganz grosses Extra ist es auf diese Weise nämlich möglich zum selben Reisepreis drei Tage auf den Färöer Inseln zu verbringen.
Da die direkte Anreise nach Hanstholm sich als sehr kompliziert und teuer erwies, schlugen wir eine Alternativroute ein und flogen vorerst nach Göteborg um ab dort mit der Fähre nach Dänemark zu gelangen, wo uns schliesslich öffentliche Busse quer durchs Land an den Hafen brachten.
Auf Island selbst planten wir eine halbe Umrundung der Insel von unserem Ausgangspukt im Südosten und schliesslich eine Durchquerung bis zum Ausgangspunkt der anvisierten Wanderung auf dem Laugavegur durch eines der abwechslungsreichsten und schönsten Gebiete Islands.
Schliesslich ging es nach Reykjavik und per Flugzeug wieder zurück in die Heimat.



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Göteborg

Wir übernachten zweimal in Göteborg in einem Privatzimmer, das in einer überaus gepflegten und grosszügigen Wohnung liegt. Die Stadt ist ideal zum Herumschlendern und das Wetter perfekt. Zudem freut sich der Herr der Schöpfung über das reichhaltige Snusangebot und deckt sich für die weite Reise ein.



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Dänemark

Eine Stena Line Fähre bringt uns in ca. 3h nach Frederikshavn. Ab dort schlagen wir uns per Bus über Ålborg in ca. 5 Stunden bis Hanstholm durch. Letzteres entpuppt sich als winziger Ort mit einem riesigen Hafen. An diesem finden wir das Seemannsheim. Es sieht ein wenig aus, als wäre hier seit den Sechzigern nichts verändert aber dafür gut gepflegt worden. Das Haus macht einen sehr leeren Eindruck und wir bekommen denn auch ein Mehrbettzimmer als Doppelzimmer von dem netten Halb-Isländer, welcher das Personal darstellt. Mit ihm können wir dann auch gleich ein wenig über das Wetter am Reiseziel und Island generell reden.
Bevor die Fähre um 1600 des nächsten Tages vertäut und einstiegsbereit ist, machen wir uns auf zu den Überresten einer Artilleriestellung des Atlantikwalls der Nationalsozialisten und dem dazugehörigen Museum, welches ausführlich und interessant Auskunft gibt. Wir essen anschliessend in einer Frittenbude am Hafen, welche in Sachen Auswahl und Qualität aber auch an ein besseres gutbürgerliches Restaurant herankommt und trinken an der warmen Sonne noch ein gemütliches Bier.
Dann hieven wir unsere 80L Rucksäcke zur Landebrücke der imposant im Hafen liegenden M/S Norröna. Diese hat fast schon Kreuzfahrtschiffambitionen, was die Einrichtung angeht: Eine Caféteria, ein Steakhouse und ein Buffetrestaurant, ganze drei Bars, ein Zollfrei-Geschäft und ein verglastes Sonnendeck. Bucht man so wie wir nur die reine Überfahrt ohne Kabine, erhält man dennoch ein Bett im Unterdeck in sechser Abteilen, welche zwar fensterlos aber zweckdienlich sind. Toiletten und Duschen sind ebenfalls in dem nur mit Schlüsselkarte zugänglichen Bereich, der etwas an eine unterirdische Jugendherberge erinnert vorhanden. Zum Schlafen reicht es allemal.
Nachdem der beinahe Herzinfarkt bei der Bezahlung des färöischen Bordbieres an der Bar überstanden ist, setzen wir uns in derselben und warten auf die Abfahrt. Schnell finden wir uns zurecht und machen uns mit Zwischenhalt im Zollfrei Laden, wo sechs Dosen Tuborg weniger kosten als ein Bier in der Bar, auf zum Sonnendeck wo man mit wunderbarem Ausblick windstill Karten spielen und es sich wohl sein lassen kann.
Am nächsten Tag passieren wir die Shetlandinseln. Das Wetter ist extrem rau und der Wind lässt die schweren Holzliegen über das Deck schlittern. Ideal also um am Bug gegen den Wind gelehnt die Aussicht auf die dicht am Schiff vorbeiziehenden grünen Landfetzen mit den sporadischen Häuschen zu geniessen.
Als wir uns zum Aufwärmen in die unteren Decks begeben herrscht dort Ausnahmezustand. Die Hälfte aller Passagiere strauchelt wie Zombies durch die Gänge in Richtung WC. Hektische Mitarbeiter verteilen wie Schachteln vom Chinaimbiss aussehende Pappkübel auf sämtliche Tische. Es dauert eine Weile, bis wir merken, dass der raue Seegang wohl ohne freie Sicht aufs Meer wie wir ihn hatten, vielen arge Seekrankheit beschert hat. Uns geht es gut und damit das so bleibt machen wir uns mit kleinem Abstecher zum Zollfreiladen wieder auf zum Sonnendeck. Nach den letzten Felsen der Shetlandinseln breitet sich unermesslich der Atlantik um uns aus.



