Kaunas-Klaipeda-Kurische Nehrung - eine Reise durch Litauen

Reisebericht

Kaunas-Klaipeda-Kurische Nehrung - eine Reise durch Litauen

Reisebericht: Kaunas-Klaipeda-Kurische Nehrung  -  eine Reise durch Litauen

Im September 20010 fliegen wir nach Kaunas, übernehmen ein Mietauto und fahren nach Klaipeda. Von dort geht es zum Höhepunkt der Reise, auf die Kurische Nehrung. Noch ein kurzer Abstecher nach Palanga und schon ist Kaunas wieder in Sicht

Es ist schon dunkel, als die Boeing der Ryanair in Bremen abhebt. Gut 100 Minuten und eine Skatrunde später landen wir in Kaunas, hier ist die Uhr wegen der Zeitverschiebung schon um eine Stunde vorgerückt. Die Abfertigung geht zügig vonstatten und ein Pass oder Ausweis braucht nicht mehr vorgezeigt zu werden. Im Flughafen versorgen wir uns an einem Automaten mit dem nötigen Kleingeld und fahren dann mit einem Taxi zum Hotel „Kaunas“.

Jetzt, bereits nach Mitternacht, sind die Unterhaltungsmöglichkeiten gering. Eine Diskothek in unserer Straße und ein Burger in der Nähe sorgen dafür, dass wir nicht hungrig oder durstig ins Bett müssen. Unser Hotel liegt an der Laisvės alėja, der Freiheitsallee, einer breiten Fußgängerzone mit schönen schattigen Baumreihen in der Mitte, zentral und in Sichtweite zur Altstadt.

Am nächsten Morgen, nach einem sehr guten Frühstück, fahren wir wiederum zum Flughafen und nehmen dort unser Mietfahrzeug in Empfang. Es handelt sich um ein Auto japanischer Herkunft, das von einigen unserer Mitreisenden argwöhnisch betrachtet wird, mir aber bestens gefallen hat.

Bis Klaipėda sind es nur 217 km, wir können die Strecke auf der Autobahn also in gut zwei Stunden schaffen. Fakt ist jedoch, dass wir erst nach 7-stündiger Fahrt eintreffen. Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint vom Himmel und wir nutzen jede Gelegenheit, um bei den reichlich vorhandenen Raststätten eine Spiel- und Rauchpause einzulegen. Manchmal zwingt uns allerdings ein allzu heftiger Wind, ins Lokal hinein zu gehen. Eine Speisekarte in englischer Sprache ist in den meisten Fällen vorhanden, in der letzten Station werden nur alkoholfreie Getränke verkauft.


Klaipėda

Gegen Abend erreichen wir Klaipėda und fahren ohne Umweg direkt zum Hotel „Klaipėda“, das vor einigen Wochen in „Amberton“ umfirmiert hat. Vor ziemlich genau 11 Jahren, während meiner Reise durch das Baltikum, war ich hier ebenfalls abgestiegen. Aber wie hat es sich verändert, ich erkenne rein gar nichts wieder. Der postsowjetische Charme, den ich in Erinnerung habe, ist nicht mehr vorhanden. Uns werden Zimmer im neuen Teil der Anlage, dem so genannten K-Zentrum, zugewiesen, aber vorher fahren wir mit einem der Panoramafahrstühle in die Bar im 20. Stock, spielen Karten, trinken frisch gezapftes Bier und genießen den perfekten Blick auf das Kurische Haff, den Hafen und die Nehrung – und das alles begleitet von einem romantischen Sonnenuntergang.

Klaipėda, das frühere Memel, hat rund 188.000 Einwohner, darunter knapp 30 % Russen. Alte Speicher und Fachwerkhäuser zeugen davon, dass das Memelland bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs zum deutschen Reich gehörte, denn der typische Baustil des Baltikums ist anders und Fachwerk gehört absolut nicht dazu.

Wir gehen über den Fluss Danė (Dange), der Windjammer „Meridianas“ liegt hier nach wie vor fotogen vor Anker. Natürlich steuern wir auch die vielleicht bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt an, das Standbild „Ännchen von Tharau“ mit dem Simon-Dach-Brunnen auf dem Theaterplatz. Tagsüber ist diese Gegend den Souvenirhändlern vorbehalten. Das Alte Theater und das Schauspielhaus, verschiedene Restaurants und Bistros sind hier angesiedelt. So auch ein paar Schritte weiter das „Memelis“, ein alter Speicher direkt am Fluss. Wir nehmen, obwohl der Kalender schon Herbst anzeigt, draußen auf der Terrasse Platz, spielen Karten und essen zu Abend. Später wechseln wir noch ins „Hemingway´s“.


