Paris: Wir wandern von einem "Bois" zum andern

Reisebericht

Paris: Wir wandern von einem "Bois" zum andern

Reisebericht: Paris: Wir wandern von einem "Bois" zum andern

Paris ist die meistbesuchte Stadt der Welt. Allein im ersten Halbjahr 2012 kamen mehr als 40 Millionen Gäste in die französische Metropole an der Seine. Aber die allerwenigsten von ihnen haben Paris zu Fuß erkundet. Dabei gibt es einen offiziellen Wanderweg quer durch die Stadt. Er ist rund 20 Kilometer lang und führt von einem Stadtwald zum andern – entweder vom Bois de Boulogne im Westen zum...

Paris: Blick von der Brücke "Pont de Bir-H...



...Bois de Vincennes im Osten oder in umgekehrter Richtung. Dabei beginnt die Wanderung wahlweise an der Métro-Station Porte Dauphine oder an der Station Porte Dorée. Es geht aber nicht auf direktem Weg über die großen Boulevards, sondern im Zickzack-Kurs überwiegend durch kleine Straßen und Grünanlagen. Einige der großen Sehenswürdigkeiten liegen dennoch unmittelbar am Wegesrand. Deshalb am besten zwei Tage einplanen, damit auch noch genügend Zeit für Besichtigungen bleibt.
Wandern – oder auf Französisch: randonner – ist sicher eine der anstrengendsten Methoden Paris kennenzulernen, aber auch eine der schönsten.



Tag 1 (Bois de Boulogne bis Boulevard Saint-Michel)

Paris: Wanderweg durch den Bois...

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Morgenstund hat Gold im Mund, heißt es so schön. Doch als wir endlich losmarschieren, steht die Sonne schon hoch am Himmel. Mein Bruder und ich, wir haben uns für unsere Wandertour ausgerechnet das heißeste Wochenende des Jahres ausgesucht. Zum Glück spenden die Bäume im Bois de Boulogne wohltuenden Schatten.



Paris: Blick auf das Restaurant...

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Die ersten Kilometer durch den Wald sind noch am ehesten mit einer herkömmlichen Wanderung zu vergleichen. Dann aber überqueren wir die Ringautobahn und tauchen in das Häusermeer der Millionenmetropole ein. Die gelb-rote Wegmarkierung gibt die Route vor, und notfalls hilft ein Blick in die Wanderkarte. Unser erstes Etappenziel ist eh nicht zu übersehen: Der Eiffelturm!



Paris: Blick vom Champ-de-Mars...

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Sechs Millionen Menschen pro Jahr besuchen das Wahrzeichen von Paris. Gefühlte drei Millionen stehen vor uns in der Schlange, bevor es endlich mit dem Fahrstuhl nach oben geht.
In knapp 300 Metern Höhe angelangt, liegt uns ganz Paris zu Füßen. Ganz Paris? Nein, denn das markanteste Bauwerk im Stadtbild fehlt – nämlich der Eiffelturm selbst. Deshalb schnell wieder runter und weitermarschiert. Der Weg ist noch lang.



Paris: Blick von der Spitze des Eiffelturms auf...



Paris: Erfrischung für müde...

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Unter dem Himmel von Paris ist die Hitze um die Mittagszeit kaum noch zu ertragen. Ein Königreich für eine kühle Erfrischung und einen kleinen Imbiss! Da kommt das "Café des Officiers" an der Place de l'Ecole Militaire gerade recht.



Paris: Invalidendom



Paris: Sarkophag Napoleons im...

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Von dem Café ist es nur noch ein Viertelstündchen zum Invalidendom – oder "Hôtel des Invalides", wie die Franzosen sagen. In diesem "Hotel" aber liegen nur Tote. Allen voran Napoleon Bonaparte hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden. In einem überdimensionalen Sarkophag, in dem ein Hüne Platz hätte. Dabei konnte der Kaiser der Franzosen bekanntlich kaum über den Tisch gucken. Und von Ruhestätte kann eigentlich auch keine Rede sein – bei den Massen von Menschen, die täglich seinen Sarg umrunden.
Wenigstens ist es kühl in der Krypta. Draußen auf der Straße dagegen brennt die Sonne unbarmherzig herab.



Paris: Blick vom "Jardin" auf das Pal...



Paris: Studentinnen im Jardin...

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Mit letzter Kraft schleppen wir uns zum Jardin du Luxembourg. Im wohl schönsten Park von Paris gibt es nicht nur ein Schloss, sondern auch viele Bäume und Stühle zum Ausruhen. Dazu hübsche junge Studentinnen von der nahen Sorbonne. Kaum habe ich mich niedergelassen, kommt eine direkt auf mich zu: "Oh, pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?"
Hey, wer rüttelt denn da an meiner Schulter? Verwirrt schrecke ich auf und starre in das Gesicht – meines Bruders! Oh, pardon. Ich bin wohl kurz eingenickt, und die hübsche Studentin war nur ein Traum. Aber wir sind schließlich in der Stadt der Liebe, und da ist das wahrscheinlich total normal...