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Färöer - Ankunft

In der noch nicht ganz Mitternachtssonne tauchen mythisch die ersten Silhoutten der Färöer aus dem ewigweiten Wellenspiegel auf. Kurz darauf ist die Fähre in Tórshavn vertäut und wirkt riesig im Verhältnis zum kleinen Hafen der überschaubaren Hauptstadt. Ein Prospekt vom Schiff führt uns zu einer Herberge. Die Türe ist offen, aber niemand da. Über dem Telefon hängt ein Zettel, dass Gäste die mit der Fähre kommen die untenstehende Nummer wählen sollen. Wir tun dies und kurz darauf kommt ein freundlicher Herr vorbei, der bedauert keine regulären Zimmer mehr zu haben, aber man finde da immer eine Lösung. Schliesslich werden wir unter dem Dach zu zweit in einem Gruppenraum mit Küche einquartiert, der eigentlich färöischen Schulklassen vorbehalten ist. Danach machen wir noch einen Spaziergang durch das „Regierungsviertel“, wo die roten, grasbedachten Häuser des Løgting, dem Parlament der Inseln stehen.



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Tag 1: Eiði

Nach einem überaus grosszügigen Frühstück in der Herberge, begutachten wir die hübsche kleine Hauptstadt bei Tageslicht. Wir suchen die Touristeninfo auf und erkundigen uns, wie man am besten nach Eiði kommt. Die Frau scheint keine Ahnung zu haben was wir meinen und erst, als wir den Ort auf einer Karte zeigen meint sie lächelnd „Ahhh, Öjo“ – Färöische Ortsnamen werden also scheinbar ähnlich verfremdet wie jene bei uns im Freiamt. Wir erfahren, dass ein Bus uns von Tórshavn bis zum Sund bringt, der die Inseln Streymoy und Eysturoy trennt. Ab dort fahre ein Bus weiter bis Eiði. Es handelt sich dabei um einen komfortablen Linienbus, dessen einzige Passagiere wir sind. Am Sund, der aussieht wie ein Bach der zwischen den Inseln fliesst, aber eigentlich ein schmaler Streifen Atlantik ist, steigen wir aus und stellen fest, dass die nächsten Stunden kein Bus kommen wird.
Da die Orientierung auf den nach Norden hin schmal langgezogenen Inseln aber leicht fällt und das Wetter bestens ist, machen wir uns zu Fuss auf und folgen der gut ausgebauten Strasse. Linkerhand wird der Sund immer breiter und weitet sich zu einem Fjord, in den sich von der steil aufragenden, sich in sattem Grün vom grauen Wasserspiegel abhebenden Nachbarinsel Wasserfälle strömen. Zerzauste Schafe, welche hier frei herumspazieren und ihr Fell verlieren anstatt geschoren zu werden, vervollkommnen das Postkartenidyll.

Zirka zwei Stunden später sehen wir an einem Hügel die bunten Häuschen von Eiði kleben. Das Dörfchen ist sehr übersichtlich und charmant. Obwohl wir eigentlich den 822m hohen Slaettaratindur besteigen wollten, machen wir uns auf den hinter dem Dorf aufragenden Hügel. Die Aussicht wird mit jedem Schritt bezaubernder. Da die Inseln nach Norden hin Ansteigen ragen rechts und links von uns die steilen Klippen der Nachbarsinseln aus dem Meer. Als wir die Anhöhe erreicht haben passieren wir die Ruinen einer im zweiten Weltkrieg von den Briten errichteten Befestigung und stehen dann selbst vor dem jähen, etwa 400m tiefen Abgrund, jenseits dessen sich nur die unendliche See ausbreitet. Weit unten ragen aus dem Meer zwei der Insel vorgelagerte Steinsäulen auf. Später erfahren wir, dass es sich dabei um Risin und Kellingin (den Riesen und das Weib) handelt, einer färöischen Sage nach sollten der Riese und das Trollweib dereinst im Auftrag der Isländer die Färöer stehlen indem sie sie nach Island schleppten. Bevor es so weit kam, versteinerten die beiden durch das Licht der aufgehenden Sonne. Wir geniessen den Ausblick lange und steigen dann wieder nach Eiði ab.

Dort stellen wir fest, dass kein Bus mehr fahren wird. Also hoffen wir auf eine Mitfahrgelegenheit und werden auch direkt vom ersten Auto mitgenommen. Der freundliche Einheimische meint wir hätten ein Riesenglück mit dem Wetter, da es erst vor zwei Tagen noch gestürmt und geregnet habe, dass man kaum die Hand vor Augen sah. Wir werden wieder am Sund abgesetzt, von wo aus ein Bus uns zurück nach Tórshavn bringt.
Dort kochen wir neben einer von den Briten im zweiten Weltkrieg zurückgelassenen Seekanone bei strahlendem Sinnenschein unser Abendessen und beziehen unser nun reguläres Zweibettzimmer.



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Tag 2: Klaksvik, Insel Kalsoy

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus nach Klaksvik, mit 4‘500 Einwohnern die zweitgrösste Stadt der Färöer. Erstaunlich ist auf der Fahrt vor allem der Tunnel der ab Leirvik auf der Insel Eystroy unter dem Atlantik hindurch zur Insel Borðoy führt. Von dort wollen wir ab Klaksvik mit der Fähre zur Insel Kalsoy. In der Touristeninfo, die eigentlich ein kleiner Laden ist, sagt man uns, dass die Fähre zur Insel leider in Reparatur sei. Das sei aber kein Problem, da jemand von der Insel den Fährdienst mit seinem Schiff übernommen habe. Die nette Frau schreibt den Namen des Schiffes auf einen Zettel und meint, dass es in ca. eineinhalb Stunden losgehe.
Tatsächlich finden wir das mittelgrosse Boot im Hafen. Der Kapitän begrüsst uns freundlich und meint, man warte noch auf eine Frau, die noch beim Einkaufen sei, der Kleinbus auf der Insel müsse aber sowieso warten bis er komme. Er fragt auch wann wir zurück müssen und gibt uns für alle Fälle seine Handynummer. Zahlen müssen wir nichts, er fahre ja so oder so. Als die Frau samt Einkäufen verstaut ist, fahren zwischen den steil aufragenden grünen Hügel hinüber nach Kalsoy, wo vor einem beschaulichen, aus kleinen bunten Häusern bestehenden Dorf (Husar) wirklich ein kleiner Linienbus wartet. Wir fahren schon bald durch die ersten, roh in den Stein gehauenen Tunnel. Ein absolut surreales Gefühl macht sich breit beim Gedanken, dass man gerade auf einer gerade mal zwei-drei Kilometer breiten und 18 Kilometer langen Insel mitten im Atlantik in einem Linienbus sitzt, der durch hunderte Meter lange Tunnel fährt. Nach einem Halt in Mikladalur arbeitet sich der Bus weiter voran bis Trøllanes, der nördlichste Gemeinde der Insel, welche aber vor der steilen Felskulisse eher an eine grössere Alp in den Schweizer Bergen erinnert, bis auf dass statt des Nebelmeeres der Atlantik sich zur anderen Seite ausbreitet.


