Great Himalaya Trail: 5 1/2 Monate zu Fuss durch den ganzen Nepalesischen Himalaya

Reisebericht

Great Himalaya Trail: 5 1/2 Monate zu Fuss durch den ganzen Nepalesischen Himalaya

Reisebericht: Great Himalaya Trail: 5 1/2 Monate zu Fuss durch den ganzen Nepalesischen Himalaya

5 1/2 monate und 1700km auf der hoechsten Trekking route der Welt, 2011/2012

“Of course, a pilgrimage is often regarded as a physical
counterpart to the spiritual way of life. Both require a
special attitude, carefull preparation, a determination
not to give up whatever the cost, courage to overcome
whatever obstacles get in the way and caution in the face
of danger”
(Dalai Lama, in: Jamling Tenz

 Nun sind 5 ½ Monate wandern im Nepalesischen Himalaya zu ende. Jetzt wo ich zu hause in Deutschland sitze, kommt mir die ganze Reise unwirklich vor, wie ein Traum. Viele Leute haben mir wiederholt viele Fragen gestellt, die ich hier beantworten möchte:
 Was hast du denn gemacht?
Ich kann es gar nicht glauben, dass ich die Nepalesische Sektion des „Great Himalaya Trails“ (Nepal von Osten nach Westen) zu Fuß durchwandert habe, auf der hohen, alpinen Route!
 Was ist der Great Himalaya Trail (GHT)?
Der "Great Himalaya Trail" als Wanderroute ist ein relativ neues Konzept. Die drei bekanntesten
Wandergebiete in Nepal: Langtang, Annapurna und Everest werden jährlich von mehr als
10.000 Wanderern besucht. Der Rest des Nepalesischen Himalayas sieht nicht so viele
Besucher. Die meisten Gebiete sind auch erst seit 2002 offiziell zugänglich und die Kosten für den Eintritt in die "restricted areas " sind immer noch recht hoch. Meistens werden diese Gebiete von kommerziellen organisierten Reisegruppen besucht.
Allerdings ist es mit der Öffnung der Gebiete jetzt möglich, den gesamten Nepalesischen Himalaya von Ost nach West (oder auch anders herum) zu durchwandern. Bisher haben das nicht viele Reisende getan. Der Einzige der die ganze Strecke erforscht und in einem Reiseführer und Bildband dokumentiert hat, ist Robin Boustead und sein nepalesischer Führer Pema Thiri Sherpa (siehe: http://www.greathimalayatrail.com/ und http://pematrek.com).
Die Nepalesische Strecke ist ungefähr 865km lang. Sie führt entlang der höchsten Berge des Himalayas und verbindet die Hauptwanderrouten miteinander. Die Dauer der Reise kann mit 160-180 Tagen veranschlagt werden, je nach dem welche Route man wählt und wie viele Rasttage man einlegt.
Bisher gibt es keinen festgeschriebenen "etablierten " Wanderweg und jeder Wanderer kann sich selbst seinen eigenen GHT zusammenstellen. Es gibt eigentlich 2 Routen: eine alpine Route,die nahe der Grenze zu China/Tibet verläuft und die die Überquerung von vielen Pässen über 5000m-6000m erfordert. Die weiter südlich gelegene Strecke wird auch der " Cultural Trail"
genannt, da sie durch dichter besiedeltes Gebiet und viele Dörfer führt. Technisch gesehen ist diese Route nicht so schwierig.
Das Ministerium für Tourismus, in Zusammenarbeit mit einer holländischen
Entwicklungshilfeorganisation SNV, (http://www.thegreathimalayatrail.org/ ) arbeitet an der Ausarbeitung und Vermarktung dieser Strecke, die auch der Bevölkerung finanzielle Vorteile und Ausbildungsmöglichkeiten durch vermehrten Tourismus bringen soll.
 Wie bist du gelaufen und wie hast du das organisiert?
Ich bin den alpinen Höhenweg gegangen von Kanchenjunga (Osten) nach Hilsa (Grenze nach
Tibet im Westen und habe eine Abschlussrunde durch das Limi-Valley nach Simikot gemacht. Ich bin in zwei Abschnitten gelaufen: Teil 1 vom Kanchenjunga (Taplejung) nach Barabise (am Arniko Highway) in 63 Tagen im September/Oktober/November 2011. Teil 2 von Last Resort (Arniko Highway) nach Simikot via Hilsa und Limi Valley im Februar, März, April, May 2012, wofür ich 104 Tage geraucht habe, also insgesamt 168 Tage. Ich habe das in zwei Abschnitten gemacht, da es im Dezember und Januar einfach zu kalt ist und die hohen Pässe zugeschneit sind.
Ich habe folgende Regionen durchwandert: Kanchenjunga Region, Makalu Region, Solu- Khumbu, The Rolwaling, Langtang (Helambu), Ganesh Himal, Manaslu Region, Naar&Phu, Annapurna, Dolpo, Mugu, Humla (Hilsa, Limi Valley).
Ich hatte alles selbst geplant und mir einen Reiseplan für jeden Tag erstellt. Dazu habe ich die Karten “Trekking Map Series” von “Himalayan Map House/Great Himalaya Trail und das Guidebook “Nepal Trekking and the Great Himalaya Trail” from Robin Boustead (Trailbazer, 1st edition) benutzt. Unterwegs hat sich dann manches Mal etwas geändert, aber meist hat es gut geklappt. Da es mir unmöglich erschien, alles ganz alleine zu laufen, habe ich 3 Nepalesen als Führer und
Träger engagiert von der Agentur „Pema Treks and Expeditions“, die einzigen in Nepal, die sich mit dem Great Himalaya Trail auskannten.
Die Strecke erforderte Campingausrüstung und Verpflegung, aber man kommt an den Hauptwanderwegen auch an "Teahouses" vorbei, den einfachen Gasthäusern in denen man schlafen und essen kann.
WARUM hast du das gemacht?
Manchmal, an besonders schwierigen und anstrengenden Tagen, habe ich mir immer wieder die gleiche Frage gestellt: Warum mache ich das eigentlich?
Dann musste ich mir immer wieder klar machen, was eigentlich meine Anfangsmotivation gewesen ist.
Die Idee, den gesamten Nepalesischen Himalaya sehen zu wollen, kam mir in 2010, als ich zum 2ten Mal den Annapurna Rundweg gelaufen bin. Ich war in 2009 schon einmal dort gewesen, mein erstes Mal in Nepal. Danach wollte ich gerne weiterhin im Himalaya bleiben und habe auch zufällig eine Arbeit bekommen, als Projektkoordinatorin für eine Entwicklungshilfeorganisation in Kathmandu.