Paris: Blick auf das Panthéon



Tag 2 (Boulevard Saint-Michel bis Bois de Vincennes)

Paris: Grabmal des Philosophen...

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Nationalstolz ist in Frankreich nichts Anrüchiges. Schon gar nicht, wenn es um die großen Dichter und Denker der Grande Nation geht. Im Pariser Panthéon sind sie beigesetzt, die sterblichen Überreste der Rousseaus und Voltaires. Das Mausoleum mit der gewaltigen Kuppel, die an den Petersdom in Rom erinnert, ist unser erstes Etappenziel am zweiten Wandertag in der französischen Hauptstadt. In kurzen Filmsequenzen werden dort Frankreichs große Männer und ihre Verdienste vorgestellt. – Es sind tatsächlich fast alles Männer. Nur eine einzige Frau hat es ins Panthéon geschafft: die Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie – und die war eine gebürtige Polin...



Paris: Jardin des Plantes

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Durch schmale Gassen im Studentenviertel Quartier Latin wandern wir weiter zum Jardin des Plantes, dem Botanischen Garten von Paris. Hier gibt es reichlich Blumen. Dazu fast ebenso viele Jogger trotz der Gluthitze an diesem Sonntagvormittag im August.
Die gelb-rote Wegmarkierung führt uns an der Salpêtrière vorbei, der größten Nervenklinik in Paris. Im 19. Jahrhundert galt sie als Europas renommierteste Irrenanstalt, wie man damals noch sagte. Auch Sigmund Freud wurde hier ausgebildet.
Wir überqueren das Schienengewirr der Gare d'Austerlitz, einem der sechs Pariser Bahnhöfe. Benannt wurde er nach einem Dorf in Mähren, Schauplatz einer siegreichen Schlacht von Napoleon. Bei uns in Deutschland wäre sowas wohl kaum denkbar – dass man einen Bahnhof nach einer Schlacht benennt. Aber wir haben ja auch die meisten bedeutenden Schlachten verloren...



Paris: Erfrischung für die Füße...

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Jenseits der Seine führt der Wanderweg an einer vielbefahrenen Ausfallstraße entlang. Außer dem Autolärm hat sie mit einer Prachtstraße wie der Champs Elysées nicht viel gemein. Bonjour, tristesse! Die schönen Ecken von Paris liegen hinter uns, industriell geprägte Außenbezirke vor uns.
Ein künstlicher Bachlauf im Parc de Bercy wenigstens gibt uns die Möglichkeit unsere Füße zu kühlen. Danach folgen die letzten Kilometer bis zum Bois de Vincennes.



Paris: Bois de Vincennes



Keine Frage, der zweite Tag der Wanderung durch Paris war nicht so spektakulär wie der erste. Und nach 20 Kilometern in den Beinen fühle ich mich ziemlich matt, die Füße sind wundgelaufen, der Kopf brummt von der Hitze. Aber alles in allem war es eine wundervolle Wandertour, und - um es mit Edith Piaf, dem "Spatz von Paris" zu sagen - non, je ne regrette rien, nein, ich bereue nichts!



(Den genauen Routenverlauf gibt's übrigens unter: http://www.gr-infos.com/grp-paris.htm)


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Kommentare

  • Wilfried_S.

    Eine sehr originelle Idee, Paris auf Schusters Rappen zu durchqueren!
    lg Wilfried

  • Steffania

    Das waren bestimmt zwei interessante Tage in Paris. Die Idee, eine Stadt zu erwandern, finde ich klasse.
    LG Steffi

  • sfintu (RP)

    Es war wirklich toll, aber die Idee - muss ich hier gestehen - stammt nicht von mir. Ich habe darüber in einem Buch von Manuel Andrack gelesen. Der neue deutsche "Wanderpapst" hat die Strecke in einem Tag bewältigt und vorne und hinten noch je sechs Kilometer drangehängt. Also alles in allem ist er 32 Kilometer gelaufen. Besichtigt hat er allerdings nichts...

  • Zaubernuss

    Eine alte Erfahrung: Zu Fuss sieht man einfach mehr... Ist der Mensch für schnelleres Tempo überhaupt geschaffen? Danke für Deine neuen Einblicke und Erfahrungen!
    LG: Ursula

  • reiseideenkreta (RP)

    Finde ich toll, daß ihr Paris zu Fuß erstürmt habt. Es ist wahr; das feeling für eine Stadt bekommt man nur zu Fuß !!

  • Hage

    Sehr lebendiger Reisebericht! Interessante Idee, Paris auf diese Weise kennenzulernen! LG Hans-Georg

  • Blula

    Ich war tatsächlich noch niemals in Paris. Vielleicht sollte ich mal auf die von Dir hier so toll vorgetragenen Art und Weise mit einem Besuch der französischen Metropole beginnen ???
    LG Ursula

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