Durch weidende Schafe und vorbei an Wikingerruinen gehen wir zum kleinen Leuchtturm an Ende der Insel. Der Ausblick ist einmalig. Links und rechts ragen wiederum die steilen Klippen der anderen Inseln aus dem Wasser und vor uns nichts als Meer. Das durch die Wolken brechende Licht glitzert zwischen den leuchtendgrünen Inseln. Seevögel schweben vor uns über dem Abgrund. Die Färöer haben ihren Ruf als einzigartiges Reiseziel wahrlich verdient.
Die Rückfahrt klappt reibungslos, nur in Klaksvik müssen wir eine Weile auf den Bus warten. Zurück in Tórshavn gibt es Fish & Chips an einer Imbissbude und auch der horrende Preis kann den Herrn nicht davon abhalten sich in der einzigen, gemütlichen Kneipe ein original Föroya Bjór zu genehmigen. Es schmeckt erstaunlich gut.



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Tag 3: Tórshavn, Schiff

Da wir gegen 16 Uhr wieder an Bord der Norröna gehen, beschliessen wir sicherheitshalber in der Nähe des Hafens zu bleiben und erkunden die Gegend um Tórshavn und decken uns mit Proviant für die zwei Tage auf der Fähre ein.
Um 18 Uhr verlässt diese den Hafen und ein gewaltiger letzter Blick auf die wolkenverhangenen Färöer tut sich auf. Lichtstrahlen fallen durchs Grau auf die Wellen, Wasserfälle Stürzen sich von Klippen ins Meer und auch der Riese und das Trollweib entbieten einen letzten Gruss. Schliesslich verschwinden die Inseln in der endlosen Weite des Atlantiks.



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Island - Tag 1: Seyðisfjörðurr und Eglisstaðir

Am Morgen läuft unser Schiff in den Seyðisfjörður im Osten Islands ein. Es ist schon etwas anderes sich mit dem Schiff langsam und mit steigender Spannung zu nähern, als einfach mit dem Flugzeug zu landen und da ist man.
Das Wetter in der aus wenigen Barracken bestehenden Hafensiedlung ist mässig. Wir warten in der Caféteria auf unseren Bus nach Egilsstaðir. Durch neblig verhangene Hügel fährt schliesslich der voll beladene Bus. Angekommen suchen wir erst einmal eine Unterkunft und finden diese in Form eines sehr schönen und nicht teuren Privatzimmers bei einer mit einem Isländer verheirateten Deutschen.
In der gut ausgestatteten Touristeninformation wollen wir bereits die Tickets für den Bus zum Myvatn See und ab dort für den Überlandbus auf der Sprengisandur Route nach Landmannalaugar, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung kaufen. Zweiteres stellt sich als schwieriger dar als gedacht: Das Ticket müsse von Reykjavik gesendet werden, sollte aber innert zwei Tagen eintreffen.
Anschliessend erkunden wir den recht unspektakulären Ort und werden vor einem Ableger der isländischen Bonus-Supermarktkette von einer Horde Deutscher mit entsetzten Gesichtszügen gewarnt, dass hier jeden Moment alles ausverkauft sein kann und wir uns beeilen sollen, wenn wir noch was haben wollten. Scheinbar bekam der Reiseführer Provision von dem Laden, denn dieser erwies sich als bestens ausgestattet und ausverkauft war rein gar nichts.



Tag 2: Eglisstaðir und Neskaupstaður

Da wir per Zufall herausfanden, dass für isländische Verhältnisse direkt ums Eck das einzige grössere Metalfestival der Insel namens Eistnaflug stattfindet, wollen wir mit dem Bus zu dessen Austragungsort Neskaupstaður. Da dieser nur einmal am Tag fährt und wir den Bus verpassten, versuchen wir es per Anhalter und haben nach kurzer Zeit Glück. Eine Frau, welche ihre Tochter von dem Festival abholen will, weil es dieser (zu unserem Glück) nicht gefällt, nimmt uns mit. Wir bekommen bei der etwa einstündigen Fahrt eine Menge Interessantes über Landschaft und Legenden erzählt. Neskaupstaður präsentiert sich als für unsere Verhältnisse eher kleine, aber gemütliche Siedlung. Lange suchen wir den Veranstaltungsort, da wir diesen draussen vermuten, stossen aber vorerst nur auf zwei Zeltplätze. Auf dem kleineren und etwas abgelegeneren Bauen wir unser Zelt auf und suchen weiter.
Es stellt sich schliesslich heraus, dass das Festival im örtlichen Seminarhotel stattfindet. Ebenfalls stellt sich heraus, dass Sólstafir und Napalm Death, welche wir eigentlich sehen wollten am Abend zuvor gespielt hatten. Wir beschliessen also nur eine Karte für den aktuellen Tag zu kaufen und am nächsten Tag wieder nach Eglisstaðir zu fahren. Die anwesenden Isländer sind alles andere als gesprächig, was wohl aber eher auf die nordische Natur als auf Unfreundlichkeit zurückzuführen ist.
Auch das Trinkverhalten ist nordisch. Es wird ohne wesentlich lustig zu sein druckbetankt, bis rund eine Stunde im Suff kollektiv herumgetollt wird um am Ort des erschöpften Zusammenbruchs liegen zu bleiben. Das von mir reichlich auf der Fähre gekaufte Bier, das zum Teilen mit netten Menschen vorgesehen war, findet jedenfalls in Ermangelung einer passenden Gelegenheit keinen Einsatz. Musikalisch wurde ein Querschnitt durch sämtliche Stromgitarrenmusik härterer Gangart Islands geboten, was zwar nicht uninteressant war, aber auch nicht gerade erstaunliche Neuentdeckungen mit sich brachte.
Dennoch: Die schräge Erfahrung war es Wert, wenngleich natürlich die eigentlich anvisierten Konzerte die Anreise weit eher gerechtfertigt hätten.



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Tag 3: Neskaupstaður nach Eglisstaðir

Nach dem Abbau des Zeltes suchen wir erst gar nicht lange nach einem Bus, sondern direkt nach einer Mitfahrgelegenheit. Wieder haben wir schnell Glück. Ein Mitarbeiter des Festivals muss zum Flughafen in Eglisstaðir und nimmt uns mit. Diesmal herrscht eine Stunde eisernes Schweigen während der Fahrt. Wiederum nicht aus Unhöflichkeit, es scheint einfach die Isländische Regel zu sein, deren Ausnahme wir am Vortag kennenlernten. Auch mein Versuch meine Bierreserven, welche ich nicht auf der Wanderung mitschleppen will, dem Chauffeur als Fahrgeld zu überreichen scheitert. Er habe selber genug Bier. Eine Aussage die ich von daheim nicht kenne.
Angekommen beziehen wir wieder das gleiche Zimmer und machen einen Abendspaziergang am Lagarfljot, einem nahegelegenen grossen See, in welchem das isländische Pendant zu Loch Ness zu Hause sein soll.
In der Tankstelle des Ortes verpflegen wir uns am reichhaltigen und erstaunlich günstigen Buffet der N1 Fastfoodkette, trinken Kaffee à discrétion und spielen Karten. Dann gönnt sich die Dame noch ein kleines Softeis, welches mit diversen Keksen, Smarties und anderen Zutaten zu einem Brei in einem 0.5L Becher verquirlt wird und hervorragend mundet. Kulinarische Höhenflüge auf den Schwingen der Landesgastronomie.



Tag 4: Eglisstaðir zum Myvatn

In der Touristeninformation erfahren wir, dass der Fahrschein für den Überlandbus nicht eingetroffen ist, dieser aber nach Möglichkeit an die Touristeninformation am Myvatn gesendet wird. Zur Sicherheit gibt man uns ein Schreiben auf Isländisch mit, welches im Zweifelsfall die Mitfahrt auch ohne Ticket ermöglichen soll. Bezahlen müssen wir vorerst nichts.
Am Myvatn angekommen bauen wir unser Zelt auf dem gut besuchten Campingplatz am See auf und fragen in der Touristeninfo nach. Ein Ticket für uns sei nicht da. Wir hoffen also auf das erhaltene Schreiben.
Wir erkunden die Umgebung und ersteigen den Hverfjall Vulkankrater, welcher eine gute Aussicht über das Umland ermöglicht. Anschliessend queren wir die bizarren Formationen der Lavafelder von Dimmuborgir und kehren nach rund vier Stunden an den Myvatn zurück.



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Tag 5: Vom Myvatn nach Landmannalaugar auf der Sprengisandurroute

Der für die ruppige Überlandfahrt mit höherem Radstand und Spezialreifen versehene Mercedes Bus älteren Baujahrs ist bis zum letzten Platz besetzt. Da wir noch immer ohne Fahrschein dastehen, händigen wir dem Fahrer den erhaltenen Zettel aus. Dieser nickt nur und meint das sei in Ordnung. Zahlen müssen wir noch immer nichts und beschliessen, dass das von nun an nicht mehr unser Problem sein soll.
Auf der knapp achtstündigen Fahrt auf wilden Fahrspuren, inklusive einiger Furten machen wir dreimal halt. Erstmals am imposanten Goðafoss Wasserfall, welcher über eine Breite Felsstufe in die Tiefe stürzt. Danach beginnt endgültig eine weite Einöde aus dunklem Sand, in der Peripherie von gigantischen weissen Gletschern begrenzt. Der Blick aus dem Fenster wirkt surreal, da sich keine vergleichbaren Bilder in der Erinnerung auftreiben lassen. Lange Zeit später erreichen wir den ebenfalls eindrücklichen, über geometrische Basaltsäulen stürzenden Aldeyjarfoss, wo wir wiederum eine kurze Rast halten. Ein letztes Mal halten wir in Nyidalur, wo an einer Wanderhütte wenige Menschen aus- und zusteigen.
Schliesslich erreichen wir den gut besuchten Zeltplatz in Landmannalaugar, den Ausgangspunkt des Laugavegurs. Wir stellen unser Zelt zwischen die unzähligen anderen und begeben uns in einer Art Gemeinschaftshof, wo Tische bereitstehen und wo es fliessendes Wasser zum Kochen gibt. Eine Gruppe wie zur Himalaya Expedition ausgerüsteter Franzosen belächelt unsere Kochkünste mit Tütensuppen und Teigwaren, während sie sich eine hochenergetische Überlebenspilzsuppe zusammenrühren, die nach Weltraumnahrung aussieht.
Nach dem Essen hätten wir gerne in den nahen heissen Quellen gebadet. Jedoch warnt ein Schild vor Parasiten und rät vom Bad vor einer mehrtägigen Wandertour ab, bei welcher ständiger Juckreiz gar nicht mal so lustig ist. Ein paar Dutzend Seelen ignorieren den Hinweis und planschen im dampfenden Wasser. Wir gehen schlafen.



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Tag 6: Von Landmannalaugar zum Álftavatn

Wir brechen gegen 10 Uhr auf und stellen zufrieden fest, dass die befürchtete Radiowanderung nicht zustande kommt, da sich die Leute auf dem Weg recht gut verteilen.
So platt es klingt: Die rötlichen Hügel mit Flecken leuchtendgrüner Moosteppiche und aufsteigender Wasserdampfsäulen wirken tatsächlich wie von einer anderen Welt.

Der Weg ist gut markiert und einfach zu gehen. Bereits nach ein paar Stunden erreichen wir die erste Hütte (Hrafntinnusker) an einem unwirtlichen Pass über den ein barscher Wind fegt. Es beginnt ausserdem zu regnen. Wir nutzen die Gelegenheit und kochen gegen ein kleines Entgelt in der trockenen Hütte.

Diese wird nach und nach von immer mehr Wanderern belagert, darunter eine Gruppe Franzosen die unbedingt in der Hütte nächtigen und einfach nicht verstehen will, dass man dazu eine Reservation benötigt, was eigentlich auch in allen erdenklichen Sprachen auf dem Campingplatz angeschlagen war.
Wir verlassen das Tohuwabohu in Richtung des Sees Álftavatn, wo sich die nächste Hütte mit Zeltgelegenheit befindet. Mit Asche vom kürzlichen Ausbruch des Eyjafjallajökull-Vulkans bedeckte, schwarz schimmernde Altschneefelder prägen die Landschaft. Ab hier ist weit und breit niemand mehr zu sehen. Das Wetter wechselt stündlich zwischen Regenschauern, Sonnenschein, Wind und Nebel, woran wir uns schnell gewöhnen.
Schliesslich wird der Blick frei auf ein sattgrünes Tal in welches wir absteigen. Noch immer erheben sich rötliche Hügel aus den Mooshängen und in der Ferne leuchtet das Weiss der Gletscher unter der Asche hervor. Bald erscheint vor uns der Álftavatn, hinter dem ein Berg gleich einer schwarzen Pyramide aufragt.
Der Zeltplatz neben der Wanderhütte ist bis auf ein weiteres Zelt leer und wir verbringen einen ruhigen und gemütlichen Abend, versüsst durch die Vernichtung eines Teils des eigentlich überflüssigen Bierübergewichts des Rucksacks.



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Tag 7: Álftavatn nach Emstrur

Wir lassen den See hinter uns und wandern weiter durch das von vielen Bächen gespeiste weite grüne Tal und stossen bald an die erste, nicht sehr tiefe Furt. Auf der anderen Seite steht die Hütte Hvangill, welche wir aber hinter uns lassen und weitermarschieren.
Der Weg mündet in ein flaches, wüstenartiges Gelände. Dunkler Sand breitet sich um uns aus und in weiter Ferne leuchtet ein gigantischer Gletscher. Schliesslich stossen wir an einen wilden Strom, der sich tief durch das Gestein gefressen hat. Dann wieder weite Wüstenlandschaft über welche der Wind den Sand in Wolken mit sich trägt, was eine Essensrast unmöglich macht, weil wir am Ende wohl nur eine knirschende Sandbrühe zu uns nehmen könnten.


Schliesslich steigt der Weg allmählich an und endlich erscheint hinter einem der unzähligen Hügel die ersehnte Hütte.
Dort findet gerade eine Art Wikingertreffen der Einheimischen statt. Einige haben sich Messer und Trinkhörner umgeschnallt. Ironischerweise sind aber alle mit Geländefahrzeugen gekommen und daher auch weit weniger müde als wir es sind.
Wir kochen eine extra reichhaltige Mahlzeit mit einer Basis aus Zwiebelsuppe und Nudeln und füllen das ganze grosszügig mit Thunfisch und Käse. Dazu gibt es Bier um den Rucksack leichter zu machen. Das schmeckt aus der Dose gerade so gut wie aus dem Trinkhorn.



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Tag 8: Emstrur nach Þórsmörk

Der Weg von der Hütte führt vorerst stetig hinauf. Die Gletscher scheinen immer näher zu rücken. Wir kommen zu einer tiefen Schlucht, wo wir an einem Seil zu einer kleinen Brücke hinuntersteigen und diese überqueren.
Auf der anderen Seite wird der Blick auf einen gezackten Berg frei, welcher der Kulisse eines Conan-Films entnommen sein könnte.


