Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Reise zu den Lori -Arten von Fr. Polynesien
Auf der Suche nach seltenen Loris (Pinselzungenpapageien) besuchten mein Freund Bernd und ich kleine, kaum bekannte Inseln im Pazifik. In Rangiroa übernachtetet wir 4 Nächte auf einer winzigen, unbewohnten Insel der blauen Lagune. Eine altes Frachtschiff brachte uns auf eine 8,6 qm kleine Insel im Austral Archipel, die einzige Heimat des Rubinloris. Es gibt auch zwei vertonte DVDs dieser Reisen.
Planung und Anreise
Auf Inseln im Stillen Ozean lebt eine Vogelgruppe, deren Vertreter sicherlich zu den schönsten und interessantesten der Papageien zählen. Die Verbreitungsareale befinden sich auf weit verstreuten Inseln in der Südsee, die oftmals mehrere tausend Kilometer auseinander liegen. Es handelt sich um die Gattung der Maidloris (Vini spp.)
Anfang des Jahres 2005 begann ich, eine Reise nach Französisch-Polynesien zu planen, um drei Arten dieser Maidloris in freier Natur zu beobachten.
Ein langjähriger Bekannter, Lori-Liebhaber wie ich, hatte dasselbe Begehren und wollte mit mir diese Tour wagen. Bernd H. Gerischer ist ein versierter Vogelmaler aus Freiberg in Sachsen, der Studien und Eindrücke für sein Hobby sammeln wollte. Ich selbst erhoffte mir, für meinen bereits veröffentlichten Film „Edelsteine der Vogelwelt“ weitere Aufnahmen von Loris machen zu können.
Alle drei Spezies stehen in Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, und der Saphirlori sowie der Smaragdlori gelten als stark gefährdet. Der Saphirlori lebt versprengt auf einzelnen Inselgruppen des Tuamotu-Archipels und auf einer Cook-Inseln. Auf den Inseln des Rangiroa-Atolls hatte Bernd ihn schon vor acht Jahren beobachtet. Der Smaragdlori lebt auf den Inseln Uah Huka und Nuku Hiva im Marquesas-Archipel. Die Marquesas und Rangiroa sind mit dem Flugzeug zu erreichen, der Flug kann auch kurzfristig vor Ort gebucht werden. Der Rubinlori aber lebt auf Rimatara, einer touristisch kaum erschlossenen Insel im Austral-Archipel, zu der man nur mit einem Frachtschiff gelangt, das unregelmäßig alle zwei Wochen dort anlandet.
Auf der Suche nach Informationen über diese geheimnisvolle, nur 8,6 km² kleine Insel Rimatara fand ich immer wieder diese Sätze: „Die Insel der glücklichen, sehr freundlichen Menschen“ und „ Hier findet man das Glück eines gesunden, benutzerfreundlichen Lebens“. 583 km von Tahiti entfernt, ist sie die kleinste bewohnte der so genannten „Südlichen Inseln“. Der Frachter bringt auch manchmal Touristen dorthin, die aber keine Hotels, Restaurants oder Bars vorfinden. Auch Transportmittel stehen nicht zur Verfügung, und man sollte sich die Verpflegung mitbringen. Alle Briefe, Faxe und Mails an den Bürgermeister und sonstige, mir bekannt gewordene Adressen, zwecks Infos über die Anreise und eine Unterkunft auf Rimatara blieben unbeantwortet. Nur die Reederei eines Frachters schickte dessen vierteljährliche Fahrpläne. Von Reisebüros auf Tahiti erfuhren wir, dass man sich auf die Termine der Reederei nicht verlassen könne und ein geplanter Flughafenbau sich immer wieder verzögere.
Als dann Anfang Januar 2006 die Termine der Reederei eintrafen, wagten wir doch, diese Reise zu buchen. Dem internationalen Flug nach Tahiti sollte ein Inlandsflug zur benachbarten Austral-Insel Rurutu folgen, von der aus uns dann der Frachter nach Rimatara bringen würde. Wir planten diese Reise auf 5 Wochen.