Kurische Nehrung

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Kurischen Nehrung. Gefühlte zwei Minuten benötigt die Autofähre, die uns von Klaipėda über das Haff auf die Nehrung bringt. Eine große Hinweistafel am anderen Ufer versorgt uns mit Informationen. Im Reiseführer wird Wilhelm von Humboldt zitiert: „Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll“.

Die Landzunge misst insgesamt 98 km, 52 km befinden sich auf litauischem Gebiet und 46 km in der Kaliningrader Oblast. Eingeschlossen wird die Nehrung im Westen von der Ostsee und an der östlichen Küste vom Kurischen Haff, die breiteste Stelle beträgt knapp vier Kilometer. Der Nationalpark gehört zum UNESCO-Welterbe.

Nachdem wir 50 Litas für Maut, das entspricht rund 14,50 Euro, entrichtet haben, kann die Reise beginnen. Simon erweist sich wieder als sicherer Fahrer, Harms, Heiner und Wilfried sitzen im Fond und überlassen mir als Rekonvaleszenten freundlicherweise den Beifahrerplatz.
Nach einigen Kilometern halten wir an und gehen ans Haff, es herrscht friedliche Samstagsstille, ab und zu fährt ein Auto vorbei. Einige Vogelschwärme fliegen über uns, angeblich befindet sich hier in der Gegend die größte Kormorankolonie des Landes. Auch Elche sind noch auf der Nehrung beheimatet, wir jedoch haben keinen gesehen. Die Sonne meint es gut mit uns so wird dieser Tag als Höhepunkt unserer Litauen-Reise in Erinnerung bleiben.

Kurz darauf ist Juodkrantė (Schwarzort) erreicht. Wir spazieren am Haff entlang und legen dann eine kleine Kartenpause ein. Schöne Holzhäuser, viele restauriert und frisch angestrichen, verleihen diesem Ort einen gewissen Charme. Gemütliche Hotels in malerischen Gebäuden lassen in uns den Gedanken keimen, vielleicht noch einmal hierher zurück zu kehren. Ich kannte Juodkrantė bisher nur vom Durchfahren, denn bei der ersten Reise hatte ich mich nur in Nida aufgehalten. Dass es sich um einen früheren weltbekannten und mondänen Kurort handelt, ist heute nur schwer vorstellbar.

Kurz hinter dem Ortsschild verlassen wir die Hauptstraße und fahren über einen holprigen Waldweg an die Ostsee. Kleine Holztritte erleichtern das Klettern über die Dünen und dann liegt der Strand vor unseren Augen. Zu beiden Seiten kilometerlanger weißer Sand – und das exklusiv für uns, denn es ist so gut wie keine weitere Menschenseele in Sicht. Man hätte jetzt, Ende September, bestimmt noch ins Wasser gehen und baden können, wenn da nicht die roten Warnflaggen gewesen wären.
Häufig begegnen wir Pilzsammlern, ihre Körbe bersten unter der Last der reifen Früchte.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Nida (Nidden), die bekannteste und wohl auch beliebteste Ferienstätte der Nehrung. Wir fahren durch den Ort und halten vor einem kleinen Lokal. Deutsche Gäste sitzen davor an Holztischen und versichern uns, dass es hier den besten Fisch gibt. Wir brauchen nicht lange zu überlegen und nehmen die Empfehlung gern an. Der Zander schmeckt ausgezeichnet und gibt uns die nötige Kraft für die Dünenbesteigung.