Über von Bächen durchschnittene flache Hügel erreichen wir schliesslich das Flussdelta um Þórsmörk. Linkerhand ragt majestätisch der gänzlich von schwarzer Asche überzogene Gletscher Mýrdalsjökull auf.
Dann wird der Blick frei auf die unter den Wolken glitzernden Flüsse die ins in der Ferne sichtbare Meer münden, das mit dem Horizont zu verschmelzen scheint. Kleine Wälder tauchen an den Hängen auf. Nach einer ungefährlichen Furt, für welche das Hochkrempeln der Hosen reicht, geht es durch einen dieser Wälder weiter. Um uns blühen unzählige Blumen. Kurz darauf erreichen wir die Langidalur Hütte und stellen unser Zelt auf.
Das goldene Abendlicht taucht den fast gänzlich schwarzen Gletscher in Bronzetöne und über dem Tal schwebt um 22 Uhr ein Regenbogen. Schwer , mehr zu sagen ohne noch kitschiger werden zu müssen. Die Bilder sprechen glücklicherweise für sich.



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Tag 9: Þórsmörk nach Skógar

Ob wir von hier wie geplant weiterkommen wissen wir nicht. Angestrebt ist die Fortführung des Weges nach Skógar über den Fimmvörðuháls, ein Pass welcher zwischen den Gletschern Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull hindurch führt. Da der Vulkan auf letzterem vor Kurzem ausgebrochen war und seine Spuren weithin in Form der schwarzen Asche sichtbar sind, ist nicht klar ob der Pass begehbar ist. Wir beschliessen es einfach zu versuchen und machen uns um ca. 10 Uhr auf den Weg.
Durch das Flusstal gelangen wir zu einer weiteren bewirteten Hütte. Dort lädt uns der aufmerksame Hüttenwart zu einem Gespräch an seinen Tisch und zeichnet uns die erst seit zwei Tagen offene Alternativroute auf eine kopierte Detailkarte und impft uns ein, dass wir uns unbedingt an die Route halten sollen, weil die eigentliche Strecke von einem noch heissen Lavastrom durchschnitten ist. Zudem sollen wir mindestens vier Liter Wasser pro Person mitnehmen, da es unterwegs kaum Möglichkeiten zum Auffüllen gibt. Wir danken für die Auskunft und gehen weiter.
Bald zweigt der Weg ab in ein von einem Bach durchschnittenes, zerfurchtes Seitental. Der Stein, welcher aus dem Moos und den Büschen ragt ist teilweise zerlöchert und wirkt wie Skulpturen.
Wir bringen einen guten Teil der zu schaffenden 1000 Höhenmeter hinter uns und erreichen ein weitläufiges, topfebenes Plateau, von dem aus die Sicht auf die rundumliegenden Gletscher frei wird. Bereits hier weht ein warmer Wind von den schwarzen Gletschermassen herab und lässt einem die Nähe des Vulkans spüren. Auch das schweflige Gelb an den gegenüber aufragenden, schwarzen Wänden ist ein unmissverständliches Zeichen.

Am Ende des Plateaus steigt der Weg sehr steil an und ist teilweise mit dürftig verankerten Ketten gesichert. Der Blick wird frei auf einen gigantischen, wohl von Ascheschlamm und Gletscherschmelzwasser gebildeten Abgrund, durch den tosend eine bräunliche Brühe rauscht.
Der Weg scheint immer noch steiler zu werden und man beginnt die Schritte bis zur nächsten kurzen Verschnaufpause zu zählen. Trotzdem man sich stetig dem Gletscher nähert, wird es immer wärmer. Der Blick zurück fällt auf eine eindrückliche Mischung aus Bergen und Gletschern.
Schliesslich ist die Anhöhe erreicht. Eine mit gelbem Schwefel gesprenkelte Lavazunge liegt porös im Staub zwischen grauweissen Eisfeldern. Die Luft flimmert vor Hitze. Wenig später erreichen wir einen von rötlichem Staub durchbrochenen Aschekegel, aus dem zahlreiche kleine Rauchsäulen aufsteigen. Rötliche Brocken liegen im Staub. Wir müssen Acht geben wo wir stehen bleiben, da der Gestank von brennendem Gummi verrät, dass uns sonst wortwörtlich die Sohlen brennen.

Der neue Wegverlauf ist glücklicherweise sehr gut mit Holzpfählen markiert. Die Reihe der alten Markierungsstangen sehen wir mitten im erstarrten, aber nicht erkalteten Lavastrom abbrechen.
Wir gelangen auf eine Senke zwischen den beiden Gletschern. Hier bricht das Weiss des Eises an keiner Stelle durch. Eine gänzlich schwarze, fremdartige Landschaft breitet sich vor uns aus. Unwirklich steht eine Berghütte auf einem der schwarzen Aschehügel. Man hat endgültig das Gefühl den angestammten Planeten verlassen zu haben, derart fremd, bizarr und unvergleichlich wirkt diese schwarze Aschewüste.

