Alles anders nach 24 Jahren? - Florida 1987 und 2011

Reisebericht

Alles anders nach 24 Jahren? - Florida 1987 und 2011

Reisebericht: Alles anders nach 24 Jahren? - Florida 1987 und 2011

18 Tage im Mietwagen durch Südflorida abseits der Vergnügungsparks. Ein Vergleich von heute mit den 80ern.

Vorgeschichte

Ende Oktober 1987 - ich war Anfang 20 - fuhr ich mit einem Freund für sechs Wochen nach Florida. Wenn man mal von den europäischen Nachbarländern absieht, waren das meine erste Reise und mein erster Flug überhaupt. Durch diese Reise infizierte ich mich mit dem Reisefieber, das bis heute anhält und mich in viele tolle Gegenden dieses Planeten gebracht hat. Berufsbedingt liegt die letzte abenteuerliche Reise (Laos) nun schon 2 1/2 Jahre zurück. Und Florida ist ja nun auch nicht wirklich abenteuerlich. Aber es wird Zeit, mal wieder einen Reisebericht zu schreiben. Eigenartigerweise gibt es hier in der RC nicht viele Berichte über Florida. Vielleicht kann ich ja zu einer Verbesserung beitragen.

Wieder Ende Oktober - diesmal 2011 und mit Frau - ging es los. Der Flug und ein Mietwagen wurden vorab gebucht. Ziele sind Kajaken in den Everglades (10000 Islands), Tauchen bei Key Largo, Besuch bei den Manatees, etwas touristisches Sightseeing in Key West und Miami Beach sowie der Besuch der Orte, an denen ich vor 24 Jahren schon war (Golfküste, Nähe Clearwater und andere).



Auf geht's

Schlachtschiff

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Mit einem Airbus A380 von Lufthansa ging es von Frankfurt direkt nach Miami (10 Std.). Durch die Zeitdifferenz kamen wir bereits um 14 Uhr an, obwohl wir um 10 Uhr losgeflogen waren. So war noch Zeit, etwas Strecke in Richtung Golfküste zu machen. Beim vorreservierten Mietwagen hatten wir die Wahl zwischen einem kleinen Chevrolet oder einem Schlachtschiff (Ford Crown Victoria). Da unser Gepäck nur in den Kofferraum des Fords komplett reinpasste und der Preis identisch war (19€/Tag), entschieden wir uns für das Schlachtschiff.



Die Golfküste

Clearwater Beach

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Nachdem wir nach einigen Stunden Naples und Fort Myers passiert hatten, fielen uns schließlich bei Venice langsam die Augen zu, sodass wir uns ein Motel suchten und totmüde ins Bett fielen. Am nächsten Tag ging es weiter an der Golfküste entlang. Gegen Mittag erreichten wir Clearwater Beach, wo wir uns erst einmal an den Strand legten, im Golf badeten und das schöne Wetter (sonnig, 26 Grad) genossen.



Zum richtig Ankommen nicht schlecht, dachten wir uns, und buchten ein Motel für zwei Nächte. Am nächsten Tag gab‘s dann meinen Nostalgie-Trip. Zunächst suchten wir das Haus in der Kleinstadt Holiday, wo ich vor 24 Jahren quasi meinen ersten Urlaub verbrachte. Obwohl der Straßenname und die Hausnummern inzwischen geändert wurden, fanden wir das Haus auch anhand eines alten Fotos sofort wieder.



Haus von Adele Schroeder 1987



Howard Park Beach

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Die aktuelle Hauseigentümerin sah uns fotografieren und lud uns auf ein Schwätzchen in ihr Haus ein. Einiges hatte sich geändert, die Grapefruit- und Orangenbäume mussten einem Swimmingpool weichen, nachdem eine Schlange bei den Bäumen gesichtet worden war. Aber innen hatte sich fast nichts geändert. Es war schön, das wiederzusehen. Am Nachmittag fuhren wir dann bei Tarpon Springs in den Howard Park, einer aufgeschütteten Sandbank im Golf, die durch eine Straße mit dem Festland verbunden ist.



Vor 24 Jahren war das quasi unser „Hausstrand“. Auch hier hatte sich fast nichts verändert. Kaum zu glauben, dass der letzte Besuch schon so lange zurück liegt. Wir genossen zwei Stunden Strandeben und fuhren dann zurück nach Clearwater Beach, wo wir den Tag beim Sonnenuntergang mit leckerem Essen und einem kühlen Getränk ausklingen ließen.



