"Der Weg der Sinne" mit Kindern

Reisebericht

"Der Weg der Sinne" mit Kindern

Die Idee

In den letzten Jahren verbrachten wir hin und wieder unseren Herbsturlaub im Sauerland. Dabei konnten wir nicht vermeiden, den Rothaarsteig zu kreuzen. So entstand unser Interesse am Rothaarsteig und somit auch der Wunsch, diesen Fernwanderweg einmal von Brilon bis nach Dillenburg zu wandern. Allerdings gestaltet sich ein solches Unterfangen mit drei Kindern, wobei die Kleinste erst drei Jahre alt ist, als zu schwierig. Daher haben wir dieses Projekt erst einmal zur Seite gelegt.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde mein Interesse allerdings wieder geweckt. Warum sollten wir den Plan nicht in eingeschränkter Familienstärke und in Etappen umsetzen? Und so reifte die Überlegung, an einem verlängertem Wochenende mit meinen beiden Söhnen (sechs und neun Jahre) eine erste Etappe von Brilon bis nach Winterberg in Angriff zu nehmen.



Die Vorbereitung

Der Rothaarsteig liegt in einer der schönsten Waldgebirgslandschaften Deutschlands. Er erstreckt sich vom Nordrand des Rothaargebirges über das hessische Lahn-Dill-Bergland bis hin zu den Ausläufern des Westerwaldes. Die beiden Kopfstellen des Rothaarsteigs bilden Brilon im Sauerland und Dillenburg in Hessen. Der „Weg der Sinne“ erstreckt sich über eine Länge von 154 Kilometern.

Im Vorfeld unserer Tour besuchte ich häufig die Homepage des Rothaarsteigvereins (www.rothaarsteig.de). Dort erhielt ich viele Informationen zum Streckenverlauf sowie zu Unterkünften. Neben dieser Informationsquelle nutzte ich den Erlebniswanderführer Rothaarsteig. Dieser war auch während unserer Wanderung unser Begleiter, da er neben den Karten immer auch interessante Erläuterungen zum jeweiligen Streckenabschnitt bereit hielt.

Da wir hinsichtlich unserer Übernachtungsmöglichkeiten kein Risiko eingehen wollten, wurden bereits vor unserer Abfahrt drei Unterkünfte gebucht. Das war auch gut so, da es ansonsten schwer geworden wäre, während unserer Wanderung Zimmer direkt am oder in der Nähe des Rothaarsteigs zu bekommen.



Die Anreise

Rothaarsteig-Logo

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Nachmittags am 16. Mai 2012 machten wir uns endlich mit dem Zug aus dem Ruhrgebiet auf in Richtung Brilon. Am frühen Abend erreichten wir bei bedecktem Wetter Brilon. Vom Bahnhof aus mussten wir zum Startpunkt des Rothaarsteigs: dem Marktplatz.

Dort kamen wir glücklicherweise noch trocken an bevor ein Regenschauer aufzog. Vom Markt aus folgten wir die nächsten Tage nur noch diesem Zeichen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Rothaarsteig sehr gut ausgeschildert ist und man auch gut ohne Wanderkarte auskommen könnte.



Unser neues Maskottchen

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Über das Eingangsportal des Rothaarsteigs ging es dann die ersten Kilometer in Richtung Jugendherberge. Diese liegt zwar nicht direkt am Steig, ist aber in unmittelbarer Nähe zu erreichen. Ab hier erhielt unsere Reisegruppe dann Zuwachs. In der Jugendherberge gesellte sich unser neues Maskottchen „Fucki“ zu uns und begleitete uns von da an den gesamten Weg.

Die Jugendherberge liegt in ruhiger Lage, und wir hatten nach nur einer Nacht einen sehr positiven Eindruck, so dass wir sie bedenkenlos weiterempfehlen können. Während unseres Aufenthaltes hielten sich lediglich noch sechs weitere Gäste hier auf. Am Abend saßen wir mit zwei Motorradfahrern zusammen, die von der Jugendherberge aus verschiedene Tagestouren unternehmen wollten.



Die erste Etappe: Brilon Jugendherberge - Bruchhausen

Nach einem ausgiebigen Frühstück und nachdem wir unser Lunchpaket gepackt und das Zimmer geräumt hatten, begaben wir uns bei gutem Wetter auf unsere erste „richtige“ Etappe.

Zuerst einmal mussten wir an einem Campingplatz vorbei, um wieder auf den Rothaarsteig zu gelangen. Und ab da an, folgten wir nur noch dem bekannten Logo.