Nida ist im Vergleich zu meinem ersten Besuch noch schöner geworden. Die gemütlichen Fischerhäuser mit ihren gepflegten Vorgärten strahlen um die Wette. Geschnitzte Holzfiguren, die gelegentlich auf dem Rasen aufgestellt sind, verleihen dem Ganzen noch einen besonderen Reiz. Hier ist in den letzten Jahren viel investiert worden. Durch einen Kiefernwald nähern wir uns der 52 m hohen Parnidder Düne. Nun sind noch 170 Treppenstufen zu bewältigen und schon ist der Sandberg erklommen. Der Aufstieg ist unbedingt empfehlenswert, das Panorama, das sich einem bietet, phantastisch. Das Haff, die Ostsee und das Kaliningrader Gebiet, alles ist wunderbar zu erkennen. Viele andere Gäste, darunter ein Brautpaar, genießen ebenfalls die wunderbare Aussicht. Es ist schon außergewöhnlich, manchmal hat man den Eindruck, in Südeuropa zu sein.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Heimweg und fahren noch beim Thomas-Mann-Haus, das allerdings geschlossen ist, vorbei. In diesem, auch „Onkel-Tom´s-Hütte“ genannten, Anwesen hielt sich der Nobelpreisträger während der Sommermonate der Jahre 1930 bis 1932 auf.

Auf dem Rückweg verlassen wir noch einmal die Hauptstraße und streifen einen kleinen am Kaff gelegenen Ort. Meine Sorge, die Fähre nach Klaipėda könnte nach Einbruch der Dunkelheit ihren Dienst schon eingestellt haben, erweist sich als unbegründet, allerdings müssen wir eine knappe Stunde warten, bevor wir das Schiff betreten. Ein satter Vollmond beobachtet das Treiben.

Die restlichen Abendstunden verbringen wir wieder in der Nähe des Rathausplatzes. Unsere Stimmung könnte besser nicht sein, hatte Werder doch gerade den HSV mit 3:2 besiegt. Jetzt noch ein paar Skatrunden im 20. Stock unseres Hotels und ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende zu.

Auch am nächsten Morgen scheint, entgegen der Internet-Wettervorhersage, die Sonne. Da uns das Auto noch den ganzen Tag zur Verfügung steht, entscheiden wir uns für einen Abstecher nach Palanga, denn schließlich ist dieser Ort nur 27 km vom früheren Memel entfernt.

Jetzt sind wir also im größten Ferienort Litauens. Wir parken in der Nähe der Promenade und wandern zum Strand. Auch hier weißer Sand, der sich bis zum Horizont erstreckt. Viele Gäste machen ihren Sonntagsspaziergang, ich fühle mich etwas an Jurmala bei Riga erinnert. Am Ende der Promenade laden feste Bänke zum Verweilen mit Blick auf die Ostsee ein. Restaurants, Imbissbuden und Souvenirläden sind in ausreichender Anzahl vorhanden. Trotz emsigen Spähens gelingt es uns aber nicht, eine Matrjoschka als Mitbringsel zu erwerben. Das Feilbieten dieser Puppe erinnert wohl doch noch zu sehr an die vergangene sowjetische Zeit.

Nach Autobahn steht uns auf der Weiterfahrt nicht der Sinn und so orientieren wir uns auf der Landstraße nach Plungė und halten uns dann südlich. Einmal wollen wir noch einkehren, verlassen die Straße und stoppen vor dem „Aleksandravo“. Das wunderbar restaurierte Haus liegt im Wald versteckt an einem kleinen See und wir verbringen einige Stunden in dieser heimeligen Atmosphäre. Hier werden auch Cepelinai angeboten, eine landestypische Speise aus geriebenen Kartoffeln und Hackfleischfüllung. Mir haben sie gut geschmeckt.

Nun dauert es nicht mehr lange bis zur Autobahn.

Es ist schon dunkel, als wir Kaunas erreichen. Das Wetter hat umgeschwenkt und die Scheibenwischer haben Probleme, mit dem Regen fertig zu werden. Leider ist der Flughafen nicht frühzeitig ausgeschildert und so müssen wir einmal an einer Tankstelle nachfragen. Die Verständigung ist nicht besonders, da unser freundlicher Helfer nur ein paar Brocken Englisch spricht. Schließlich erreichen wir doch noch unser Ziel, geben das Auto ab und fahren mit dem Taxi ins Hotel.


Kaunas

Jetzt sind wir also zurück in Litauens mit über 350.000 Einwohnern zweitgrößter Stadt. Die Altstadt, wo sich das touristische Geschehen abspielt, liegt etwa einen Kilometer vom Hotel entfernt und ist schnell erreicht. In der an beiden Seiten von Geschäften, Souvenirshops und Lokalen gesäumten Fußgängerzone finden wir tatsächlich, obwohl nur 4 % der Stadtbevölkerung aus Russen besteht, die begehrte Matrjoschka.

