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Reisebericht: Teil 2 Alltag im Barrio von Santa Clara
Wie leben die Menschen im Barrio von Santa Clara ? Der Alltag in Santa Clara - hautnah und authentisch!
Alltag im Barrio von Santa Clara
Teil 2 – Alltag im Barrio von Santa Clara
Es gäbe noch so viel zu schreiben, doch es würde dem Rahmen sprengen ! Und doch will ich hier noch so einiges an Erlebtem schreiben.
Ich hatte viel Glück, dass ich DEN Alltag in diesem Stadtteil von Santa Clara so erleben durfte. Spontan habe ich diesen Urlaub auf diese Weise geplant……mir wurde bald sehr schnell klar, welche hohen Risiken diese Menschen eingingen, um mich an ihrem Alltag teilhaben zu lassen. Beträchtliche Probleme, Verlust der Arbeit…wenn sie denn welche haben…ja sogar Gefängnis droht den Kubanern! Nur autorisierten und vom Staat kontrollierten privaten Gästeunterkünfte (Casa particular) ist es erlaubt, Gäste zu beherbergen. Viele haben kaum genug zum leben…aber Neid kommt deswegen nie auf, jeder hilft jedem, sie teilen sich das was sie haben….und den Nachbar verpfeifen…? Nie und nimmer ! In den Barrios scheinen wohl andere Gesetze zu gelten….nur so ist es wohl zu erklären, dass meine Freunde keine Probleme bekommen haben! Bei uns…..undenkbar!
Kuba und der ganze Rest Lateinamerikas……was wären diese Länder ohne Salsa, Mambo, Son, Guaguancó, Cha Cha und Co….?
Kaum erwacht der Tag im Barrio wird die Flimmerkiste in Gang gebracht, natürlich gleichzeitig mit lautem Gedröhne des CD-Player im Hintergrund….und dazu wird gesungen….meist so richtig schön falsch, bei allem Lärm versuchen sie sich noch zu unterhalten, ohne Schreien geht da gar nichts! Das Ganze ist für westliche Ohren schon sehr gewöhnungsbedürftig, aber Kubaner ohne Musik wären wie Pflanzen ohne Wasser…undenkbar und untrennbar! Tag für Tag, Woche für Woche war es eher lärmig in der kleinen Bude, zumal dann fot auch noch Schach gespielt wurde und wenn die Baseball-Mannschaft von Santa Clara im TV ihren Auftritt hatte….dann wurde das Häuschen in seinen Grundfesten erschüttert, unglaubliche Szenen spielten sich dann jeweils ab, wenn ich daran denke, bekomme ich noch heute Gänsehaut! Ich habe selber einmal ein Spiel der Mannschaft von Santa Clara im Stadion mit verfolgt….allein die Stimmung war unbeschreiblich und der Lärm ohrenbetäubend….unglaublich, wie die Fans mitgehen, ob Jung oder Alt, alles war auf den Beinen…und alles ohne jegliche Gewalt…total friedlich…Erlebnisse, die unter die Haut gehen.
Bei solchen Anlässen können die Menschen ihre Alltagssorgen und Probleme vergessen, wenigstens für ein paar Stunden, denn nur allzu schnell holt sie die Gegenwart wieder ein.
Ich war fast jeden Tag und auch nachts im Barrio unterwegs, kreuz und quer durch die Gassen voller Leben, dadurch hatte ich die einmalige Gelegenheit, mich mit Bewohnern zu unterhalten, vor allem mit der älteren Generation hatte ich viele schöne Gespräche. Alle diese Menschen, welche in ihrer gewohnten Umgebung den Lebensabend verbringen, können sich glücklich schätzen, die anderen weniger Glücklichen leben in Altersheimen. Um irgendwie über die Runden zu kommen, trifft man sie auf den Strassen, dort versuchen sie, Dinge des täglichen Lebens verkaufen zu können. Selbst mit einem Zustupf von einem CUC pro Tag sind sie mehr als glücklich, so können sie sich ab und zu eine Mahlzeit ausserhalbe des Altersheims leisten. Mittlerweile weiss ich, was ich diesen altem Leute mit bringen muss: Seifen oder auch mal ein Tube Zahnpasta, denn diese Dinge können sie sich nicht immer leisten. Welch grosse Freude, wenn ich ihnen diese Dinge gebe….welche Dankbarkeit, welches Lächeln ich in ihren runzeligen Gesichter sehe…unvergessliche Augenblicke!
Genauso bei den Kindern, denen ich etwas zum Spielen mitbringe….dafür schenken sie mir ein Lächeln, wertvoller als jedes Wort. So werde ich immer wieder zum Kaffee oder Tee eingeladen, ab und zu gibt’s einen Schluck Rum. Was ich in diesen Momenten antreffe, verschlägt mir manchmal die Sprache….in welch armseligen Wohnungen viele dieser Bewohner leben müssen…kein fliessend Wasser in der Dusche und Klo, geduscht und gespült wird mit einem Kübel Wasser, das Klopapier landet in einem Kübel, ein Kübel ohne einen Plastiksack, denn diese können sie sich nicht leisten.
Geschlafen gekocht und gegessen wird auf engstem Raum, nicht selten schlafen 3-4 Personen in einem Doppelbett, eine Privatsphäre existiert nicht. Zum Glück ist es meist sehr warm, daher erstaunt es nicht, dass sich der grösste Teil ihres Lebens draussen abspielt, denn da lassen sich Neuigkeiten besser austauschen und für die vielen Liebespaare ist es ebenfalls einfacher.
Eines ist sicher: mein Privatleben habe ich während dieser Zeit an den berühmten Nagel gehängt…und ich werde diese wieder tun!
Auffallend sind die vielen sehr alten Menschen auf Kuba. Ab und zu habe ich sie nach ihrem “Geheimrezept“ gefragt: einfach nur gesund leben, täglich eine Zigarre und ein Glas Rum dazu…und ja kein Stress! Letzteres leuchtet mir ein, aber tägliche Zigarren und Rum….!?! Irgendwie haben sie wohl recht, denn das Durchschnittsalter liegt mittlerweile bei 80 Jahren! Natürlich darf nicht vergessen werde, dass das Gesundheitssystem immer noch eines der besten weltweit ist.
Ich habe es schon mal geschrieben: Kuba ist anders und mit nichts zu vergleichen, denn diese Insel lebt irgendwie in der Vergangenheit, doch die Gegenwart ist Wirklichkeit, der Aufbruch in die Zukunft hat begonnen.
Kuba – Abenteuer und Erlebnis pur !
Hasta luego - auf Wiedersehen, ich komme wieder !
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