Sunset in Clearwater Beach



Seekühe

Anhinga

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Ankommen und Jetlag waren damit erledigt. Nun konnte es richtig losgehen. Als erstes ging es nach Crystal River, einer Kleinstadt an der Golfküste, etwa 2 Autostunden nördlich von Tampa/St. Petersburg/Clearwater (Tri City). Dort tummelt sich 10 % der weltweiten Manatee-Population. Manatees sind Seekühe, die im seichten Wasser den Meeresboden abgrasen. Sie wiegen zwischen 500 kg und einer Tonne, ihre nächsten Verwandten sind die Elefanten. Wir kamen gegen Mittag an, die Touren zu den Tieren finden jedoch immer morgens statt, sodass wir uns wieder ein Motel nahmen und die dortige Seen- und Insellandschaft zunächst mit einem geliehenen Kajak erkundeten. Manatees sahen wir dabei leider nicht, dafür aber eine ganze Reihe verschiedener Vogelarten, wie Schlangenhalsvogel, Kormorane, verschiedene Ibisse und kleine Weißkopfseeadler (Bald Eagle).



Manatees

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Am nächsten Morgen standen wir dann schon vor sechs Uhr auf, denn die Manatee-Tour wartete. Zusammen mit 10 anderen bekamen wir Neoprenanzug, Flossen und Schnorchelmaske. Noch im Dunkeln, gegen 6.30 Uhr tuckerte das Bötchen mit uns los. Als es langsam hell wurde, entdeckte unser Guide das erste Manatee. Alle schnell das Shirt aus, den Wetsuit oben rum angezogen (unten rum war schon), Flossen an, Maske an und ab ins Wasser. Das wohl schon ältere (weil massige) Tier umzingelt und von allen Seiten fotografiert. Das arme Tier fühlte sich (verständlicherweise) gestört und der Guide bat uns zum Boot zurück.
Bei Kaffee, Tee, heißer Schoki und Donuts tuckerte das Bötchen dann weiter durch die verschiedenen Buchten und fand schließlich ein Muttertier mit Kalb. Wieder gingen wir alle ins Wasser und beobachteten die zwei beim Grasen. Sie ließen sich (äußerlich) überhaupt nicht durch uns stören und waren beliebte Fotomodelle (trotz des Gewichts).



Ein sehr schönes Erlebnis. Bei www.birdsunderwater.com zahlten wir für die vier Stunden all in 35 Euro pro Person. Nach einer heißen Dusche im Motel (man war im nassen Neopren doch recht durchgefroren) fuhren wir dann weiter an Orlando vorbei zur Atlantikküste bis nach Miami Beach.



Miami Beach

Clay Hotel

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Mit Miami Beach hatten wir wenig Glück. Ein tropischer Wirbelsturm, dessen Zentrum bei Yucatan (Mexiko) lag, schickte seine Ausläufer nach Südflorida. Folge: Regen. Viel Regen. Starkregen. Im TV wurde gar vor Überflutungen im ganzen Großraum Miami gewarnt. Wir blieben dennoch 3 Tage und hatten unser Hotel nur 300 Meter vom Atlantik entfernt gewählt. Leider war das Hotel nicht ganz „wasserdicht“, in der ersten Nacht tropfte es bei einem heftigen Gewitter um 6 Uhr morgens von der Decke. Die Managerin des Hotels (in Gummistiefeln!) war sehr kulant und gab uns daraufhin ein „Deluxe-Zimmer“ zum Budget Preis und erließ uns die 1. Nacht.



Miami Beach bei Regen



Holocaust Memorial

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Was macht man in Miami, wenn es regnet? Man wäscht seine Wäsche und geht shoppen (z. B. im Sawgrass Mills Outlet Center in Fort Lauderdale). Jeans kosten z. B. nur ein Viertel des Preises in Deutschland. Danach - in einer Regenpause - schauten wir uns das Art Deco Viertel und das Holocaust Memorial in Miami Beach an. Die in den Skulpturen dargestellten Emotionen berühren einen und stimmen nachdenklich.



