Reisebericht

Reisebericht: In Familie unterwegs - von Kalkutta in den Nordosten bis zur tibetischen Grenze

 
 
 
 
 
Reisebericht: In Familie unterwegs - von Kalkutta in den Nordosten bis zur tibetischen Grenze

Mankundu/ Kalkutta: Richard, unser Großer (19), hat als Zivildienstleistender im weltwärts-Programm 11 Monate in einem sozialen Projekt mit Kindern aus dem Slum gearbeitet (SCI Deutschland/ Human Wave). Zusammen mit seinen Brüdern Arthur (16) und Tenzing (10) haben wir für einige Tage Einblick in das Leben dort genommen. Anschließend ging es noch auf Entdeckungsreise in den Nordosten von Indien.

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Mankundu etc. - was man wissen muss

Unsere Indienreise dieses Jahr war etwas Besonderes, weit mehr als Urlaub.
Denn Richard, unser Großer war schon seit vergangenem September dort, im Zivilersatzdienst. Lang war der Plan gereift, und dank des Bundesprogramms „Weltwärts“ schließlich umsetzbar. Richard war für 11 Monate in einem sozialen Projekt der internationalen Hilfsorganisation „Service Civil International“ eingesetzt, genauer bei „Human Wave“, der indischen Partner-NGO in Mankundu nahe Kalkutta.
Human Wave Human Wave engagiert sich in den Feldern Bildung und Gesundheitsfürsorge für die Belange benachteiligter Menschen. Außerdem gibt es Mikrokreditprogramme und andere Projekte (u.a. Schneiderklasse) zur Förderung und Stärkung der gesellschaftlichen Rolle von Frauen („Women Empowerment“).
Bildungsarbeit und Aktivitäten im Gesundheitsbereich, geleitet durch lokale NGOs, leisten in Indien eine sehr wichtige Aufgabe , da der Staat nicht für gute, qualifizierende Bildung aufkommt, ebenso auch vielen Menschen aufgrund ihrer finanziellen Situation der Zugang zu ärztlicher Versorgung verwehrt bleibt.
Human Wave betreibt verschiedene Projekte in diesen Bereichen. So wird Kindern, denen in den staatlichen Bildungseinrichtungen unter schlechten Bedingungen (50 – 60 Kinder pro Klasse; ignorante, demotivierte Lehrer) kaum etwas vermittelt werden kann, Nachhilfeunterricht angeboten. Unter dem Namen „Tutorial“ treffen sich morgens vor Schulbeginn (der Unterricht beginnt normalerweise erst um 10 Uhr) Lehrer mit Schülern für zwei Stunden, um Stoff nachzuarbeiten und Hausaufgaben zu erledigen. Dabei gibt es nie mehr als 10 Schüler pro Klasse, sodass auf jede/n Rücksicht genommen werden kann.
Richard selbst arbeitete im Projekt „Adarshanagore“ mit, wo Human Wave seit nunmehr 13 Jahren aktiv ist. In erster Linie half er als Englischlehrer im Tutorial mit, wobei er sich täglich mit Kindern im Grundschulalter beschäftigte. Dazu kamen noch verschiedene administrative Aufgaben.
Indem wir Richards Arbeit, die indischen Projektmitarbeiter und natürlich auch die Familie des Projektleiters Tapas kennen lernten, bekamen wir uns sonst kaum mögliche Einblicke und Einsichten. So wie auch Richard und die ebenfalls dort eingesetzte Freiwillige Kiera (aus Darmstadt) wurden wir für die Tage unseres Aufenthaltes in Mankundu selbstverständlich mit in das Familienleben integriert. Nur so war unser Aufenthalt in Mankundu überhaupt möglich, da es in hier, von Kalkutta ca. ½ Std. mit dem Vor-Ort-Zug entfernt, keinerlei touristische Strukturen gibt, wie Hotels oder auch Restaurants mit englischsprachiger Speisekarte (die zumindest für die mitreisenden Kinder eine gute Sache ist, um die Chance auf akzeptables Essen zu erhöhen). Welche Schwierigkeiten man als gerade angekommener Europäer hier bekommt, zeigte unser erster Ausflug mit Richard in den etwas größeren Nachbarort Chandannagarh: Für die Fahrradrikshas wurde Kleingeld gebraucht, das in Höhe dieses geringen Betrag. (umgerechnet max. 10 Cent kostet eine Fahrt) von unseren am Automat abgehobenen Rupie-Scheinen keiner der Straßenhändler wechseln konnte. Nicht viel teurer war auch das Essen in einem kleinen Cafe. Wenn man als Europäer unvorbereitet in diese Mikrowelt hinein kommt, ist sehr vieles nicht verständlich. Wenn man sich aber einfach darauf einlassen kann, ist es ein wunderbares Abenteuer. Viel spannender als jeder Film im Kino.
Von diesen ersten Tagen werde ich nicht tagesaktuell berichten, da ich davon vieles gar nicht oder auch nur mit den wichtigsten Gedanken notiert habe. Es war in Mankundu eine sehr intensive Zeit, weil man sich den Eindrücken und vielen Begegnungen gar nicht entziehen wollte, aber auch nicht konnte. Frühes Schlafengehen ist aufgrund der zeitig einbrechenden Dunkelheit das Normale. So kamen wir trotzdem zu ausreichend Ruhepausen und genügend Schlaf. Dank Kiera konnten wir ihr Zimmer voll belegen und auch Richards Zimmer mit zum Schlafen nutzen, beide mit Moskitonetzen ausgestattet. Die Temperaturen waren im Februar erträglich. Aufgrund der familiären Anbindung waren wir immer bestens mit Essen versorgt. Tapas’ Frau und die Haushälterin bemühten sich sehr, es uns so gut wie möglich zu machen. Wir lernten allerlei Leckeres kennen. Allerdings, wie Richard mit der Zeit noch mitbekam, wurde für uns und anfangs auch für ihn und Kiera extra mit den scharfen Gewürzen gespart. Wir hatten uns schon darüber gewundert, da wir die Schärfe im Essen ja auch von anderen indischen Gegenden kennen.
Zunächst noch eine kurze Vorstellung unserer „Reisegruppe“ (Alter zum Reisezeitpunkt in Klammern):
Carla (50)
Thomas (49)
Arthur (16)
Johann Tenzing (10)
Und hier noch unsere indische Gast-Familie in Mankundu:
Tapas Sur (ca. 50)
Ratna (?)
Mimi (21)
Tunka (10)
Von diesen Tagen in Mankundu, in denen uns ganz viele Menschen so sehr ans Herz gewachsen sind, nur einige Gedanken, die festgehalten worden sind. Hier waren wir einfach so vom Alltag gefesselt.



 
 
 
 
 

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