Da wir unten im Tal erfahren haben, dass die Hütte vollständig von Forschern belegt ist, gehen wir an ihr vorbei und erreichen eine kleine Schutzhütte. Da auf der Meerseite des Gebirges die Winde die Asche mit sich tragen, was in regelrechten Sandstürmen mündet, beschliessen wir dort Rast zu machen. Die Hütte ist in einem erbärmlichen Zustand. Zig Vorbeikommende haben achtlos ihren Müll liegen lassen. Der Boden ist dreckig und die Wände klebrig. Die Idee hier zu übernachten streichen wir und beschliessen in einem Ruck nach Skógar durchzuwandern. Trotzdem nutzen wir die Möglichkeit in der Hütte geschützt zu kochen und zu essen. Ein paar von der anderen Seite kommende Tschechen tun es uns gleich.
Als wir die Hütte verlassen werden die Aschestürme stärker und zum Teil verlieren wir uns und den Weg für Minuten aus den Augen, weil es ringsum ruckartig schwarz wird und atmen nur noch durch ein Tuch möglich ist.
So geht es etwa eine Stunde weiter, bis sich die Sache einigermassen beruhigt. Scheinbar gäbe es eine beschaulichere Wegvariante entlang von unzähligen Wasserfällen, aber wir folgen einer gut sichtbaren Fahrspur, einerseits weil wir seit nunmehr neun Stunden unterwegs und hundemüde sind, andererseits, weil diese Eindrücke wohl kaum das Gesehene noch übertreffen können.

Doch der Weg bis Skógar zieht sich noch ewig hin. Für einmal wirklich erschöpft und mit letzten Kräften erreichen wir dennoch gegen 23 Uhr unser Ziel und hoffen mit allen Fasern darauf, noch eine Unterkunft zu finden. Die Asche ist in sämtliche Körperöffnungen vorgedrungen und wir sehen aus wie Clint Eastwood nach seinem Marsch durch die Wüste in The Good, the Bad and the Ugly.
Skógar ist klein und die Häuser weit verstreut, doch finden wir schliesslich Schildern folgend das Hotel Edda. Glücklicherweise ist es offen und die Rezeption besetzt. Man sagt uns allerdings, dass alle Zimmer belegt seien, was aber auch auf unser eher nicht ansprechendes, staubiges Äusseres zurückzuführen sein könnte. Bevor wir einen Nervenzusammenbruch erleiden, weist uns die freundliche Dame aber darauf hin, dass Sie gleichzeitig auch ein Hostel seien und uns ein Matratzenlager anbieten könnten. Da wir bis auf eine warme Dusche eigentlich kaum weitere Ansprüche haben sagen wir sofort zu.
Man führt uns zu unserer Verwunderung durch den Keller und öffnet eine grosse Tür. Wir stellen fest, dass das Mehrbettlager aus der im Winter von den örtlichen Schulkindern genutzten Turnhalle besteht. Uns soll’s recht sein. Wir schnappen uns eine Matratze, richten unser Lager eilig her und machen uns dann sofort auf in die Dusche, welche wir für eine halbe Stunde nicht verlassen und vollends auskosten. Dann fallen wir auf unsere Matratzen und in den wohlverdienten Schlaf.



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Tag 10: Skógar nach Reykjavik

Als wir am Morgen aufwachen können wir noch immer kaum gehen. Dennoch schleppen wir uns zum Frühstücksbuffet. Dieses steht einem Grand Hotel in nichts nach. Ein riesiger Tisch biegt sich unter diversen Fischsorten, Käse, Fleisch, Eiern und allem was das Herz sonst noch begehrt. Uns kommt das sehr gelegen. Etwas ungewohnt nach der wunderbar stillen Natur ist nur die teutonische Busreisegruppe, die sich wie eine Parodie auf das Buffet stürzt und deren putzigstes Exemplar in komplexester Zeichensprache einer Angestellten zu vermitteln versucht, dass es gerne Salz hätte. Trotz des kleinen Zivilisationsshocks geniessen wir das Frühstück in vollen Zügen und machen uns dann auf zur etwas entfernt gelegenen Bushaltestelle um nach Reykjavik zu kommen.
Diesmal erwischen wir einen Bus. Dieser ist gut besetzt und legt einen längeren Stopp am Skógafoss, einem eigentlich eindrücklichen Wasserfall ein. Die von Touristen umzingelte Attraktion vermag uns aber nach dem Erlebten nicht mehr grossartig zu beeindrucken.
In Reykjavik angekommen machen wir uns erst einmal auf die Suche nach einer Unterkunft. Dabei fällt auf, dass der Aufenthalt hier mehr zu bieten hat als erwartet. Die zahlreichen Läden, Kneipen und Restaurants in der hübschen Stadt lassen keine Langeweile befürchten.
Wir finden über ein improvisiertes Touristenbüro eine Adresse und melden uns in der gemütlichen Wohnung. Der Chef des Hauses, ein Althippie mit Glatze-Langhaar-Mischfrisur bietet uns erst einmal einen Apfel und einen Tee an und setzt uns dann auseinander, dass hier vor Ort nichts mehr frei sei, er aber noch eine andere Wohnung habe wo wir unterkommen könnten.
Wir willigen ein und werden von dem kauzigen Unikum zu unserer neuen Bleibe gefahren, welche im Winter Studenten als Unterkunft dient. Das Zimmer ist sehr schön und grosszügig. Zudem gibt es eine Gemeinschaftsküche mit allem was man braucht.
An diesem Abend lassen wir aber einen Inder in der Stadt für uns kochen und der macht das richtig gut.