Flüge
Die internationalen und einen Inlandsflug buchte ich bei Air Franc und Air Tahiti aero per Internet. Die Zeit von Januar bis ende März war hier die günstigste Zeit. Von Hamburg flogen zunächst nach Paris, wo wir in einen Airbus A319 umstiegen. Nach 12 Stunden Flug landete die Maschine in Los Angeles wo wir durch den Checkpoint zum anderen Terminal geleitet wurden. Nach 2 Std. Aufenthalt ging es mit einer wenig besetzten Maschine von Air Tahiti nui weiter nach Papeete, der Hauptstadt Fr.Polynesiens auf Tahiti. Flugzeit 8,30 Std. 2 Tage später sollte es dann weiter gehen Rurutu einer Australinsel. Es kam aber etwas anders.
Tahiti
Am 28. Februar 2006 landeten wir auf Tahiti und besuchten gleich am nächsten Tag die Reederei. Hier teilte man uns mit, dass der von uns ausgewählte Termin um eine Woche verschoben sei. Bei einem anderen Reeder erzählte uns die Auskunftdame, daß ihr Schiff vor einem Jahr im Sturm gekentert sei und niemand gerettet wurde. Worauf haben wir uns da nur eingelassen!!
Bei Air Tahiti im Flughafen Faa war unser Problem schnell schnell gelöst, wir konnten den Flug nach Rurutu eine Woche später antreten. Wir buchten für die nun freie Woche einen Hin- und Rückflug nach Rangiroa. Ein Besuch der Marquesasinseln, Heimat des Smaragdloris, musste aber aus unserem Plan gestrichen werden, denn durch die Mehrkosten reichte das Geld nicht, außerdem wurde der geplante Zeitrahmen von fünf Wochen zu kurz. Übernachtet haben wir in einer Pension mit bescheidenen Verhältnissen, Das Chez Myrna gehört einem Deutschen Namens Walter Dammeyer E-Mail: dammeyer.family@mail,pf
Die Hauptstadt Papeete ist sehr europäisch mit viel lautem Durchgangsverkehr.
Ein großes Markthaus, wo man fast alles kaufen kann ist mitten in der Stadt und sehenwert. Man kann die Insel mit kleinen LKWs, die zu Bussen umgebaut sind, preiwert erkunden, denn Taxis sind sehr teuer. .
Rangiroa
Auf Rangiroa kam dann der nächste Ärger für uns: Eine Nacht im einzigen Hotel kostete 300 €. Zum Glück fielen diese Kosten nur einmal an, denn noch am Tag unserer Ankunft fanden wir Ugo, Bernds Bekannten von seiner ersten Tour. Nach einer herzlichen Begrüßung erklärte er sich sofort bereit, uns zu seiner Insel an der blauen Lagune zu bringen. Einige Urlauber aus dem Hotel hatten bei ihm eine Lagunen-Bootstour gebucht. Das war für uns die Gelegenheit, schon am folgenden Tag dorthin zu gelangen.
Die blaue Lagune
Eines der letzten Paradiese für den Saphirlori durften wir nun einige Tage lang abseits der zivilisierten Welt erleben, auf einer circa 100 m² kleinen Insel, ohne Bad und WC. Die 25 km lange Fahrt dorthin auf einem über die Wellen hüpfenden Boot dauerte fast zwei Stunden. 100 Meter vor dem Eiland wurde geankert, und wir mussten unser Gepäck, einschließlich 40 Liter Trinkwasser, an Land tragen.
Die Lagune mit türkisblauem Wasser ist umringt von zehn kleinen und einer größeren Insel, die mit hohen Palmen bewachsen sind - eine Postkartenlandschaft, von der viele Urlauber träumen. Mein Traum hatte sich nun erfüllt, und ich war überwältigt von der Schönheit dieser Umgebung. Ich hätte nie gedacht, dass sie in Wirklichkeit so aussehen kann. Wir befanden uns auf der kleinsten Insel, sie erhob sich höchstens 80 cm aus dem Meer und war mit circa 50 Palmen bewachsen. Es gab fast kein Unterholz mehr, und im weißen Korallensand hatten Landkrabben ihre Höhlen gegraben. Ugo hatte hier eine Hütte mit Grillplatz errichtet, um den Urlaubern bei plötzlichen Regengüssen Schutz bieten zu können. Die Touristen schwimmen und schnorcheln im seichten Wasser der Lagune, und Ugo sorgt für ihr leibliches Wohl. Auch wir genossen dieses Schlemmermahl und bauten danach unser Lager auf. Schon beim ersten Landgang sahen wir drei Loris unsere Insel anfliegen. Sie suchten in den Palmenblüten nach Nahrung und flogen bald weiter zur nächsten Insel.