Haus im Art Deco Stil



Und es war am Montag ja Halloween, was bei den Amis (in Miami) eine Mischung aus Karneval, Loveparade und CSD ist. Mehr oder weniger aufwändig oder sexy verkleidet zog man abends durch die zur Partymeile umfunktionierte Fußgängerzone in der Lincoln Road. Wir feierten auch ein bisschen verkleidet bei Bier (7$) und Caipi (13$) kräftig mit.



Everglades

Die Everglades ganz im Süden Floridas werden oft als Sumpf bezeichnet, sind aber in Wirklichkeit ein ziemlich breiter, sehr langsam fließender Fluss. River of Grass wird er auch bezeichnet. Die Everglades sind Unesco-Welterbe und Rückzugsgebiet vieler Tiere, u. a. dem Florida Panther, den wir aber nicht sahen. Wir sahen stattdessen Schlangenhalsvögel, Ibisse, Blaureiher, Pelikane, Geier, Fischadler, Frösche, Schildkröten, Waschbären und Alligatoren. Die am häufigsten vorkommende Tierart sind aber die Moskitos, die das Gebiet normalerweise zur Plage für Menschen werden lassen. Wegen des tagelangen Regens zuvor, machten sie sich glücklicherweise rar. Das machte es sehr viel angenehmer.



Alligator



Start der Kajaktour

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Das bisherige Highlight der Reise erlebten wir dann am Mittwoch (3. Nov.): Wir liehen uns ein offenes Zweierkajak aus und ließen uns zum Turner River am Highway 41 bringen. Dort stiegen wir ins Kajak ein und paddelten los, immer dem Fluss folgend. Wir waren ganz allein, niemand anders war hier heute unterwegs. Herrlich! Auf den ersten etwa 5 km ging es durch vier Mangroventunnel, die Mangroven waren quasi oben zusammengewachsen und bildeten ein Dach. Nur leider war der Wasserstand durch den vielen Regen der letzten Tage ungewöhnlich hoch, sodass das Dach zeitweise nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche lag. Paddeln war also unmöglich, wir mussten uns an den Mangroven abstoßen. Dabei galt es, den Tausenden von Spinnennetzen auszuweichen. Claudia machte sich vorne im Kajak ganz klein und versuchte, mit ihrem Paddel die Netze zu beseitigen, während ich hinten versuchte zu navigieren und uns irgendwie vorwärts zu bringen. Beides gelang nur bedingt, wir haben reichlich Spinnen „gefressen“. Aber wir hatten einen riesigen Spaß dabei.



Mangroventunnel



Nach etwa 2 Stunden wurde der Fluss wieder breiter und mäanderte durch Sägegraswiesen und Mangrovenwälder. Durch das tidebedingte Ablaufen des Wassers brauchte man kaum paddeln und konnte sich treiben lassen. Am Ufer sah man diverse Vögel und Alligatoren. Da letztere aber zumeist kleiner waren als unser Kajak, hatten sie vermutlich mehr Angst vor uns als umgekehrt. Wir ließen sie in Ruhe und behielten unsere Arme und Beine im Kajak. Nach etwa 4 Stunden erreichten wir mit dem Fluss die Küste. Doch anstatt an der Küste entlang zum Städtchen (Everglades City) zurück zu paddeln, wollten wir noch eine Runde um die vorgelagerte Insel (Chokoloskee Island) drehen. Das erwies sich als viel schwieriger als gedacht. Auf einmal war die Strömung im offenen Meer gegen uns, das Paddeln war sehr kraftraubend. Fast drei Stunden dauerte dieser letzte Abschnitt, den wir uns echt hätten sparen sollen, der aber das schöne Erlebnis nicht trüben konnte. Drei Waschgänge brauchten wir anschließend im Hotel, um uns von allen Spinnweben im Haar und Insect Repellent auf der Haut zu befreien.



Florida Keys

Beach im Continental Inn

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Am nächsten Tag (Do) fuhren wir auf die Florida Keys weiter. Ungefähr in der Mitte (Marathon Key) ließen wir uns nieder und fanden ein Hotel mit eigenem Atlantikstrand. Nach sechs verschiedenen Hotels in zehn Tagen, verbrachten wir hier die letzte Urlaubswoche am Stück. Ein bisschen Erholung musste schließlich auch sein.