Hiebammen Hütte

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Kurz vor Petersborn trafen wir auf verschiedene Holzskulpturen. Nach ca. zwei weiteren Kilometer gelangten wir zu einer schönen Einkehrmöglichkeit: Die Hiebammen Hütte! Hier legten wir erst einmal eine Rast ein und genossen die urige Atmosphäre. Für die Kinder war der Bach, der mitten durch den rustikalen Biergarten verläuft, ein kleiner Abenteuerspielplatz.

Da an diesem Feiertag (Christi Himmelfahrt) mit vielen Gästen gerechnet wurde, nutzte man eine Wiese vor der Hütte zur Ausweitung des Biergartens. Wie ich später erfuhr, waren am Nachmittag rund 400 Gäste anwesend. Den Zuspruch konnte ich gut nachvollziehen, läge die Hütte nämlich nur kurz vor unserem Tagesziel, so wäre ich dort versackt. Wir mussten aber leider weiter.

Vorbei an Borbergs Kirchhof ging es nun in Richtung Ginsterkopf. Dort führt der Rothaarsteig über drei Bergkuppen. Dieser Abschnitt wird als Klettervariante bezeichnet und hat seinen Namen auch verdient. Nach einem sehr steilen Aufstieg wurden wir mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Auch meine Söhne kamen auf ihre Kosten. Sie mussten sich teilweise kletternd fortbewegen.



Feuereiche

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Nachdem wir die Feuereiche passierten begann für mich der schwierigste Abschnitt unserer gesamten Wanderung. Der Weg verlief zwar fast ohne Steigungen, doch die Stimmung meiner Kinder war auf dem Tiefpunkt angelangt. Es bedurfte gutes Zureden und die Unterstützung anderer Wanderer in Form eines Schokoriegels, um sie zum Weitergehen zu bewegen. Doch auch das schwierigste Teilstück haben wir gemeistert und erreichten Bruchhausen.

In Bruchhausen übernachteten wir im „Rosenbogen Heidrich“ und genossen die typisch westfälische Atmosphäre eines alten Fachwerkhauses. Hier machte es sich bezahlt, dass wir bereits im Voraus die Unterkunft gebucht hatten. Wie wir erfuhren, waren sämtliche Pensionen in Bruchhausen ausgebucht. Bei blauem Himmel, einem dunklen Bier und Traubenschorlen sowie einem leckeren Abendbrot ließen wir den Tag im Cafegarten ausklingen.



Die zweite Etappe: Bruchhausen - Küstelberg

Gut ausgeruht genossen wir das reichhaltige Frühstück bevor wir uns Brötchen für unsere heutigen Verpflegung schmierten. Nachdem wir unsere Sachen gepackt hatten, verließen wir Bruchhausen und befanden uns wieder auf dem Rothaarsteig.



Richtplatz

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Unser erstes Ziel war der „Richtplatz“ in der Nähe von Willingen. Hier am Richtplatz befand sich jahrhundertelang die Gerichtsstätte des Gaugerichts Medebach. Das Urteil der Richter lautete dabei immer entweder Freispruch oder Tod, etwas anderes gab es nicht.

Was wir bereits gestern feststellten, traf auch heute wieder zu. Es waren viele Leute unterwegs. Neben den Wanderern kamen aber heute auch noch die Mountenbiker hinzu, so dass wir häufig aufpassen mussten, nicht umgefahren zu werden.

Kurz nach dem Richtplatz erreichten wir fast ohne Anstieg den höchsten Berg Nordrhein-Westfalens. Mit 843 Metern ist der Langenberg nur zwei Meter höher als der bekanntere Kahle Asten. Natürlich trugen wir uns ins Gipfelbuch ein, und nachdem einer meiner Söhne auf den Markierungsstein stieg, war er für einen kurzen Augenblick der „höchste“ Mensch in Nordrhein-Westfalen.

Nach gut drei weiteren Kilometern kamen wir zur Hochheidehütte. Obwohl hier sehr viel Betrieb war, kehrten wir trotzdem ein. Allerdings gab es nur noch freie Plätze auf der Terrasse. Nach einer kurzen Rast wanderten wir dann wieder weiter.

Über die Hochheide ging es auf den Clemensberg. Hier war es sehr windig, aber wir genossen eine schöne Aussicht. Kurz darauf führte uns unser Weg zur Hoppeckequelle. Die Jungs nutzten die kurze Rast, um am Wasser zu spielen.

Von hier aus setzten wir unsere Wanderung gemütlich fort. Am Nachmittag erreichten wir dann unser heutiges Tagesziel Küstelberg. Nachdem wir die Pension Blome fanden, sprangen wir schnell unter die Dusche und ruhten uns etwas aus. Die Pension ist sehr gemütlich eingerichtet und wird sehr familiär geführt. Die Eheleute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Wir können die Unterkunft nur empfehlen.



