Pantanal - tierisch spannend

Reisebericht

Pantanal - tierisch spannend

Reisebericht: Pantanal -  tierisch spannend

Trekking landunter mit Jonny Indiano, dem besten Guide des Pantanal. Wie man eine Survivaltour überlebt, Kontrastprogramm Zivilisation und warum man Brasilien nicht nur einmal besucht.

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Campo Grande

Da sitzen wir nun. In der warmen Nacht, auf Plastikstühlen in einer Eckkneipe. Vor uns eine Literflasche Bier im Kühler, nebenan ein freundliches älteres Paar, die Jukebox läuft und draußen vorm Zaun braten unsere Fleischspieße. Bald werden diese zusammen mit frittiertem Maniok und Salat auf einfachem Geschirr serviert, garniert mit einem freundlichen Lächeln und dem allgegenwärtigen Daumenzeig nach oben: tudo bem. Man schaut nicht neugierig auf unsere Kleidung und dass wir kein Portugiesisch verstehen ist auch nicht wichtig, hier sind wir unter ganz normalen freundlichen Brasilianern, die uns an ihrem ganz normalen brasilianischen Samstagabend teilhaben lassen. Es fühlt sich an, als ob man nach Hause kommt.



Pool im weißen Spargelfeld

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Dabei sind wir gerade erst losgefahren: 12 Stunden Flug von Frankfurt nach Sao Paulo, dann 8 Stunden Aufenthalt mit Besuch bei Freunden im Hochhausdschungel und nochmal 2 Stunden Flug bis Campo Grande, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul. Und immer die bange Frage im Kopf, ob uns jemand abholt, ob wir die geplante Tour mit Ecological Expeditions wirklich machen können. Der Kontakt vom Frühjahr war trotz E-Mail, Telefon und Skype für Wochen komplett abgerissen, erst 3 Tage vor Abreise konnte ich mit dem Manager des Touranbieters kurz sprechen. Tudo bem – alles klar. Nur für uns nicht ganz, denn das Vertrauen war irgendwie verspielt und wir hatten uns Plan B überlegt: ein Auto mieten und das Pantanal auf eigene Faust erkunden. Wie weltfremd man doch sein kann!



Unter einem Dach



Am Flughafen wartet dann doch ein freundlicher Hüne namens Rodriguez und bringt uns ins Hostel Campo Grande wo wir die erste Nacht kostenlos verbringen dürfen. Wir besprechen den Ablauf unserer Tour und bezahlten alles in bar: 3 Tage Survival Tour, 3 Tage auf dem Campingplatz und 3 Tage mit unseren Freunden auf einer Lodge – welche war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Am nächsten Vormittag sollte es losgehen – ach ja sagt Rodriguez noch und vielsagender Blick heftet sich auf uns: Ihr geht mit Jonny. Wir sind froh dass nun doch Plan A greift und schlafen beruhigt ein.



Wilder Pool

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Ein opulentes Frühstücksbuffet erwartet uns am nächsten Morgen gleich neben dem Swimmingpool und den bunten kunstvollen Wandbildern mit Tiermotiven aus dem Pantanal: Kaffee, Brötchen, mehrere Kuchensorten und frisches süßes Obst so viel man möchte. Ein kleiner kräftiger Indianer setzt sich an den Tisch und stellt sich als unser Guide vor, viel mehr sagt er allerdings nicht. 10:30 Abfahrt, Schlafsäcke, Kamera, Flip Flops – mehr brauchen wir angeblich nicht für die ersten 3 Tage. Ta bom?



Rio Miranda

In einem Kleinbus geht es in ca. 3 Stunden bis Miranda. Entlang der Transpantaneira passieren wir endloses Überschwemmungsgebiet, riesige Zebuherden, Millionen von Reihern, tote Capivaras und einen überfahrenen Ameisenbären. Dann bei Buraco das Piranhas zweigt die Estrada Parque Pantanal Sul ab und wir müssen in ein offenes Gefährt umsteigen um die letzten 7 km bis zum Rio Miranda zurückzulegen. Das geht nur noch über eine staubige Piste, wackelige Holzbrücken und unser Ziel die Pousada in Flussnähe ist ein Schock für einige Mitreisende. Statt uns über die Doppelstockbetten zu beschweren, erfreuen wir uns lieber an den zahlreichen Caracaras die hier einheimische Angler belagern und bestaunen deren Fänge. Morgen sind wir eh im Busch.



Abendliches Sandbad



Wohl zur Versöhnung einiger verstörten Touristen veranstalten die beiden Guides eine kleine Sunsettour, bei der wir eine große Herde Capivaras beim Sandbaden treffen, schwarze Brüllaffen, einen Krabbenbussard und einen Kaiman, der sich von Badelatschen anlocken lässt. Der Flip Flop am Angelhaken überlebt knapp und das Ende des Tages ist gar nicht so übel auch wenn wir in der folgenden Nacht wenig Ruhe finden.



Caracara



5:30 Uhr ist die beste Zeit für den Sonnenaufgang über dem Rio Miranda. Wir beherzigen den Tipp unseres Guides und genießen das geräuschvolle Erwachen des Tages. Dann gibt es Frühstück als sich plötzlich ein paar Grünflügelaras genau im Baum vor der Kantine im schönsten Morgenlicht niederlassen und zu spielen und krakeelen beginnen. Unglaublich, wie nahe und unbekümmert sie sind – und gut, dass wir niemals ohne Kamera aus dem ‚Haus‘ gehen.



Spiel mit mir



Es folgt ein langer Vormittag auf dem Rio Miranda, später dem Rio Vermelho. Hunderte Kingfisher säumen die Ufer, Kaimane lauern an den seichten Stellen, Tukane, Reiher, Kormorane und Greifvögel wohin man schaut. Ein riesiges Jabiru-Nest thront auf einem der Bäume, im Untergeschoss wohnen kleine Papageien. Vorsichtig steuert Jonny das Boot an die Tiere heran und versucht auf dem schwankenden Boot eine günstige Kameraposition für uns zu finden. Und schließlich haben wir das Glück dem Wächter des Pantanal, einem Halsband-Wehrvogel zu begegnen. Als er auffliegt sehen wir den langen Flügelsporn, den er zur Verteidigung einsetzten kann, erinnert stark an einen Urvogel. Auf dem Rückweg dürfen wir im Fluss baden, angeblich ist noch genug Wasser drin um nicht mit Kaimanen und Piranhas zu kollidieren – eine erfrischende Vorstellung.



Halsband-Wehrvogel


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Kommentare

  • traveltime

    Was für eine Reise!
    Was für ein Erlebnis!
    Was für Fotos!
    Was für ein genialer Reisebericht!
    Danke!*****
    LG Rolf

  • mamaildi

    Genau das, was Rolf hier schon geschrieben hat, lag mir auch auf der Zunge. Einfach in jeder Hinsicht beeindruckend - die Reise, die Bilder, der Bericht.
    Hab ich das richtig verstanden, du erwähnst es am Anfang deines Berichtes: ihr wart mit FlipFlops im Busch???
    Ein dickes Merci und viele Grüße von Ildiko

  • ToniE

    Bei diesem Bericht war es einfach durchzuhalten, wie du zum Schluss schreibst.
    Klasser Bericht von einer wunderbaren Reise.
    1a.
    TONI

  • doubleegg

    Vielen Dank für eure netten Kommentare und Bewertungen! Was die FlipFlops betrifft, möchte ich hier klarstellen, dass ich keine getragen habe. Die Brasilianer empfehlen und können das, aber mir wären sie bei jedem Schritt vom Fuß gerutscht. Also barfuß oder mit Sandalen - auf jeden Fall sticht man sich ne Menge Dornen und Gestrüpp in die ständig aufgeweichten Füße... Spezielle Aquaschuhe wären wohl angebracht.
    Herzlich Elke

  • astrid

    Was für ein großartiger Bericht! Noch dazu durfte ich ihn trockenen Fußes erleben! Vielen Dank!
    LG Astrid

  • RC-Redaktion

    Ein toller Reisebericht. Unsere Empfehlung auf der Startseite für Sonntag.

  • BuWe

    Fortsetzung folgt... , so bleibt die Spannung erhalten. Seite 1 hat mir sehr gut gefallen, die Tierfotos sind klasse. Leider erhalte ich beim Blättern nur noch leere Seiten. VG Anne Do.

  • nach oben nach oben scrollen
  • 238EWT

    Kein Wunder, Anne Do, ich habe den Text heißhungrig verschlungen. Allerdings erst heute. Schau mal nach. Vielleicht wurde nachgelegt.