Von meinem Fenster in Sanepa (Lalitpur, Kathmandu) habe ich jeden Tag die Langtang und Ganesh-Berge gesehen und hatte das Bedürfnis, hinzugehen und einfach in dieser Landschaft zu sein. Ich wollte gerne all die großen Berge sehen und ich wollte schon gar nicht im Büro sitzen. Ich habe mehrere kurze Wanderungen unternommen und dachte mir, es sei doch bestimmt interessanter, nicht jedesmal wieder in ein Wandergebiet hinein zu gehen und dann wieder raus ,um ins Nächste zu kommen. Stattdessen könnte man doch von einem Gebiet direkt ins Andere „rübergehen“. Auf meiner Suche im Internet bin ich auf die Homepage des „Great
Himalaya Trails“ gestoßen und war erstaunt, dass schon jemand die gleiche Idee hatte! Ich habe das Photo-Buch “The Great Himalaya Trail, a Pictorial Guide Book” von Robin Boustead (Himalayan Map House) gekauft und war so fasziniert von den Photos, besonders von der Makalu-Barunse Region, dass es mich wie ein Magnet dort hinzog. Es war irgendwie keine Frage mehr: Ich MUSSTE einfach dort hin, ich MUSSTE zu all diesen Orten zu Fuß gehen! Es war nur eine Frage des Geldes und der Zeit. Ich war ziemlich verängstigt als ich dann von Robin persönlich erfahren habe, dass es auf der Stecke mehrere hohe Pässe, über 6000m zu bewältigen gäbe, wozu ich Bergsteigererfahrung bräuchte. Da ich kein Bergsteiger bin, und noch nie so hoch war, wurde mir klar, dass ich das alleine, ohne professionelle Bergführer nie schaffen würde. Während meiner Zeit im Nepal habe ich gemerkt, wie sehr mich der Himalaya in seinen Bann gezogen hat. Diese Berge sind irgendwie etwas Besonderes. Sie sind anders als die Alpen oder der Hindukusch. Für mich haben sie eine Seele, einen Geist, wie Lebewesen, jeder ein Individuum und mit einer eigenen Persönlichkeit. Sie sind wunderschöne, atemberaubende Massen aus Fels, Eis und Schnee, besonders wenn sie in der Morgensonne golden glitzern.Ich mag es. über hohe Pässe zu gehen. Ich möchte immer sehen, was hinter der nächsten Gebirgskette liegt. Es ist wie ein Geheimnis dass du Schritt für Schritt aufdeckst. Wie sieht die Landschaft hinter diesem Berg aus, wer wohnt dort, was werde ich dort sehen? Das erstaunlichste, was ich von einem hohen Pass aus sehe, ist diese endlose Weite und diese endlose Masse aus Schnee-bedeckten Bergketten. Es ist unglaublich, diese riesige Fläche von Einsamkeit, Eis, Schnee, Kälte und Geheimnis. Ein starkes Gefühl der Unzugänglichkeit und bgeschiedenheit, der Macht , Stärke, Gewaltigkeit und Kraft, in der sich der Mensch klein und machtlos wie eine Ameise fühlt.Diese Ausblicke und Gefühle von oben auf dem Pass haben mich immer wieder dazu motiviert nach oben zu gehen, auch wenn es manchmal sehr schwer war. Ich wollte auf den Pass um von oben zu schauen und zu sehen was dahinter liegt. Und da der GHT nicht nach Nord-Süd verläuft und in Tälern, wo man vielleicht mal einen Pass zu überqueren hat, sondern von Ost nach West, muss man über sämtliche Bergketten, also ein ständiges Hoch und Runter.
Ich musste also über sehr viele hohe Pässe und Wasserscheiden über 4500m, davon 2 über 6000m:
Nango La 4776m (Kanchennjunga), Lumbha Sambha 5159m (Kanchenjunga), Sherpani Col ,6146m (Maklalu- Barun), West Col 6143m (Makalu-Barun), Amphu Labsta 5845m (Makalu- Barun), Cho La 5420m (Solu-Khumbu), Renjo La 5360m (Solu-Khumbu), Tashi Labsta 5755m (The Rolwaling), Laurabina Pass (Gosainkunda) 4610m (Langtang), Thorong La 5415m (Annapurna), Jungben La (Santa La)5550m (Dolpo), Niwas La 5120m (Dolpo), Chan La 5378m (Dolpo), Numala La 5309m (Dolpo), Bagala La 5169m (Dolpo), Nagdalo La 5350m (Dolpo),
Yambur La 4813m (Dolpo), Nyingma Gyanzen La 5563m (Dolpo), Yala La 5414m (Dolpo), Chyargo La 5150m (Dolpo), Nara La 4560m (Humla), Nyalu La 5001m (Limi/Humla).Ich bin kein Bergsteiger, und ich glaube, dass ich nicht wirklich auf Berge steigen möchte. Ich würde mich als Eindringling und Störenfried fühlen. Für mich ist es genug, nahe an den Bergen zu sein und sie mit offenem Mu nd anzustarren! Ich nehme an, dass ich mich im Himalaya anders fühle als in anderen Bergregionen dieser Welt, aufgrund der Kultur und buddhistischen und animistische Religionen in dieser Gegend. Die farbigen Gebetsfahnen auf einem Pass, Chortens, Klöster in denen rot-gewandete Mönchen heilige Texte mit tiefem Gesang rezitieren und der Glaube daran, dass die Berge von heiligen Geistern bewohnt sind, mag den Himalaya von anderen Bergregionen unterscheiden. Ich bin kein Buddhist und auch nicht besonders esoterisch veranlagt und auch nicht abergläubig, aber dieses kulturelle Ambiente fasziniert mich und zieht mich an. Ich war zuvor in Tibet (2007) und habe den Mt. Kailash umrundet, den heiligsten Berg der Tibeter. Seither war ich fasziniert vom Himalaya. Das Buch der Alexandra David-Neel: “My journey to Lhasa” und ihre Biographie haben eine bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen und ich hätte mir gewünscht, in einer anderen Zeit geboren zu sein und so zu reisen wie sie. Geheime und unbekannte Gegenden im Himalaya zu entdecken. Auch wenn die Bücher kontrovers sind, und sie vielleicht nie wirklich dort war. Nun, die Zeiten haben sich geändert und es gibt nicht mehr so viele geheime Orte zu entdecken, aber dennoch hatte sich der Gedanke, für eine lange Zeit durch den Himalaya zu reisen in meinem Kopf festgesetzt. Ich wollte den Himalaya richtig kennen lernen. Auf eine langsame Fortbewegungsart und durch meine eigene physische Stärke. In unserer schnelllebigen Zeit wollte ich langsam reisen, mir Zeit nehmen die Orte in Ruhe und gründlich zu entdecken. Nicht von einer Touristen-Attraktion zur anderen rennen und dann allen stolz erzählen dass ich die ganze Welt in 2 Wochen gesehen hätte.
Und ich wollte einfach Draußen sein, in der Natur, mich bewegen. Ich bin nun mal kein
Büromensch und nach einem Jahr als Koordinatorin in Kathmandu, war ich es leid, jeden Tag 8- 12h am Computer zu sitzen. Ich musste was anderes machen: Laufen, laufen, laufen...und laufen.
Warum hast du das alleine gemacht?
