Reisebericht

Reisebericht: Teil 3: Per Rad um die halbe Welt - Über die Seidenstraße nach China

 
 
 
 
 
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Dienstag, 18.3.08: noch ein Ruhetag in Ankara 1

 
 
 
 
 

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Schön ist es auch den zweiten Tag nicht aufs Rad zu müssen, eigentlich wollte ich auch vor dem Frühstück das morgendliche Yoga aus Gründen persönlicher Faulheit ausfallen lassen, aber mein Yoga Fanclub war nicht einverstanden, ja, ja, „die Geister die ich rief…….“.
Punkt 9 Uhr sitzen wir im Bus und brauchen uns nicht mit dem Fahrrad durch den 5 Millionen Einwohner Moloch Ankara durch dichtesten Verkehr, Gehupe und Abgase zu quälen, sondern überlassen es Kassims Fahrkünsten, sich im Gewirr der Straßen und Gassen zurecht zu finden. Zuerst geht’s auf die Zitadelle. Etwas fröstelnd ersteigen wir das alte Gemäuer, das aus noch älterem Gemäuer recycelt wurde. Römische Säulen zu Torbalken, oder in Scheiben geschnitten als Mauerwerk finden sich überall, wie auch Teile von Inschriften, die nun wahllos im Gemäuer verteilt und manchmal sogar Kopf stehend verbaut wurden. Von oben einen etwas wettergetrübten aber doch beeindruckenden Blick über die Stadt. Besonders beeindruckend ist die Altstadt, ein Meer von roten Ziegeln, mit kleinsten Gässchen, die sich scheinbar ohne jedes System hindurch winden. Ein Horror für jeden Stadtplanzeichner, und ich möchte wetten, dass es für diesen Teil der Stadt keinen vernünftigen Plan gibt. Wie auch immer, viele Häuser sind dem Verfall nahe und von weitem kommen die Bagger und reißen Wunden ins Häusermeer, die dann mit Betonklötzen gefüllt werden. Die Türken haben eine Vorliebe für abartige Pastellfarben, und so steht neben einem zehnstöckigen Albtraum in Rosa einer der gleichen Baureihe in hellgrün oder blau. So viel taktlose Vielfarbigkeit haben ja nicht einmal die Architekten der sozialistischen Zweckbauten in der ehemaligen DDR aufgebracht, an die mich diese Siedlungen ein wenig erinnern.
Vor der Zitadelle ein großer Markt für Gewürze, Nüsse und Trockenfrüchte, Hubert und Rene decken sich mit einem Vorrat ein, mit dem fünf Eichhörnchengroßfamilien über den Winter kommen könnten. Die anderen begnügen sich mit einem Blick auf die würzig-nussig-fruchtige Farbenpracht, nicht einmal die Hälfte der hier dargebotenen Ware kann ich mit dem Namen bestimmen. Unter einem herannahenden und dann heftiger werdenden Regenguss flüchten wir ins Museum für anatolische Geschichte. Ein älterer Türke mit einem Deutschvokabular aus den 50er Jahren erklärt uns die Einzigartigkeit der einzelnen Stücke:
“Bitte, meine Damen und Herren, schauen sie hier der erste Rasierapparat der Welt, und bitte schauen sie dort, die Damen, ein Spiegel aus der Steinzeit für die Damen und bitte, die Damen und Herren folgen Sie mir hierher, bitte, ein Brief in Stein gehauen und verpackt, bitteschön……..“
Einiges ist wirklich sehr interessant, wie die hethitischen Skulpturen und die Fresken zum Gilgamesch Epos im Innenraum. Als wir das Museum verlassen, hat der Regen nachgelassen und wir fahren zur größten Moschee Ankaras Kocatepe Camii, die vielleicht sogar die größte moderne Moschee der Welt
ist. Da der Muezzin gerade zum Mittagsgebet gerufen hat, laufen jede Menge Menschen zum Beten zusammen, doch die Moschee ist nicht einmal zu einem Sechstel gefüllt. Wir haben Glück und dürfen die Moschee während des Gebetes betreten und können den gesungenen Koranversen aus nächster Nähe zuhören.