Nach einer stürmischen und regenreichen Nacht liefen wir am frühen Morgen durch beintiefes Wasser zur größeren Nachbarinsel und entdeckten dort mehrere Paare Saphirloris mit Jungvögeln. Ihre Stimmen waren fast überall zu hören, aber es dauerte immer eine Weile, bis wir die Tiere in den hohen Palmen entdeckt hatten. Erst wenn sie aufflogen und wir sie mit den Augen verfolgen konnten, wurden sie für uns sichtbar. Ihr Flug ist geradlinig mit schnellen, schwirrenden Flügelschlägen, wobei sie sich fast immer durch schrille Kontaktrufe bemerkbar machen. Sie können es manchmal nicht gegen die starken Winde schaffen, drehen dann einfach um und segeln mit dem Wind zu einer anderen Futterstelle.
Die kühlen Morgenstunden nutzten sie zur Nahrungssuche in den zahlreichen Blütenständen der Palmen. Das zum Teil mit Blüten bestückte Unterholz interessierte sie dabei kaum, sie suchten aber manchmal unterhalb der Palmwedel nach Insektenlarven. Die grelle Sonne mögen sie offenbar gar nicht gerne und hielten sich darum fast immer im Schatten der Palmblätter auf. Zum Fotografieren und Filmen sind das nicht gerade ideale Bedingungen, zumal man den flinken Bewegungen folgen muss und immer wieder andere Lichtverhältnisse hat. Uns gelangen aber trotzdem recht gute Aufnahmen. In der warmen Mittagszeit legten die Loris Ruhepausen ein, und man bekam sie kaum zu sehen. Manchmal konnten wir beobachten, dass sie in den Nischen zwischen Palmstängeln und Blütenrispen für längere Zeit verschwanden, und wir nehmen an, dass sie ihre alten Nisthöhlen aufsuchten. Nachmittags ging es wieder auf Nahrungssuche, und zwischendurch sahen wir die Vögel spielen. In Lori-Manier hingen sie dabei kopfüber an den Blattspitzen der Palmwedel und bekämpften sich gegenseitig. Sie drehten sich dabei mehrfach bis zur Erschöpfung oder bis einer abstürzte um die eigene Achse. Ganz besonders die noch recht unbeholfenen Jungvögel balgten so gerne mit ihren Eltern oder dem Geschwister herum. Der Anblick von sieben Saphirloris, darunter drei Jungvögel, spielend an einem Palmwedel, ist für mich ein unvergessliches Erlebnis.
An den folgenden Tagen wurde das Wetter zunehmend besser, und wir bekamen manchmal Besuch von Touristen. Für uns war es eine willkommene Abwechslung, denn so gab es wieder etwas Gutes zu essen. Die Ausflügler staunten genauso wie wir über dieses bezaubernde Paradies, erschraken aber oft über die vielen Haie, die im seichten Wasser fast bis ans Ufer schwammen. Es waren Schwarzspitzen-Riffhaie (Carcharhinus melanopterus) und Sichelflossen-Zitronenhaie (Negaprion acutidens), die bis zu einen Meter Länge aufwiesen. Sie wissen genau, wenn Ugo mit Besuchern kommt, gibt es was zu fressen. So profitieren alle: Ugo hat eine weitere Attraktion, seine Gäste sehen wilde Tiere, und die Fische bekommen Zusatznahrung. Fürchten muss man sich allerdings nicht vor ihnen, denn die Haie sind nicht angriffslustig.
Wir besuchten noch weitere Inseln, die im Innern zunehmend unzugänglicher wurden. Zwischen den herabgefallenen Kokosnüssen und Palmwedeln wuchs auch niedriges Gebüsch, und grüne Kriechpflanzen überwucherten den weißen Sand. Man konnte die Wachstums- und Verfallsstadien der Kokospalme vom Keimling bis zum zerfallenden Stumpf verfolgen. Dort wo sich zuhauf die alten Kokosnüsse türmten, wimmelte es von Landkrabben. Sie graben sich tiefe Höhlen im Sand und waren hier auch tagsüber aktiv. Auf unserer Insel kamen sie nur nachts aus ihren Höhlen. Ich sah eine Polynesische Ratte an einem Baum hochklettern. Diese Ratten besuchten uns auch abends, sobald es dunkel wurde, in der Hütte. .