Ich habe niemanden gefunden der dumm genug war mit mir 5 ½ Monte durch den Himalaya zu latschen! Die meisten meiner Freunde hatten nicht die Zeit, Geld, Kondition oder das Interesse daran. Klar was das manchmal recht einsam, da meine Nepalesischen Begleiter nicht viel englisch sprachen. Aber letztendlich war ich ganz froh, so konnte ich immer selber bestimmen was ich wann mache und musste keine Kompromisse eingehen.
 Ist das nicht auf Dauer langweilig so lange zu wandern und Berge zu sehen? Ist es letztendlich nicht immer das Gleiche?
Natürlich habe ich mir manchmal gewünscht zu hause zu sein, in einem frischen weichen Federbett, eine heiße Dusche zu nehmen, Vollkornbrot mit Käse zu essen, einen Latte Macchiato zu trinken und die Zentral-Heizung anzudrehen! Oder auch meine Freunde und Familie zu sehen oder einfach mal nur mit jemandem ein gutes Gespräch zu führen. Aber die Berge sind mir nie langweilig geworden. Sie sind alle irgendwie unterschiedlich und die Landschaft ändert sich doch ständig. Ich habe nie genug davon bekommen zu sehen, was mich hinter der nächsten Ecke erwartet. Manchmal war ich ziemlich müde von der körperlichen Anstrengung oder wenn ich mal krank war. Aber irgendwie habe ich nie meine Neugierde verloren. Ich mag es auf Landkarten zu schauen und mir vorzustellem, wie es dort wohl in Wirklichkeit aussehen wird. Ich gehe mit dem Finger die Wege nach und stell mir vor wie es wäre eines Tages dort lang zu gehen. Und dann, plötzlich bin ich wirklich da! Unglaublich!
 Was war das Beste und das Schlechteste auf der Reise?
Am Eindrucksvollsten war für mich der Makalu-Barun National Park und die Tatsache, dass ich
es wirklich über diese hohen Pässe geschafft habe. Dolpo war interessant und gleichzeitig die
schlimmste Strecke. Ich mochte besonders die Einsamkeit und Unzugänglichkeit, aber es war
schon eine echte Herausforderung die noch verschneiten Pässe zu überqueren. Aber im
Nachhinein stelle ich fest, dass es mir besonders gefallen hat, da es mir so richtig den Himalaya Eindruck vermittelt hatte, das “echte Himalaya-Feeling” wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich glaube die Landschaft in Dolpo sieht im Winter mit dem vielen Schnee ganz anders aus und viel interessanter. In der Kälte und unendlichen Weite fühlt man die Stärke der Natur. Das war auch ein wirklicher Abenteuer-Spielplatz wo ich mich selbst beweisen musste, meine Fitness, technisches Können und Ausdauer. Aber ich liebte die Ausblicke über die endlosen Himalayabergketten.Auf dem ersten Abschnitt im Herbst 2011 lief eigentlich alles ziemlich glatt. Wir haben uns nur einmal verlaufen und es ist uns allen Gesundheitlich gut gegangen. Das Wetter hat gut mitgespielt.
Beim zweiten Teil hat nicht alles so geklappt wie ich es mir gedacht hatte. Ich war enttäuscht, dass ich nicht über alle Pässe gehen konnte, die ich mir vorgenommen hatte. Und wir sind alle krank gewesen und hatten ständig Probleme mit dem Winter-Wetter Der Ost-Abschnitt war ganz anders, auch landschaftlich, als der West-Abschnitt. Im Osten gibt es spektakuläre Ausblicke auf die Höchsten Berge der Welt (Sagarmatha/Everest 8848m, Kanchenjunga 8586m, Lhotse 8516m, Makalu 8485m, Cho Oyu 8188m). Und es ist einfach unglaublich zu den Base-Camps zu laufen oder über die Pässe zwischen ihnen. Der westliche Abschnitt hat nicht so viele hohe Berg zu bieten: Dhaulagiri I 8167m, Manaslu 8163m, Annapurna I 8091m. Im westlichen Abschnitt bin ich mehr durch Dörfer gekommen (auch deswegen weil ich nicht den Tilman Pass und Larke La Pass gehen konnte). Ich fand den westlichen Teil aus kultureller Hinsicht interessanter. Manchmal war es auch schwierig alleine zu sein, die einzige nicht-Nepalesin zu sein und nicht mit Freunden zu reisen. Ich musste alle Entscheidungen selber treffen und manchmal war die Kommunikation mit dem guide und Träger nicht so einfach.
Aber ich war auch froh, dass sie dabei waren. Ohne guide und Träger hätte ich das wohl nicht alles alleine machen können. Manche Abschnitte kann man gut alleine gehen, vor allem da wo es touristischer wird. Aber besonders auf den Strecken im zwischen Kanchenjunga und Makalu, im Malaklu-Barun und Dolpo hätte ich es alleine nicht geschafft. Ich hätte bestimmt den Weg nicht gefunden und das Tragen der kompletten Ausrüstung und Essen wäre mir zu schwer gewesen. Und die Jungs haben sich wirklich alle erdenkliche Mühe gegeben mir bei allen physischen und mentalen „Höhen und Tiefen“ zu helfen. Am schlimmsten war für mich die Kälte und morgens aufzuwachen und das Zelt war mal wieder komplett eingeschneit. Eiskalte Zehen und ständig nasse Schuhe…
Ein übelst verstauchter Fuß und höllische Zahnschmerzen.
Manchmal war es zu anstrengend um es überhaupt genießen zu können.
Was mich sehr gestört hat war die Umweltverschmutzung. Sobald man in ein Dorf kommt liegt dort überall Unrat und vor allem Plastik herum. Und niemanden scheint das zu interessieren.
 Was hast du denn gegessen?
Reis, Kartoffeln und Kartoffeln, Reis. Die abgespeckte Version vom Dal Bhat.
Manchmal irgendwelche grünen Blätter von Gemüse und in paar Linsen. Aber ich habe herausgefunden dass Brennesselsuppe sehr gut schmeckt und wo immer wir Brennnesseln gefunden haben, haben wir unsere Diät damit angereichert. Vermutlich bin ich jetzt auch grün wie Milarepa, der Buddhistische Meister (der hat nur Brennnesseln gegessen während er viele Jahre in seiner Höhle zurückgezogen meditiert hat, und ist grün geworden.)
 Ein paar Notizen (hauptsächlich vom Teil 2, Teil 1 ist noch in Arbeit)
Im zweiten Teil der Reise hatte ich ein anders Team als im ersten Teil. Im ersten Abschnitt hatte ich professionell ausgebildete Bergführer und Hochalpin-Träger, da wir ja über die höchsten Pässe (über 6000m) gehen mussten, die Bergsteigererfahrung und Ausrüstung erforderten. Im zweiten Teil ich hatte einen guide und 2 Träger, die nicht als Bergsteiger ausgebildet waren, da die Pässe auf der Strecke technisch leichter zu begehen waren (jedenfalls dachten wir das,
und hatten nicht mit dem vielen Schnee gerechnet). Nur der Tilman Pass in der Langtang- Region erfordert technisches Können.
