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Reisebericht: Kirche zum hl. Leopold ("Kirche am Steinhof"), Wien
Ende Juli 2011 war ich (leider nur) für 2 Tage in Wien und möchte Euch hier eine Sehenswürdigkeit abseits der touristischen Hauptpfade zeigen...
Etwas ausserhalb der touristisch ausgetretenen Pfade Wiens liegt die bemerkenswerte Kirche zum heiligen Leopold, besser bekannt unter dem Namen "Kirche am Steinhof". Sie wurde auf Wunsch Kaiser Franz Josephs auf dem Areal der Heilanstalt für Nerven- und Geisteskranke am Steinhof (14. Bezirk) für die dortigen Patienten errichtet. Sie wurde in den Jahren 1904 -1907 nach Plänen von Otto Wagner erbaut und gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils. Sie weist einige gestalterische Parallelen zu der vom Otto-Wagner-Schüler Max Hegele entworfenen und 1910 fertiggestellten Karl-Borromäus-Kirche am Wiener Zentralfriedhof auf.
Der Architekt Otto Wagner hatte dabei zu berücksichtigen, dass es sich um eine Anstaltskirche für psychisch kranke Patienten handelt. Er ergründete in Gesprächen mit Ärzten und Pflegepersonal die speziellen Anforderungen an ein derartiges Bauwerk. Ein Arztzimmer, Toiletten und Notausgänge wurden eingeplant, die Kirchenstühle durften wegen Verletzungsgefahr keine scharfen Ecken haben. Aus hygienischen Gründen entwarf er statt eines gewöhnlichen Weihwasserbeckens eine Variante mit herabtropfendem Weihwasser. Selbst die Messgewänder wurden nach seinen Entwürfen hergestellt.
Erzherzog Ferdinand, der die Kirche feierlich eröffnete, war eigentlich ein Gegner des Jugendstils und hätte die Kirche lieber in einem dem Barock nachempfundenen Baustil errichten lassen. Auf einem Hang des Wienerwaldes (Gallitzinberg) gelegen stellt die Kirche am Steinhof ein weithin sichtbares Wahrzeichen Wiens und ein Hauptwerk des Wiener Jugendstils dar.
Diese aus sehr unterschiedlichen Anschauungen über Architektur und Ästhetik entstandene Kluft zwischen Gegnern und Befürwortern verleitete die Neue Freie Presse in ihrer Ausgabe vom Tag der Eröffnung zur Frage: „Ist es nicht eine hübsche Ironie des Schicksals, dass so ziemlich das erste vernünftige sezessionistische Gebäude großen Stils in Wien für die Irrsinnigen gebaut worden ist?“.
In den Jahren 2000 - 2006 wurde die Kirche umfassend renoviert und am 1. Oktober 2006 wiedereröffnet. Unter anderem wurde die Kuppel unter Verwendung von 2 kg Blattgold neu vergoldet, der Tamboursockel mit künstlich patinierten Kupferblechen erneuert und die Marmorfassade vollständig ausgetauscht. Fenster, Mosaike und Figuren wurden sorgfältig gereinigt und restauriert. Die in neuem Glanz erstrahlende und im Westen Wiens weithin sichtbare goldene Kuppel, die an eine halbe Zitrone erinnert, verlieh dem Höhenzug unter ihr den neuen Spitznamen „Lemoniberg“.
Eines der markantesten Merkmale der Kirche ist diese auf einem byzantinischen Motiv basierende goldene Kuppel. Erinnert an Blaue Moschee oder die Hagia Sophia. Die vier Engelsfiguren über dem Hauptportal stammen vom Bildhauer Othmar Schimkowitz, die auf den beiden Glockentürmen angebrachten Bronzefiguren des Hl. Leopold und Hl. Severin von Richard Luksch.
Die Altarwand der Kirche am Steinhof sollte durch ein großes Mosaik mit dem Thema "Die Verheißung des Himmels" geschmückt werden. Kolo Moser legte seinen Entwurf vor. Im Zentrum einer großen Schar von Heiligen steht Christus, auf den Stufen des Thrones kniet der Kirchenpatron St. Leopold. Der Entwurf wurde aber abgelehnt. Der wahre Grund dafür war, daß Moser aus der katholischen Kirche ausgetreten war. Der Architekt Otto Wagner versuchte Mosers Entwurf durchzuboxen, aber die kirchlichen Stellen hatten bereits den Maler Carl Ederer mit einem neuen Entwurf beauftragt. Er wurde nur als Karton provisorisch bei der Einweihung der Kirche 1907 angebracht. Da er eine gewisse Ähnlichkeit mit Mosers Entwurf hatte, strengte dieser einen Prozeß wegen Plagiats gegen Ederer an. Der Prozeß endete mit einem Vergleich. Schließlich schuf Remigius Geyling im Einverständnis mit Moser und Wagner einen neuen Entwurf, der sich eng an Mosers Ideen anschließt. Er wurde von Leopold Forstner in Mosaik ausgeführt.
Die Figuren seitlich des Altarbilds stellen Paulus mit Schwert und Petrus mit Schlüssel dar.
Die Anordnung der Fenster wurde von Otto Wagner so konzipiert, dass der Kircheninnenraum bestmöglich mit Tageslicht durchflutet wird. Die Glasmosaikfenster im Tiffany-Stil wurden von Koloman Moser geschaffen. Das westliche Fenster mit dem Sinnspruch "Wahrlich sage ich euch. Was ihr einem dieser meinen geringsten Brüder getan habt das habt ihr mir getan" zeigt dabei die leiblichen Tugenden.
Die leiblichen Tugenden (oben):
Die Engel über den Heiligenfiguren halten demütig das Grabtuch Jesu. Die Ministranten senken bei Betrachtung von unten nach oben das Haupt.
Hl. Elisabeth mit Rosen: Die Hungrigen speisen
Hl. Rebekka : Die Durstigen tränken
St. Bernhard: Die Fremden beherbergen
Hl. Martin: Die Nackten bekleiden
Johannes von Gott (der Stifter des Ordens der Barmherzigen Brüder): Die Kranken besuchen
Johannes von Matha (Gründer des Ordens der Dreieinigkeit): Die Gefangenen erlösen
Tobias mit einer Schaufel: Die Toten begraben
Die geistigen Tugenden (oben):
Das östliche Fenster mit dem Sinnspruch "Selig sind die Barmherzigen denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" zeigt die geistigen Tugenden. Die Engel blicken zu einer Taube empor. Die Ministranten erheben das Haupt.
Johannes der Täufer: Die Sünder zurechtweisen
Franz von Sales: Die Unwissenden belehren
Klemens Maria Hofbauer: Den Zweifelnden recht raten
Hl. Theresia: Die Betrübten trösten
Joseph von Ägypten: Das Unrecht mit Geduld leiden
Stephan: Denen die uns beleidigt haben gern verzeihen
Abraham: Für Lebende und Tote bei Gott bitten
Die vier Fenster in der Kuppel zeigen die vier Evangelisten.
Die Mosaiken der Seitenaltäre stammen von Rudolf Jettmar. Das rechte zeigt die Verkündigung Marias, das linke den Erzengel Gabriel. Die Beichtstühle wurden von der Wiener Werkstätte gefertigt.
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Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich mir diese Kirche wieder ansehe. Seit dieser umfassenden Renovierung war ich nicht mehr dort, Deine wunderschönen Bilder machen mich neugierig!
LG Christina -
Liebe Christina,
es war ein trüber Tag wie im Herbst, als ich in der Kirche war. Trotzdem erstrahlte das Innere der Kirche in einem hellen, friedvollen Licht, das ich bis heute in keiner anderen Kirche gesehen habe. Der Architekt hat hier die Bedürfnisse aller Beteiligten befriedigt und die Restauratoren haben 2006 ein perfektes "Update" abgeliefert!
LG Uli -
:-)
ein toller Bericht, d.h. da muß ich bald nach Wien fahren, mir diese Kirche anschauen um für dich da drinnen ein Kerzerl anzuzünden.
LG Moni -
Interessanter Bericht! Die Kirche steht schon auf meinem Plan für den nächsten Wienbesuch.
LG Astrid -
Eine Kirche wie ein modernes Schmuckkästchen. *****
LG Rolf -
Eine prachtvolle Kirche, um die viel gestritten wurde... UNBESTREITBAR ein ganz vorzüglicher Reisebericht mit vielen schönen Bildern und interessanten Informationen!Wenn ich wieder einmal in Wien bin, werde ich ganz sicher dort vorbeigehen und mir deinen tollen Bericht ausdrucken ! Danke und liebe Grüsse: Ursula
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Super Ulrich - ein sehr schöner Bericht zu einem der Schmuckstücke von Wien - und derer gibt es dort sehr, sehr viele! Als gelernter Österreicher hätte ich natürlich noch ein paar zynische Bemerkungen dazu - aber lassen wir das einfach......
(Fr. Ferdinand war ein Gegner des Jugendstils - eh klar Uli, nach 700 Jahren Inzest waren die Habsburger Anfangs des 20. Jhdt. nicht mehr in der Lage dem Zeitgeschehen wirklich zu folgen......) lg Gerhard -
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Großartig!!! Sollte mir dieses Juwel auch mal anschauen! Danke für den Tipp.
LG Günther -
Ihr Lieben, vielen Dank für die Bewertungen und Kommentare!
Die Entstehungsgeschichte dieser Kirche zeigt auf interessante Weise die Ängste der Menschen vor Neuem. Ob sich Neues in der Zukunft als "gut" oder "schlecht" erweist, kann meist nur die Geschichte sagen.
Ähnliche Polarisierungen erleben wir Schwaben in unserem Ländle schon wegen ungleich unbedeutenderer Bauwerke (z.B. ein Bahnhof...).
Einen speziellen Dank an Ursula und Gerhard, die ihre Finger nochmal in genau diese Wunde legten!
LG ULI -
Danke für diesen informativen Bericht mit den wunderschönen Bildern.
LG Anne -
Besser kann kein Reiseführer sein! Ich weiß jetzt auch, was ich im Juni, wenn ich in Wien sein werde, nicht auslassen darf.
Liebe Grüße und alles Gute zum neuen Jahr!
Hartmut -
Danke für diesen informativen Rundgang durch die Leopoldkirche - unsere Empfehlung auf der Startseite am Sonntag.
Schöne Grüße - Ihr Team der GEO-Reisecommunity -
@matulr
Gratulation für die Startleiste
@Redaktionsteam
Danke fürs Hervorheben
LG Moni -
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Danke Danke Danke an Anne, Hartmut, Moni, und - nicht zuletzt - die REDAKTION!
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Ich bin erst zweimal, und das, man stelle sich das mal vor...., nur kurz (Durchreise!) in Wien gewesen. Habe die östereichische Hauptstadt schon lange auf meinem Zettel. Danke für diesen wirklich guten Bericht über diese sehenswerte Kirche. Ich werde sie mir sicherlich anschauen, wenn ich e n d l i c h mal nach Wien reise.
LG Ursula -
Ein sehr informativer Bericht über eine Kirchrenovierung/werdung! Wichtig scheint mir, dass Menschen diese für sich als interessant und hilfreich und alltagstauglich empfinden.
LG Ursula -
Ein wahrliches Schmuckstück stellst Du uns da vor. Die Kirche muss ich mir für meinen nächsten Wien-Besuch vormerken!
LG Susi
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