Unser verdienter Lohn

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Gegen Abend mussten wir noch etwas essen. Frau Blome empfahl uns den Gasthof Lichte, der in unmittelbarer Nähe liegt. Bei leichtem Regen gingen wir die wenigen Meter zum Gasthof. Wir hatten Glück und erhielten den letzten freien Tisch. Das Essen - bei fairen Preisen - war klasse, und es schmeckte uns sehr gut. Da alle Teller leergefegt waren, gingen wir davon aus, dass wir am nächsten Tag wieder gutes Wetter bekommen. Als wir den Gasthof verließen, sah es danach noch nicht aus. Es schüttete wie aus Eimern, und wir sprinteten zu unserer Pension.

Dort angekommen, spielten wir noch Gesellschaftsspiele im Aufenthaltsraum und gingen dann in unser Zimmer. Mit drei Mann im Bett guckten wir noch etwas fern und schliefen anschließend erschöpft ein.



Die dritte Etappe: Küstelberg – Winterberg

Der Regen hatte über Nacht aufgehört, und es wurde deutlich wärmer. Unser Frühstück ließen wir uns schmecken und schafften so die Grundlage für unsere letzte Etappe. Die Eheleute Blome sorgten dafür, dass wir unterwegs nicht verhungern würden. Wir durften uns Brote schmieren, und Äpfel bekamen wir auch noch mit.

Nach der Verabschiedung hieß es Rucksäcke auf, und los geht es. Da wir heute keine große Entfernung zurücklegen mussten, planten wir die Suche nach zwei Caches (elektronische Schnitzeljagd) in der Nähe der Ruhrquelle ein. Zuerst erreichten wir jedoch den „Lagerplatz Wagenschmier“, der seinen Namen daher erhielt, dass bei Regenwetter der Untergrund so schmierig wird, dass früher die eisenbereiften Wagen sich oft tief eingruben.



Kreislauf Wald

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Kurz vor der Ruhrquelle erreichten wir den Informationspunkt „Wald als Wirtschaftsraum“. In verschiedenen Pavillons wird der Kreislauf Wald - Holz - Holzprodukt - Nutzung durch den Mensch - Thermische Verwertung - Wald vorgestellt. Der Infopunkt ist für die gesamte Familie interessant und bietet sich gut in Kombination mit der Ruhrquelle als Ausflugsziel an. Hier fanden wir auch unseren ersten Cache.



Von hier aus waren es nur noch ein paar Meter bis zur Ruhrquelle. Die Ruhr legt einen Weg von ca. 217 Kilometern zurück, bevor sie in Duisburg in den Rhein mündet. Wir als Ruhrgebietler hatten hier zum ersten Mal die Möglichkeit, die Ruhr mit nur einem Schritt zu überqueren.

Nach einer etwas längeren Pause und einer Stärkung machten wir uns auf, den zweiten Cache zu finden. Nach einem kleinen Umweg fanden wir auch diesen und setzten anschließend unsere Wanderung fort.

Die letzten Kilometer nach Winterberg legten wir schnell zurück. Wir kauften am Bahnhof unser Rückfahrtticket und drehten noch eine kleine Runde durch den Ort. Zum Abschluss unserer Tour kehrten wir in einer Gaststätte am Kurpark ein. Dort gab es für die Jungs noch ein großes Eis und für den Vater ein großes kühles Blondes zur Belohnung.

Mit dem Zug traten wir dann am Nachmittag unsere Rückreise ins Ruhrgebiet an.



Fazit

In unseren Bayernurlauben unternahmen wir schon verschiedene Hüttentouren mit nur einer Übernachtung. Eine mehrtägige Wanderung war für uns eine Premiere.

Alles in allem war die Wanderung für mich eine phantastische Tour. Ich habe mich auch riesig darüber gefreut, dass meine Söhne bis auf wenige Ausnahmen so gut mitgezogen haben.

Da unsere Rothaarsteig-Wanderpässe noch viele freie Stellen aufweisen und meine Söhne nicht gänzlich abgeneigt sind, gehe ich davon aus, dass wir gemeinsam noch ein weiteres Teilstück des Rothaarsteigs wandern werden. Unser Maskottchen wird dann sicherlich auch wieder dabei sein. Vielleicht erreichen wir auch irgendwann einmal Dillenburg.

Fortsetzung: http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/587892/1/Der-Weg-der-Sinne-mit-Kindern-Teil-2


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