  • freeneck-farmer

    Ein Bericht das ich im einem durch gelesen habe. Sehr gut beschrieben und gute Bilder. Ein richtig tolle Erfahrung.
    LG Anneken

  • joki-mau

    Ein kurzweiliger Bericht, mit hervorragenden Fotos. Iguacu - sensationell !!!
    LG Ingrid

  • Zaubernuss

    Liebe Elke
    Euer Abenteuer in Pantanal hat mich bis zuletzt gefesselt. Die lebendige Erzählweise, Dein Humor in kritischen Situationen und die zahlreichen vortrefflichen Bilder, die Deinen Reisebericht abrunden, haben mir gezeigt, dass es sich lohnt, Unbekanntes an sich heranzulassen... Ganz herzlichen Danke, dass Du mich hast teilnehmen lassen. LG: Ursula

  • ingepeter (RP)

    Liebe Elke, Dein Bericht ist so spannend, da kann man gar nicht aufhören und schwupps schon ist er zu Ende. Die Begegnung mit Jonny gehört zu den Erlebnissen der besonderen Art selbst für mich als Leserin. Den Kulturschock hin und zurück, scheint ihr gut überstanden zu haben und sicherlich bleibt der unbequemere und abenteurlichere Teil für immer unvergesslich. Danke für einen tollen Reisebericht mit einer Unzahl an wundervollen Fotos. Gruss Inge

  • trollbaby

    Liebe Elke!
    Was für ein Abenteuer-Urlaub! Durch Deine sensationellen Fotos und Deinem mitreissenden Bericht hat man das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein! Nur mit dem Vorteil, nicht mit den Mücken kämpfen zu müssen - und keine Angst haben zu müssen, auf eine Schlange oder Spinne zu stoßen. Das ist ja bei mir das Hindernis, solche Reisen jemals zu unternehmen. Ich würde in der Wildnis eingehen vor Angst vor diesen Tieren! Aber Dank Dir konnte ich das trotzdem einmal erleben! Vielen Dank dafür!
    LG Susi

  • nach oben nach oben scrollen
  • doubleegg

    Ich danke euch allen herzlichst fürs Mitreisen, Mitfiebern, Bilder bewerten und eure aufmunternden Worte. So macht das Reisen sogar hinterher noch einmal Spaß und ich freue mich, dass ihr so tapfere (ja du Susi), interessierte und geduldige Begleiter seid.
    Beste Grüße und Wünsche - Elke

  • Blula

    Liebe Elke! Dein Bericht ist einfach atemberaubend. Ich habe mehrmals die Luft angehalten beim Lesen. Ich bewundere Dich schlichtweg dafür, dass Du den Mut hast, eine solche Abenteuerreise zu unternehmen. Danke für diesen packenden und interessanten Bericht und die wunderbaren Fotografien.
    LG Ursula

  • mhsch

    Hallo Elke, so ein schöner Reisebericht, spannend geschrieben mit schönen Fotos illustriert, da will ich auch hin. Gruß mhsch

  • ursuvo

    Hallo Elke,
    endlich habe ich Deinen total interessanten und sehr gut geschriebenen Bericht gelesen - es war faszinierend!! Ich habe Deinen Mut sehr bewundert!!!
    Ich war vor über 20 Jahren auch mal für ein Wochenende im Pantanal - allerdings nicht sooo wild wie Du.Und es war im Oktober odér November doch noch sehr trocken dort. Aber die Brücken die Du auf den Fotos zeigst kenne ich auch - wir waren dort zu zweit mit Fahrer und einem Guide(damal spottbillig in Brasilien gebucht) - und vor jeder Brücke mußten wir vorsichtshalber aussteigen und zu Fuß rübergehen.Per Boot sind wir dann zur Unterkunft auf einer Insel gefahren und haben auch den folgenden Tag per Boot das Pantanal "erkundet". Es war zwar nicht soooo abenteuerlich wie bei Dir - aber doch ein Erlebnis "für's Leben".

  • widix

    Liebe Elke,
    es ist ein wunderbares Erlebnis, mit Deinem Reisebericht durchs Patanal reisen zu dürfen: Spannend geschrieben und Deine Bilder sind schlichtweg grandios. Da ich mich ab und zu auch an Tierbildern in der Wildnis vesuche, weiß ich wie schwierig es ist, gute Fotos zu bekommen. Dies ist Dir absolut gelungen!
    Es war schön für mich, durch diesen Bericht wieder nach Brasilien reisen zu dürfen. Ich war vor über 20 Jahren mit einer Exkursion dort und wir sind durch die Wildnis in Rio Grande do Sul gereist, Iguacu inklusive. Es ist ein wunderbares Land und ich hatte viele schöne Erlebnisse. Leider hatten wir damals keine Möglichkeit ins Pantanal zu kommen. Jetzt weiß ich, was ich alles verpasst habe.
    LG Sabine

  • buschbaby (RP)

    ganz toll, und vor allem die Bilder. Pantanal geht also auch nicht so touristisch !

    LG

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  • mychaosland

    Super schöner Bericht, wunderbare Bilder !

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