Teil 2 begann in Last Resort (am Arniko-highway), wo wir Teil 1 aufgehört hatten. Leider kannte keiner der Jungs den richtigen Weg und wir sind prompt anders gelaufen als geplant und auf der GHT-Karte eingezeichnet. Die ersten 2 Tage gingen dann schon mit Suchen des Weges los. Aber irgendwie sind wir dennoch angekommen. Es war noch sehr kalt im Februar und es gab ungewöhnlich viel Schnee dieses Jahr, sogar in den niederen Bergen.
Als wir einen Weg von Tembathang nach Panch Pokha ri nehmen wollten, versanken wir schon bei 3000m im Schnee. Wir haben einen andern Weg nach Nasimpathi gefunden, konnten ihn aber nur gehen, weil einen Tag zuvor eine Herde chauri gaai (Kuh-Yak-Kreuzung) den Weg frei getrampelt hatte. In Nasimpathi mußten wir uns dann entscheiden, ob wir den Tilmann Pass gehen sollten, und wir beschlossen es wegen des vielen Schnees nicht zu wagen. Das war eine Enttäuschung, da ich mich besonders darauf gefreut hatte, da der Tilman Pass der letzte
technische Pass auf dem GHT war und weil ich die Berge, über die er führt, ein Jahr lang von meinem Fenster in Kathmandu aus angeguckt hatte! Stattdessen sind wir durch die nördlichsten Dörfer des Sindupalchowk Distrikts gegangen (Helambu, südlich vom Dorje Himal, Kangja Himal). Dort bin ich mit gemischten Gefühlen lang gegangen. Während ich als Koordinator in Kathmandu gearbeitet habe, hatten wir unser Projekt im Sindupalchowk Distrikt. Aber ich habe es nie geschafft bis zu den abgelegenen Dörfern im Norden des Distriktes zu gehen. Jetzt war das sehr interessant für mich, die Lebensbedingungen in den weiter abgelegenen Dörfern zu sehen und die Distanzen zu den Gesundheitsposten zu sehen, die wir unterstützt hatten. Aber es war schade, dass ich jetzt nur als Tourist hier war und überhaupt nichts für die Menschen tun konnte.
Wir sind über den Laurabina Pass zu den Heiligen See in Gosainkunda gegangen. Auch der „kleine“ Pass war noch voller Schnee und niemand war dieses Jahr schon darüber gegangen. Aber es war machbar. Die Seen waren noch immer gefroren und nur ein Teahouse war offen. Trotzdem dass der Baba (heiliger Sadhu) von Gosainkunda wie immer (ich war zuvor schon 2 mal dort gewesen) vor seiner Hütte, im Schnee und nur in ein Tuch gewickelt. Sogar einige Pilger aus dem Flachland waren von Dunche aus heraufgekommen, Flachland-Hindus mit Plastiksandalen und Saris! Ich fragte mich wie die die Nacht in Gosainkunda überleben konnten,
wo ein Schneesturm mehrere Lagen Schnee in meinen Schlafraum geblasen hat, wo ich mich in mich mit allen meinen Daunenklamotten tief im -20° Schlafsack eingegraben hatte!Im Langtang-Gebiet haben wir einen Abstecher nach Tatopani (Heiße Quellen) an der Grenze zu
Tibet (auf dem Tamang Heritage Trail) gemacht. Hier haben wir unsere verfrorenen Beine und Nasen im heißen, orangenen Wasser aufgewärmt, dem eine heilende Wirkung gehen alle Möglichen Gebrechen zugeschrieben wird.
Vom Langtang ging’s dann weiter ins Ganesh Himal Gebiet wo wir wieder über ein paar niedrigere Pässe (3500m) mussten, die auch immer noch voller Schnee waren.
Aber in den niederen Lagen blühte schon der Lali Gurans (Rhododendron), die Nepalesische National Blume. Hier kommen nicht viele Touristen hin, und die meiste Zeit übernachteten wir in Privathäusern (home stay). Da wir ja nur eine kleine Gruppe waren (mit großen Campinggruppen ist das nicht möglich), haben wir immer eine Familie gefunden die uns aufgenommen hat.Das war eines der erstaunlichsten Dinge auf dem ganzen Trip, wie unkompliziert die Leute sind!
Meist haben die Häuser nur einen Raum und das einzige Bett ist nur eine Holzpritsche mit
einem Teppich drauf, das am Tag als Sitzplatz dient. Der Gast (ich) hat die Ehre im Bett zu
schlafen, während die Familienmitglieder einfach ihre Matten auf dem Fußboden ausrollen. (Das hat mich jedesmal daran erinnert was meine Mutter immer sagt wenn sich wochenlang zuvor Besuch angemeldet hat: Wir haben keinen Platz, wo sollen die denn schlafen? Und was soll ich kochen? Meine Eltern haben ein großes Haus mit insges. 7 Zimmern plus Küche und Bad!) In den Häusern spielt sich das Leben um die Feuerstelle herum ab, die sich der Mitte des Raumes befindet. Die Frauen kochen während sie am Feuer sitzen und unterhalten sich mit den
Nachbarn, die mal vorbeigeschaut haben. Kochen und soziale Interaktion laufen gleichzeitig ab. Männer trinken meinst „chang“ (Bier) oder „rakshi“ (Wein) und nachdem alle Abendbrot gegessen haben, meist Daal Bhat (Linsensuppe und Reis), rollt jeder sein Bettzeug neben dem Feuer aus und schläft ein, während das Feuer langsam erlischt. Bis zum nächsten Morgen, wenn die Hausfrau als erstes wieder in die Asche bläßt um das Feuer erneut zu entfachen um den Morgentee „Dudh Chiya“ (Milch-Tee) zu kochen. Diese Unkompliziertheit hat mich sehr
berührt. Wenn man das mit unserer Lebensweise vergleicht, wo alles geplant und
durchorganisiert sein muss und wir alles verkomplizieren, auch wenn wir doch, technisch gesehen, viel mehr Möglichkeiten hätten.Nach dem Ganesh-Himal erreichten wir in Kohlabesi das Manaslu-Gebiet und ich freute mich
schon auf ein schneefreies Wandern und einen der höchsten Berge der Welt aus der Nähe zu
sehen. Ich war überrascht, dass der Manaslu-Wanderweg jetzt doch so gut ausgebaut ist, dass
man dort auch ohne Campingausrüstung wandern kann. Es gibt in fast allen Dörfern jetzt auch
Teahouses in denen man übernachten kann.Unglücklicherweise kamen uns gleich ein paar Touristen entgegen, die es nicht geschafft hatten
über den Larke La Pass zu gehen, weil es wohl zu viel Schnee gab! Anscheinend hatte es bis
dahin dieses Jahr niemand geschafft rüberzugehen. Aber ich wollte unbedingt den Pass
schaffen, da ich an einem bestimmten Datum im Naar-Phuu Gebiet sein musste und das war
der direkte Weg dorthin. Für Naar-Phuu hatte ich schon ein teures „Restricted Area Permit“,