Kurz bevor wir den Rathausplatz betreten, besuchen wir die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale, das größte Bauwerk der Altstadt und größtes gotisches Gebäude Litauens. Ihr 42 m hoher Turm ist weithin sichtbar. Sehr beeindruckend ist der Hauptaltar.

Und dann sind wir auch schon am Rathausplatz, auf dem früher Märkte abgehalten wurden. Unser Blick fällt sogleich auf den „Weißen Schwan“, ein weißes Gebäude im Zentrum des Platzes mit schlankem 53 m hohem Turm. Das frühere Rathaus wird jetzt als Standesamt genutzt, im Untergeschoss befindet sich ein Keramikmuseum. Am Platz bzw. in unmittelbarer Nähe sieht man dann noch weitere Kirchen, Museen und renovierte Bürgerhäuser. Das Wetter meint es wieder gut mit uns und beschwingt machen wir uns auf den Weg zu den Aleksotas-Hügeln.

Auf der Vytautas-Brücke überqueren wir die Nemunas, den Fluss, der in der deutschen Vorkriegs-Nationalhymne noch als „Memel“ bezeichnet wurde. Eine Standseilbahn fährt lt. Reiseführer in regelmäßigen Abständen auf den Hügel, allerdings nicht heute, denn sie wird repariert. Harms und Heiner lassen sich davon nicht beirren und nehmen die 262 Stufen in Angriff. Die Aussicht auf Stadt und Fluss ist, wie sie später berichten, sehr interessant. Allerdings kann von dieser Stelle aus nicht der Zusammenfluss von Nemunas und Neris, wie im Reiseführer beschrieben, erkannt werden.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause haben wir noch einen Punkt auf dem Programm, nämlich die Burganlage, die erste Festung Litauens, gelegen am Ufer des Flusses Neris. Ein Besuch der Kunstausstellung im Inneren ist nur während der Sommermonate möglich und somit uns nicht mehr vorbehalten. Aber es stört nicht. Wir suchen uns stattdessen ein Lokal mit stabilem Kartentisch. Es hat mittlerweile angefangen zu regnen, aber auch das ist uns jetzt egal.

Nun ist auch schon der letzte Tag unserer Reise angebrochen. Bevor wir zum Flughafen aufbrechen, gehen wir noch zum Unabhängigkeitsplatz mit der Hl.-Erzengel-Michael-Kirche und fahren dann mit einer anderen Standseilbahn auf den vor uns empor steigenden Stadthügel. Hier kann die von der Innenstadt sichtbare moderne Auferstehungskirche besichtigt werden. Zwei Runden Skat und ein Mittagessen später rufen wir das Taxi.



Fazit

Die Reise hat sich gelohnt, gerade von Bremen ist es dank Ryanair sehr einfach, Litauen zu erreichen. Eine andere Möglichkeit, die wir auch schon vorher in Betracht gezogen hatten, wäre, mit der Fähre von Kiel bis Klaipėda zu fahren. Allerdings berichten die Medien gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, von einer Explosion auf einer Fähre zwischen Deutschland und Litauen.

Das Land hat sich seit der Unabhängigkeit sehr entwickelt, auch wenn hier und da noch ein Tupfer Farbe angebracht wäre.
Litauen ist ein sehr preiswertes Urlaubsland. Das Preis/Leistungsverhältnis bei Essen, Trinken und Unterkunft ist für europäische Verhältnisse sehr günstig.

Auch die Verständigung stellt kein Problem dar. Von Ausnahmen abgesehen, fanden wir immer Menschen, die uns auf Englisch weiterhelfen konnten, in den Lokalen und Hotels sowieso. Und Verständigungsdefizite können ja auch durchaus den Reiz einer Auslandsreise ausmachen.

Für Reisende aus EU-Ländern und der Schweiz besteht keine Visumpflicht mehr.

Der Geldtausch ist relativ einfache. Kreditkarten werden in den meisten Hotels und Geschäften akzeptiert, Geldautomaten stehen, zumindest in den größeren Ortschaften, ausreichend zur Verfügung.



Weißer Schwan

Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Kaunas-Klaipeda-Kurische Nehrung - eine Reise durch Litauen 4.83 6

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps