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Reisebericht: La Gomera oder die Reise zum Ich
Wer einen Tipp benötigt, wie man (die Anreise erstmal überstanden) innerhalb kürzester Zeit so relaxed ist, daß man sich im Ringelschlafanzug zum morgendlichen Bohnenkäffchen auf die Promenade traut, ist hier richtig. La Gomera bietet einfach alles: Strand, Landschaft und überzeugte meditative Tänzer!
La Gomera für Einsteiger oder besser Aussteiger
Nun bin ich mit Nadine 1 auf La Gomera. Die Sonne scheint leider nicht, da kann man die Zeit nutzen, um ein paar Zeilen zu schreiben.
Am Anfang unserer Reise war der Reisezeitraum und der gewonnene Standby-Flug der Spanair. Der Flug von Frankfurt nach Madrid war total frei, beim Flug von Madrid nach Teneriffa Süd, nahmen wir zwischen Kleinkindern und schnabbelnden Spaniern Platz.. Eingequetscht in einer pickepackevollen Spanair Maschine erinnerte mich das alles an eine Butterfahrt in die Lüneburger Heide. Nur die Verkaufsshow der Heizdecken blieb aus. Diese wurde ersetzt durch -Low Cost Like- Verkauf der Getränke.
Auf Teneriffa gelandet, trübte unsere durch die Sonne hervorgerufene Urlaubslaune ein mies gelaunter Busfahrer. Er nahm es mir schwer übel, dass ich die Tür des Kofferraums nicht geschlossen habe. Er erzählte mir beim Ablegen unserer Rucksäcke irgendwas von Puerta und ich sag mit meinen tiefgreifenden Spanischkenntnissen 'si, si' und denk mir noch 'seit wann ist der Hafen in der spanischen Sprachen weiblich???'...und lass natürlich die Tür des Kofferraums auf. Ei, ei...das gab Ärger.
Die Fähre fuhr erst abends und während Nadine 1 noch überlegte, ob sie die kleine Schnellfähre mit ihrer Seekrankheit überlebt, wurde uns die Entscheidung blitzartig abgenommen: Kleine Fähre gecancelt wegen Sturm. Grosse Fähre fährt nach San Sebastian, Nadine 1 und Nadine 2 wollen ins Valle Gran Rey. Egal, 32.50 EUR (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) oneway fuer die Fährüberfahrt gezahlt und ab gings! Und dann haben wir noch nicht mal auf den Pullmann Komfort Sesseln platznehmen können, sondern an der frischen Luft im ganz hinteren Teil der Fähre auf Holzbaenken. Nadine's (Nadine 1) Gesichtsfarbe glich der weissen Wand! Kaum angekommen, ging es sofort mit Bus weiter ins Valle. In weiser Voraussicht nahmen wir sogleich vorne Platz. Nadine 1 neben einem entwichenem Ricola und ich neben Anna. 'Na Anna, woher kommst Du denn?' 'Och, aus Paderborn' war die Antwort auf meine Frage. Mensch, wo ja Paderborn sowieso der Nabel der Welt ist, wunderte mich das auch so gar nicht! Da reist man mal Kilometer weit weg, um der Heimat mal zu entkommen und zack-bum: Der erste Mensch, den man kennen lernt kommt aus dem Ort, den man gerade ver-sucht zu entkommen! Gott sei Dank war ja Sturm und Nebel und dunkel war es auch schon, somit konnte man auch nicht sehen, wie tief der Abgrund war, auf den der Busfahrer gerade zusteuerte. Man muss aus dem Negativen immer das Positive ziehen. Fand Anna auch...war klar, wir Paderborner Lokalpatrioten halten zusammen! Berg runter wurd's mir dann auch ziemlich schlecht und ich war froh, als wir nun endlich im Appartment waren.
Das Wandern ist des Müllers Lust
Am nächsten Tag sah die Welt schon etwas besser aus. Nadine 1 den Ort gezeigt und Nachmittags eine kleine Wanderung. Am Strand angekommen, fing uns Michael ab: Wanderführer aus den Alpen (hat er sich verlaufen???), der uns überredete, morgen eine kleine Tour mit ihm zu machen. Spontan, wie wir sind, stimmten wir zu. Allerdings hat Michael eine Allergie und bat uns keine Sonnencreme, kein Parfum und kein Deo zu nehmen. Na gut, meine Nase war eh schon knallrot und Deo? Wer brauch schon Deo auf La Gomera, wo jeder so sein kann, wie er ist?
Nächsten morgen 11 Uhr stiegen wir zu zwei Schweizer Ricolas ins Auto von Michael, dem Gemsbock in Birkenstocks. Natürlich hatte zumindest ich meinen Astralkörper schon längst mit Sonnencreme eingerieben und auch mein Deo nicht vermschäht! Die Tatsache, dass diese zwei Ricolas aus der Schweiz waren und Michael der Gemsbock mit Birkenstocks, liess uns schon Böses ahnen. Zumal Nadine und ich schon Muskelkater in den Waden hatten von der Wanderung am Vortag. Erst war alles ganz harmlos...ein wenig durchs Gestrüpp, über Stock und Stein...Ein herumstreunender Wissenschaftler erklärte uns, dass er auf der Suche nach Taubenschiss ist, um das Fressverhalten der Tiere zu dokumentieren (ich schule um!!!), aber ansonsten war auch keine Menschenseele zu sehen in den Wäldern von La Gomera. Irgendwann setzte sich Michael ab, erklärte uns grob den Weg und wanderte zurück zum Auto, um uns an irgendeiner Strasse AUF irgend-einem Berg einzusammeln. Und damit nahm das Übel seinen Lauf...und zwar berg-auf! Die beiden Ricolas vorneweg, die zwei Storck Riesen keuchend hinterher! Die Wanderung war wirklich schoen(wenn auch bergauf!!!), sie ging durch den soge-nannten Fabelwald von La Gomera. Die Bäume hängen voller Moos...es sieht aus, wie in einer Märchenlandschaft. Jedoch trübte mein drohender Zusammenbruch etwas die Idylle! Irgendwie dann doch oben angekommen, wartete auch schon der Michael und fuhr uns nach einem weiteren kleinen Rundgang nach Hause.
Na, wer wird denn da gleich ausflippen?
Abends erschöpft in der Bar Maria (die angesagteste Bar im Ort, mit einer wirklich guten Küche), wurde uns schlagartig bewußt, was La Gomera denn sonst noch so aus macht (abgesehen davon, daß man hier uns da kein Deo nehmen kann, wenn man auf Wanderschaft geht): Ein ca 12 jähriges Mädchen kam zum Tisch der Eltern und teilte mit, daß sie in die Hose gemacht hat. Aber wir wären nicht auf La Gomera, wenn nicht selbst dieses Mißgeschick niemanden aus der Ruhe bringt. Kommentar der Mutter: 'Das ist ja jetzt doof!' Fertig.
Der nächste Tag sollte der Entspannung dienen. Ich merkte schon beim morgend-lichen Gang zum Bäcker, dass meine Waden nahe eines Muskelfaserrisses waren. Im Übrigen gehe ich hier morgens im Schlafanzug zum Bäcker und bin immer noch overdressed! Leben und leben lassen ist die Divise von La Gomera. Und nach weiteren zwei Tagen (das Wetter ist inzwischen von Sonne auf Regen und Wolken umgeschlagen) steuerten wir mit diesem Motto dem Höhepunkt unserer Reise entgegen. Meine Bewusstseinserweiterung dieser Reise empfand ich schon am Nachmittag: Ein Wok war bis dato ein Kochgerät und maximal eine Art Schlitten bei der Wok WM. Im wahrsten Sinne des Wortes wurde mir SCHLAGARTIG klar, dass ein Wok auch eine Art Trommel sein kann, denn während wir uns noch wunderten, wo diese Didgeridoo und Bongo begleitenden Klänge herkommen, sahen wir auch schon einen langhaarigen auf dem Wok ähnlichem Gerät trommeln.
Nach unserem Shoppingtrip machten wir auch die erste Bekanntschaft mit den Blu-menkindern der Inseln, welche mit Blumenkränzen auf dem Kopf und den Batikklei-dern über den Schlabberhosen dem Vollmond entgegentanzten. Doch der Abend war noch lang, vorallem als Nadine 1 das Werbeplakat des 'Club del Mar' sah, wel-ches mit DJ Kentucky und TH10 (aus Frankfurt) warb. Da sind wir mit dabei und der Abend wurde in der Tat sehr lustig, als wir (im Begriff zu gehen) von den herbei-stürmenden Blumenkindern 'überzeugt' wurden zu bleiben. Wir nahmen Platz, kamen uns vor wie bei der Muppet Show... Die Blumenkinder befreiten sich von unnützigen Dingen wie Schuhen (stimmt auch, so barfuß lässt es sich besser rocken!) und erklärten uns, daß Rita einfach zuviel Efeu im Garten hatte. Wir sind überzeugt, daß Rita auch noch ganz anderes Kraut im Garten hat! Es folgten einige bewusstseinserweiternde Tänze, in denen wir gelernt haben, sich im Tanz und Rythmus voll gehen zu lassen und die Musik zu fühlen und voll los zu lassen.
Schnell hatte zumindest ich diese relaxte Lebensart übernommen und habe gerne nach meinem Gang zum Bäcker noch einen einen Abstecher zur Uferpromenade gehängt. Dort lässt es sich im Ringelschalfanzug mit 'Pig in the blanket' Aufdruck gut morgens um 10 Uhr einen Bohnenkaffee trinken.
In diesem Sinne suchen wir noch nach einer Geschäftsidee, damit wir hier bleiben können und Teil dieser Gemeinschaft werden. Frei von Zwängen und frei von Deo! Dafür mit Blumenkränzen im Haar und Schlafanzug all day long.
Hare Krishna, Nadine 1 und Nadine 2
Ps: Wir gehen jetzt Kaffeesatz lesen und haben bei dem Sauwetter eine Stunde meditativen Tanz gebucht.
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Sehr witziger und stimmungsvoller Bericht, der schöne Erinnerungen wachgerufen hat.
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guter stil, lustig und locker, dazu noch paar schöne bilder, bestens!
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Schön, dass sich auf Gomera in Jahrzehnten so wenig verändert ....
Empfehle dir auch Santiago im Süden der Insel, ruhiger, enger, schöne Hanglage mit Talkessel , schönes Südklima!
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amüsanter Stil, der zum Schmunzeln verführt. lg fevi27
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