das verfallen würde, wenn ich später kommen würde. Daher blieb mir keine Zeit lange zu
warten bis der Schnee weg war. Aber wir sind bis zum Samdo-Dorf gegangen, am Fuß des
Passes. Die Häuser waren noch immer Schneebedeckt und ich konnte meine Jungs nicht davon
überzeugen, den Pass zu versuchen. Einer meiner Träger hatte Angst um sein Leben, da wohl
zuvor schon Mal Leute auf dem verschneiten Pass umgekommen waren. Er hatte den Pass
schon 11-mal begangen, aber nicht mit so viel Schnee. Schweren Herzens hab ich nachgegeben
und wir sind umgekehrt und im Eiltempo nach Arughat gerannt.Auf dem Weg nach Arugat kamen uns viele Esel-Karawanen entgegen, die Essen und
Gebrauchsgüter in das Manaslu-Tal gebracht hatten, das bald wieder für die Sommersaison
wohnt sein würde.
Als ich ein paar wild galoppierenden Eseln ausweichen wollte, bin ich auf einer breiten
Schotterstraße ganz blöd in ein Loch getreten und auf die Nase gefallen, und konnte nicht mehr
aufstehen. Ich hatte mir den Fuß verknackst. Irgendwie hab ich es geschafft noch 5 Stunden
weiter zu rennen, bis Arughat, wo ich den Schuh kaum noch ausziehen konnte, da alles total
angeschwollen war und höllisch weh tat. Nachts bin ich vor Schmerzen aufgewacht und war
überzeugt, dass die Bänder gerissen waren und ich nun nach Kathmandu in Krankenhaus gehen
müßte. Das wäre das aus für mein GHT gewesen, oder jedenfalls eine Verzögerung, die ich nicht
hinnehmen wollte, da ich alle Restricted Area Permits schon bezahlt hatte und an die
Eintrittstermine gebunden war. Also das war alles enttäuschend, kein Larke La, und nicht laufen
können. Ich hatte ein echtes Tief und war den Tränen nahe.
Aber am nächsten Morgen hab ich es dann doch nicht übers Herz gebracht zu sagen, dass wir
aufhören und bin mit Verband am Fuß und Schmerzmitteln in den Bus gehinkt, der uns nach
Gorkha gebracht hat. Ich hatte gehofft, dass die Ruhe dem Fuß gut tun würde. Das war das
einzig Gute an der Busfahrt! Es war mir ja gar nicht recht, dass ich auf meiner Wanderung einen
Bus nehmen sollte. Ich wollte doch alles zu Fuß machen! Aber so war es nun mal, ich wollte
nicht aufgeben. In Gorkha mussten wir einen weitern Tag auf den Bus nach Beshishar warten.
Von dort (dem Ausgangsort für den Annapurna-Rundweg, sind wir auf der neuen Straße bisSangye gefahren. Ich war in 2009 und 2010 auf dem Annapurna-Rundweg und damals war die
Straße noch nicht so weit ausgebaut.
Das kontroverse Straßenbauprojekt war schon weit fortgeschritten.
Von hier ging’s dann (humpelte ich auf einem Fuß und zwei Stöcken) ins Naar-Phuu Tal, nördlich vom Annapuna. Auf dem Naar-Phuu Wanderweg gibt’s Campingbereiche und Daramsalas (Schutzhütten), die von einer Nichtregierungsorganisation (NGO) gebaut worden sind um den Tourismus in der Gegend zu fördern. Allerdings war es sehr enttäuschen dass diese nicht in Stand gehalten wurden. Es gab kein Wasser, keine Müllentsorgung und die gebauten Toiletten nicht gespült und verstopft oder ganz zusammen gebrochen. Aber trotzdem wurden wir von der Dorfbevölkerung dazu aufgefordert eine Camping-Gebühr zu errichten. Aber an Instandsetzung schien niemand interessiert.
Meine ursprüngliche Idee, über den Saribung Pass nach Mustang reinzugehen von Phuu aus, konnte ich wegen es Schnees auch nicht durchführen. Saribung liegt nicht an der „offiziellen“ GHT Strecke, aber ich wollte nicht schon wieder über den Thorong La am Annapurna-Rundweg gehen, da ich dort schon 2-mal war. Ich wollte etwas Anderes machen und auch so weit nördlich wie möglich bleiben. Das bleibt mir jetzt fürs nächste Mal. Daher sind wir nach dem Absteche ins Naar-Phuu Tal wieder auf den Annapurna-Weg zurückgekehrt. Leider nicht über den Kang La, zuviel Schnee! Und wieder über den Thorong La Pass. Leider nicht über Tilicho Pass, zu viel Schnee! Selbst der Thorong La war Schneebedeckt und in der Nacht hatte es geschneit, so dass wir morgens früh die ersten waren, die den Weg freigetrampelt haben.
Als wir vom Thorong La Pass in Richtung Dolpo geschaut haben, konnten wir sehen dass dort auch noch sehr viel Schnee lag. In meiner Vorstellung war Dolpo ein Hochplateau, das im Regenschatten von Annapurna und Dhaulagiri lag und ein ähnliches Klima wie Mustang aufweisen würde. Also Trocken und kein Regen und Schnee. Aber in Kagbeni, habe ich meine schweren schneetauglichen Trekkingschuhe und Steigeisen nach Kathmandu geschickt, da mir versichert wurde in Dolpo sei Schnee kein Problem und wir für Dolpo so wenig Gewicht wie möglich schleppen wollten, da wir dort komplett alles Essen mitnehmen mussten. Tja, das sollte sich als Fehlinformation rausstellen. Der Tag an dem wir Kagbeni verlassen wollten fing nicht gut an.Die Leute vom Polizeicheckpost riefen uns zurück, obwohl wir schon fast 2 km auf dem Weg
nach Dolpo den Weg hochgelaufen waren. Wir hatten uns nicht bei ihnen registriert (hatte
mein guide nicht für nötig gehalten) und die fanden jetzt, dass wir für diese Rute jetzt ein
zusätzliches Permit bauchten. Es war nicht möglich zu verhandeln und die schlechten
Englischkenntnisse meines guides, führten zu Missverständnissen und wir mussten einen
Umweg in Kauf nehmen der uns einen Tag kostete. Letztendlich sind wir nur um einen Berg bei Eklaibbati herumgegangen und kamen an gleichen Ort raus, den wir zuvor in einer Stunde erreicht hätten. Das war überhaupt eines meiner Frustrationen, dass mein guide nicht gut Englisch sprach und mein Nepalesisch immer noch nicht ausreichte. Das gab ab und zu Reibereien und Missverständnisse. Und da fühlte ich mich manchmal schon einsam, da ich nicht richtig reden konnte. Na ja, reden konnte ich schon, aber es verstand mich keiner!Über Nacht hatte mich eine heftige Bronchitis und Halsentzündung erwischt und ich fühlte mich
halbtot. Ich bin nur noch in mein Zelt gefallen und zwei Tage nicht mehr aufgestanden. So elendig hatte ich mich noch nie gefühlt. Keine Stimme mehr, Fieber, Husten..