Die Saphirloris waren auf allen Inseln, die wir besuchten zahlreich, und fast immer waren Jungvögel dabei. Einige schienen schon etwas älter zu sein, denn der weiße Brustfleck war nur noch mit wenigen blauen Punkten durchsetzt. Wir erlebten noch viele weitere Augenblicke im Einklang mit dieser wunderschönen Natur, leider aber reichte unsere Zeit nicht, um alle Inseln der Lagune zu durchforschen.
Ugo holte uns am fünften Tag zurück nach Tiputa, wo wir bei seinem Freund Jeremy ohne Bezahlung, aber mit Vollverpflegung übernachten durften. Im Kreise ihrer Familien haben wir uns sehr wohl gefühlt und möchten uns herzlichst für ihre selbstlose Hilfe bedanken.
Zurück nach Papeete
Jeremys Haus war noch nicht ganz fertig. Zur Toilette musste man einen Eimer Wasser mitnehmen. Wir waren froh endlich wieder duschen zu können, auch wenn die Düsche nur ein im Baum aufgehängter Wasserschlauch war. Beide Familien brachten uns zum Airport und verabschiedeten uns mit herzlicher Umarmung. Mit etwas Wehmut flogen wir am 6. Februar zurück nach Papeete, von wo aus es am nächsten Tag mit dem Flugzeug nach Rurutu ging, der Nachbarinsel von Rimatara, die Heimat des Rubinloris. Was würde uns dort erwarten?, finden wir eine Pension?, wird der Frachter dort sein?!!
Rurutu
Die Inseln des Austral-Archipels liegen südwestlich von Tahiti in einer subtropischen Klimazone, es fällt weniger Regen und ist etwas kühler als auf den Gesellschaftsinseln. Wir flogen von Papeete aus nach Rurutu, weil dort der Frachter anlegt, der uns nach Rimatara bringen sollte. Am Airport fand Bernd gleich Kontakt zu einer Zimmervermieterin, die uns sehr freundlich willkommen hieß. Ihr Anwesen lag an einer Steilküste mit Privatstrand und hatte außer Gästezimmern auch kleine Bungalows. Wir wurden reichlich und gut bewirtet. Frau Ariane meinte wir sollten doch lieber hier bleiben und warnte uns mit dem Frachter zu fahren, eine geschäftstüchtige, resolute Frau! Schon vor dem Frühstück war sie am Hafen und erzählte, daß der Frachter dort sei. Mit ihrer Schwester und einem Franzosenpaar führte sie uns danach über die hügeligen Vulkaninsel. Etwas unbequem auf der Pritsche ihres alten Jeeps sitzend, sahen wir viel von diesem fruchtbaren Eiland.
Es gibt sehenswerte Grotten und Höhlen, einsame Strände laden zim Schwimmen ein.
Schiffstour nach Rimatara
Der Frachter, der uns nach Rimatra bringen sollte lag bereits im Hafen und wurde von der Mannschaft beladen. Er sah nicht gerade vertrauenswürdig aus, aber es gab für uns keine andere Möglichkeit, die „glückliche Insel“ zu erreichen.
Die feuchtmodrige Inselluft wechselte nun auf dem Schiff mit Diesel- und Rußgeruch.
Wir buchten zuerst zwei Betten auf dem Oberdeck weil es schwülwarm war.
Eine Obsttüte, die uns die liebe Ariane mitgegeben hatte, war schon nach einer Stunde von vielen Kakerlaken in Beschlag genommen, sie wurde schnellstmöglich über Bort geworfen Nun wurde auf Unterdeckskabine umgebucht, aber auch da waren diese niedlichen Tierchen. Es gab aber ein Kühlaggregat, das auf frosten gestellt wurde und schon bald waren sie verschwunden. Wie bereits im ersten Teil anfangs erwähnt, wussten wir nicht, was uns auf Rimatara erwartete. So ließ uns die Sorge um Unterkunft und Verpflegung auf der Nachtfahrt zur 150 Km entfernten Insel nicht schlafen. Oder waren es das laute Schiffsgeräusch, die Kälte oder gar die Krabbeltiere?
Mir war außerdem Speiübel (bin eigentlich nie Seekrank) und lief ein paar mal an Deck. Dabei musste ich über einige Bootsleute steigen, die in den engen Fluren halbnackt auf dem kühlen Eisendeck schnarchten. Um drei Uhr morgens fiel der Anker, man konnte die Insel schemenhaft erkennen. Kurz darauf leutete eine Glocke zum Frühstück beim Smutje in der Kombüse. Was wir dort sahen ist mit Worten kaum zu beschreiben. Die übergewichtige Mannschaft saß dort in verrauchter nach Schweiß, Oel und Fisch riechender Luft. Sie hatten sich wohl seit Tahiti (3 Tage) nicht mehr gewaschen und die Farbe ihrer zerfetzten Kleidung konnte man nur erahnen.
Sie schlürften fast allesamt eine Art Fischsuppe mit den Finger in den Mund und mit einem Stangenbrot wurde der Sud vom Teller gesogen. Alle Augen waren auf uns gerichtet, so trauten wir uns kaum umzuschauen. Ich musste etwas essen weil mein Magen total entleert war. Mit Müh und Not würgten wir unser Bagguet mit einem Becher Mukefuk herrunter und es blieb drin, wie erstaunlich!!
Beim Sonnenaufgang fuhr das Schiff näher an die Insel heran und zwei Boote wurden zu Wasser gelassen
Ankunft Rimatara
Mit ölverschmierten Schwimmwesten schleppten wir unser schweres Gepäck auf einer schmalen Leiter ins schwankende Boot und fuhren bei stürmischer See in den kleinen Hafen. Alle Ankömmlinge mussten an Land durch den Rauch angesteckter Kokosnüsse laufen, damit die bösen Geister nicht an Land kommen.
Ein französischer Polizist erteilte uns dieselbe Auskunft, die meine Nachforschungen ergeben hatte: Es gäbe keine Gästehäuser und keine Taxis, aber die Verpflegung wäre kein Problem. Wenig später sprach er mit einem dunkelhäutigen Mann, den er uns als Simeon vorstellte. Simeon ist ein gebürtiger Insulaner und im Management der Gartenbaugesellschaft von Rimatara tätig. Er war sofort bereit, uns für 14 Tage in seinem Haus aufzunehmen. Uns fiel ein Stein vom Herzen, auf einmal waren alle Probleme gelöst, denn er sorgte auch für den Transport und unser leibliches Wohl. Simeon sprach auch ein wenig Englisch und erzählte uns, dass er schon einmal als Soldat in Deutschland war. Offenbar müssen alle Polynesier in Frankreich ihren Wehrdienst leisten.
Simeons Haus steht im Hauptort Amaru, es ist wie die meisten Häuser hier mit verputzten Steinen erbaut. Mit einer Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, zwei Kinderzimmern und einem Bad hat es alles was eine Familie braucht. Zur Zeit ist nur einer seiner Söhne hier und seine Frau arbeitet im Krankenhaus auf Rurutu.
Ob in Deutschland wohl jemand bereit wäre wildfremde Menschen aus einem fernen Land bei sich aufzunehmen?, ich glaube kaum!
Schon am ersten Tag brachte Simeon uns zu einer Stelle wo wir die Loris fanden.
Wir beobachteten ein Pärchen Rubinlori mit Jungvögel und waren begeistert von ihren bunten Farben. Ich konnte schon die ersten Videoaufnahmen machen.
Wir werden mit heimischer Kost verwöhnt aber es ist auch etwas gewöhnungsbedürftig, da fast alles ungewürzt gegessen wird. Grundnahrungsmittel der Insel sind Reis, Taro ( hat Eigenschaften wie Kartoffel) Brotfrucht, Linsen (eingeführt) und Obst. Die Brotfrucht wird mit der Schale im offenen Feuer gegart, danach weich geklopft und geschält. So kommt sie dann auf den Tisch.
Manchmal geht Simeon nachts auf das Riff und fängt mit einem Wurfnetz bunte Fische. Wenn wir morgens aufstehen sind sie oft schon fertig gebraten und schmecken köstlich aber morgens vermisste ich meinen Toast mit Marmelade oder Käse. In einem kleinen Laden fanden wir kurz darauf alle drei Sachen und sogar ein gut schmeckendes Bier.
