Frauen in Afrika

Reisebericht

Frauen in Afrika

Reisebericht: Frauen in  Afrika

Handle nicht aus der Erregung des Augenblicks und nicht in Hast, sonst wirst du die guten Dinge versäumen, die das Leben für dich bereithält.

Weisheit der Ifa-Religion

zum Kirchgang fein gemacht



Benin - Heimat von Brigitte

Brigitte lernte ich in Berlin in einem Afrika-Shop kennen. Ihrem aschblondes Haar hatte die Sonne ein paar natürliche Highlights gegeben, ein dunkelgelbes Tuch, dessen lange Enden im Nacken baumelten, passte gut zum leicht gebräunten Teint ihrer Haut. Der dünne Schal und die schlichten Ketten aus Holz wirkten sehr natürlich zu den leichten Armreifen an ihren Handgelenken. Eine Frau, die mit sich und der Welt im Reinen war.

Sie hatte afrikanische Handarbeiten aus Benin abgeliefert und gutes Geld dafür bekommen. Ich schätzte Brigittes Alter auf Anfang 50 - tatsächlich war sie Anfang 60! Voller Interesse fragte ich sie ein wenig aus.

Sie berichtete ungezwungen, dass sie schon seit acht Jahren im westafrikanischen Benin lebe. Sie hatte ihren Kofi (sehr viele Afrikaner heißen Kofi, weil sie an einem Freitag zur Welt gekommen sind) bei einem Afrika-Festival in Berlin kennen gelernt. „Ich bin hingegangen, weil ich neugierig war“, sagte Brigitte. Ihr Mann hatte sie damals nach über 15 Jahren Ehe verlassen; Brigitte schob Frust, fühlte sich ungeliebt, litt unter den depressiv angefutterten Pfunden. Vielleicht suchte sie auch instinktiv nach einem Neubeginn für sich selbst. Sie kam ins Gespräch mit Kofi. Ohne Hintergedanken, sagte sie mir. Ich glaubte es ihr. Denn Kofi war jene fast 15 Jahre jünger, die Brigitte in ihrer Ehe verbracht hatte. Kofi reiste ab; es war nichts >passiert<. Er hatte ihr nur sein kleines Fingerklavier aus Blech zum Abschied geschenkt: vier gelötete Blechstreifen auf einer Dose mit einem Loch in der Mitte. Aber Kofi hatte ihr auch einen Satz gesagt, der Brigitte nicht mehr aus dem Kopf ging. „Dein Mann ist ein Dummkopf. Er sieht deine Schönheit nicht.“

Brigitte kehrte in ihre Welt zurück, übte so lange auf dem kleinen Fingerklavier, bis sie glaubte in jedem Ton Kofis Stimme wiederzuhören. Sie kratzte ihre wenigen Ersparnisse zusammen und flog nach Benin.

„Ich konnte Kofi keine Reichtümer bieten. Ich hatte meinen Job lange vorher verloren“, sagte Brigitte. Gemeinsam mit dem jüngeren Mann baute sich Brigitte eine neue Existenz auf. „Das Zusammenleben mit Kofi macht mich jeden Tag jünger. Manches ist beschwerlich, aber es macht mir Spaß am offenen Herd für ihn zu kochen und hinterher seine Dankbarkeit zu spüren, dass ich bei ihm bin und sein Leben mit ihm teile“, erzählte Brigitte, bevor sie zur U-Bahn lief, um den Flieger nach Afrika zu erwischen.



Nigeria - Lisas Heimat

Frisörsalon im Freien

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Eine ähnliche Geschichte hörte ich von einer anderen Frau, die ihre Wechseljahre erreicht hatte: Durch Lisa lernte ich in Lagos meine >Beraterin< Mila kennen.

Damals lebte Lisa seit sechs Jahren mit einem Nigerianer zusammen, der außer ihr 38 andere Frauen in einer Art Harem um sich versammelt hatte. „Er gibt mir das Gefühl etwas besonderes zu sein“, schwärmte Lisa. Dies Gefühl machte Lisa wieder jung. Obwohl sie schon geglaubt hatte, sich in der Menopause zu befinden, wurde sie noch einmal schwanger. Es ist gewiss nicht nach dem Geschmack jeder Frau, sich einen Mann mit vielen anderen Frauen zu teilen, Lisa jedoch genoss dieses Gefühl Teil einer riesigen Familie zu sein, die sie liebte.

„Ist das nicht sehr stressig?“, fragte ich Lisa.
„Jeder Tag ist neu“, sagte sie, „stellt andere Herausforderungen, denn bei so vielen Menschen gibt es immer wieder andere Probleme.“
„Dein Mann hat so viele andere Frauen; wie kommst du damit zurecht?“
Lisa warf einen Blick auf Mila und die in Reichweite stehenden Ingredienzien der Weiß-Magierin: „Wenn mir mal nichts mehr einfällt, wie ich meinen Mann auf mich aufmerksam machen kann, komme ich zu Mila. Die weiß immer noch einen Trick.“

Die lebenskluge Mila verriet mir, als Lisa gegangen war, dass diese Tricks nicht das wirkliche Geheimnis ihrer beratenden Hilfe waren: „Lisa hat vergessen, wer sie einmal war. In ihrer ersten Ehe hat sie neben ihrem Mann her gelebt. Ihren afrikanischen Mann aber muss sie immer wieder neu erobern. Deshalb achtet sie auf sich. Lisa mag sich heute selbst.“



Die Magierin Mila

im Sonntagsgewand

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Mila ließ ihr missmutiges Schnalzen hören: „Ihr Weißen lebt zu sehr mit dem Kopf. Ihr wollt kontrollieren, euch und andere. In ihrer jetzigen Ehe kann Lisa das nicht. Sie muss leben, sister, leben!“ Mila meinte damit genussvolles, sinnliches Leben.