Es ging mir so übel, dass ich befürchtete jetzt ist es endgültig aus mit dem GHT. Gerade jetzt, wo Dolpo doch die anspruchsvollste und anstrengendste Strecke werden würde.
Aber nachdem ich ausgeruht hatte und meine Reiseapotheke ausgeplündert hatte, habe ich mich wieder auf den Weg gemacht, über die erste hohe Hürde in Dolpo: Jungben La Pass.Zum Glück lag dort nicht so viel Schnee. Ein Lama (buddhistischer Geistlicher) war dort alleine
mit seinem Pferd unterwegs. Er war zum Shopping in Jomson gewesen und auf dem Heimweg.
Das arme Pferd hat den steilen Anstieg zum Jungben La mit dem ganzen Gepäck nicht geschafft und musste abgeladen werden. Lama und Pferd haben sich gerade so über den Pass geschleppt während meine Jungs ganz selbstverständlich das ganze Gepäck noch auf ihre Tragekörbe drauf packten und über den Pass schleppten. Der Lama und sein Pferd blieben über Nacht in unserem Camp, denn es war sehr kalt und der Lama hatte kein Zelt. Am nächsten Morgen wanderten wir
in verschiedene Richtungen weiter.In Charka Bhot gab es keinen checkpost, wo unser sehr teures Restricted Area Permit hätte kontrolliert werden sollen. Den Polizisten war es wohl noch zu kalt und man rechnete noch nicht mit Touristen. Die Bewohner der Dörfer gehen den Winter über meinst nach Pokhara oder Kathmandu oder in niedrigere Gegenden. Jetzt war es gerade die Zeit in der die Leute wieder in
die Dörfer zurückkehren um dort den Sommer zu verbringen.Nach mehreren Passüberquerungen, mehr Schnee und einen zugefrorenen Fluss, den wir 6-mal
durchwaten mussten, erreichten wir Poksundo Lake.
Hier wollte ich schon lange unbedingt hin kommen. Ich hatte den Film „Caravan“ schon viele Male gesehen und mich in die Landschaft verliebt. Ich wollte unbedingt sehen, wo der arme Yak ins Wasser gefallen war (im Film). Sehr spannende Geschichte!Das Wasser war unglaublich blau, ich habe noch nie so blaues Wasser gesehen!
Nach Poksundo, meine Hauptziel und das eigentliche Ziel meiner Pillgerreise war es “Shey
Gompa” zu sehen. Ich habe das Buch “The Snow Leopard” vor einigen Jahren gelesen und die
Vorstellung von einem mystischen Ort mit dem Namen “Shey Gompa” und “Crystal Mountain”
hat sich in meinem Geiste festgesetzt. Ich wollte diesen Ort unbedingt sehen. Es war wie eine Pillgerreise zu einem Ort der nur in meiner Phantasie existierte. Aber jetzt plötzlich war ich dort, in Wirklichkeit! Ich war den ganzen Weg gelaufen, vom fernen Osten Nepals, über viele schwierige Wege. Es war so, wie, in einem Traum anzukommen. Ich kann noch nicht mal sagen was mich an diesen Ort so fasziniert hat. Nicht von außen ist eigentlich spektakulär, der Crystal Mountain ist kein Kristall, aber anscheinend wirkt dort eine Kraft, die mich angezogen hat wie ein Magnet.
Im den abgelegenen Dörfern Bijhier und Pho, habe ich mich wirklich gefragt, wie die Menschen an einem solchen Ort leben können. An steilen, steinigen und staubigen Berghängen, umgeben von hohen Pässen. Die Menschen müssen von dem Leben was sie anbauen und ich kann mir vorstellen, dass der Boden nicht viel Ertrag ergibt
Nach Pho, haben wir 12h gebraucht um über den Nyngma Gyanzen La Pass zu kommen und
waren immer noch nicht am Ziel, wo wir geplant hatten zu campen. Wegen Schnee und Eis
krochen wir wie Schnecken dahin. Aber der Ausblick war unglaublich! Jedenfalls so lange die Schneewolke, die einen heftigen Schneesturm brachte als wir die Spitze erreichten, noch nicht da war!
Aber man konnte 360 Grad Berge sehen. Überall Berge, Berge, Berge….weit nach Tibet hinein (die Grenze ist sehr Nahe) und in Richtung Süden, Osten, Westen. Also in mitten des Himalaya, so wie Robin Boustead es in seinem Guide-book beschreibt: „Die Wirbelsäule der Welt“. Das stimmt wirklich!. Von hier waren noch zwei Pässe zu bewältigen, und die waren die Schlimmsten!
Für den Yala La brauchten wir 2 Tage der Vorbereitung um den Weg freizutreten und musste wegen einem Schneesturm auf 5100m an Fuße des Passes campen. Die kälteste Nacht meines Lebens.Auf dem Chan La Pass sind wir bis zum Bauch im Schnee versunken. Aber irgendwie mit einer
großen Portion Motivation und Ausdauer haben wir es geschafft.
Und jetzt, zurückblickend (auf einem bequemen Stuhl sitzend, vor dem Computer in einem schönen großen und sicheren Haus in Deutschland, während der Sommerregen ans Fenster klopft), fand ich es toll!Irgendwie hat die Anstrengung und schlechten Wetterbedingung sehr zum Abenteuer beigetragen und ich hatte das Gefühl wirklich etwas Besonderes geleistet zu haben. Die Dolpo-Sektion des GHT war zwar die schlimmste, aber auch irgendwie das Highlight des zweiten Teils
der GHT-Reise. Ich hatte das Gefühl etwas geschafft zu haben und war erstaunt dass und zufrieden, dass ich immerhin noch so fit bin um eine solches Abenteuer zu bestehen.
Das Dolpo-Hochplateau verlassend (ich habe festgestellt dass ein Plateau keineswegs flach ist) und wir in die Mugu-Region kamen, waren meine Gefühle ambivalent. Einerseits war ich schon froh, dass der härteste Teil der Reise vorüber war und ich freute mich schon auf warmes Wetter du eine heiße Dusche. Andererseits dachte ich, dass der Rest jetzt vielleicht langweilig würde,
da wir von jetzt an nicht mehr direkt durch die hohen Berge wandern (gibt nicht so viele in Humla) würden und nur noch ein Pass in Limi Valley bevorstand.
Aber Humla war auch eine Gegend in die ich schon immer gerne Reisen wollte. Humla steht ganz oben auf der Prioritätenliste der Hilfsorganisationen. Aber während meiner Zeit bei der NGO habe ich es nicht geschafft zu einem Assessment hierherzukommen. Humla galt immer als sehr unzugänglich und schwer erreichbar. Ich wollte die Situation immer mal mit eigenen Augen sehen.
In Ghamgadi habe ich dann meine erste heiße Dusche (im Eimer) seit fast 5 Wochen genommen! Und es war sogar warm genug mal draußen zu sitzen!