Tag 11 Reykjavik

Wir gehen die Sache gemütlich an, da wir ohnehin etwas schneller in Reykjavik gelandet sind als geplant. Wir spazieren bei bestem Wetter durch die Stadt und suchen dann einen Laden um uns unser Mittagessen zu kaufen.
Ein netter angestellter bemerkt, dass wir Touristen sind und fragt, ob er uns ein paar einheimische Spezialitäten zeigen dürfe. Natürlich darf er und erklärt bereitwillig geräuchertes Lamm, Hákarl (Gammelhai) , Skyr (eine Art Quark) und andere Köstlichkeiten. Der Mann ist entzückt von unserer Bereitschaft gerade exotische Dinge wie halbe Schafsköpfe probieren zu wollen und verschwindet dann kurz, um mit einem Silbertablett mit Häppchen, in denen Islandfähnchen stecken zurückzukommen und fordert uns auf zu probieren. Happen Nr. 1 schmeckt ein wenig wie Honiggurken. Wir werden aufgeklärt, dass es sich um sauer eingelegtes Walfett handelt. Nr. 2 sieht aus wie ein grosses Korn Hüttenkäse und schmeckt auch ähnlich. Mit einem breiten Grinsen und der offensichtlichen Erwartung einer entsetzten Reaktion wird uns verraten, dass es sich um in Joghurt eingelegte Schafshoden handelt. Wir bleiben aber gelassen und äussern unsere Überzeugung, dass man auch alles was man essen kann essen soll, wenn man schon ein Tier schlachtet. Das scheint uns augenscheinlich Sympathien einzubringen.
Wir verlassen den Laden mit einem halben, im Ofen gegarten Schafskopf, einem halben Kilo Walfleisch, einer 100g Packung Gammelhai und einer Menge Gemüse, von dem wir die letzten Tage einfach zu wenig gesehen haben. Und bevor jemand einen Aufstand wegen dem Wal anzettelt: Die Bestände in Island sind, im Gegensatz zu den Thunfisch- oder anderen Fischbeständen weltweit, die das Pech haben kein Säugetier zu sein, wohl kontrolliert und geschützt. Es wird kein Blauwal verwurstet und auch sonst keine vom Aussterben bedrohte Art.
Verkostungsfazit: Schafskopf ist essbar, allerdings geschmacklich ähnlich als würde man einen Ziegenbock lecken. Wal schmeckt sowohl roh als auch gebraten hervorragend. Wie eine Mischung aus Thunfisch und zartem Rindfleisch. Zum Gammelhai kommen wir noch.
Nach dem Essen machen wir uns auf in die Stadt auf einen heiteren Umtrunk. Das erste angesteuerte Pub ist ein Volltreffer: Happy Hour, so dass ein Bier letztlich günstiger ist als in der Heimat. Es lässt sich verweilen und die taghelle Nacht wird lang. Nach der Beehrung weiterer Wirtshäuser gibt’s noch ein Abendbrot aus Nachos mit Chili con Carne. Wieder im Temporärheim angekommen, befinden wir es für eine gute Idee den Gammelhai als Dessert zu verkosten. Bereits beim Aufschneiden der Packung erschlägt uns der Gestank nach zu lange in der Sonne gestandenem Müll beinahe. Der Geschmack ist zwar im Verhältnis weniger schlimm, aber der Körper wehrt sich gegen das auf der Zunge prickelnde, scharfe Fleisch. Da hilft auch der Aquavit zum Spülen nichts mehr. Nach einigen Happen beschliessen wir schweren Herzens ausnahmsweise Essen wegzuschmeissen. Nur wo? Der Haushaltsmüll ist keine Option, da uns sonst die Bewohner der anderen Zimmer höchstwahrscheinlich lynchen würden. Wir beschliessen also die Entsorgung als verdeckte Operation an der Nahen Bushaltestelle vorzunehmen. Nach erfolgreicher Durchführung legen wir uns schlafen und hoffen, dass die Küche am nächsten Morgen wieder risikofrei betretbar und die Bushaltestelle nicht von der Spurensicherung der Mordkommission wegen Verdachts auf Leichenteilentsorgung belagert ist.



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Tag 12 Reykjavik

Wir beschliessen den Tag diesmal gesitteter zu gestalten und besuchen das Nationalmuseum. Die Ausstellung ist sehr interessant und gibt einen kurzweiligen Überblick der reichhaltigen Geschichte der Insel. Lustiger weise wird der Museumsrundgang von einem Ungarn geführt, welchen wir bereits auf der Hinfahrt an Bord der Fähre gesehen hatten. Auch er erkennt uns wieder und gibt uns nach der offiziellen noch eine kleine private Führung.



Tag 13 Hellisandur auf der Halbinsel Snæfellsnes

Zeit für einen letzten Ausflug. Wir entscheiden uns für eine Busfahrt nach Hellisandur auf der Snæfellsnes Halbinsel mit dem kleinen Gletscher Snæfellsjökull.
Das Dörfchen ist sehr klein und der Weg bis zum Gletscher und zurück scheint unrealistisch lange, so dass wir befürchten den Bus zurück nicht mehr zu erreichen. Wir spazieren also die Küste entlang. Die Landschaft ist an sich nett und einsam, allerdings sind wir vom Laugavegur verwöhnt und es will keine rechte Begeisterung aufkommen. Als kleinen Trost bekommen wir im örtlichen Café eine hervorragende Fischsuppe.



Tag 14 Reykjavik

Unser letzter Reisetag. Der Flug geht erst um 00:55. Die Rucksäcke dürfen wir so lange am Hauptsitz unseres Vermieters lagern. Wir gehen bei schönem Wetter nochmal durch die Stadt und schlagen uns mit Hamburgern und Fritten die Bäuche voll. Dabei malen wir uns aus, welche Orte es bei unserem nächsten Islandbesuch zu erkunden gibt.


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Kommentare

  • slides-only

    Ein wirklich sehr guter Reisebericht, der sehr viele Informationen enthält, falls man selbst mal auf die Idee käme, nach Island zu fahren.
    Danke dafür
    Rüdiger

  • ResFraekmuendt

    Gern geschehen und besten Dank

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Färöer & Island 2010 4.83 6

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