Inselbeschreibung
Es gibt drei kleine Dörfer auf Rimatara und jedes hat seine eigene Kirche, der Hauptort Amaru hat sogar zwei. Die c´ 950 Menschen ernähren sich hauptsächlich von dem was in der fruchtbaren Vulkanerde wächst. Sie führen sogar einige Obstsorten und handwerkliche Produkte aus. Es gibt eine Ambulanz, zwei Schulen, eine Sporthalle, ein Gemeindehaus mit Bürgermeister und Polizei, eine Post und ein paar kleine Läden in denen man Nahrung, Getränke und häusliche Gebrauchsgegenstände kaufen kann.
In Küstennähe gibt es sumpfiges Gelände, das zum Teil für den Anbau von Taro, einem Grundnahrungsmittel der Einwohner, genutzt wird. An erhöhten Stellen wachsen Kokospalmen, Bananen-, Papaya-, Mango-,Zitrus-, Kastanien- und Noni-Bäume. An der befestigten Strasse (7km lang), die die drei Dörfer miteinander verbindet, wachsen auch einige Kaffeesträucher. Fast alle Gebäude sind aus verpützten Steinen erbaut, teilweise mit Flach- oder Satteldach.
Airport
Simeon zeigte uns ganz stolz die erst jetzt fertig gestellte Landebahn und das Flughafengebäude, das man auf unfruchtbarem Karstgelände in 4 Jahren Bauzeit errichtet hatte. In vierzehn Tagen sollte das erste Flugzeug aus Tahiti landen.
Die fast kreisrunde Insel ist von einem schützenden Riff umgeben, der die großen Wellen des Pazifiks bricht und sanfter anrollen läst. Für den Hafen wurde eine Furt in dieses Riff gesprengt, um das Anlegen kleiner Boote zu erleichtern. Während die südwestliche Seite der c´ 80 meter hohen Insel zu einem flachen Strand ausläuft, fällt die nordöstliche Seite zum Teil klippenartig ins Meer.
Amaru war eine gute Ausgangsposition für die Beobachtung der Rubinloris. Wir konnten sie sogar von unserer Unterkunft aus sehen. In den Morgenstunden und spätnachmittags waren sie c´ 400 Meter vom Dorf entfernt fast immer anzutreffen. Die Loris suchen ihre Nahrung in den Blüten hoher Palmen und vieler anderer Baumarten. Sie lecken dabei mit ihrer pinselartigen Zunge den Pollen und den Nektar aus den Blüten. Weil immer etwas Blütenstaub in ihrem Gefieder hängen bleibt, tragen sie so auch zur Befruchtung der Blüten bei. Wie viele andere Loriarten nutzen die Rubinloris auch reife Früchte, frische Blatttriebe und Knospen als Nahrungsquelle, auch suchen sie unter Blättern nach Insekten und deren Eier oder Larven.
Rimatara ist vermutlich die Ursprungsheimat der Rubinloris. Auf den etwa 3000 km weiter nördlich liegenden Inseln Teraina und Tabuaeran soll er von den Polynesiern eingeführt worden sein. Für die berühmten Seefahrer waren die bunten Federn ein begehrtes Handelsobjekt. Reiche Insulaner auf zahlreichen Inseln im Pazifik kauften diese Federn, um sich damit zu schmücken. Dieses ist einer der Gründe, dass es die schönen Maidloris nur noch auf wenigen, zum Teil unbewohnten Inseln gibt. Nach mündlichen Überlieferungen haben die Königinnen von Rimatara das Fangen der Loris und den Handel mit ihren Federn verboten und bis heute wird der hier „Ura“ genannte Vogel von den Bewohnern geliebt und verehrt. Dies ist mit Sicherheit ein Grund dafür, dass er hier noch recht zahlreich vorkommt. Zugleich zeigt sich, dass der Mensch die größte Bedrohung darstellt, denn auf den benachbarten Cook-Inseln, auf denen Rubinloris einst lebten, galt dieses Gesetz nicht.
Gastfreundliche Insulaner
Die Menschen, so haben wir nach vierzehntägigem Aufenthalt empfunden, sind wirklich glücklich und zufrieden, sie sind überaus freundlich und hilfsbereit.
Ihr Lebensstandart würde ich mit meiner Kindheit, vor 50 Jahren vergleichen, allerdings damals ohne protzige Autos, Fernseher, Computer und Handys.