Aber wir sind nicht zum Rara Lake gegangen, dann an dem Tag, an dem wir eine Tagestour dorthin geplant hatten, hat mich dann doch noch ein heftiger Durchfall erwischt (ich dachte mmer dagegen bin ich immun, da ich noch nie Probleme damit hatte). Jedenfalls fühlte ich mich -und sah wohl auch so aus- wie ein ausgepresste Zitrone und habe mich im Guesthouse einen Tag lang ausgeruht.
Von Ghamgadi sind wir nach Simikot gegangen, auf relativ niedriger Höhe, aber immer noch anstrengendem Wg. Wie passierten mehrere Dörfer und anscheinend sehen die Bewohner nicht oft Touristen. Sie waren recht interessiert und neugierig. Auf dem gesamten Weg fragten die Leute immer wieder das Gleiche über mich. Aber nicht mich direkt, sondern fragten meinen guide. Meist war es ihnen etwas peinlich, wenn ich dann in nepalesisch geantwortet habe. Das war nicht so schwierig, da sich die Fragen ja immer wiederholten: Wo kommt die her? Wo her kommt ihr heute? Wieviele Leute in der Trekkinggruppe? Was, alleine? Warum? Wie lange geht ihr trekken? Was, 3 Monate?! Warum? Was macht die denn den ganzen Tag lang? Ist die verheiratet? Nein? Warum nicht?! Wie alt ist die? Was soo alt und nicht verheiratet?! Wo geht ihr jetzt hin?
Ich habe es genossen endlich mal wieder grüne Felder zu sehen. Es wurde Reis, Gerste und Weizen angebaut und die Bäume fingen an zu blühen. Die Leute bestellten ihr Felder. Bei der Frühlingsidylle habe ich komischerweise ein bisschen Heimweh bekommen, da es bei uns in Deutschland ja jetzt wohl auch Frühling sein würde. Interessant waren die unterschiedlichen
Bauweisen der Häuser, die je nach ethnischer Zugehörigkeit anders waren. Ich finde es interessant was für unterschiedliche Ideen die Menschheit hervorgebracht hat.Und nachdem ich nun von Osten nach Westen über das schwierige Gelände gewandert bin, kann ich verstehen, warum es zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen, die in abgelegenen Tälern wohnen, nicht sehr viel Austausch gegeben hat. Die meisten haben ihre spezifische Sprache und Tradition behalten. Aber alles, was ich hier gesehen habe, hat mich an das Leben in den Dörfern in Deutschland vor 100 Jahren erinnert, vor der Industrialisierung, oder sogar später noch. Die Menschen in Deutschland haben auch ihre Felder mit Ochsen- oder Kuhgespann gepflügt,
hatten ihren speziellen Dialekt und traditionelle Kleidung, die sie von anderen Dörfern
unterschied. In meiner Kindheit musste ich auch noch auf dem Hof meines Onkels mithelfen Heu zu machen, oder Kartoffeln zu ernten. Meine Großmutter hat noch Tracht getragen. Diese Dörfer im unzugänglichen Teil Nepals waren mir irgendwie nicht wirklich fremd. Ich fühlte mich eher wie in einer Zeitmaschine.
Aber trotzdem, jetzt befinden wir uns im 21th Jahrhundert und es überrascht mich doch immer wieder (ich habe ja schon in vielen solchen Gegenden in der Welt gearbeitet), dass Menschen immer noch kein fließendes, sauberes Wasser haben, keine Sanitären Anlagen und Zugang durch Straßen, keine Schulen und Krankenstationen.
Auf meinem Weg haben die Leute ständig nach Medikamenten gefragt. Auch wenn es ein Gesundheitsposten in der Nähe gab. Aber die Leute sagen die Medikamente seien dort nicht gut und würden nicht helfen, oder die Krankenschwester oder Arzt seinen nie anwesend. Tja, es würde wohl noch ein paar Seiten füllen, wen ich mich über das Nepalesische Gesundheitssystem auslassen würde…In Simikot angekommen, wollte ich erst mal shoppen gehen! Nach so langer Zeit. Aber daraus
ist nichts geworden, es war mal wieder Streik (bandha) und alle Geschäfte waren zu.
Von Simikot starteten wir (mit Pema als guide) zur letzten Runde des GHT, in Richtung Hilsa an der Grenze zu Tibet (dort wo es zum Mt. Kailash geht) und zurück via Limi Valley.
Hier trafen wir auf einige Touristen auf ihrem Weg zum Mt. Kailash. Der Einfluss des Tourismus war unübersehbar, da alle Kinder mich mit einem: „Namaste! Give Pen!“, oder nur „Namaste Pen“, „Namaste chocolate!“, begrüßten.
Das war schon ein komisches Gefühl als wir nach Hilsa gingen und ich konnte es fast nicht glauben, als ich das Grenzdorf und die weiten staubigen Hügel Tibets sah.Ich war über mich selbst verwundert als ich die Brücke, die sich als Grenze über den Humla Karnali Fluß spannt, berührte. Bin ich wirklich den ganzen Weg von der Ostgrenze über die höchste Route der Welt hierher gelaufen? Irgendwie unglaublich!
Ein paar einfache Wandertage brachten uns ins Limi Valley, wo es schöne Steindörfer gab, diein einer Landschaft lagen, die sehr an das Tibetische Hochplateau erinnert. Mit grünen Weiden, Flüssen und Bergen.
Auf dem allerletzten hohen Pass führten wir einen Freudentanz auf und beeilten uns zurück nach Simikot zu laufen. Mein Visa würde in ein paar Tagen auslaufen und wir hatten ja ein paar Tage mehr benötigt (in Manaslu und Dolpo) als geplant. Aber wir haben gut aufgeholt und für den gesamten zweiten Teil der Reise brauchten wir 104 Tage. Von Simikot flogen wir nach Nepalgunj, wo uns die Flachlandsonne wie einen Kuchen im Ofen gebacken hat! Wir nahmen den Nachtbus und nach 17h Fahrt waren wir wieder in Kathmandu!
Und was wirst du jetzt machen, nachdem du die Nepalesische Strecke des GHT gelaufen bist?
Jetzt wo ich noch mal auf die Karten gucke, kann es immer noch nicht glauben, dass ich den ganzen Weg gelaufen bin! Aber ich würde es wieder machen! Auch wenn ich es zwischendurchmanchmal gar nicht so gut fand.Und jetzt kann ich mir gerade gar nicht vorstellen nicht mehr jeden Tag zu laufen. Es ist irgendwie zu meinem Leben geworden. Es wird schwierig sein, eine andere Art zu Leben zu finden, in der ich das Laufen im Himalaya integrieren könnte. Ich werde eine Weile auf einer Schweizer Alp arbeiten und dann wahrscheinlich zurück zu meiner gewöhnlichen Arbeit in Kriegs u-Krisengebieten in der medizinischen Humanitären Hilfe zu arbeiten. Und hoffentlich kann ich etwas Geld sparen um den Indischen Teil des GHT
nächstes Jahr zu laufen!