Wenn afrikanische Frauen im Einweihungslager ihre nächtlichen Feste feiern, tanzen auch die alten Frauen. Langsam, ganz in sich selbst versunken. Das sieht sehr sinnlich aus, denn die Alten strahlen diese innere Schönheit aus, die man aus keinem Kosmetikinstitut beziehen kann. Diese nachgemachte, kosmetische Schönheit wird immer den Beigeschmack der zurückgekauften Jugend beibehalten. Die Jugend sieht auf diese Kopie mit einem amüsierten Lächeln herab.

Reisen Brigitte und Lisa bis nach Afrika, um durch die Liebe die ewige Jugend zu finden, so ist das nur ein Weg für Zufriedenheit. Zuhause können wir das gleiche Ziel erreichen, wenn wir uns auf uns selbst besinnen. Dazu müssen wir wieder lernen mit allen Sinnen zu leben, denn sie sind das von der Natur gegebene, wichtigste >Handwerkszeug<.



Lernen von anderen Kulturen

Schon der Gang der Afrikanerinnen ist anders! Viele deutsche Frauen laufen mit hängenden Schultern, Kopf nach unten. Sie bringen ihre Figur nicht zur Geltung. Der beste Push-up-BH nützt nichts, wenn die Haltung katastrophal ist! Der Trick: Topf auf den Kopf! Ja, wirklich, es funktioniert. Stellen Sie sich vor den Spiegel und machen Sie erstmal eine Bestandsaufnahme. Zufrieden? Woran liegt es? Fast immer sind es die Schultern: zurückziehen, Brust raus. Wer hält das durch? Jetzt nehmen Sie einen Topf (oder die Plastikschüssel, wenn Sie keine Dellen im Parkett haben wollen), platzieren ihn auf dem Kopf und versuchen zu schreiten wie eine Königin. Sie werden sehen, Sie bewegen sich bewusster, wenn Sie ein paar Mal den Königinnen-Gang trainiert haben. Auch damit setzen Sie das erwünschte Signal: Ich will gesehen werden! Ich fühle mich gut!

Ein paar kleine Anleihen bei afrikanischer Exotik holt die afrikanische Lebensfreude in die eigenen vier Wände, in die nächste Umgebung.

Afrikanerinnen betonten jene Körperteile, die viel bewegt werden. Sie senden Signale aus: Die Schritte werden zu Musik, jede Handbewegung von einem individuellen Klimpern begleitet -- Glöckchen um die Fußgelenke, perlenbesetzte Schnüre um die Hüfte, klingende Metallreifen an den Handgelenken. Das Signal an die Umwelt ist eindeutig: Hier bin ich, ich fühle mich gut, seht mich an.



Lachen und Lieben


„Sister, du nimmst das Leben viel zu ernst“, gluckste Mila oft aus den Tiefen ihres Bauches hervor, wenn sie wieder mal die steilen Falten auf meiner Nasenwurzel sah. Wenn Mila lacht, dann vibriert jedes Kilo ihres schweren runden Leibes. Nie im Leben käme Mila auf die Idee eine Schlankheitskur zu machen. Denn der Bauch einer afrikanischen Frau wie Mila ist der Ort, aus dem sie ihre Stärke zieht.
Ich habe in Nigeria die Frauen oft sagen hören: „Mein Bauch ist traurig.“ Oder: „Mein Bauch sagt mir, wie ich dies oder jenes tun soll.“ Oder: „Ich spüre im Bauch, dass ich diesen Mann liebe“ oder dass sie ihn verlassen sollte. Je nachdem. Es ist der Bauch, der in Afrika traditionell eine viel größere Bedeutung hat als bei uns. Wir haben allenfalls mal „Schmetterlinge im Bauch“, wenn wir frisch verliebt sind. Oder die „Liebe geht durch den Magen“. Hindurch, aber sie bleibt dort nicht. Wenn sie dort ist, wandert sie gleich eine Etage höher - ins Herz. Schlimmstenfalls auch ins Hirn. Afrikanerinnen lassen die Liebe da, wo sie zuerst empfunden wurde - im Bauch. Sie lachen und lieben mit dem Bauch.


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Kommentare

  • RC-Redaktion

    Ein schöner, bewegender Reisebericht. Unsere heutige Empehlung auf der Startseite.

  • Blula

    Liebe Ilona! Dieser Bericht von Dir ist völlig zu Recht auf die Startseite gekommen. Ich bin sehr beeindruckt und angetan davon wie Du uns hier die Gelassenheit, Lebensweise und -freude der Frauen Afrikas näher bringst.
    LG Ursula

  • Pana53

    Auch wenn er mehr für Frau geschrieben war, habe ich ihn trotzdem gelesen und es bestätigt nur meine Beobachtungen bei den afrikanischen Frauen. Sie sind stolz, aufrechtgehend und sehr farbenfroh gekleidet . . . strahlen Freude aus! LG Frank

  • Zaubernuss

    Ich habe Deinen wunderschönen Bericht mit dem Bauch gelesen und gespürt, wie reich das Leben sein kann, wenn der Zwang wegfällt, sich nach westlichen Schönheitsidealen zu stylen... Aus den Beispielen erfahre ich auch Dinge, die für mich wichtig sein können... Danke! LG: Ursula

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