Wir wurden vom Nachbarn unseres Gastgebers (protestantischer Pastor) zu einem Gemeindefest mit anschließendem Barbeque nach Anapoto eingeladen. Es ist ein Fest das alljährlich stattfindet, wobei uniformierte Jugentliche aufmarschierten und die Fahnen der Insel gehisst wurden. In der Kirche übernahmen zuerst die Frauen das Reden, danach unser Pastor und ein auswärtiger Geistliche.
Es wurden beindruckende Lieder gesungen, wobei die Frauen mit hellen Stimmen beginnen und danach die Männer den Barriton hinein schmettern. Wir wurden als Gäste vorgestellt und durften diese Zeremonie filmen.
Die Honorationen begrüsten uns danach per Handschlag und luden zum Essen und trinken ein. Ich erzählte, daß wir wegen ihrem heiligen Vogel, dem Ura, angereist waren. Leider war die Verständigung sehr schwierig da ich nur etwas englisch spreche und hier französisch gesprochen wird.
Over the Top
Von der Hochebene ( c´85 meter) hatte man eine schöne Sicht auf den südlichen Pazifik, nach Norden versperren hohe Kasuarinenbäume die Sicht auf die Küste.
Wir wurden hier Zeugen einer größeren Veränderung der ursprünglichen Landschaft. Ein mit Gras und Sträuchern bewachsenes Plateau wurde vom stellvertretenden Bürgermeister für die Anpflanzung von Noni-Bäumen vorbereitet. An den Abhängen ins Tal standen schon viele junge Bäume. Die Früchte dieser schnell wachsenden Pflanze sind ein begehrtes Einfuhrobjekt für die Saftindustrie in den USA und Japan und bringen hohe Renditen für die Plantagenbesitzer. In den drei Dörfern konnte man erkennen, wer mit diesem Geschäft zu tun hat, denn vor deren Häusern standen neue große Pritschenwagen unter Carports, und Zierpalmen verschönerten die großen Gärten. Es ist also hier wie überall auf der Welt, die Natur muss dem Profit der Menschheit weichen.
Besuch bei Einheimischen
Mit Simeon besuchten wir die Schule von Anapoto, wo wir geschnitzte Andenken kauften, seine Nachbarn, die uns zwei Hüte anfertigten, eine ehemalige Insulanerin, die seit 40 Jahren in Bremen lebt und zufällig hier Urlaub machte, seine Tante, die aus Pandagras riesige Teppiche flocht, seinen jüngsten Bruder, der Elektromeister im Kraftwerk war, wir kannten zum Schluss die halbe Insel. Auch in seiner Kirche der "Seven Day Church" besuchten wir einen Gottesdienst. Auf dem Altarbild sind zwei endemische Vogelarten in ihrer ursprünglichen Vegetation gemalt. Es zeigt die Verbundenheit zu ihrer einstigen Königin Tamaeva II, unter derem Schutz diese Vögel noch heute stehen.
Abschied von Rimatara
Wir hatten die Wahl, 36 Std. mit dem Frachter oder 3 Tage früher, mit dem Jungfernflug zurück nach Tahiti. Die Wahl fiel uns nicht schwer. Unser lieber Simeon schaffte es, das wir mit dem ersten vollbesetzten Flieger zurück fliegen durften. Unser Gepäck brachte sein Bruder am nächsten Tag ins Flugzeug und Simeon, der mit uns geflogen war, lieferte es in unsere Pension. Der Flughafen wurde feierlich vom Pastor und dem Bürgermeister eröffnet.
Zurück auf Tahiti
Dieses mal wohnten wir bei einer netten alten Dame namens Lola, am Hang über dem Airport. Ihr Haus hatte zwar null Sterne aber das waren wir schon gewohnt. Simeons Frau lud uns abends zu einem reichhaltigen, köstlichen Dinner ein. Er fuhr mit uns zu Sehenswürdigkeiten der Insel, wie die Kultstätte der Polynesier in Paea, wo noch heute spirituelle Tänze aufgeführt werden, oder das Ozeanium, ein ins Korallenriff gebautes Aquarium.