Yak beim morgendlichen Bad

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Kommentare

  • mamaildi

    Namaste...
    ...und chapeau zu dieser Leistung!
    Diese Traumroute wird für mich wohl immer ein Traum bleiben, denn bis ich die Zeit dafür haben werde, dürften es die Knochen nicht mehr mitmachen. Du schreibst sehr ehrlich von den Anstrengungen und Entbehrungen, trotzdem kann man gut verstehen, warum du das getan hast. Deine vorangehenden Ausführungen, gerade warum es dich in den Himalaya zieht, die kann ich voll und ganz nachvollziehen, stellenweise sprichst du mir da sehr aus dem Herzen.
    Über deine ganzen Erlebnisse könntest du mit Sicherheit ein Buch schreiben - wenn das mal wahr werden sollte, lass es mich wissen.
    Liebe Grüße - Ildiko
    P.S. Schon bevor der GHT ein Thema war und lange bevor er realisiert wurde gab es Leute, die Nepal von Ost nach West durchquert haben. Vielleicht kennst du sie oder zumindest ihr Buch:
    "Der lange Abschied - 2000 km zu Fuß durch Nepal" von Dietlinde Warth

  • Pinky3

    ...........Deinen Bericht finde ich ganz gut, aber mir fehlen die Fotos, Du hast leider nur eins veröffentlicht das finde ich etwas schade bei dem was Du erlebt hast............oft sagt ein Foto mehr als 1000 Worte..........
    lg Gaby

  • female42

    Das sind Erlebnisse! Hut ab!

    Sonja

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Great Himalaya Trail: 5 1/2 Monate zu Fuss durch den ganzen Nepalesischen Himalaya 4.75 8

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