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Reisebericht: ein Wochenende in Esfahan
Der Berich stammt zwar schon aus dem Jahre 2005, das Land und die Menschen haben sich allerdings seitdem nicht verändert...zumindest hört man das in aktuellen Gesprächen mit Iranern.
06.05.2005: Ich sitze hier im Teehaus des Hotel Abbasi (dem angeblich schönsten Hotel im Iran), habe mir ein Club-Sandwich und Tee bestellt und lasse den Tag nochmals Revue passieren
Ich wurde heute Morgen kurz vor 8.00 Uhr in der Hotel-Lobby des „Iranshar“, von meinen Fahrer erwartet. An diesem Wochenende habe ich mir Esfahan als Reiseziel auserkoren.
Mohsen, mein Fahrer, spricht ausgezeichnet Deutsch. 2 Monate vor der Revolution ist er aus dem Iran ausgereist und lebte und studierte (Bauingenieur) 16 Jahre in Deutschland. Dann allerdings hat es ihn wieder zurück nach Iran getrieben. Er würde gerne einmal wieder nach Deutschland kommen, wir diskutieren sehr viel über unsere beiden Länder auf unserer Fahrt durch die Wüste. Teilweise sehe ich auf der 6-spurigen Autobahn kilometerweit kein Auto. Dann wieder kann man vor Staub keine 200 Meter weit blicken. Es bläst ein sehr starker Wind auf dieser Hochebene zwischen Qom und Esfahan. Kaum vorstellbar, bei diesem Wetter tage- und wochenlang auf den Kamelen durch diese Einöde zu reisen, wie man das früher tat. Hoffentlich ist an unserem Ziel das Wetter besser. Und wirklich: nach ca. 4-stündiger Fahrt erreichen wir Esfahan über eine Allee, die schon fast beängstigend grün ist.
Nach all dem Staub und der felsigen Landschaft, in der das Auge ständig nach etwas sucht, an dem es sich festhalten und orientieren kann, sind die von Bäumen und Blumen gesäumten Straßen Esfahans eine Wohltat. Wir fahren im Samand am Hotal Abbasi vor. Nicht unbedingt standesgemäß, aber immerhin mit Fahrer. Ich betrete die Eingangshalle.
So stellt sich ein Europäer den Orient und 1001 Nacht vor. So und nicht anders. Ich bin überwältigt. Ein orientalisch gekleideter Bediensteter bringt mich in mein Zimmer. Es ist in Ordnung. Aufgeteilt wie mein Zimmer in der vergangenen Woche in Shiraz, aber dennoch kein Vergleich: gepflegt, sauber im Bad liegt ein Föhn, und auch die Badeutensilien, die man bereitgestellt bekommt, findet man nur in guten Hotels in Deutschland. Auch an einen Tresor hat man gedacht.
So, jetzt aber los! Es ist 13.00 Uhr. Ich rufe meinen Guide, Herrn Shayesteh, an. Um 13.15 Uhr treffen wir uns in der Lobby des Hotels. Er drückt mir ein Buch über Esfahan in die Hand und erklärt es mir. Hääääh? Was soll das jetzt? Anschließend nimmt er es wieder an sich, schreibt eine Widmung auf den inneren Buchdeckel und überreicht es mir. Jetzt begreife ich: das Buch hat er selbst geschrieben. Gut, der muss sich also hier auskennen. Leider spricht er nur englisch, aber das ist ein gutes Training für mich. Er erklärt mir kurz, was ich sehen sollte, beichtet mir gleichzeitig aber, dass er schon um 18.00 Uhr bei einem anderen Termin sein muss. Zu kurzfristig sein mein Besuch gekommen und er habe die Reiseleitung nur angenommen, weil Herr Daneshvar, sein Freund in Teheran, bei dem ich die Reise organisieren ließ, ihn darum gebeten hatte.
Als erstes fahren wir zu drei historischen Brücken über den Zayandeh Rood, der Esfahan in einen Nord- und einen Südteil trennt. Hier zeigt sich die Bildung meines Guides. Er studierte wie mein Fahrer Bauingenieur. Er erklärt mir die Bauweise der Brücken aus der Zeit der Seidenstraße bis ins Detail.
Dann fahren wir zur Jam-e Mosque. Dort lädt er mich erst einmal zu einem Eis ein, gute Idee. Allerdings schmeckt das Teil nach nichts und die Waffel nach Fladenbrot. Herr Shayesteh erklärt mir den Aufbau und die Geschichte der Moschee so hervorragend, dass sich auch noch andere Touristen um uns scharen und gespannt zuhören.
Ein anderer Guide macht sich sogar fleißig Notizen. Bei der Beschreibung der einzelnen Sehenswürdigkeiten möchte ich, wie schon vorher mein Guide, auf die Details in dem Buch verweisen. Alles andere würde hier den Rahmen sprengen. Überall kennt man den Buchautor und das hat große Vorteile.
Mir wurden - für Touristen sonst verschlossene – Teile der Moschee gezeigt, die noch mehr das ganze Ausmaß der Anlage verdeutlichten.
Von da aus geht es zum Chehel Sotoon Palast, der eingebettet in einen großen, schön gepflegten Garten ist. Allgemein sind die Grünanlagen in der Stadt außerordentlich gepflegt.
Die Bäume werden geschnitten, Schotterwege gerecht und die Wasserbecken gereinigt. In dem Palast selbst sind jahrhundertealte Gemälde, Holzarbeiten und Teppiche ausgestellt.
Wir müssen nur eine Straße überqueren und erreichen einen Zugang zum Naghsh-e-Jahan Square. Erste Station hier soll der Ali Qapu Palast sein. Von einer Terrasse konnten die früheren Herrscher - und nun auch wir – den kompletten Platz überblicken. Er war ursprünglich mit Sand bedeckt oder Klee bepflanzt und es fanden auch Polospiele darauf statt. 500000 Menschen haben hier Platz gefunden.
An meistens geschlossenen Geschäften vorbei (es war ja Freitag), von deren Auslagen Herr Shayesteh bestätigt, dass das alles Handarbeit ist, gelangen wir auf der Südseite des Naghsh-e-Jahan zur Abbasi Jam-e-Mosque. Auch hier genieße ich eine detaillierte Beschreibung der Anlage.
Der Abschluss des viel zu kurzen Rundgangs führt uns zur Ostseite des Platzes in die Sheikh Lotfallah Mosque. Der Lichteinfall der Abendsonne zaubert eine tolle Stimmung in die Kuppel. Sie scheint ganz aus Gold zu bestehen.
Mein Guide sieht auf die Uhr: 17.45 Uhr! Er begleitet mich noch bis zum Hotel. Es war eine relativ kurze, aber dennoch sehr interessante und intensive Exkursion durch Esfahan.
Ich nutze die Abendstunden für einen Rundgang durch das prächtige Hotel und setzte mich dann ins Teehaus.
07.05.2005: Pünktlich um 8.00 Uhr kommt Mohsen. Wir fahren als erstes noch einmal die Brücken ab. Das Wetter ist herrlich. Strahlend blauer Himmel macht Lust aufs Fotografieren.
Nachdem ich meine Bilder im Kasten habe, möchte ich in das Armenierviertel. Das mussten wir leider gestern aus Zeitgründen auslassen. Mein Fahrer fragt sich bei einigen Einheimischen durch und schließlich betreten wir die „Vank-Kathedrale“. 30.000 Rial Eintritt für eine christliche Kirche ist ganz schön happig und dann darf man nicht einmal in den Räumen knipsen. Dennoch ist diese Kirche sehenswert und gut besucht und zeigt die tolerante Haltung des Islam im Iran gegenüber anderen Religionen. Mohsen war ganz begeistert, vor allem, weil er keinen Eintritt zahlen muss (als Guide).
Auch das angrenzende Museum ist interessant. Man würde hier nur viel mehr Zeit benötigen, aber das Wochenende ist heute Abend vorbei.
Also machen wir uns auf die Suche nach dem „Taubenturm“, von dem ich in einem Reiseführer gelesen habe. Mein Fahrer kann sich nun denn überhaupt nicht vorstellen, dass daran etwas sehenswert sein soll. Geduldig fragt er sich dennoch durch und schließlich stehen wir dann auch vor dem ca. 400 Jahre alten Bauwerk.
Hier fanden früher Tausende von Tauben einen Unterschlupf und den Kot dieser Vögel sammelte man und nutze ihn auf den Feldern als Dünger. Wir kommen gerade dazu, als der Turm seine Pforte öffnet und steigen nach oben; ein recht beschwerlicher Aufstieg, da die einzelnen Stufen ca. 40 cm hoch waren.
Brütende Tauben sitzen auf kleinen Podesten im Inneren des Turms. Oben angekommen werden wir mit einem herrlichen Blick über Esfahean belohnt. Nun ist auch Mohsen beeindruckt, und froh, das gesehen zu haben.
Ich will unbedingt noch einmal zum Fotografieren zum Ali Quapu Palast, von dessen Balkon man diesen herrlichen Rundumblick auf den Naghsh-e-Jehan Square hat und das Panorama bei diesem herrlichen Wetter auch im Bild festhalten. Wir finden direkt dort einen Parkplatz in einer Seitenstraße. Der Eintritt in den Palast kostete ja nur 5000 Rial.
Am heutigen Samstag, einem ganz normalen Werktag, ist schon wesentlich mehr los hier als gestern. Ich bekomme meine Bilder.
Wir bummeln weiter zum Bazar.
Ich kann zusehen, wie ein Künstler in Handarbeit mit einem, nur aus einem Haar bestehenden Pinsel, die feinsten Zeichnungen anfertigt...als 'Leinwand' benutzt er Kamelknochen.
Etwas weiter sind Kupferschmiede am Werk, die die rohen Kupferbleche zu Töpfen und anderen Gebrauchsgegenständen, aber auch zu den hinreißendsten Kunstwerken klopfen. In einer Feinheit bearbeiten sie auch Silberblech, was ich mir bis dahin nicht vorstellen konnte.
Auch in dem Teil des Bazars, in dem alle Goldschmiede zu finden sind, halte ich mich lange auf. Ich habe leider - oder zum Glück – nicht genügend Geld dabei. Mohsen berichtet mir aber, dass es das auch in Teheran zu kaufen gäbe, sogar viel modernere Sachen. Diesen Markt in Esfahan empfinde ich perönlich wesentlich schöner als die in Teheran oder in Shiraz.
Ich kaufe allerdings nur 2 Päckchen Safran und 100 Gramm Kümmel (der duftet so toll).
Nun war es mittlerweile 13.00 Uhr. Zeit für die Heimfahrt nach Teheran.
Die Tankanzeige zeigt nur noch viertel voll an. Für 34.000 Rial macht Mohsen seinen Tank wieder voll. Ja, richtig gelesen: für umgerechnet 3,20 EUR bekommt man hier ca. 50 Liter Sprit. Nachdem wir Shiraz verlassen haben, kommt bereits kurz nach der Autobahnauffahrt die erste Mautstelle. Ich habe 7 solcher Stellen bis Teheran gezählt. Man bezahlt allerdings nur Pfennigbeträge. Heute sehe ich die Wüste ohne Sandsturm.
Sie ist phantastisch, grandios, ergreifend, gewaltig, nein, die ist unbeschreiblich. Bei diesem klaren Wetter ist das Spiel der Farben einzigartig. Die 460 km zurück nach Teheran vergehen sehr schnell. Die Straße führt durch eine unendlich scheinende Weite, am Horizont erkennt man Berge. Sie müssen über 3000 Meter hoch sein. Bein Näherkommen erkennt man auf den Gipfeln den Schnee. Ich habe einige Bilder gemacht, ich denke aber, so etwas muss man selbst gesehen haben. 100 km vor Teheran halten wir noch einmal. Mein Fahrer reinigt die Scheiben. Plötzlich hält ein Polizeiauto neben uns, der Beifahrer steigt aus und holt sich aus dem Laden etwas. Der Fahrer allerdings mustert mich. Er hupt und bedeutet mir, zu ihm zu kommen. Was jetzt!?! Da kommt auch schon Mohsen geeilt. Der Uniformierte will nur Auskunft über dem Samand haben; hätte ich ihm ohnehin nicht geben können. Ich weiß erst nicht, über wen oder was die beiden debattierten und habe ein komisches Gefühl. Nun kommt auch noch der 2. Polizist und setzt sich auf den Beifahrersitz des Mercedes E240. Dann hat offensichtlich mein Fahrer zu verstehen gegeben, dass ich ein Tourist aus Deutschland sei, und sofort fängt das typische Männergespräch an: Autos, insbesondere hier im Iran: deutsche Autos. Das ist, wie wenn Du bei uns über das Wetter sprichst. Man lobt unsere Autos und insbesondere Mercedes. Dann verabschieden sie sich freundlich und fahren weiter. Als wir die Streife wenig später überholen, bemerkten sie uns und grüßen mit eingeschalteter Sirene und der kompletten „Lichtorgel“, die dem Fahrzeug zur Verfügung steht. Schöne Geste.
Wenig später sehen wir den Moloch Teheran schon von weitem und dahinter das noch schneebedeckte Abaz-Gebirge. Doch wir machen noch einen Abstecher zum Khomeini-Grabmahl mit seiner vergoldeten Kuppel und den vier ebenfalls vergoldeten Minaretten.
Wir parken das Auto und betreten das Mausoleum durch den Haupteingang. Alles ist mit Teppichen ausgelegt. Wir ziehen die Schuhe aus und geben sie ab. Dann müssen wir durch eine Personenkontrolle wie am Flughafen. Einer der 3 jungen Männer dort filzt mich und entdeckt meine Kamera. Er wundert sich lautstark über das kleine Teil von knapp der Größe einer Zigarettenschachtel und zeigt es den anderen. Als er erfährt, dass ich aus Deutschland komme, gibt es natürlich nur ein Thema: Autos...ach nein, Fußball auch noch! Wir quatschen sicher 15 Minuten, Moshen muss übersetzen, die Kamera muss ich aber dennoch zurücklassen. Dann betreten wir das Heiligtum der Iraner. Mitten unter der der goldenen Kuppel befindet sich in einem Glasquader der Sarg des Emam, daneben der seines Sohnes. Durch einen Schlitz an der Seite werfen die Gläubigen Geld in die Grabkammer, die mittlerweile rundum mit Scheinen gefüllt ist. In dem Gebäude selbst waren sicher ca. 200 Menschen, die beteten, sich unterhielten oder schliefen. Mein Fahrer erklärt, dass es hier oft so voll in dem Gebäude ist, dass man nicht mehr umfallen kann. Die Gläubigen kommen von weit her und übernachten hier auf den Teppichen. Heute sei extrem wenig los gewesen. Glück gehabt. Wir fahren weiter und kommen in die Rush-Hour von Teheran. Ich fürchte mittlerweile, die ist 24 Stunden täglich.
Bei einem kleinen Umweg zeigt mit Mohsen noch eine Straße mit schönen Schmuckgeschäften, nur ca. eine halbe Stunde zu Fuß von meinem Hotel entfernt.
Sehr herzlich fällt der Abschied von meinem Fahrer aus, den ich nach diesem Wochenende sicher als Freund bezeichnen kann. Ich gebe ihm noch als Andenken einen „Kulmbacher-Truck“ mit einem Mannschaftsfoto von Bayern München. Er bedankt sich überschwänglich.
5 Minuten später falle ich müde in mein Hotelbett.
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