Morea
Am letzten Tag luden sie uns zu einem Besuch bei seinem Bruder ein, der auf Morea ein Häuschen sein eigen nannte. Mit einem großen Katamaran ging es in schneller Fahrt zu dieser imposanten Insel. Seine Familie begrüßte uns so herzlich als würden sie uns schon lange kennen und gemeinsam fuhren wir entlang der herrlichen Küste zu Ihrem Heim. Nach dem Reifenwechsel eines alten Jeeps zeigten sie uns die gesamte Insel. Zum Beispiel die Bucht in dem Käptain Cook als erster Europäer einfuhr oder die größte Ferienanlage mit dressierten Delfienen. Sie fuhren hinauf in die Berge wo Simeon studiert hatte und zeigten uns die Stelle, wo man in zwei herrliche Buchten schaut, die von einem Berg getrennt sind. Am Nachmittag war baden am weißen Strand mit Sicht auf Tahiti angesagt. Es war ein wunderschöner Ausklang unserer abenteuerlichen Reise in die Heimat der Maidloris. Wir hätten es nie für möglich gehalten, solchen Menschen zu begegnen, die ihre Arbeit liegen lassen und wildfremde Menschen aufnehmen, bewirten, rumkutschieren und immer nur freundlich lächeln.
Ach gäbe es bei uns doch so eine Insel!!
Mit einem wehmütigen, letzten Blick auf das zweitgrößte Atoll (Rangiroa) der Welt verlassen wir am 30. März 2006 die zauberhafte Inselwelt Polynesien. Wir werden zurückkehren, versprachen wir uns, denn den Smaragdlori haben wir noch nicht gesehen. Die meisten Fotos dieses Berichtes wurden vom Mitreisenden Bernd- H. Gerischer gemacht.
Wenn jemand die wunderschönen Bilder sehen möchte, die mein Freund Bernd von diesen Vögeln malt, seht bitte auf diese Seite: http://gerischer.panther-art.de/index.html
Es gibt dort auch kurze Filmszenen von mir
-
einsehr interessanter Bericht mit tollen Aufnahmen !!
-
Vielen Dank für diese "Entführung" nach Polynesien. Traumhaft! Habe Deinen wunderschönen Bericht mit großem Interesse gelesen und dabei auch viel Neues dazugelernt, z.B. hatte ich noch nie etwas von Pinselzungenpapageien gehört.... Deine hervorragenden Fotos haben mich außerdem begeistert.
Gruß! Ursula -
I love parrots, but have never seen this particular type of Lori before. Beautiful! Also thanks for the memories if Moorea. It's paradise! VG, Silvia
-
Vielen Dank für eure Kommentare,
Ursula, den Bericht habe ich zwar geschrieben (mein Erster) aber viele der schönen Bilder hat mein Freund Bernd gemacht.
Wünsche ein frohes Fest und nen guten Rutsch
Johann -
Hallo, Johann Dein "erster" Bericht ist wunderbar zu lesen, man wird entführt und lernt auch noch einiges. Es kommt auch die Spannung ( z. B.mit dem Frachter) und vor allem die Warmherzigkeit Eurer neuen Freunde rüber....mir hat er viel Freude gemacht,
Danke und liebe Grüße von Christel -
Hi Johann,
wir sind zwar keine Vogelliebhaber, dafür aber begeisterte Taucher. Ich habe einige Jahre als Tauchlehrer auf den Malediven gelebt/gearbeitet. Während unserer Weltreise letztes Jahr haben wir Fiji und Hawaii besucht. Franz. Polynesien war zwar eine Idee (Rangiroa soll ja megageil zum Tauchen sein), war uns dann aber doch zu teuer. Aber irgendwann mal werden wir es dorthin schaffen!
Vielen Dank für den informativen Bericht, die Bilder und den "Guster", den du uns gemacht hast. Lg Florian -
Hallo Florian,
besten Dank für deinen Kommentar.
Bei der zweiten Reise (Der Smaragdlori von Ua Huka) haben wir mit Familienanschluss auf Rangiroa gewohnt.
Es gibt dort auch Privatpensionen, man darf allerdings keine drei Sterne erwarten.
Unser Freund könnte euch bestimmt behilflich sein, was günstiges zu finden.
Unser Urlaubziel heist dieses Jahr Südtirol.
Lieben Gruß von der Nordseeküste
Johann -
nach oben
-
Hi Johann, na Südtirol ist ein echter Kontrast zur Südsee*g*. Falls es uns wirklich wieder mal in die Südsee zieht, dann werde ich dankend auf dein Angebot zurückkommen. Einstweilen vielen Dank und alles Liebe - Florian
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen