Reisebericht

Reisebericht: Galicien - mehr als der Jakobsweg 1. Teil

 
 
 
 
 
Reisebericht: Galicien - mehr als der Jakobsweg    1. Teil

Der nördliche Teil Spaniens wird bei den Reisenden überwiegend gedanklich nur mit dem Endziel des Jakobsweges Santiago des Compostela in Verbindung stehen.
Sicherlich quer durch diese ganze Provinz ziehen sich die Pilgerwege zu diesem krönenden Abschluss - die Kathedrale des heiligen Jakobus.
Galicien jedoch bietet viel viel mehr!

 
 
 
 
 

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Die Schwerpunkte unserer Reise durch diese abwechslungsreiche Region bildeten die Landschaften, Städtchen, Menschen und die Lebenskultur.



Anreise

Nach einer Station in Frankreich erreichten wir das baskische Spanien und die lebendige Stadt am Atlantik, San Sebastian. Die Tage dort verflogen schnell, nicht nur bei Pinxos (die baskische Tapas) und Txakoli (ein süffiger Weisswein).
Ohne weiteren Stop in Bilbao (eine andere Reise) reisten wir durch Nordkantabrien und Asturien.
Schön ein modernes Navigationsgerät mit den neusten Updates zu besitzen. Doch die spanischen Strassenplaner und -bauer arbeiten anscheinend schneller als wohl jede Navisoftware. Unsere liebe "Uschi" meldete sich ab und zu "bitte bei der nächsten Möglichkeit wenden". Ungläubige Blicke auf das Display und unser umfangreiches Kartenwerk. Die von unsbefahrerene Strasse gab es dort noch nicht.
Neue Autobahnen mit gigantischen Brückekonstruktionen durchziehen das Land.
Doch der Kontakt zur Meeresküste lässt keinen Irrweg zu.
Irgendwann erreichte das Fahrzeug Ribadeo, die erste Stadt in Galicien, geprägt von der gleichnamigen Ria (Fjordähnliche Buchten) und Fluss.



 
 
 
 
 

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Im Focus unserer Unterkunftsauswahl standen ländliche Unterkünfte. Wir wollten richtig in dieser Region ankommen, kleine Örtchen und meist privat geführte, oft uralte historische jedoch liebevoll renovierte Gehöfte mit wenigen vermieteten Zimmern und die buchten wir Monate im voraus.



Gastlichkeit

Trotz der knappen spanischen Sprachkenntnisse erlebten wir eine überaus herzliche Gastfreundschaft, die Lebensgewohnheiten und die ländliche äußerst schmackhafte Küche. In Anbetracht der einsamen Lage der Landhäuser passten wir uns den üblichen spanischen späten Abendmahlzeiten an, genossen den Tag mit Erkundungen der jeweiligen Region, wissend wir kommen nicht zu spät.
Nicht selten tafelten wir bis Mitternacht und konnten zu unserem Erstaunen prima schlafen. Nichts lag wirklich schwer im Magen trotz aller Befürchtungen.
Doch zurück zum Weg!



 
 
 
 
 

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Wir überquerten die Brücke über die Ria de Ribadeo den Weg zur Unterkunft Vila Pomar suchend. Die "Uschi" verließ uns nun endgültig. Sie hatte es satt immer wieder neue Richtungen anzugeben, uns aufzufordern zu wenden, links oder rechts abzubiegen, sie spielte einfach verrückt. Also ausklinken, Kabel kappen und nach guter alter Methode navigieren; Karte, Gefühl, Pfadfindergeist und den Mut mit sehr mäßigem Vokabular auch die Bewohner der Region zu fragen.
Wie schön, wenn man Körpersprache lesen kann, ein Lachen und Zeichnungen auf der Erde fast alle Barrieren überwinden helfen.



 
 
 
 
 

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Der Mail-Kontakt mit den Besitzern der Vila Pomar war ausschließlich in englischer Sprache. Die Tochter des Hauses wickelte alles vorzüglich ab, schickte sogar die GPS Daten, alles perfekt. Der Hausherr begrüsste uns überaus freundlich - in Spanisch! Ehefrau, Sohn und alle anderen Bewohner sprachen ausschließlich spanisch.
Irgendwie klärten sich dann doch die tollen Schriftwechsel. Die Tochter lebt in Toronto und erledigte von dort die Post und ich hatte mich schon gewundert, warum sie immer nur nachts Mails versendete.
In diesem Haus lernten wir auch Queimada kennen und den entsprechenden Zaubergesang dazu.
Queimada? Noch nie davon gehört? Wir vorher auch nicht. Doch davon später mehr.



Ausflüge

 
 
 
 
 

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Unser gewählter Standort ermöglichte das hügelige, teilweise noch sehr ursprüngliche landwirtschaftlich genutzte Hinterland kennenzulernen.
Bildschöne kleine Örtchen wie Taramundi mit seinem alten restaurierten Mühlengehöft, bewaldeten Wanderwegen, aber auch in frühere Zeiten wichtige und wohlhabende Städtchen.



 
 
 
 
 

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Wir besuchten Mondonedo, auf den ersten Blick und irgendwie gefühlt eine kleine Stadt, die dem Verfall preisgegeben wurde.
Doch der alte Stadtkern und Bischofssitz mit der Kathedrale San Martino (Beubeginn im 13. Jh.) an der Plaza Maior, dem alten Rathaus (Consistorio Vello aus dem 16. Jh.) heute die Stadtbiblothek und eine Reihe gepflegter traditioneller Häuser mit Galerien und Arkaden ist blitzsauber und erhalten. Den Streifzug durch die Gassen schlossen wir mit der Besichtigung der Kathedrale ab und rasteten im Sonnenschirm beschatteten Strassencafe mit Blick auf die Plaza und die durch verschiedene Baustile geprägte Fassade der Kathedrale. Harmonisch fügen sich gotische, romanische und barocke Stilelemente in einem hellen Sandstein aneinander. Einer der vielen Jakobspilgerwege führt durch den Ort. Sicherlich kosteten auch die Pilger von der bekannten Torete von Mondondeo, eine süsse Mandeltorte.



 
 
 
 
 

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Die einzigartige wilde Küste des Atlantiks lockt und nach dem Gezeitenplan richtete sich unsere Tour an die Playa del Castro (As Catedrais) - Kathedralenstrand.
Die Landschaft in Richtung Küste wirkt eher gleichförmig etwas langweilig.
Überraschend, betritt man bei Niedrigwasser den breiten Strand und erblickt die vielen fast gotisch anmutenden Säulenbögen, die Steinmonumente der Natur, die Höhlen und Gassen, der durch die Erosion von Wind und Wasser aufgefrästen Steilküste.



 
 
 
 
 

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Die relativ kurze Zeit des absoluten Niedrigwassers muuß man nutzen, denn ein ausgedehnter Strandspaziergang um all die schönen Naturmonumente zu bestaunen, kann durch die schnell wiederkehrende Flut beendet werden.



 
 
 
 
 

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Die Gischt der langen hereinrollenden Wellen verschleiern die Landschaft auch bei Sonnenschein.



 
 
 
 
 

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Oberhalb des Strandes führt parallel zur Küstenstrasse ein langer Holzsteg, der immer den weiten Blick über das Meer ermöglicht, praktisch für Kinderwagenschieber, Rollstuhlfahrer und Menschen, die nicht zum Strand hinunter können.



 
 
 
 
 

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Stippvisite Asturien

 
 
 
 
 

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Über die Ria-Brücke in Ribadeo erreicht man schnell wieder Asturien und den pittoresken Ort Tapia de Casariego. Bis zum späten Nachmittag geniessen die spanischen Gäste und die wenigen Nichtspanier die sonnenbeschienen Plätze vor den vielen Fischrestaurants und Cafes im Hafen des Ortes.



 
 
 
 
 

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Alte Fischerhäuer schmiegen sich fast schutzsuchend an die Steile Küste.



Der ins Meer herausragende Fels wird für die Schiffahrt mit einem Leuchtturm markiert und weist den sicheren Weg in den Hafen.



 
 
 
 
 

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Abendüberraschung

 
 
 
 
 

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Dieser sonnen- und windgeprägte Tag wurde nach dem leckeren Abendessen noch überraschend von der Queimada gekrönt.
Auf dem alten Herd im Speiseraum vrsammelten sich die Zutaten zu diesem feurigen glühenden Heißgetränk.
Man nehme: ein Liter des 50 - 60% Tresterschnaps - Arguardiente de Orujo - etwas dünggeschälte Orangen- und Zitronenschale, je nach Geschmack ein paar Kaffeebohnen, die von Puristen dieses Zaubergetränks als Gift abgelehnt werden, und ca. 120 g Zucker.
In einem irdenen speziell dafür entworfenen Topf werden die Ingredienzien erhitzt und gerührt.



 
 
 
 
 

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Etwas von diesem schon heißen Gemisch wird in der entsprechenden Schöpfkelle am Herdfeuer entzündet und diese Flamme entzündet dann den Topf.
Alle Lichtquellen sind inzwischen gelöscht und nur das lodernde
Feuer des Hexengebräus verzaubert den dunklen Raum mit Magie.
Es zischt und brodelt, es wird gerührt und geschöpft, die blauen Flammen tanzen, der Zucker karamellisiert.
Der Alkohollgehalt verdampft, den Raum vernebelnd.
Die spanischen Gäste und der Sohn des Hauses Manolito stimmen kurz vor Erlöschen des zuckenden Feuers den Conxuro an.
Mit diesem Beschwörungslied für die Geister und Hexen wird nun das feuerzangeähnliche Gebräu in kleinen Tontassen noch mit letzten Flämmchen versehen ausgeteilt.



Die Magie Galiciens hatte nun uns endgültig umschlungen.



 
 
 
 
 

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Nach erholsamen Schlaf, ohne Kopfweh setzten wir unsere Reise mit einem wehmütigen Gefühl im Bauch und Kopf fort.
Despedida Vila Pomar



Ausklang


Erinnernd an den mystischen Gesang des Conxuros schlage ich zu Hause nach,
hier ein Auszug einer möglichen Variante:

Eulen, Käuze, Kröten und Hexen.
Dämonen, Kobolde und Teufel,
Geister nebelvoller Auen.
Krähen, Salamander, Magier.
Der Heilerinnen Zauber.
Faules, löcheriges Rohr,
Heim von Gewürm und Raubgetier.

Wenn dieser Trank geht durch unsere Kehlen,
wird er uns befrei'n vom Bösen uns'rer Seele
und aller Hexerei.


Die schriftliche Weiterreise folgt in Kürze.







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Übersicht Spanien

Region: Galicien
Stadt: Quebec

Kommentare
  • Aries 22.12.2011 | 21:29 Uhr

    Liebe Inge,
    dieser Bericht vertieft die Vorfreude auf unsere geplante Reise im Spätsommer.
    Tolle Bilder und Wortgemälde, die die Geschmacksnerven ansprechen...
    Das Rezept der berühmten Mandeltorte gehört übrigens fest zu meinem Kuchenback-Repertoire!
    Herzlichen Dank sagt
    Hedi

  • pleuro 23.12.2011 | 15:56 Uhr

    Liebe Inge,
    ein schöner lebendig geschriebener Bericht. Eine virtuelle Reise, auf der ich Dich gern begleitet habe. Das Hexengebräu hätte ich nur zu gerne auch probiert. :-)
    LG Anne

  • Zaubernuss 23.12.2011 | 17:21 Uhr

    Liebe Inge
    Ich stimme in den Gesang des Conxuros mit ein und erfinde neue Strophen ... Ein sehr schöner Reisebericht ! Danke und liebe Grüsse: Ursula

  • Blula 25.12.2011 | 20:12 Uhr

    Hey Inge! Was für ein herrlicher und abenteuerlicher Bericht. Hat mir riesigen Spaß gemacht zu lesen. Ich habe diesen in jeder Hinsicht so reizvollen Landstrich vor Jahren mal auf der Rückreise von Portugal durchquert und mir eigentlich schon längst mal vorgenommen, ihn etwas intensiver zu bereisen. Du hast mich nun wieder darauf gebracht, es doch endlich mal zu tun. Danke, auch für die herrlichen Fotografien.
    LG Ursula

  • Bilder-der-Welt 27.12.2011 | 07:27 Uhr

    Hallo Inge,
    ein wunderbarer und lebendiger Reisebericht.
    Toll, was Ihr alles so erlebt habt.
    LG Martina

  • Wilfried_S. 31.12.2011 | 15:40 Uhr

    Der große Nachteil der RC - man merkt immer hinterher, was man selbst versäumt hat :-)))) Aber Spanien hat so viel zu bieten, vielleicht ergibt sich da die Gelegenheit Versäumtes nachzuholen.
    Danke + lg Wilfried

  • hape35 01.01.2012 | 14:43 Uhr

    ...das Mitreisen hat Spaß gemacht, danke Dir. LG Gudrun

  • nach oben nach oben scrollen
  • agrimm 02.01.2012 | 17:25 Uhr

    Schöner Bericht über eine mir noch unbekannte Landschaft. Der lebendige Text und die tollen Fotos machen neugierig.
    LG Armin

  • venus 03.01.2012 | 18:55 Uhr

    Vielen Dank, das ich dabei sein durfte...

  • Guido 03.01.2012 | 19:10 Uhr

    Liebe Inge,
    nach Istanbul und Montreal, hast du uns wieder mit einem sehr persönlichen und wunderbaren Bericht virtuell durch Galicien geführt. Zusammen mit deinen fantastischen Bildern erhält man einen tollen Einblick von Land und Leuten Galiciens.
    Vielen dank dafür!
    Liebe Grüsse
    Guido

  • Karu24 03.01.2012 | 20:23 Uhr

    Liebe Inge, das hat mich jetzt überrascht, ich bin an keinem der von Dir so attraktiv beschriebenen und fotografierten Orte gewesen, muss jetzt erst mal die Karte studieren, um genau zu wissen, warum wir das alles versäumten und ganz andere Orte besuchten. Danke für den interessanten Bericht, ich muss, so scheint es, noch einmal hin.
    LG Erika

  • acasadaeira (RP) 05.01.2012 | 12:56 Uhr

    Liebe Inge,

    bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Danke für Deinen kurzweiligen Bericht der die Neugier weckt und Lust auf mehr macht. Zum Thema "Uschi" habe ich auch noch etwas beizutragen. Habe mal vor einigen Jahren einen Regionentext über Galicien für ein Fewo-Portal verfasst und meine Version zum Thema "Uschi" lautete schon damals: Bei einem Anteil von nur 5,90% Fläche vom Gesamtspanien, weist Galicien über die Hälfte der Ortschaften Spaniens auf. Also nicht beirren lassen von dem Wirrwar der Ortsnamen, Abzweigungen, Namenswiederholungen. Übrigens Navigationsgeräte sind nur von geringer Hilfe, also auch ein bisschen auf den gesunden Menschenverstand verlassen.

    Hoffe, bald wieder von Dir zu hören,

    LG, Susanne

  • u18y9s26 07.01.2012 | 20:44 Uhr

    Herzlichen Dank für mitreisen zu dürfen! Dein Bericht kommt auf meinen Merkzettel für zukünftige Urlaube.
    Liebe Grüße Ursula

  • nach oben nach oben scrollen
  • ingepeter (RP) 07.01.2012 | 21:35 Uhr

    @Alle - vielen lieben Dank für die netten Kommentare und Bewertungen. Ich freue mich sehr darüber und diese erlebnisreiche Gegend Spaniens vielleicht ein wenig bekannter gemacht zu haben. Der 2. Teil ist in Arbeit ...... Gruss Inge

  • yunnanfoto 18.02.2012 | 22:37 Uhr

    Schöner und spannender kann man kaum berichten !
    LG, Herbert

  • umi.s 06.03.2012 | 19:52 Uhr

    Liebe Inge,
    das ist eine Gegend, in die ich auch gerne mal reisen möchte.

    Dass ich deinen Bericht jetzt erst gelesen habe, hat einen Vorteil: Ich ich brauche auf den 2. Teil nicht zu warten -- kann gleich anfangen, ihn anzuschauen!

    LG Ursula

  • mosaik (RP) 07.03.2012 | 20:12 Uhr

    Ein sehr informativer Beitrag mit guten Bildern, der mir sehr gut gefällt! Vor allem, weil er ein Spanien zeigt, das doch noch relativ unbekannt bei uns ist.

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