Mittag gibt’s in einem typischen Ankara-Restaurant, eine tomatige Suppe und Salat eröffnen den Schmaus, eine Kebabversion im Tontopf ist der Hauptgang, dazu gibt es gefüllte Weinblätter und zum Nachtisch eine Spezialität des Hauses, Bakklava, ein mit Honig getränkter Blätterteig in 79 Schichten; ich komme beim Nachzählen nur bis 14, die übrigen sind so mit Honig verklebt, dass ein Nachprüfen der patentierten Schichtenzahl nicht möglich ist.
Der nächste Programmpunkt ist das Innenministerium, in das wir eine Abordnung von sieben Radlern schicken. Empfangen werden wir von Herrn Halil Dumanli, aus dem Innenministerium, verantwortlich für Sport und Sicherheit, in einem großen sauberen Büro. Ein Vertreter von der deutschen Botschaft, Herr Özcan Bulgen aus der Wirtschaftsabteilung (auf dem Foto rechts), hat sich auch eingestellt und wir haben nun Gelegenheit uns für die Hilfe und Unterstützung, die wir durch die türkische Polizei bekommen haben, zu bedanken und tun dies auch. Als Geschenk haben wir noch eine große Packung vom 79 Schichten - Bakklava mitgebracht, das nun verteilt wird. Dabei haben wir Gelegenheit ein türkisches Bonmot kennen zu lernen, man soll Süßes essen und Süßes reden (und natürlich süßen Tee trinken) und so tauschen wir noch eine gute Reihe netter Höflichkeiten aus, informieren über unsere Tour und
laden türkische Radler ein, in vier Jahren mit uns die Tour eventuell von Peking nach London zu radeln. Dann halten wir uns an eine weitere Regel der türkischen Gastfreundschaft, dass kurze Besuche die besten Besuche sind.
Zurück geht es im Eiltempo durch die halbe Stadt zum Atatürk Mausoleum und Museum, dem Anit Kabir. Auf einem Hügel thront der pompöse Bau im stalinistisch-römischen Stil. In einer gigantischen Halle ist der Leichnam des Kemal Atatürk in einem Sarg aus rotem Marmor aufgebahrt. Vor dem Museum halten in Glaskästen Soldaten Wache, nicht eine Miene verziehend ignorieren sie die Versuche der Passanten, diese Soldaten vielleicht doch zu einer Bewegung zu verleiten. Als der Regen einsetzt, erweist sich der Glaskasten mehr als nützlich für die Wächtersoldaten, um vor den peitschenden Gewitterböen Schutz zu spenden. Wir flüchten ins Museum, das sich in den Seitenflügeln des Monuments befindet. Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei wird bis heute, 70 Jahre nach seinem Ableben noch überall in der Türkei verehrt, hat er es doch mit seinen tief greifenden Reformen geschafft, dass die Türkei der einzige moslemische Staat ist, der am Anfang des 20. Jahrhunderts den Anschluss an den Westen gesucht und gefunden hat. Und so verwundert nicht, dass das Museum geprägt ist von Fotografien, Büsten, Bildern, Orden, Gewehren, Säbeln, Uniformteilen, die Atatürk irgendwann einmal in seinem Leben in den Händen oder am Leibe hatte; doch nicht nur hier ein großer Personenkult, im Moment ist ganz Ankara und das ganze Land beflaggt, wegen des Jahrestages des türkischen Sieges auf den Dardanellen, zu dem die Entscheidungen des damaligen Offiziers Kemal Atatürk nicht unwesentlich beitrugen. Für meinen Geschmack etwas zu viel Personenkult und Kriegsverherrlichung und unwillkürlich muss ich an Vietnam und den Ho Chi Minh Kult denken.
Während über halb Ankara noch der Gewittersturm tobt, scheint auf der anderen Seite die Sonne und dazwischen spannt sich ein leuchtender Regenbogen über die Stadt.
Im Bus geht es durch den chaotischen Verkehr wieder zurück ins Hotel, wo ich bis zum Abendbrot meine gewaschene Wäsche wieder im Koffer verstaue und das Gepäck für den morgigen Autobahnfahrtag vorbereite.



 
 
 
 
 

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Dienstag, 18.3.08: noch ein Ruhetag in Ankara 2

 
 
 
 
 

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Bericht von Eckhardt Fuss

Ein zweiter wohltuender Ruhetag stand an. Nach einem erfrischenden Duschbad - endlich einmal keine zu enge Zelle - gab es ein übersichtliches Frühstück. Unser erster Tagesprogrammpunkt führte uns zu der Burg und erlaubte einen Bummel durch die innerhalb der Burgmauern liegenden Altstadt. Immer wieder stießen wir auf Zeugnisse, dass Sarkophage, Steinsäulen oder Steinquader mit eingemeißelten Schriftzügen als Baumaterial verwendet worden waren. Teilweise sind diese in Latein gehaltenen Schriften verkehrt herum eingemauert worden.
Leider änderte sich das Wetter. Es zog zu und bald begann es zu regnen. Schnellsten verschwanden wir in dem unterhalb der Burg vorhandenen Museum. Dort wurden wir von einem deutschsprachigen Führer mit einem uns allen unbekannten Geschichtsereignis überrascht: in dem Museum waren auf Tontafeln geschriebene Briefe. Datiert zwischen 4000
bis 3000 Jahre vor Christus. Für Juristen interessant, ein rechtsgültiger Erlass für den
Handel. Selbst eine Heiratsvereinbarung konnten wir bewundern. Und als Höhepunkt ein persönlicher Brief von Frau zu Frau mit einem entsprechenden Antwortbrief. Angeblich sollen diese Briefe unter den Bedingungen des Briefgeheimnisses transportiert worden sein.
Tom wartete mit der Lüftung des Begriffes „ getürkt“ auf. Es war in der Zeit Ludwig des XIV am Hofe als der erste Schach spielende Automat vorgeführt wurde. Dieser Automat hatte die Statur eines sitzenden Türken. Für alle nicht sichtbar, saß in der Figur ein Schachspieler und spielte für seinen Gegenspieler aus dem Versteck heraus. Nach Entdeckung des Schwindels wurde “getürkt“ eine Ausdrucksweise in unserem Sprachschatz, die nichts mit den Eigenschaften der Türken zu tun hat, wir dürfen den Begriff also getrost verwenden.
Gegen 12.00 Uhr ertönten von den vielen Minaretten die Stimmen des Muezzin und wir wurden daran erinnert, dass wir die größte Moschee von Anatolien besuchen wollten. 1981 ist dieses Gebäude errichtet worden und bietet über 30 000 Gläubigen Platz zum Gebet.
Die geringe Anzahl der anwesenden Betenden verlor sich in den riesigen hohen Räumen. Geschickt platziert die vielen bunten Fenster, die dem Inneren der Moschee einen besonderen warmen Ton verliehen. Vier schneeweiße Minarette an den Ecken quadratisch angeordnet, rahmen das Hauptgebäude ein.
Nach einem Mittagessen in der Altstadt stand ein Besuchstermin von 7 Teilnehmern unserer Gruppe im Innenministerium, Abteilung Sport und Sicherheit, an. UNS, das heißt der ganzen Gruppe war es Bedürfnis Dankzusagen für die Polizeieskorten, die uns so freundlich und hilfsbereit durchs Land geleitet haben. Einmal mehr hat sich diese Entscheidung für eine solche Eskorte als richtig erwiesen. Das „Dankeschön“ haben wir auch im Namen unserer Familien ausgesprochen, die uns auf den türkischen Straßen sicher wiegen können. Die anwesenden Herren waren angenehm überrascht von unserer Geste und versprachen uns den Schutz auch für die Weiterreise bis zur georgischen Grenze. Natürlich hatten wir nicht versäumt einen Vertreter der deutschen Botschaft zu dem Treffen zu laden. Dieser war auch erschienen und wird unsere Handlung offiziell in der Pressemitteilung der deutschen Botschaft erwähnen. Nach einem gemeinsamen Tee wurden die obligaten Bilder gemacht bei denen das Ober - Mörler Wappen, von mir mitgebracht, nicht fehlen durfte (Ober- Mörlen ist mir zu einer lieben Wahlheimat geworden).
Nach der Verabschiedung trafen wir unsere Gruppen am Mausoleum von Atatürk wieder.
Bereits 1964 stand ich einmal auf den Stufen der Gedenkstätte. Veränderungen habe ich in den unteren Räumen des Mausoleums festgestellt. An die realistische Darstellung der Dardanellen Schlacht und die Darstellungen über den Lebensweg von Atatürk konnte ich mich nicht erinnern. Ein heftiges Gewitter war aufgekommen und vertrieb uns vom Vorplatz.
Heftige Regengüsse peitschten über die Marmorstufen. Der Regen hörte so schnell auf, wie er gekommen war und ein herrlicher Regenbogen tat sich auf. Er schien in Ankaras Zentrum zu beginnen und zog sich in einem Bogen über das Mausoleum. Unsere Fotografen hatten ihre Freude. Sammeln, schnell noch einen Wachposten knipsen und heim ging es durch den Abendverkehr zum Hotel.




 
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Übersicht Türkei

Region: Westanatolien
Stadt: Samsun

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