Southernmost Point

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Am Samstagabend machten wir einen Abstecher nach Key West, der letzten Insel am Ende des Highways 1. Auch hier war ich vor 24 Jahren, nun war ich gespannt, was sich verändert hatte. Einiges: Die Hauptstraße (Duval Street) ist zur Kommerzgasse verkommen, der Eintritt im Hemingway-Museum hat sich mehr als versechsfacht (von 2$ auf 12,50$) und für ein Foto am südlichsten Kontinentalpunkt der USA muss man inzwischen etwa 15 Minuten Schlange stehen. Kurzum: Wenn man nicht auf Firlefanz steht, ist Key West eigentlich keinen Besuch mehr wert, viel zu touristisch das Ganze. Wir aßen und tranken kurz was (viel zu teuer) und verschwanden dann wieder ganz schnell.



Einen weiteren Abstecher unternahmen wir am Sonntagnachmittag nach Key Biscayne. 1987 gab es auf dieser Insel den schönsten Strand von ganz Florida. Weichen weißen Sand zwischen weitläufigen Kokospalmen und keine Menschen weit und breit. Hier konnten wir leider keinen Vergleich ziehen, denn die beiden Strände dort kosteten heute jeweils 8$ Eintritt, und da es schon später Nachmittag war, war es uns das nicht wert.



Am Dienstag unternahmen wir den letzten Ausflug: In die Unterwasserwelt. Eigentlich hatten wir das schon viel früher geplant, doch unsere (leichten) Erkältungen, die wir uns wegen der amerikanischen Klimaanlagen eingefangen hatten, ließen das nicht eher zu. Die Amis haben überall entlang der Keys alte Schiffe versenkt, die als künstliches Korallenriff, vor allem aber als Tauchspot, herhalten sollen. Wir entschieden uns jedoch für ein natürliches Korallenriff unweit unserer Insel. Sombrero Reef heißt das Riff, das tauch- und nebenhöhlenfreundlich nur etwa 8 Meter unter der Wasseroberfläche liegt. In zwei Tauchgängen blieben Claudia und ich (ohne Guide) gut zwei Stunden unter Wasser und sahen dabei diverse Fische und Fischchen (u.a. Barrakuda, Zackenbarsch und Stachelrochen). Ein „must see“ war das sicherlich nicht, aber eine schöne Urlaubsergänzung.



Stingray



Am letzten Abend gönnten wir uns einen Besuch im besten Fischrestaurant des Städtchens und müssen leider zugeben, dass wir gesündigt haben. Filets vom gelben Snapper und vom Gelbflossenthun lagen auf unseren Teller und waren ein Gedicht. Beide stehen auf der roten Liste und sind kurz vorm Aussterben. Wir versprechen hoch und heilig, dass wir es auch nie wieder tun werden. Aber sie rundeten einen schönen Urlaub perfekt ab.



Fazit

Bis auf die Preise und den Trubel in Key West hat sich kaum etwas verändert im Sunshine State. Das hat mich doch etwas überrascht aber auch gefreut. Wir hatten insgesamt schöne 18 Tage mit Erholungs- und Erlebnisanteilen. Das Kajaken in den Everglades und die Begegnung mit den Manatees haben mir am besten gefallen. Ich hoffe, Claudia war nicht zu genervt von meinen vielen Sprüchen, die „vor 24 Jahren“ zum Inhalt hatten. Damals hat es mir natürlich besser gefallen als heute, was sicher an meinem jungen Alter zu der Zeit lag. Heute sieht man die Dinge (vor allem die Amerikaner) doch etwas kritischer.



Beim Rückflug hatten wir 6 Kilo mehr als beim Hinflug, ziemlich gleichmäßig auf zwei Koffer und zwei Personen verteilt (je 1,5 kg). Und das, obwohl wir uns meist mit zwei Mahlzeiten pro Tag begnügt haben und die auch immer mal wieder selbst zubereitet haben. Aber bei einigen Fast-Food-Ketten waren wir auch, und die haben wahrscheinlich reingehauen :-(



Sunset am Key Colony Beach


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Kommentare

  • bigfoot

    Ich war 1980 zum ersten Mal in Florida, da war es geradezu paradiesisch. Ausgedehnte Wälder , nur wenige Menschen, viel Natur und Tiere. Damals hatte Florida nur 8 Millionen Einwohner! Heute sind es 18 Millionen. (!) Dementsprechend musste ich feststellen, dass sehr sehr viel Natur zerstört wurde, Autobahnen gebaut und die meisten Waldgebiete abgeholzt worden sind- ich bin sehr enttäuscht von Florida!

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